Te Puia o Whakaari - oder: Ein Spaziergang auf dem Mond

Reisebericht

Te Puia o Whakaari - oder: Ein Spaziergang auf dem Mond

Reisebericht: Te Puia o Whakaari - oder: Ein Spaziergang auf dem Mond

White Island, aktivster Vulkan Neuseelands und zugleich der einzige auf einer Insel. Allein dieses Phänomen hat mehr verdient als 15.000 Touristen im Jahr, oft schmählich vernachlässigt in der Bay of Plenty gelegen, abseits der Hauptreisepfade von Auckland nach Rotorua. Ein Besuch lohnt sich nicht nur sondern ist definitiv eines der Highlights einer Neuseeland-Rundreise!

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Als der Wecker um halb sechs klingelt, habe ich das Gefühl, jemand hätte mir mit einem Hammer über den Schädel gezogen. Was für eine unchristliche Zeit, so früh stehen wir nicht mal zu Hause auf! Wir quälen uns aus dem Bett und machen uns dann auf den Weg nach Whakatane.
Bis Whakatene sind es nur 10 Kilometer und wir sollen uns um halb sieben im Büro von Peejays einfinden, dem Veranstalter der White Island Tour. Wir sind die ersten und werden freundlich begrüßt. Nach dem wir die Tour bezahlt haben, genehmigen wir uns noch einen Kaffee in der hauseigenen Bar. Dann gehen wir kurz vor 7 an Bord der Peejay IV, dem zweitgrößten Schiff der Flotte. Die Fahrt zur 50 Kilometer entfernten Insel wird 2 Stunden dauern, mir ist jetzt schon schlecht, angesichts der Wellen. Auf fast leeren Magen, mit Kaffee gefüllt Schiff fahren, ist irgendwie keine gute Idee. Zum Glück gibt es unter Deck eine kleine Lounge mit bequemen Ledercouchgarnituren.
Plötzlich ein Knacken in den Lautsprechern: „We have seen Dolphins“. Schlagartig sind wir hellwach und stürzen mit den anderen Passagieren an Deck. Tatsächlich. Vor und neben dem Schiff schwimmt eine riesige Schar Delfine. Sie machen sich einen Spaß daraus, mit dem Boot um die Wette zu schwimmen und immer wieder tollkühn in die Luft zu springen, um nachher wieder eine Weile unterzutauchen. Es sind vielleicht 10 oder mehr Tiere und sie begleiten uns bestimmt 20 Minuten lang. Wir sind begeistert. Im Gegensatz zu den Delfinen, die wir in der Bay of Islands gesehen haben, sind diese Delfine dunkelgrau und haben an den Seiten helle Streifen. Da wir dieses Mal mitten auf dem Meer sind, und nicht in einer geschützten Bucht, kommt ein eventuelles Schwimmen mit ihnen natürlich nicht in Frage.
Trotzdem, unser Tag fängt jetzt schon gut an.



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Bis zu Insel sind es dann nur noch ein paar Minuten. Schon von Weitem sieht man sie, allerdings ohne die von Postkarten bekannte Rauchwolke: White Island – der aktivste Vulkan Neuseelands und der einzige auf einer Insel. Die Insel ist keine Insel im herkömmlichen Sinne, die sich irgendwann vom Festland gelöst hat, nein, sie ist direkt vulkanischen Ursprungs und irgendwann durch eine Eruption aus dem Meer gehoben worden. White Island liegt auf der von Samoa ausgehenden Linie der Feuerberge. Die 3 Vulkankegel der „Weißen Insel“ gipfeln im 320 Meter hohen Mount Gisborne. Sofort riecht man den Schwefel und als wir immer näher kommen, sehen wir auch die dampfenden Rauchwolken. In einer gewaltigen Explosion zerstörten die Vulkane 1914 die Flanke der Insel.



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PeeJays sind übrigens das einzige Unternehmen, welches die Insel vom Wasser aus betreten und Touristen herbringen darf. Für die Luftrechte haben 3 Helikopter-Agenturen die Lizensierung. Jährlich werden rund 15.000 Touristen nach White Island gebracht, dennoch ist die Insel im Gegensatz zu anderen neuseeländischen Sehenswürdigkeiten noch eher ein Geheimtipp.
Wir ankern in einer kleinen Bucht und sehen vom Wasser aus bereits die Überreste der alten Mine. Diese wurde um 1900 errichtet, um Schwefel auf der Insel abzubauen. Ein schwieriges Unterfangen, welches 1914 durch den Ausbruch sowie die schwierigen Bedingungen auf eine harte Probe gestellt und in den 1930er Jahren aufgegeben wurde. Seit dem rostet die Mine still vor sich hin. Jegliches Metall zerfällt innerhalb kürzester Zeit wie Blätterteig.
Wir werden mit Gasmasken und gelben Helmen ausgestattet und gehen in einzelnen Gruppen mit dem Schlauchboot an Land. Das Meerwasser in der Bucht ist eigenartig türkis von den ausgeschiedenen Mineralien. Über einen verrosteten Steg balancieren wir die restlichen Meter vom Bootanleger bis zum Strand und stehen kurze Zeit später zum ersten Mal in unserem Leben auf einem aktiven Vulkan.



