30 Jahre Wanderungen über den Berg Athos

Reisebericht

30 Jahre Wanderungen über den Berg Athos

Reisebericht: 30 Jahre Wanderungen über den Berg Athos

"1000 Jahre sind wie ein Tag", aber auch auf dem Athos hat sich in 30 Jahren viel verändert: zum Guten wie zum Schlechten

Berg Athos: Megistis Lavras

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Veränderungen auf dem Athos in 30 Jahren von Alexander Dombrowsky:

Kräne über den Klöstern – die alten Wanderwege verschwinden – das Kloster Esphigmenou - die Schwalbenpredigten - das Heulen der Schakale - deutsche Mönche auf dem Athos

Was hat sich in den 30 Jahren seit meiner ersten Reise auf den Athos verändert?

Auffällig sind die Baukräne auf fast jedem Kloster. Seit dem Eintritt Griechenlands in die EU und der Klassifizierung der UNESCO als Weltkulturerbe fließt viel Geld auf den Athos.

Dennoch wird auf den sich ausbreitenden Forststraßen weiter Holz geschlagen, das vor Jahrzehnten noch ein wichtige, oft die einzige Einnahmequelle der Klöster war.
Diese staubigen Pistenstraßen haben eine verhängnisvolle Veränderung der Halbinsel gebracht: sie haben die Jahrhunderte alten Monopadien, die Wanderwege verschüttet, abgeschnitten und wo diese nicht mehr begangen wurden, zuwachsen lassen.
Diese Wege dienten Mönchen, Pilgern und Mulis als Transportwege und waren teilweise gepflastert, nach zehn Pflasterreihen wurde eine Stufe mit erhöhter Kante eingefügt, damit die Tragtiere Halt finden und das Regenwasser abfließen kann.
Gegen das Zuwachsen dieser schattigen Wanderwege verteilte Reinhold Zwerger angeblich einige Hundert Gartenscheren, Prinz Charles soll seit Jahren mit einer Gruppe von Pionieren oder Pfadfindern die Wege um das Kloster Vatopediou herum freischneiden. Solange aber diese Initiative nicht von den Mönchen ausgeht, ist sie vergeblich.

Bei fast allen Klöstern muss man sich zum Übernachten Wochen vorher anmelden, Simonas Petras hat 6 Monate Wartezeit, angeblich weil es den Tibet-Klöstern so ähnelt.
Die Korrespondenz mit den Klöstern erfolgt teilweise schon per Email, andere bedienen weder Telefon noch Fax, das heißt sie sind überlaufen oder weigern sich die oft großen Pilgerscharen zu bewirten.
Denn an die EG Gelder soll die Bedingung geknüpft worden sein, die Klöster Gästen zu öffnen. So sind die Archondariki, die Gästetrakte wie zum Beispiel in Vatopediou, oder Iwiron musterhaft, andererseits dürfen nach wie vor nur 10 nicht orthodoxe und 100 orthodoxe Pilger einreisen.

Ein Jahrzehnte alter Konflikt eskalierte in den letzten Jahren: Das Kloster Esphigmenou galt schon vor 30 Jahren als Rebellenkloster: es lehnt sich gegen die Wiederannäherung der Orthodoxen Kirche an Rom auf und verweigert deshalb die Fürbittengebet für den Patriarchen in Istanbul. Mit der Ablehnung der Ökumene findet das Kloster durchaus Unterstützung unter den Mönchen auf dem Athos und das wird verständlich aus der Geschichte.
Aber vor zwei Jahren besetzten Mönche des Klosters die Kinotita, den Regierungssitz in Karyes, es kam zu einer Schlägerei mit Äxten, die griechische Polizei wurde gerufen und seitdem versucht Karyes die Mönche auszuhungern und zu vertreiben.
Es wurde auch schon eine neue Mönchsgemeinschaft gegründet.

Unverändert das Schlagen des Simantron, die nächtelangen Gottesdienste, wie eine Predigt an die Lebensfreude das Zwitschern der Schwalben im Frühling, die Landschaft mit den selbst im Herbst noch in allen Farben blühenden Blumen, das Spielen der Delfinschulen vor Nea Skiti und das nächtliche Heulen der Schakale zum Läuten der Glocken in Agiou Anni.

Drei deutsche Mönche sind mir in den letzten Jahren auf dem Athos begegnet: Pater Gelasius aus Berlin lebt seit 20 Jahren im Kloster Filotheou und ist dort Gästepater. Sein Name heißt auf deutsch der Lachende und das trifft zu. Pater Panteleimon aus dem Schwarzwald hat die Skite Jovanitsa, die zum Kloster Chilandariou gehört vor über 20 Jahren bezogen und die uralten Olivenbäume rekultiviert, die er nun mit der Hilfe von deutschen Pilgern im Herbst erntet. Pater Isidor habe ich im Frühjahr 2009 im Kloster Iwiron kennengelernt, er spricht sehr verständlich über seinen Glauben und die Orthodoxie.



Berg Athos: Kloster Vatopediou


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Kommentare

  • Gerd-Krauskopf (RP)

    Hallo Alexander Dombrowsky,
    ein sehr schön geschriebener, realistischer Reisebericht!
    Auch ich habe schon vor vielen Jahrzehnten viel von dieser wunderschönen Region gehört und mir einige Diavorträge von Manfred Schmitz aus Mönchengladbach angeschaut, der mit Begeisterung vom Athos berichtet hat.
    Und wenn ich heute Deinen Bericht lese, dann stimmt es mich schon traurig.
    Aber so ist das nun mal im Leben.
    Dir lieben Dank für diesen Bericht und eine gute Zeit.
    Liebe Grüße von Gerd

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