Tansania 2010, Auszug aus einer Mail

Reisebericht

Tansania 2010, Auszug aus einer Mail

Reisebericht: Tansania 2010, Auszug aus einer Mail

Hierbei handelt es sich um einen Auszug aus einer Mail, die ich an Freunde und Verwandte am Tag meiner Rückkehr aus Tansania verschickt habe. Viele hatten uns die Däumchen gedrückt, der Aufstieg auf den Berg war nicht nur für uns spannend. Viele liebten meinen nachträglichen Bericht und deshalb möchte ich die Mail auch Anderen, die den Aufstieg wagen, zugänglich machen

Geschafft- Uhuru Peak 5895m



Tansania, Auszug aus einer Mail

....mangels Internet konntet Ihr tatsächlich in den letzten Wochen nicht per E-Mail dabei sein- deshalb hole ich das jetzt, nach meiner Heimkehr mal schnell nach.
Ganz kurz die wichtigste Info: Am 18.03.2010 um 8:45 ostafrikanischer Zeit schaute ich vom Dach Afrikas, dem höchsten freistehenden Berg der Welt aus 5895m,herunter !!!!!
Und ehe Jemand fragt, ja, es hat sich gelohnt und ja, ich würde oder werde es wohl wieder machen :0)

Aber nun in Reihenfolge: Wir starteten am 14.3.2010, zusammen mit einem Japaner ( der unsere Minigruppe vervollständigte) gegen Mittag vom Marangu Gate aus, in Richtung Gipfel. Als uns unsere Träger, Guides und Koch vorgestellt wurden, blieb uns nen bissel die Spucke weg.....allein 9 Träger ????? Ist wirklich soviel nötig ? Man kommt sich schon dekadent vor und überlegt sich die Tragweite seiner Handlung. Die Kili Touren sichern in der gesamten Region den Lebensunterhalt von ungefähr 5000 Familien, wollen wir mal hoffen, dass alle Bergsteiger Ihre Crew am Ende so fürstlich belohnen wie wir....das Trinkgeld ist der wichtigste Faktor der Träger und Köche, den Guides gehts da ein wenig besser.
Unsere Jungs, Mike und Side ( die Guides) haben nen super Job gemacht, ohne sie wäre ich niemals oben angekommen. Ein Dank geht an Zara Tours an dieser Stelle !!!
Die Temperaturen am 14.3 so um die 30 Grad, Start auf 1700m Höhe, Regenwald. Wir sahen ein paar Äffchen und marschierten zügig die 10 km in Richtung Mandara. Es machte Spass, die Steigung war ok und wir waren mehr als überrascht als wir auf 2700m Höhe auf ein niedliches Hüttendorf guckten. Stephan und ich waren noch so gut drauf, dass es uns auch noch zu dem Maundi Crater hinzog, nochmals ein paar Meter an Höhe und Länge. Unser Japaner ( Katzy) schnaufte wie eine Lokomotive und mußte zeitweilig schon gestützt laufen.....war unsere Kondi so gut oder kam er einfach mit dem Jetlag und der Höhe nicht klar?

Der zweite Tag, Temperaturen immer noch ok, Sonne schien....windig. Der Weg veränderte sich, statt Regenwald nun Heidekraut und der Kibo, der Gipfel, zeigte sich. Konditionell auch an diesem Tag null Probleme, selbst Katzy schien seinen Jetlag weggepennt zu haben ( geschnarcht hatte er....). Gegen 14:00 in Horombo angekommen, die Erleichterung war groß...auch dieser Tag brachte keine neuen Erkenntnisse, der Körper spielte, bis auf ein wenig Kopfweh,mit. Nun waren wir schon auf 3700m und warteten gespannt auf Symptome die auf extremter Höhe eintreten können. Gott sei Dank, Paracetamol war ausreichend. Horombo, ähnlich wie Mandara....Hütten ( 4er Belegung, wir zu dritt drin) und einfachste sanitäre Anlagen. Mehr als Katzenwäsche war nicht drin, Stephan gab sich bei 0 Grad am Morgen ne Haarwäsche....na meine waren zu Zöpfen gebunden!

