Reisebericht

Reisebericht: Genuss als Philosophie in grandioser Kulisse

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

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Das Weinland der Südsteiermark empfängt uns inmitten herrlich bewaldeter Hügel im tief liegenden Eichberg Trautenburg mit mächtigen Hopfenfeldern. Dabei sind wir Schlürferbegeisterte doch gerade des guten Weines wegen ins österreichische
Premiumland gekommen. Wollen natürlich auch unseren Gaumenfreuden frönen.

Nur ein paar Kilometer weiter hügelanwärts, und wir sind in unserer freundlich besonnten Weinwelt angekommen.



 
 
 
 
 

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Und hier bekommen wir dann auch gleich auf unserem angesteuerten Sattlerhof in Gamlitz von Willi Sattler eine Erklärung zu dem unten im Tal wachsenden Hopfen: „Mit diesen krautigen Kletterpflanzen dort,“ so lächelt der freundliche Winzer, „braut die Firma Puntigama ganz exklusiv ein leckeres Jahrgangsbier.

Während Willi Sattler uns zur Begrüßung erst einmal ein gut gekühltes Glas Sauvignon blanc aus seinem Weinberg reicht, kommt Patron Hannes Sattler aus seiner Küche und heißt uns ebenfalls mit strahlenden Augen herzlich willkommen.



 
 
 
 
 

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Später dann stehen wir staunend hier inmitten von Weinbergen in einer blühenden
Gartenlandschaft unseres neuen Domizils und vergleichen dieses hügelige, kleinräumige Kuppenland mit dem uns ebenfalls lieb gewonnenen italienischen Piemont. Glänzt doch dieses Weingut hier durch seine zauberhafte, ruhige Lage. Nur wenige Schritte und man steht mitten in den Weinbergen, genießt den unverbauten Rundumblick auf kleine Gehöfte, die inmitten dieser herrlichen Weinlandschaft gepflanzt sind oder stolz auf ihren Kuppen thronen.

Wer wie wir ins Landhaus Sattler kommt, kann gewiss sein, etwas ganz besonderes zu erleben. Zum einen ist es natürlich das luxuriöse Ambiente des Vier-Sterne-Hotels, zum anderen, die grandiosen Weine von Willi Sattler und ohne Frage, die exzellente Kochkunst von Bruder Hannes. Zählt doch sein Restaurant zu den ausgezeichneten Gourmet-Tempeln der Steiermark.

Auf Anhieb haben wir das Gefühl, nach Hause gekommen zu sein. Das liegt
einerseits an der



 
 
 
 
 

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gemütlichen Eleganz der familienfreundlichen Gamlitzer Herberge und zum anderen an der ungezwungenen Natürlichkeit der Mitarbeiter. Schnell merken wir, dass der Wohlfühlgedanke in diesem Hause eine tragende Rolle spielt.

Wie ich dann an einem der nächsten Nachmittage mit meinem Winzer Willi in dieser Weinbauzone mit seinem Arbeitswagen unterwegs bin, um mir die Lagen dieser besonderen Tropfen anzusehen, fährt er mich aus dem Städtchen hinaus.



 
 
 
 
 

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Sein Pfarrweingarten, eine gut geschützte Südkessellage, liegt dann auch inmitten dieser sonnigen Hügel, die nur mit eingeschaltetem Allrad befahren werden können. Und während ich noch verkrampft die Luft anhalte bei diesem für mich ungewohnten Gefälle von 70 Prozent, hat er den Wagen bereits unten angehalten, stellt den Motor ab und zaubert eine mitgebrachte Flasche Wein hervor. „Dieser herrliche Sauvignon blanc wächst hier,“ strahlt er und hält mir das gefüllte Glas dieses glockenklaren und aromatischen Tropfens zum Kosten entgegen. Sein würziger Duft erinnert an gelben Paprika und Holunder.

Wie wir dort stehen, da horcht der passionierte Jäger kurz auf und zeigt auf ein Rehkitz, dass in einiger Entfernung inmitten seiner Reben zu uns hinüber schaut. Was meinen Winzer dann nicht ganz so erfreut. Hat er doch alle seine Reblagen gegen Wildeinbruch mit Zäunen gesichert.

Zu einem seiner weiteren Weinberge, dem Jägerberg, nimmt er dann auch augenzwinkernd eine Abkürzung durch dicht bewaldetes Hinterland. Und während wir durch einen dieser mächtig alten Hohlwege schaukeln und ich mich davor hüten muss, dass ich nicht mit dem Kopf unter die Wagendecke geschüttelt werde, erzählt Willi mir von seinen Großeltern. Die haben diesen Betrieb 1887 gekauft. Da war er aber noch oben am Berg und hatte keine günstige Verkehrslage. Da es die heutigen Strassen damals noch nicht gegeben hat, mussten sie alles über solche Hohlwege oder Ochsenwege wie diesem hier transportieren.

