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Reisebericht: Winter in Kirgisistan
Ein Reitausflug in der kirgisischen Winterlandschaft
Maksat ist 20 Jahre alt, und eines Tages wird ihm der Hof mit der kleinen Landwirtschaft und all den Pferden, Kühen und Schafen gehören. Bis dahin vergehen aber wohl noch etliche Jahre, denn sein Vater Ömurbek ist 46 und erfreut sich bester Gesundheit. Maksat führt unsere Gruppe, er reitet an der Spitze, überzeugt sich immer wieder, dass wir ihm folgen und ist sofort zur Stelle, wenn einer von uns ein Problem signalisiert.
Wir sind im Dorf On-Archa im Herzen von Kirgisistan. Der Ort und die Umgebung sind tief verschneit, es ist Februar, und die Tagestemperaturen liegen bei –12° bis –15°, in der Nacht bei –25° und kälter. On-Archa liegt im Oblast Naryn, der größten, kältesten und einer der ärmsten Provinzen des Landes. Um hierher zu kommen, muss man den über 3000 m hohen Dolon-Pass überqueren – zu dieser Jahreszeit ein manchmal wagemutiges Unterfangen. Trotzdem sieht man auf der Straße viele mit Schrott und Altmetall beladene LKW auf dem Weg nach Süden, nach China. Die Straße ist von einer soliden Schneeschicht bedeckt, liegengebliebene oder havarierte Trucks säumen den Fahrbahnrand, und an mehreren Stellen sind Lawinen niedergegangen, durch die man enge Durchlässe herausgestochen hat, so dass die Straße passierbar bleibt. Nichts erinnert daran, dass diese Route ein Teil der geheimnisvollen historischen Seidenstraße ist.
Auf der Farm von Makats Vater haben wir uns die Pferde für einen winterlichen Ausritt ausgeliehen. Es geht zunächst vorbei an neugierigen Zuschauern durch das winterlich verschneite Dorf und dann hinaus ins freie Gelände. Die Landschaft ist reizvoll. Wir folgen einem zugefrorenen Bachlauf, überqueren ihn mehrfach, steigen dann hinauf und sehen den Bach nun 50 Meter unter uns und ringsum schneebedeckte Gipfel. Die Temperatur an diesem Vormittag dürfte bei –15° liegen, aber die Sonne scheint, es ist windstill, und die Luft ist trocken, so dass man die Kälte nur wenig spürt. Wir sind umgeben von 3000 und 4000 m hohen Bergen, die von makellosem Schnee bedeckt sind. Die Natur scheint unberührt, kein Mensch ist zu sehen, und zahlreiche Wolfsspuren erinnern daran, welche Bewohner in den Wäldern am Fuß der Berge zu Hause sind.
Unsere Tiere sind „At“, d.h. Reitpferde, ihre weniger glücklichen Artgenossen sind „Jylky“. So nennt man in Kirgisistan Pferde, die nur zum Zweck des Verzehrs gehalten werden. Ihr Fleisch kann man neben Schaf und Rind auf jedem Markt kaufen, und Pferdefleisch isst man traditionell bei Begräbnisfeiern. Jylky-Pferde sind hier ganzjährig im Freien, selbst auf tief verschneiten Wiesen und Hängen finden sie etwas Essbares. Unsere Reitpferde sind robuste, genügsame und widerstandsfähige Tiere. Mein Pferd ist ein 6-jähriger Hengst, der gottlob eine gutmütige Natur hat und prompt und gehorsam auf meine Kommandos reagiert. Unsere Gruppe wird überholt von einigen Jugendlichen, die im Galopp durch den Schnee jagen. Kinder lernen hier frühzeitig, sich auf dem Pferderücken fortzubewegen, 6- oder 7-Jährige im Sattel zu sehen ist keine Seltenheit
Um hier mitzureiten, muss man nicht unbedingt ein erfahrener Reiter sein, denn das Tempo ist langsam, meist gehen die Pferde im Schritt, fallen aber gern in einen leichten Trab, sobald man die Zügel locker lässt. Vorsicht und Aufmerksamkeit sind dennoch geboten, denn der Untergrund kann tückisch sein. Unter dem Schnee finden sich immer wieder Eisflächen, auf denen die Tiere ausrutschen, und wer darauf nicht vorbereitet ist, kann leicht unfreiwillig im Schnee landen.
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Wie bist Du auf die Idee gekommen, im Winter nach Kirgisistan zu reisen? Ich finde das Land faszinierend, aber wenn ich mal dorthin fahre, dann eher im Sommer. Dennoch gefällt mir Dein Bericht außerordentlich gut!
LG Susi -
Hallo Susi,
Deine Frage ist sehr berechtigt. Ich käme auch nie auf die Idee, im Winter in so ein Land zu fahren - zum Spaß. Ich war aber dort nicht zum Spaß, sondern zum Arbeiten, nämlich 8 Wochen lang als internationaler Wahlbeobachter bei der damaligen Parlamentswahl, und an einem freien Sonntag entstand dieser Bericht.
Grüße
Robert. -
Vielen Dank für die Aufklärung, Robert!
LG Susi
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