Melting Ferropolis

Reisebericht

Melting Ferropolis

Reisebericht: Melting Ferropolis

Glühende Schmelze aus Sound und Licht
in der Stadt aus Eisen - Melt Festival 2010
oder einfach die schönste Location zum 'Anbaggern'

Wir nähern uns auf einer breiten Landzunge die weit in den Gremminer See hinein leckt. Die Silhouetten der Stahlriesen stemmen sich gegen den Himmel und hören einfach nicht auf zu wachsen. Mit jedem weiteren Schritt verstärkt sich ein Gefühlsmix aus Erhabenheit, Melancholie und Unwirklichkeit. Das kann nicht diese Welt sein – oder doch?



Big Wheel



Wir befinden uns im ehemaligen Tagebau Golpa-Nord südöstlich von Dessau, in dem von 1964 bis 1991 Braunkohle gefördert wurde. Ein Ort überlebenswichtiger Energiegewinnung, großartiger Ingenieur- und Bergbauleistung aber auch gigantischer Umweltzerstörung. Motor des Sozialismus – dann plötzlich das Aus. Ca. 60 000 Bergleute in der gesamten Region verloren ihr sicheres Einkommen, der Bergbau wurde ‚'saniert‘, der Himmel über Sachsen Anhalt wieder blau.



Gemini Sunset



Das Werkstattprojekt „Industrielles Gartenreich“ am BAUHAUS Dessau lieferte die Idee und das Konzept für FERROPOLIS: Freilichtmuseum, Industriedenkmal, Veranstaltungsort und Freizeitpark – das Projekt wird von der Expo 2000 aufgegriffen und das große Loch in Golpa geflutet. 2000 erfolgt die Einweihung des Areals, ein Veranstaltungsort für ca. 25000 Menschen auf einer Halbinsel, bestückt mit 7000 Tonnen Industriegeschichte, 5 ausgedienten Baggern und Absetzern, manche bis zu 30 Metern hoch und 130 Metern lang.



Melting Medusa



2006 gewinnt Ferropolis den Live Entertainment Award der Kategorie „Herausragendste Veranstaltungsstätte“. Wir erkunden die Stahlsaurier der Kohlezeit anlässlich des Melt Festivals 2008 und 2010 – und sind begeistert. Die Symbiose aus gigantischer Technikkulisse, Lichtshows und Musik ist einzigartig. Bei Einbruch Dunkelheit beginnen die Umrisse der Bagger und Förderbrücken zu leuchten, Laser zaubern synchronisierte Farbwellen und Muster auf den Rost, die Beats werden lauter und schließlich pulsiert ein einziger schillernder Organismus über dem See. Wir tauchen für ein paar Stunden ab ins Paralleluniversum, treiben mit Musik und Licht durch die Massen. Kein Stress, keine Enge, alle sind völlig relaxt und aggressionsfrei. Wer die einschlägigen Sommer Open Airs in Deutschland kennt, wird den Unterschied sofort bemerken. Es gibt sogar einen Strand mitten im Festivalgelände, mit Bühne und Bar - das pure Vergnügen.



Melting Ferropolis



Nach all den überbordenen Eindrücken beginnen wir mit der Suche nach zugehörigen Informationen. Wie heißen diese Kolosse eigentlich, die man außerhalb der Festivals sogar begehen kann? Wie alt sind sie, wie groß wirklich? Auf der Webseite: www. ferropolis.de gibt es jede Menge Infos zu Eimerketten- Schaufelrad- und Raupensäulenschwenkbaggern, Absetzern und passenden Fahrwerken. Außerdem Veranstaltungshinweise, Öffnungszeiten und Infos zur Umgebung. Unser Entdeckung von Ferropolis hat gerade erst begonnen!



Anbaggern



Nachtrag:
2010 ist die Kohle neben Öl zum weltweit wichtigsten Energielieferanten geworden. Vor allem China und Indien die heute schon die Hälfte der globalen Kohlevorräte benötigen, werden in den nächsten 20 Jahren ihren Verbrauch verdoppeln. Die Bundesregierung gibt den Ausbau von CO2 Speichern frei und die Stromkonzerne hoffen auf ein Comeback des größten Klimakillers der Menschheit. Der SPIEGEL titelt: "Die Zukunft ist schwarz".
Mal wieder.




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Kommentare

  • trollbaby

    Das ist eine gute Idee, einen ehemaligen Tagebau in einen Erlebnispark umzuwandeln! Sehr interessanter Bericht mit hervorragenden Fotos, die wirklich Lust darauf machen, sich das mal selbst anzuschauen!
    LG Susi

  • Blula

    Ja, das ist mal ganz was anderes... . und ein sehr schöner und interessanter Beitrag von Dir mit absuluten Klassefotos!
    LG Ursula

  • doubleegg

    Ich danke euch drei Kommentatorinnen ganz herzlich für die netten Worte und eure geschätzte Aufmerksamkeit - ihr seid die einzigen, die hinter die bunten Bilder geschaut haben. Einen schönen Sommer noch und viele interessante Entdeckungen wünscht doubleegg

  • ingepeter (RP)

    Ja, ich bin zwar etwas später dran, doch nicht alle Beiträge kann man sofort lesen. Es ist dann sehr schön immer wieder auf Interessante Berichte zu stossen und dann die Kommentare der anderen RC´ler zu lesen. Ich möchte mich den Kommentaren der Vorleserinnen ganz anschließen mit dem Zusatz - danke für Deine letzten Bemerkungen zum Comeback der Stromkonzerne. Gruss Inge

  • BuWe

    Respekteinflößende Größe der Schaufelradbagger bei Tageslicht, beeindruckend schön sind sie bei nächtlicher Illuminierung. Eine wohl geglückte Rekultivierung des Tagebau-Geländes.

  • frieden_schenker

    Hallo Doubleegg,

    Dein Reisetipp zum Baggerpark Ferropolis hat mir sehr gut gefallen. Ich selbst bin ca. 50 km entfernt davon aufgewachsen und kenne noch die Zeiten, als das Gebiet des heutigen Ferropolis ein gigantisches Loch mit einer Mondlandschaft drumherum war. Selbst damals war die Region um Gräfenhainichen schon ein Naherholungsgebiet. In unmittelbarer Nähe gab und gibt es den Bergwitzsee und den Roten See. Dort habe ich zu DDR-Zeiten sogar schon einmal Urlaub gemacht - ist eine schöne Erinnerung.
    Heute fahre ich regelmäßig mit dem Zug an Ferropolis und dem gegenüberliegenden gefluteten ehemaligen Tagebau vorbei. Ein großer Teil der Region Bitterfeld - Gräfenhainichen ist heute eine Seenlandschaft geworden.

    Liebe Grüße

    Eckart

  • mhsch

    ...hm, ich weis nicht was ich schreiben soll, blabla liegt mir nicht. Ich drück mich, wieder mal kurz aus: Thema des Reiseberichts, Fotos und der dazugehörige Text, befinden sich wieder auf dem von dir gewohnten, gehobenen Niveau, hier in der GEO-Reisecommunity. Gruß von mhsch

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