Brutaler Alltag im Township - Der etwas andere Reisebericht!

Reisebericht

Brutaler Alltag im Township - Der etwas andere Reisebericht!

Reisebericht: Brutaler Alltag im Township - Der etwas andere Reisebericht!

Ein Erlebnisbericht über die harte Realität von Kindern und dem Hoffnungsprojekt "Siyabonga"

Esigodini Primary School im...

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Nach einer kurzen Fahrt durch das Armutsviertel, sogenannten Townships in denen überwiegend farbige Südafrikaner wohnen, die an der untersten Gesellschaftsstufe stehen und bei der Apartheid dazu verdonnert wurden die Städte den Weißen zu überlassen, hält der Bus vor einem zwei Meter hohen Zaun. Nichts Besonderes schließlich durchziehen zig Kilometer davon das Township, bevorzugt billiger Maschendrahtzaun.

Der abklingende Frühling und die üppige Vegetation sorgen dafür, dass in den eingezäunten Gärten vereinzelnde wunderschön violett blühende Jacaranda Bäume hervorstechen und bei genauerer Betrachtung erkennt man auch die zwischen dem hohen Gras liegenden Gemüsebeete. Wüsste man es nicht besser, könnte man glatt meinen sich in einem heruntergekommenen Schrebergarten verirrt zu haben. Doch spätestens bei objektiver Betrachtung der einfach gehaltenen Hütten die meist nur mit ein oder zwei Zimmern ausgestattet sind, besteht kein Zweifel mehr. Zwar sind diese Behausungen im Gegensatz zu den auf dieser Reise schon öfter gesehenen, mit Holz, Wellblech, Planen ja sogar einfachen Decken improvisiert und zusammen geflickten waren, aus Betonsteinen fest vermauert. Jedoch lassen die Allerortens stehenden Plumpsklos auf fehlende sanitäre Einrichtungen schließen. Keine Seltenheit denn der eh schon knapp bemessene Raum in den Hütten beherbergt fast immer mehr Menschen als eigentlich zumutbar ist.



Siyabonga-Logo

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In dieser Gegend steht das von Siyabonga – Helfende Hände für Afrika finanziert und aufgebaute Schul- und Bildungszentrum. Der Bus öffnet die Türen und wir werden von einem Angestellten der Schule durch das stabile Tor hereingelassen. Wie wir später erfahren werden, ist der Komplex kürzlich erst fertig gestellt worden, und steht erst seit einigen Wochen der benachbarten Schule zur Verfügung. Die Gruppe wird in einem etwas größeren Raum geführt, wo uns der nahezu perfekt deutschsprechende, führende Stellvertreter der Organisation in einen umfangreichen Vortrag, über das Township, die Probleme dieses Projektes und seine Zukunftsvisionen erzählt. Uns wird berichtet von der hohen Gewaltbereitschaft die durch Langeweile, Unterdrückung oder der Aussichtslosigkeit der Jugendlichen hervor gerufen wird, die ohne die notwendigen schulischen Kenntnisse dem Arbeitsmarkt ausgeliefert sind und keine Perspektiven auf anständige Jobs haben, nicht zuletzt auch oder gerade wegen ihrer Hautfarbe. Es wird noch Generationen dauern bis die Rassendiskriminierung aus den alltäglichen Leben der Südafrikaner verschwindet.



Ein weiteres sehr ernstes Thema das leider nur sehr schwer in den Griff zu bekommen ist, betrifft die Krankheit Aids. Südafrika hat eine der höchsten Aidsinfizierungsraten der Welt. Offiziell 21.5% der Bevölkerung von 15-49 Jahren sind HIV positiv. Inoffiziell wird von wesentlich mehr berichtet. Dazu kommt bei der Männlichen Bevölkerung der irrtümliche Glaube mit einer Jungfrau Sex zu praktizieren heile die Krankheit. Ein mehr als fataler Fehler. Es wird versucht Jugendliche ja sogar Kinder zum Sex zu überreden und wenn nötig auch unter Gewaltandrohungen dazu zu zwingen. Statistisch gesehen muss jede zweite Südafrikanerin damit rechnen einmal in ihrem Leben vergewaltigt zu werden. Damit liegt die Wahrscheinlichkeit näher, vergewaltigt zu werden als lesen zu lernen. Eine traurige Bilanz! Deswegen auch das schwere Tor und der hohe Zaun um das Schulgelände. Es wird immer wieder versucht Schulmädchen vom Aufenthaltshof zu locken. Auch der Weg zur Schule und wieder zurück nach Hause ist für die Mädchen nicht einfach wie unser Redner berichtet, denn zwischen 14 und 18 Uhr besteht erfahrungsgemäß das höchste Risiko, Opfer eines Sexualverbrechens zu werden. Es kommt immer wieder vor damit die Mädchen von ihrer Familie nach ersichtlichen Symptomen der Krankheit verstoßen werden und so verschweigen viele ihre Vergewaltigung. Vielen der Zuhörer ist die Betroffenheit anzusehen. Bei all den wunderbaren Tagen die man bisher in Südafrika verbracht hat, etwa am Kap, den Weinbergen oder der Garden Route entlang vergisst man trotz der ständig präsenten Townships die bittere Armut der Bewohner. Unser Referendar lässt uns wissen, dass natürlich jederzeit Spenden für die Organisation oder andere helfende Unterstützung dankend angenommen werden.