Der dritte Tag galt der Eingewöhnung auf großer Höhe, Wanderung zu den Zebra Rocks( 4200m) und ein spektakulärer Blick auf den Kibo ( der Kili besteht aus 3 Gipfeln, Shira, Mawenzi und der höchste Gipfel KIBO ( das Ziel) ). Wieder in Horombo angekommen, warteten wir auf die Rückkehrer vom Gipfel die nicht auf 4700m bleiben sondern bis Horombo durchlaufen müssen ( eine echte Herausfordern, mehr dazu später). Die Geschichten, die man so hört waren unterschiedlich. Die einen machen am Gilman's Point Schluss ( erster Punkt auf dem Gipfelplateau) andere laufen bis Uhuru Peak, angeblich sind dies aber nur 30 % !!!!!! Für Stephan und für mich war es natürlich klar, wenn Gesundheit, Kraft und Willen mitspielen, wollten wir natürlich GOLD ( die goldene Urkunde). Das Wetter auf dem Kibo war im Vorfeld wohl beschissen, Mädels aus Polen zeigten Bilder die uns gruselten.

Am vierten Tag ging es zunächst nach Kibo Hut auf 4700m. Wir passierten den "Last Water Point" und damit waren Steph und ich mit 14 Liter Wasser zusätzlich belastet. Der Marsch ging über den Saddle, mit spektakulärem Blick auf Kibo und Mawenzi. Wer wissen will, wie es auf dem Mond aussieht....ich habe ne Vorahnung. Wetter windig, sonnig bis heiß , dann eisekalt ....die ersten 10 km waren superschön, die letzten zwei raubten uns fast den letzten Nerv. Mit Blick auf die Kibo Huts hatte man das Gefühl es würde sich um eine Fata Morgana handeln, die immer weiter wegrutscht. Gegen 14:00 unser letztes Bettchen in einem 10er Dorm bezogen, schnelles Lunch und ab 16:00 bereits in der Heia. Gott sei Dank waren wir nur zu viert in dem Raum, dennoch kommt man auf 4700m nicht mehr zur Ruhe. Auf die Latrine rannte ich alle 10 Minuten ( die Höhe und die 6 Liter Wasser) und leichter Kopfschmerz sowie die Höhe lassen den Körper kaum Entspannung zu.
Um 23:00 wurden wir aus den Schlafsäcken gerissen, rein in die Klamotten ( ich hatte des Meiste schon an ). Meine vier Lagen unterhalb des Bauchnabels setzten sich wie folgt zu- sammen: Funktionsunterwäsche, Fleecehose, Thermolaufhose, Skihose ( gefüttert). Oberhalb des Bauchnabels : Funktionshemd, normales langes Laufhemd, Thermolaufhemd, FleecePulli, Fleecejacke und Funktionsjacke !!!! Die Füsse steckten in zwei Paar Socken und Fußwämer, die Hände kuschelten in zwei Paar HAndschuhen. Auf dem Kopf kam die Sturmhaube zzgl. Mütze zum Einsatz, darauf thronte die Stirnlampe!
Was dann kam, ist schwer zu beschreiben. Es ging um 0:00 im Gänsemarsch und gaaaaaaaaaaaaaaaaanz langsam den Berg hinauf. Zur Steigung kann ich nur sagen STEIL....immer den Blick auf die eigenen Füße, kein Blick auf die Uhr, kaum Gespräche ( wer kann es uns verdenken, bei rd. 5000m ?) Wir liefen wie die Glühwürmchen im ZickZack, der Blick nach oben brachte nur kleine Lichter, die ebenfalls im TippTopp Schritt unterwegs waren. Irgendwann kam von Katzy "it's one" aha....eine Stunde gelaufen, dann wurde es auch irgendwann 2:00, meine Atmung wurde schlechter- in Bewegung....nicht in Ruhe. Dies bedeutete 10 Schritte, stehenbleiben, versuchen etwas von dem 50% Sauerstoff in die Lungen zu bekommen, wieder 10 Schritte. Steph meinte später, ich hätte mich nicht übler angehört als der Rest von uns, nur das ich grundsätzlich nach 10 Schritten stehenblieb. Ab 3:00 hörte sich Side immer wieder meine Lunge an, Angst auf Lungenödem....nicht bei mir, beim Guide;-)...ich fühlte mich ok, zumindest in Ruhe.
Auf 5200m erwartete uns die Hans Meyer Cave ( Erstbesteiger, liegt auf dem Südfriedhof in Leipzig) und eine 15minütige Pause. Zu diesem Zeitpunkt war mein Trinksystem schon eingefroren, unsere Jacken hatten von aussen Rauhreif angesetzt ( der Schweiß der nach außen gedrungen war) Zu den Temperaturen: - 15, Windchillfaktor allerdings von min. - 35 Grad.....ab und an dachte ich, mir friert die rechte Hand ab.
Ab 4:30 hörte man Triumphschreie vom Kraterrand, Glühwürmchen die vor uns am Gilman's Point angekommen waren. Um 5:58, nach klettern und krauchen war es dann auch bei uns soweit, wir schauten, geblendet von japanischen TV Kameras auf das Schild " You are now at Gilman's Point, Congratulations" Geschafft, wir waren AUF dem KiliPlateau auf 5685m. Das japanische Team hatte uns die ganze Woche. zusammen mit rd. 15 anderen Wanderern begleitet, wir sind auf den Zusammenschnitt der Reportage geplant, unsere Tränen der Erleichterung wird wohl in Japan zu sehen sein. Urplötzlich tauchte die Sonne und ne Colaflasche auf, noch nie habe ich Licht und Coffein als so willkommen empfunden.
