Reisebericht

Reisebericht: Brügge: Der Ort ist der wahre Held.

 
 
 
 
 
Reisebericht: Brügge: Der Ort ist der wahre Held.

Im Sommer 2007 lief der Film „Brügge sehen und sterben“. Ich schaue selten einen Film öfter als einmal an, aber „Brügge sehen und sterben“ habe ich dreimal gesehen. Das wahre Highlight des Films ist die Tatsache, dass hier ein Ort die Hauptrolle spielt. Der Held heißt Brügge und den wollte ich live und in Farbe sehen.

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Frühstück bei einem Kölner Bahnhofsvorsteher

 
 
 
 
 

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Pfingsten 2010. Die Einfahrt in die historische Stadt ist alles andere als märchenhaft. Eine bis über den Rand, sprich Bürgersteig, mit Touristen volle Stadt, in der Busfahrer so genervt sind, dass sie lieber einen Unfall riskieren, als Autos mit fremden Kennzeichen nicht zu ignorieren. Wir benötigen eineinhalb Stunden, um die Adresse unserer Bleibe zu finden, weil die Straßenbezeichnungen an Häusern in Brügge nur sporadisch vergeben werden.

Aber dann: Unser Zimmer befindet sich in der Predikherenstraat 40, mitten im Zentrum, aber doch abseits von Touristengetümmel und Geschrei. Es ist das einzige Zimmer, das wir kurzfristig noch bekommen konnten (wir hatten am Morgen des Pfingstsamstages angerufen) – und es ist das schönste und dabei noch günstigste, das wir erhalten haben. Einziger Nachteil: Die „katholischen Betten“, zwei aneinander gerollte 90 cm breite Lager, die bei entsprechendem Druck auseinanderdriften, wie die Wellen in Brügges Grachten, wenn die Touristenboote sie durchpflügen. Dafür bringt der nette Herr de Vriese das Frühstück morgens persönlich ins Zimmer und erzählt dabei allerlei Interessantes aus seinem Leben und über Brügge. Zum Beispiel, dass er in den 50er Jahren Bahnhofswärter am Kölner Hauptbahnhof gewesen sei. Dass die alte Kunst in den Brügger Museen ihn langweile. Dass er moderne Kunst dagegen schätze. Dass man nicht nur Brügge, sondern auch Rolandseck einmal gesehen habe müsse. Und zum Schluss schlägt er vor, die Parkscheibe unserer Autos alle vier Stunden weiterzudrehen, damit wir uns in Ruhe die Stadt ansehen könnten, ohne einen Strafzettel zu erhalten. Die Parkregelung in Brügge ist übrigens für Großstädter wie uns bereits ein Fall für „Sagen und Legenden“. Das Parken ist in der kompletten Innenstadt kostenlos. Nur die Zeit ist beschränkt: Nach vier Stunden muss man entweder das Auto oder die Parkscheibe bewegen.



Brügge endet nie

 
 
 
 
 

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Eine Bootsfahrt durch die Grachten mit kunstgeschichtlichen, archtitektonischen und Ausführungen zur Geschichte der Stadt in drei Sprachen ist ein absolutes Muss. Man sollte es zu Beginn der Erkundungstouren machen; nach der Grachtentour ist man besser orientiert und kann abschätzen, wohin es einen hinzieht: z.B. nach Minnewater oder an den Beginenhof, ins Groeninge Museum, ins Krankenhausmuseum von Sint-Jans oder der Liebfrauenkirche, auf den Belfried, nach St. Gillis etc. Das Wunderbare an Brügge: Es ist so klein, dass man alles zu Fuß erreichen kann, in einem der zauberhaften Cafes und Restaurants ausruhen und die Eindrücke gepflegt auf sich wirken lassen kann. Zu empfehlen ist auch ein Stadtführer wie beispielsweise vom Simon Sauer Verlag, in denen Rundgänge für individuelle Bedürfnisse vorgeschlagen werden. Eine zweite, in unseren Augen etwas alberne Möglichkeit, ist eine Kutschenfahrt mit echten Pferden und mittelalterlich anmutenden Kutschen. Außer albern auch sehr teuer, und man steht mitunter über eine halbe Stunde lang an.



Freiheit geht vor Schönheit

Von Touristenmassen und Millionen von Eindrücken umzingelt, stürzt man sich entweder sofort selbst ins Getümmel oder man zieht sich erst einmal zurück: Wir gehen die ruhige Langstraat stadtwauswärts und überqueren den Brügge-Oostende-Kanal. Ein Spaziergang entlang des Stadtwalls eröffnet nicht nur den distanzierten und sehr befreienden Blick auf die faszinierende Silhouette der Stadt, sondern führt auch geradewegs zu den Windmühlen: sie stehen da rum, als würden sie sich in die Reihen der Brügge-Bewunderer einfügen und dafür sorgen, dass die Stadt sich im ewigen Blick der Gerührtheit sonnen kann. Das Grün um die Windmühlen ist ebenfalls bestens geeignet, um eine Pause zu machen: Pause von der Hektik, von der Akkumulation der Denkwürdigkeiten – und vor allem von der Angst, etwas zu verpassen. Auf einer Decke liegen, ein Picknick oder eine Flasche Bier, kann der Besucher in die Windmühlenflügel starren, die Augen schließen und darüber nachdenken, warum der liebe Gott die Schönheit so ungerecht verteilt hat. Und dabei wahrscheinlich einschlafen.



 
 
 
 
 

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Region: Wallonien

Kommentare
  • agezur 25.06.2010 | 10:54 Uhr

    Ein interessanter Streifzug durch eine Stadt, die ich nicht kenne, jetzt aber sicher kennenlernen möchte!
    LG Christina

  • BuWe 25.06.2010 | 12:31 Uhr

    Der "Streifzug" hat mir auch gefallen (ebenso der Film "Brügge sehen..."). Bei Besuchen der Stadt wohnen wir mittlerweile in Zeebrügge direkt am Strand mit Blick auf Hafen und fahren mit dem Zug (Endstation direkt am Blvd) in etwa 20 Minuten nach Brügge.

  • shootingstar 25.06.2010 | 13:34 Uhr

    Gut geschriebener Reisebericht, sehr kurzweilig zu lesen und schöne Bilder.
    lG Claudia

  • BernieMayer 25.06.2010 | 13:39 Uhr

    Brügge sehen & sterben trifft es auf den Punkt. Die schönste Stadt Belgiens & ein Kultfilm...
    LG, Bernie

  • Kongo 26.06.2010 | 21:14 Uhr

    Wirklich schöner Bericht, auf den ich übrigens auch vor allem durch den besagten Film aufmerksam wurde. Schöne und sicher sehenswerte Stadt, die ich auch mal irgendwann besuchen muss.

    LG
    Kongo

  • Donaustrand 29.06.2010 | 14:50 Uhr

    Danke, dass der Bericht Euch gefallen hat.
    Grüßt Brügge von mir, wenn Ihr mal da seid.

    Liebe Grüße Donaustrand

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