Sofort sind wir gefangen von der eigenartigen Landschaft dieser Insel. Etwas Vergleichbares haben wir noch nie gesehen. Ein bisschen Mondlandschaft, Marsoberfläche und das Feeling eines Science Fiction Films stellt sich ein.
White Island wurde von James Cook entdeckt, als der am 1. Oktober 1769 durch die Bay of Plenty segelte. Er nannte die Insel so, weil sie ständig in einer Wolke von weißem Dampf erschien. Obwohl er nahe an die Insel herankam, hatte er nicht bemerkt, dass es sich um einen Vulkan handelte. Der vollständige Maori-Name ist: „Te Puia o Whakaari“ (kurz: Whakaari), was „der dramatische Vulkan“ oder auch „sichtbar machen“ heißt.



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Wir bekommen noch eine kurze Sicherheitseinführung von unserem Guide Kent, der im Gegensatz zu uns einen roten Helm trägt, zwecks besserer Erkennbarkeit. Die Helme dienen unserem Schutz, da es immer wieder vorkommt, dass der Vulkan noch größere Steinbrocken ausspuckt, angeblich bis zur Größe eines Kleinwagens. Die letzte Eruption war erst im März 2000, die die Entstehung eines völlig neuen Kraters zur Folge hatte. Die Gasmasken können bei Bedarf wegen des starken Schwefel-Geruchs benutzt werden. Dann starten wir, in zwei Gruppen geteilt, den Inselrundgang.



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Der Himmel über uns ist dunkelblau und die Insel schimmert in den gelben, roten, orangen, neongrünen und –blauen Tönen. Wir laufen auf streng ausgetretenen Wegen, die wir auch nicht verlassen dürfen, da zum Teil unsicher ist, ob der Boden uns trägt und wir nicht eventuell einbrechen und Meter darunter in kochende Lava fallen. Kleine türkis-silberne Rinnsale kreuzen unseren Weg, das Wasser ist hochgiftig und sollte auf keinen Fall getrunken werden (!). Dazwischen leuchten gelbe Schwefel-Ablagerungen, die Insel scheint aus jeder Felsspalte und jedem Loch zu qualmen. Der Gestank ist unvorstellbar. Nach 10 Minuten ca. stehen wir vor einem Felsen, aus dem eine meterhohe Dampfwolke hervor schießt. Es ist ohrenbetäubend laut und zum ersten Mal muss ich meine Gasmaske kurz benutzen. Mit jedem Schritt merken wir die vulkanische Aktivität unter unseren Füßen, so langsam bekommen wir ein Gefühl für die unglaublichen Kräfte des Erdinneren und die Gewalten der Natur.



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Es scheint, als würde ein riesiges Monster mit Urkräften unter der Erde schlummern und nur darauf warten, einen Angriff auf uns Besucher zu starten. Das Gefühl, theoretisch jeden Moment einen Ausbruch hautnah zu erleben, macht einen schwindelig. Für einen solchen Notfall wurden wir auf jeden Fall instruiert, wie wir uns verhalten sollen. Vor längerer Zeit war eine Tour zur Insel unterwegs, als ein Seebeben bei der Insel ausbrach. Die Tour wurde natürlich sofort abgebrochen. Laut den Guides verändert sich auch die Insel ständig und jeden Tag ist etwas anders. Steine liegen an einem anderen Fleck, die Farben haben sich verändert, und und und. Wir staunen einfach nur mit weit aufgerissenen Augen.
Wir laufen weiter zu einem neon-grünen See, welcher zwischen den Ausbrüchen zwischen 1981 und 1983 entstand und der den umliegenden Kraterrand spiegelt. Selbst der See scheint vor sich hin zu köcheln und hier möchte man garantiert nicht Schwimmen gehen.



Der Geruch und die Hitze machen uns zu schaffen. Wir gehen jetzt direkt ins Zentrum des Kraters auf einen kleinen erhabenen Punkt, von dem man erst recht die Aktivitäten um uns herum beobachten kann.



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Dampf streicht uns um die Füße und wabert über die Insel. In der Ferne schaukelt unser Boot in der türkisen Bucht. Das rot der Felsen hebt sich im starken Kontrast gegen das Blau des Himmels ab.
Ich fotografiere und fotografiere – dieses Naturschauspiel verdient mehr als 15.000 Besucher im Jahr. Keine Ahnung, warum hier nicht mehr Touristen hin kommen, für uns ist der Ausflug das bisherige Highlight unserer Reise. 1 ½ Stunden wandern wir mit Kent durch den Krater, immer wieder werde ich ermahnt, an der Gruppe dran zu bleiben, da ich stehen bleibe und fotografiere.



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Zum Schluss streifen wir die Ruinen der Mine. Es ist unvorstellbar, wie sich Metall derartig auflösen kann. Ganze massive Zahnräder blättern auseinander. Viel zu schnell müssen wir zurück an Bord und blicken zurück, auf die dampfende, pulsierende White Island.