„Damals war eine gute Anbindung also entscheidend,“ erzählt der Spitzenwinzer und rudert mit festen Händen das Lenkrad seines Land Roovers Defender hin und her auf diesem unwegsamen Boden. „Und darum sind unsere Vorfahren dann vom Berg hier herunter gekommen. Und mein Vater hat dann 1964 begonnen, dieses Weingut wieder aufzubauen.



 
 
 
 
 

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Als Oenologe hat er dann komplett neue Ideen gehabt. Hat naturbelassene Weine gemacht mit ganz eigenem Weinstiel in einer Zeit, in der in dieser Region nur süße Weine produziert wurden. Er dagegen hat leichte, klare, trockene, fruchtbetonte Weine gemacht, wie sie die Region zuvor nicht kannte.“ Und das war unser aller Erfolgseinstieg, schwärmt der vierfache Familienvater.

In der Zwischenzeit sind wir an seinem Jägerberg angekommen. Hier, so erfahre ich, wird sein würziger Morillon angebaut. Die feine Nase erkennt getrocknete Apfelspalten und Haselnüsse sowie süße Bananenaromen.



 
 
 
 
 

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Zu seiner absoluten Spitzenlage, dem Kranachberg zwischen Gamlitz und Leutschach, ist es dann auch nur eine kurze Entfernung. Und hier wird zu hundert Prozent sein gutes Tröpfchen Sauvignon blanc angebaut.

Alles Adam, heiß es spontan im Viererpack, wie wir bei der Lindenblütenpflückenden, benachbarten Familie Adam aufs Grundstück schauen. Da sitzen alle Familienmitglieder vor ihrer Schreberhütte, haben mächtige Lindenzweige abgeschnitten und pflücken jetzt gemütlich plaudernd Stück für Stück die Blüten ab und schmeißen sie in die bereit stehenden Körbe.



 
 
 
 
 

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Danach werden sie gut eine Woche auf ihrem luftigen Dachboden trocknen, bevor ein Erkältungstee daraus gebraut werden kann. Augenzwinkernd wird auch nicht ausgeschlossen, dass der eine oder andere Schnapstee davon super schmecken wird.



 
 
 
 
 

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Auf seiner vierten Weinlage, dem Kranachsberg Bach, ist Willi stolz auf seine alten Welschriesling-Reben. Die 40 bis 45 Jahre alten Rebstöcke tragen zwar nicht mehr so üppig, dafür haben sie aber mehr Struktur und Würze. In der Nase Aromen nach reifen Gravensteiner Äpfeln und nach etwas weißen Pfirsichen. „Am Gaumen,“ so höre ich schwärmerisch, „schmeckt es wunderbar lebendig mit mineralischem Finale.“ Und das alles wächst auf diesem Boden hier. Als er das sagt, da bückt er sich und nimmt eine Hand voll Sandboden und hält ihn mir entgegen. Er ist mit Schotter und Kalk durchsetzt.

Man merkt dem bescheidenen Vollblutwinzer in seiner Arbeitskleidung nicht an, dass seine Sauvignon blancs heute von Spitzensommeliers rund um den Globus vor allem wegen ihres authentischen Charakters geschätzt werden. Ja sogar in Luxus-Privatjets, wie etwa der Amira Air, stoßen internationale Milliardäre und Stars mit seinen Weinen an.



 
 
 
 
 

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Genau so bescheiden tritt Bruder Hannes auf. Auch er hat als Küchenchef das Restaurant des Sattlergutes binnen weniger Jahre zu einer der ersten kulinarischen Adressen weit über die steirischen Grenzen hinaus bekannt gemacht. Das im gemütlichen Landhausstiel gestaltete Abendrestaurant, dessen Qualität von Gault Millau seit vielen Jahren gewürdigt wird, gilt mit seinen fantasievollen Küchenkreationen längst als Paradebetrieb im ganzen Land.

Bescheiden weist er auf über 20 Jahre, die er dieses Restaurant bereits leitet und immer Spitzenbewertungen bekommen hat. Bis heute ist er seiner Philosophie dabei treu geblieben. Da kauft er möglichst nur regionale Produkte. Wie Gemüse vom Biobauer, das Styria-Beef vom heimischen Rind, Almo Ochsenfleisch oder Lamm aus dem benachbarten Grubtal.