Danach gings weiter zum Stella Point auf 5776m....klettern am inneren Kraterrand, ermüdend und anstrengend. Am S:P verkündete Stephan, dass für ihn Schluss wäre...Kopfweh, Übelkeit und keinen klaren Kopf mehr. 2 Paracetamol und ein Klapps vom Guide ließen ihn weitertorkeln....wir wurden getrennt, ich ging mit Side ( weil langsamer.- die Atmung) , Stephan mit Mike und Katzy sowei dem Hilfsguide. Demzufolge gitbs kein gemeinsames Gipfelfoto, ich sah die Jungs erst weider, als mir diese vom Gipfel entgegenkamen, während ich noch mit den letzten 50 Höhenmetern kämpfte. Stephan gings besser, auch wenn seine Aussagen zum Uhuru Peak und zur Höhe ziemlich wirr waren, wir haben später herzhaft darüber gelacht- die Übelkeit und das Kopfweh waren weg....dafür klappte Katzy auf dem Weg zur Hütte ein wenig zusammen, Stephan zog ihn mit Mike mehr vom Berg als das der Junge noch selbst laufen konnte. Allerdings konnte er am gleichen Tag noch auf seinen eigenen zwei Beinen bis nach Horombo, also alles jut....
Ich selbst war um 8:45 am Ziel, bis auf ein kurzes Triumpfgefühl war allerdings nicht drin. Schnelle Bilder und dann nochmal 3,5 Stunden bis nach Kibo.....zum Teil geschlittert....die ZickZacks der Nacht sind Schotterpisten, die man ähnlich wie Schnee herunterrutschen kann ( nicht auf dem Hintern )
Um 12:00Uhr, 12 Std. nach Aufbruch war ich wieder in der Hütte, die Jungs lagen schon ne Stunde in den Schlafsäcken. Für mich blieben nur noch 20 Minuten, dann packen, essen und nochmals 13 km bis nach Horombo. Keine Zeit für Triumph oder klare Gedanken, Verarbeitung kam und kommt wohl immer noch. Um 16:00 waren wir wieder in Horombo, insgesamt 1000m nach oben, 2000m nach unten, 16 Std. Wanderung lagen hinter uns. Ich bin neben meiner Suppe einfach eingeschlafen, schön das meine dreckigen Haare nicht in der Suppe Platz nahmen. Um 19.00 schnarchten wir in den Schlafsäcken.
Am nächsten Tag ( 19.03) liefen wir nochmals 23 km bis nach Marangu....viel Zeit um Revue passieren zu lassen und zu verarbeiten. Von uns 12 Gestarteten mußte Einer auf 5200m aufgeben, Einer lief nur bis Gilman's Point.....also eine gute Billianz, die aus den Statistiken fällt. Von den Mädels kamen alle durch, das sagt auch die Statistik....:0)
Ansonsten sahen wir 1 Krankenwagen am ersten Tag auf dem Weg nach Marangu ( 5km Straße gibts am Anfang) ....wir sahen wie ein Guide im Schweinsgalopp auf einer Trage von 6 Leuten hinabgetragen wurde ( vor Horombo) ....der war an die 100x auf dem Berg, nun Höhenkrankheit, Job am Ende ? Wir standen vor mehreren Gräbern, eins bleibt in Erinnerung. Auf der Höhe von 3500m ist ein 23jähriger Träger verunglückt.....er wollte am gleichen Tag von Marangu über Mandara nach Horombo und zurück.....200m von den Hütten Horombos entfernt wurde ihm die Höhe und das Wetter zum Verhängnis. 150 Menschen sterben jedes Jahr am Berg, der Kili zeigt nicht jedem das gleiche freundliche Gesicht, welches wir kennenlernen durften. Ungefähr 90% der Toten sind Guides, Träger, Köche....zu schlecht ihre Ausrüstung, zu sehr unter Zeitdruck.
In Horombo wird jeden Tag ein Gottesdienst abgehalten, der Wunsch den Berg gütig zu stimmen ist allgegenwärtig.......
Zurück im Hotel gabs die güldenen Urkunden, nen Bier und gutes Trinkgeld für unsere Crew- gefeiert wurde an diesem Abend in einem Restaurant in Moshi....natürlich mir KILIMANJARO; dem nationalem Bier.
Am nächsten Tag gings nach Zanzibar/Sanibar dort machten wir Stone Town und seine Altstadt unsicher. Zanzibar, geschichtsreich und islamisch- ein wenig wie Neukölle....
Leider klappten wir am ersten Tag förmlich in uns zusammen und lagen bereits um 17.00 im Bett- geholfen hatten uns folgende Biersorten: Kilimanjrao, Safari und Serengeti....lustig, wie das Zeug so heißt...
Danach Badeurlaub an der Ostküste, Robinson Crusoe Feeling inkl. Wir wohnten zw. Paje und Jambiani...Geld tauschen bedeutete schlechter Kurs im ortsansässigen Laden, 50 Min. hartes wandern in eine von beiden Richtungen. Kein Strom, kein Internet- dafür Oktopus in Kokossauce.
Wir gingen mit wilden Delfinen schwimmen, sahen Colobus Affen ( die es nur auf Z. gibt ) und versuchten uns ergebnislos im Hochseefischen....Steph hatte nen Kingfish an der Rolle, der sollte 10 Leute satt machen- das Tier wollte nicht auf den Grill !
Gelanweilt haben wir uns nie, wenn uns nichts mehr einfiel gings ans Muscheln sammeln- tolle Exemplare, meine Sammlung wurde beeindruckend erweitert....