Esigodini Primary School im Township Edendale



Esigodini Primary School im...

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Vor unserem Zimmer wird’s langsam laut. So an die 20 Kinder warten darauf uns eine Tanz- und Singvorstellung zu bieten die mit Begeisterung vorgeführt wird. Jeder versucht die Darbietung der Kleinen per Kamera festzuhalten. Bewundernswert, wie die Kinder mit einfachen Mitteln verstehen Spaß zu haben. Ihnen gefällt es sichtlich uns ihre Kultur und Traditionstänze zu präsentieren. Wir haben in dieser knappen Stunde mehr von Südafrika und seinen Einheimischen erfahren, als auf unserer bisherigen Rundreise. Nach einem kurzen Besuch der Klassenzimmer, wo uns überall strahlende Gesichter empfangen, verlassen wir die Esigodini Primary School im Township Edendale das zu der Stadt Pietermaritzburg gehört, welche zugleich die Provinzhauptstadt von Kwa Zulu Natal ist. Warum ich nicht schon eher erwähnt habe, wo wir zu Besuch waren? Ganz einfach, es könnte überall in Südafrika gewesen sein….



Esigodini Primary School im Township Edendale



,,,Wieder Zuhause bei der Fotosichtung blieb ich bei der Schule hängen und mir fiel erst richtig auf wie groß der Unterschied zwischen Bayern/Deutschland und Kwa Zulu Natal/Südafrika ist. Ich habe die Webpräsents (www.Siyabonga.org) der Organisation besucht und mich entschlossen dieses Projekt mit einem monatlichen Beitrag zu unterstützen. Schließlich ist es wünschenswert solche Organisationen am Leben zu erhalten.


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Kommentare

  • 238EWT

    Leider wahr, Dein Satz: "...es könnte überall in Südafrika gewesen sein." Mit ebensolchen Eindrücken kehrte ich 2006 von einer Reise durch Südafrika zurück.

  • freyabe

    Gewalt produziert Gewalt. Man kann nur hoffen, dass die Südafrikaner einen Ausgang aus dieser Spirale finden.

  • Blula

    Danke für diesen sehr guten und ebenso nachdenkenswerten Bericht!

  • trollbaby

    Sehr informativer und zugleich aufrüttelnder Bericht! Ich hoffe wirklich, dass sich die Lage für die Menschen in Südafrika durch solche Projekte bessert und die Jugend wieder mehr Perspektiven hat.
    LG Susi

  • patsmum

    Der Titel macht neugierig, der hervorragende Text nachdenklich - danke für diesen außergewöhnlichen Bericht!

  • bassanhoue (RP)

    Ich finde es sehr positiv, in dieser Reisecommunity Berichte von Menschen zu lesen, die mit offenem und einfühlsamem Geist in der Welt unterwegs sind. Auch die journalistischen Fähigkeiten einiger Mitglieder, Inhalte spannend vermitteln zu können, überrascht mich. Beiträge, wie der von Dir geschriebene, ergänzen die Berichterstattung der professionellen Journalisten, sind sie doch nicht aus finanziellem Interesse entstanden, sondern aus "altruistischerem" Engagement und Anliegen.
    In Deinem Bericht geht es u.a. um ein Bildungsprojekt. Genau dort liegen die wirklichen Chancen in der Entwicklungshilfe. "Bildung ist der beste Impfstoff gegen die Armut", sagte Peter Ustinov zu seinen Lebzeiten als Unicef- Dotschafter. Und: Bildung ist ein wichtiger Faktor zur Überwindung von Intoleranz, Dummheit, Fanatismus inhumanem Verhalten.