Besonders stolz ist er auf sein Lebenskraftmenü, das er seit drei Jahren auf seiner Speisekarte hat und das sehr gut angenommen wird. Dabei verzichtet er gänzlich auf Fleisch und Fisch und verwendet die Wild- und Gartenkräuter aus seinem eigenen Garten. Dabei findet der interessierte Gast die Wirkungsweise dieser Kräuter in der Karte, da sie in der heutigen Zeit gänzlich verloren gegangen sind. Frau Brigitte, „die wilde Hexe“ wie er sie lächelnd nennt, macht mit viel Liebe nicht nur fürs Restaurant Wildkräutersalz oder Bärlauchpesto, sondern auch Thymianblütensirup für die Hausgäste zum Mitnehmen.

Uns verschlägt es wie jeden Abend auf unsere lieb gewonnene Panorama-Holzveranda zum genüsslichen Teil des Tages. Da sind wir gespannt auf unser heutiges Menü:



 
 
 
 
 

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Eine Variation vom Bio-Saibling mit Karfiolcreme und Wiesenkräutern, gesulztes von der Roten Rübe mit Apfel-Krensorbet. Bries und Niere vom Kalb auf weißer Bohnencreme mit Bauernspeck und Saubohnen. Kranachberger Rehrücken mit Lauchpüree Stangenbohnen und Eierschwammerl. Und zum Nachtisch köstliche Sterzflammerie mit Marillenröster und Marillensorbet.

Wie wir dann an diesem letzten Abend nach so einem Genuss noch bei einem gemeinsamen Gläschen Wein vor dem Wirtshaus auf der Weingartenterrasse zusammen sitzen, da sagt Patron Sattler, dass eine Bewertung für ihn nicht wichtig sei. Lieber sei ihm dagegen, dass es seinen Gästen gefallen muss.



 
 
 
 
 

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Willi treffen wir in seinem Weinkeller an. Dort erzählt er uns bei einer kleinen Weinprobe, dass ihm das Thema „Bio“ sehr am Herzen liegt. So arbeitet er eng mit Fachleuten zusammen, bewirtschaftet Bio-Versuchsweingärten und hat nach vierjähriger Vorbereitung im vergangenen Jahr erstmals keinerlei Insektizide einsetzen brauchen. Dem heutigen Biotrend will er jedoch noch nicht so recht folgen, weil die klimatischen Bedingungen seines Steirischen Weinlandes den biologischen Weinbau heute noch nicht ohne Qualitätsverlust zulassen.

Wir lassen uns jeder noch ein leckeres Glas Wein ausschenken, nehmen es mit hinüber in unser kleines, elegantes Landhaus und beschließen den letzten Abend auf unserer Holzveranda. Dabei liegt große Stille über den Hügeln, die jetzt von Nebelschwaden heimgesucht werden und im Abendrot der untergegangenen Sonne rot leuchten.

Gerd Krauskopf



Infos:

zum Sattlerhof



Gut gewohnt und kulinarisch verwöhnt

wurden wir im Sattlerhof bei Maria und Willi Sattler, Sernau 2, 8462 Gamlitz, Tel: 0043 (0)3453/2556, Fax: 0043 (0)3453/5732, weingut@sattlerhof.at, www.sattlerhof.at



 
 
 
 
 

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Reiseführer für unterwegs:

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Kommentare
  • lilli.28 20.09.2010 | 20:04 Uhr

    Ich liebe es, durch Weingärten spazieren zu gehen und mich danach noch von köstlichen Speisen und gutem Wein verführen zu lassen.
    Und dann noch so interessanten Menschen zu begegnen, die heute tatsächlich noch ihren Lindenblütentee selber herstellen.
    Danke für den wunderschönen Rundgang durch die herrliche Südsteiermark. Da könnte ich doch glatt meinen Koffer packen...
    Liebe Grüße aus Köln

  • globalMasterchef 21.09.2010 | 22:09 Uhr

    Hallo Gerd, meine Frau und ich lieben die Südoststeiermark und verbringen dort auch mehrmals lange Wochenende. Auch der Sattlerhof ist uns nicht fremd. Großartige Gastronomie und die einzigartige Weinkultur. Bald sind wir wieder dort --- wenn der erste Wein "stürmt" und die Kastanien heiß sind.
    Übrigens: Alles Gute zum Geburtstag Gerd - und weiter so !
    liebe Grüße aus Wien
    Helmut

  • oldi 02.07.2011 | 04:44 Uhr

    Durst hamma, Puntigama, -mein Bier. auch alles andere ist zu empfehlen und der Bericht laedt ein die gruene Mark wieder einmal zu besuchen, zumal hier das Bier, oje, Gruss aus dzt. Texas, oldi

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