So, das soll es von mir gewesen sein. Keine Kurzform, ich hoffe es langweilt Euch nicht. Ich habe heute wenigstens die ersten Bilder gesichtet und lege dieser Mail noch zwei bei.

Viel Spass beim Lesen

PS: Danke fürs Däumchen drücken, danke für die Mails und SMS die ich von Eurch bekommen habe



Teilen auf

Mein Interessenprofil

Bitte melden Sie sich an, um Reiseziele zu Ihrem Interessenprofil hinzuzufügen.

Kommentare

  • RdF54

    ... keuchend mitgeklettert - den Gipfel des "Berg des bösen Geistes" durch Deine Augen und Deiner tollen Beschreibung gesehen - fast schon wieder froh gewesen gut und heil mit den Glühwürmchen zurückzukommen ...
    Wirklich schöne E-Mail ... :-)

    LG Robert

  • mamaildi

    So wie du es beschreibst wars bei uns auch! Jeden Schritt bin ich mit dir nochmal mitgestiegen, dieselbe Route. Das Kiboskiing durch die Asche fand ich genial, so mühsam hoch, so schnell runter!

  • mamatembo

    he, Du machst nicht nur wunderbare Fotos, sondern kannst auch beeindruckend erzählen! Ich will mehr lesen! :-))
    Ach ja, und ausgesprochen respektvolle Gratulation zur Güldenen; ich hätte das nie geschafft!
    LG Beate

  • INTERTOURIST

    kurzweilig geschrieben
    hat mir sehr gefallen
    bin mir nicht sicher ob ich das schaffen würde
    bin zwar sportlich sehr Aktiv und habe eine Pop Kondition
    aber am Everest auf 5.200 ging es mir am dritten Tag nicht besonders gut
    ich war froh als ich wieder auf 4.200 war dann war alles wieder OK

    grüsse

  • mhsch

    @Jörg, was ist eine " Pop Kondition "? Das ist ja mal ein lustiger Tip Fehler. Gruß von mhsch

    @ Reisebericht: Geschickt geschrieben, voller Emotionen und Informationen regt an ihn schnell zu lesen, und dann nochmal und nochmal. Ein Abenteuer so lebendig beschreiben zu können ist eine Gabe, die ich auch gern hätte. Gruß von mhsch

  • grenzenlos1

    Sehr schön geschrieben!
    LG Wi grenzenlos

  • ursuvo

    hat mir auch sehr gut gefallen!! bin richtig mitgekeucht;-)
    gruss - ursula

  • nach oben nach oben scrollen
Bitte melden Sie sich an, um einen Kommentar abzugeben. Tansania 2010, Auszug aus einer Mail 4.35 20

Beliebte Community-Inhalte: AustralienNorwegenThailandVietnamItalienBarcelonaIndien ReiseführerIndien Tipps