  • Gerd-Krauskopf (RP)

    Sehr interessanter und lesenswerter Bericht über eine Gegend, die leider viel zu oft verklärt gesehen wird. Gerne übersieht man die Probleme und wendet sich fröhlicheren Dingen dort zu.
    Vielen dank für Deinen großartigen Bericht und
    liebe Grüße von Gerd

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  • Raudi

    Danke für deinen Ehrlichen Reisebericht ! Es wird sicher noch einige Jahre dauern
    bis sich dort etwas ändert. LG Hans

  • agezur

    Ein Bericht der sehr sehr nachdenklich macht - die Kehrseite der "Heilen Welt Südafrika".
    Danke!
    LG Christina

  • vierfussler

    Leider ist die Wirklichkeit der Vergewaltigungen in Südafrika noch schlimmer als von die berichtet. Hoffen wir dassich bald etwas Ändert. Danke für deinen guten Reisebericht!!!
    Kurt F.

  • ursi67

    Vielen herzlichen Dank für Deinen Reisebericht, der wirklich anders ist und sehr nachdenklich macht. Lg, Ursi

  • frieden_schenker

    Danke für Deinen Reisebericht. Ich war selber 2008 mit meiner Freundin in Südafrika und hatte die Gelegenheit im Rahmen des staatlich geförderten Programms Township B&B im Township von Grahamstown (Eastern Cape) bei einer farbigen Familie zu Gast zu sein. Uns wurde sinngemäß Ähnliches erzählt, wie es in Deinem Reisebericht steht, und unsere Erfahrungen waren auch ähnlich.
    Hinzufügen möchte ich noch, dass es viele Schwarze und z.T. auch Farbige vorziehen, in einer Hütte ohne Strom und Wasseranschluß zu leben als in die von der ANC-Regierung gebauten Neubauten zu ziehen. Der Grund ist einfach: In den Neubauten muß man für Strom und Wasser bezahlen. Die Hütten haben meistens keinen (legalen) Strom- und Wasseranschluß. Strom wird irgendwo illegal abgezweigt und Wasserhähne gibt es meistens irgendwo im Township, wo man nichts bezahlen muß.
    Unsere Gastgeberin war ein pensionierte Lehrerin, die sich in einem AIDS-Projekt engagiert.

    Liebe Grüße

    Eckart

  • agrimm

    Authentischer Bericht!
    Erst wenn man mit eigenen Augen die Probleme Südafrikas gesehen hat, kann man sich vorstellen, wieviel Anstrengung notwendig ist, um diese Situation zu verbessern.
    Ohne fremde Hilfe wie z.B. Unterstützung bei der Schulausbildung, wird es nicht funktionieren.
    Zum Thema Vergewaltigungen: Ich habe in einem Supermarkt nachgefragt, warum der Laden jeden Tag schon um 17:00 Uhr schließt, was regelmäßig zu einem langen Stau an der Kasse führt.
    Antwort: Das weibliche Personal soll vor der einsetzenden Dunkelheit nach Hause gehen können, um so das Risiko einer Vergewaltigung zu verringern.
    Wir haben im November einer Freunin besucht, die seit ihrer Kindheit in Südafrika lebt. Im Vergleich zu einem früheren Besuch 2004 ist die allgemeine Lage nach ihrer Aussage heute wesentlich schlechter als damals.

    LG Armin

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  • Schili

    Aufwühlender,informativer und dazu noch hervorragend geschriebener Beitrag. Top!

  • cirrus

    In Stytlerville (kleine Karoo) lernte ich zwei Lehrerinnen kennen.
    Sie kamen in den einzigen Internet -Shop,
    um Kopien für die Schule machen zu lassen.
    Mein Bruder ging mit dem Notebook ins Internet
    für einen lächerlich geringen Betrag.
    Die Schule hat nichts.......
    sie fragtenuns wie teuer wohl so ein kleiner Computer sei.
    Und ich dachte an viele meiner Freunde, die alle zwei Jahre
    die neuesten Modelle anschaffen.
    ...aber wie einen Computer sicher dahin bekommen???

  • Pinky3

    ein beitrag der nahe geht, wenn man bedenkt in welchem luxus wir hier in deutschland leben und worüber wir hier jammern.........toll das du das projekt unterstützt, ich hab auch jahrelang bei world vision patenkinder in der "dritten welt" mit einem monatlichen beitrag unterstützt.............lg gaby

  • Lana

    Die wichtigsten Reiseberichte sind diejenigen, welche die Augen öffnen für die Welt hinter der Kulisse. Vergewaltigungen von Frauen werden einem bewußt, wenn man es so konkret vor Augen vorgeführt bekommt, wie es in Deinem Bericht der Fall ist, oder wenn sie in der Presse öffentlich gemacht werden wie jetzt in Indien. Danke für Deinen Reisebericht der anderen Art oder -mit allen Augen draufgeschaut! LG Brigitta

  • karinchen

    "Ich gehe dahin, wo andere wegschauen"
    Ja Südafrika kämpft auch nach 15 Jahren nach Ende der Apartheid noch immer mit großen sozialen Ungleichheiten.
    Wir waren in Kapstadt im Township Khayelitsha und haben einen kleinen Einblick in das tägliche Leben der Bewohner bekommen.
    Fazit: Wir wissen gar nicht wie gut es uns geht, wir schätzen es auch nicht genug!
    Ich hoffe jedoch, das sich das Leben der Kinder in den Township verbessert.
    Sehr schöner Bericht, der zum nachdenken anregt!
    LG Karin

  • marlem

    kurz, aber instruktiv, gefällt mir. Man kann nicht oft genug auf derartige Missstände hinweisen. AIDs bleibt natürlich das Thema Nummer 1

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  • Vallartina

    Vielen Dank für diesen schonungslosen Bericht. Afrika ist wunderschön und berührend, aber gleichzeitig brutal in gewisser Problematik. Ich fürchte nur, diese Townships mit all ihren Misständen werden so schnell nicht verschwinden, ebenso wenig die Korruption und Vetternwirtschaft. Kinder sind hierbei immer die am schlimmsten betroffenen Opfer.

  • u18y9s26

    Danke für deinen Bericht, der vielfach gehörtes bestätigt und Wege zur Hilfe aufzeigt.
    LG Ursula

  • mhsch

    Geschrieben im Mai 2010 und ich finde ihn jetzt erst, Schande über mich ! Klasse Dokumentation, super Reisebericht. Ich spüre, an der Art deines Schreibens, dass du nicht << Urlaub machst >> , sondern reist, mit offenen Augen die Welt betrachtest und realistisch beurteilst. DASS gefällt mir sehr, 1000 Punkte ( oder Bücher ), von mir.
    Herzliche Grüße von mhsch

  • grenzenlos1

    Danke für den einfühlsamen Bericht. Afrika ist nicht einfach, doch es lohnt sich zu kümmern.
    Grüße Wi grenzenlos

  • Weina

    @ Wi
    :-) Ja, kann mich gut an deinen Abstecher auf dem Kontinent ( im Buch ) erinnern. Schade das es bei euch nicht zu einem Besuch in Südafrika kam...

    PS: Danke auch allen die hier, jeder auf seine Weise, mir gezeigt haben damit dieser Bericht doch hier ins Forum passt. Danke für das wirklich zahlreiche Feedback!
    lg Weina

  • Schriddels

    Guten Abend,
    der Reisebericht gibt einem zu denken und öffnet einem die Augen, dabei geht es Südafrika im Vergleich zu anderen Ländern Afrikas noch gut.
    LG Wolfgang & Barbara

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  • niglotraveller

    Gefällt mir sehr, vor allem die Art wie Du die Eindrücke für Dich bewertest. Es gibt leider nicht wenige die einfach sagen würden "Selber Schuld". Für mich zudem sehr interessant, weil eine Schulfreundin ein Jahr in Kapstadt Downtown an kirchlichen Hilfsprojekten arbeitet.

    LG

    Nicolás

  • Aussie

    Ja, es wird viel zu wenig gemacht und die Gelder kommen eben oft auch in die falschen Taschen, man muss genau schauen welchen Organisationen man spendet und wie werden die Gelder verwaltet. Trotz allem werde ich das Land ab März als meine neue Heimat ansehen und auswandern. Sicher kann ich vor Ort noch etwas direkt tun, habe ja Zeit als Pensionär. Ich freue mich auf die Regenbogennation mit ihren strahlenden Gesichtern trotz immer noch bestehendem Elend. Dein Bericht ist sehr schön geschrieben und gehört auch gerade in GEO.

Bitte melden Sie sich an, um einen Kommentar abzugeben. Brutaler Alltag im Township - Der etwas andere Reisebericht! 4.83 75

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