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Wer mag, kann in der Bucht noch schwimmen können, darauf verzichten wir jedoch lieber. Für die hungrigen Mägen gibt es noch einen leckeren Lunch ehe wir uns auf den Rückweg machen. Auf dem Schiff ist es plötzlich ganz ruhig. Alle scheinen von der Insel-Luft und der Wanderung erschöpft und eine tiefe Müdigkeit breitet sich an Deck aus. Kurz darauf, sind die Hälfte der Passagiere eingeschlafen, das Meer ist jetzt noch stürmischer als heute Morgen und die hohen Wellen machen es jetzt unmöglich, Delfine oder Wale ausfindig zu machen. Ich starre hinaus auf die Schaumkronen, Schiffahren hat doch immer etwas Hypnotisches und Beruhigendes. Vielleicht sehe ich doch in der Ferne einen Wal? Laut der Crew wurden während der 2stündigen Überfahrt schon öfters Wale, Delfine und Haie gesichtet. Aber bis zum Horizont sehe ich nur Wellen, Wellen, Wellen.



Ich blättere durch das Gästebuch und entdecke einen Eintrag, der mir aus tiefstem Herzen spricht: "The Earth has music for those, who listen! I heared some today!" Ich hätte es nicht treffender formulieren können. Dieses Erlebnis war definitiv eines der berührendsten und fantastischsten unseren Lebens und wir werden diesen Tag garantiert niemals vergessen! Wer kann schon von sich behaupten, einmal in seinem Leben auf einem aktiven Vulkan gestanden zu haben?
Um 12:30 Uhr sind wir wieder zurück in Whakatane und verlassen die PeeJay IV. Die Crew verabschiedet uns herzlich und wir machen uns auf, die Ostküste der Nordinsel zu verlassen und ins Landesinnere, in Richtung Rotorua zu fahren.




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Kommentare

  • pleuro

    Hallo Jane,
    ein wunderbarer Bericht, gut und unterhaltsam geschrieben, mit viel Persönlichem eindrucksvoll rübergebracht. Dazu noch die schönen Foto! Das hat mir alles sehr gut gefallen!
    Liebe Grüße Anne

  • astrid

    Hallo Jane,
    ein toller Bericht mit herrlichen Fotos. Danke!
    Herzlichen Gruß, Astrid

  • truecolors

    Hallo Jane
    sehr informativ, sehr bildhaft beschrieben mit den tollen Bildern
    Danke und Gruß Truecolors

  • wasserhexe (RP)

    Hallo Jane, gefällt mir ganz toll. Du hast sehr bildhaft beschrieben wie es Euch ergangen ist und was Ihr gefühlt habt. Danke und liebe Grüße Heike

  • moeraki

    hi jane- sehr informativ und schöne fotos.... man konnte fast schwefel riechen. lg karin

  • freeneck-farmer

    Hallo Jane,
    sehr schöne fotos und gut geschrieben. Aber Neuseeland ist so weit weg, schade!
    LG Anneken

  • Zeitreisende

    Hallo Jane, Dein Bericht hat mir sehr gut gefallen ! Und die Fotos sind auch toll. Habe beim Lesen eine Gänsehaut bekommen; kann mir richtig gut vorstellen, wie Du Dich gefühlt hast. Und: jetzt will ich da unbedingt auch mal hin ! LG Dani

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  • trollbaby

    Hallo Jane!
    Was für ein Erlebnis! Durch Deinen sehr guten Bericht und die fantastischen Fotos glaubt man, dabei gewesen zu sein. Ich kann mir gut vorstellen, dass dieser Ausflug der Höhepunkt Eurer Reise war, denn so etwas erlebt man so schnell nicht wieder (wenn überhaupt)! Wie Dani vor mir schon schrieb: da will ich auch einmal hin!!!
    LG Susi

  • Blula

    White Island? Ich habe leider noch nie davon gehört. Neuseeland ist ja auch so weit weg.... Dein Bericht hat mich ehrlich fasziniert und die Fotos sowieso. Ganz große Klasse!!! Vielen Dank, auch dafür, dass Du zumindest mir wieder was ganz Neues nähergebracht hast.
    LG Ursula

  • Jane

    Hallo liebe Neuseeland-Fans! Ganz ganz herzlichen Dank an alle, die meinen White Island Bericht bewertet und kommentiert haben! Ich habe mich riesig gefreut! Insgesamt habe ich über 80 A4 Seiten Urlaubstagebuch in Neuseeland geschrieben, daher an dieser Stelle nur ein kleiner Auszug, meiner Berichte. Bin immer noch am aufarbeiten der Reise! Es war der absolute Wahnsinn!

  • Schoena

    Hallo Jane,
    da habt ihr wirklich eine ganz besondere "Ecke" von Neuseeland entdeckt. Mutig, mutig sich auf einen aktiven Vulkan zu begeben. Schön, dass wir es dank Deines Berichtes wenigstens ein bisschen mit erleben konnten und die Fotos haben das Ganze noch gut unterstrichen. Ja, da will ich auch noch einmal hin. Wenn es nur nicht so schrecklich weit weg wäre. Nun bin ich schon auf weitere Erlebnisse eurer Neuseelandreise gespannt.
    Viele Grüße Ingeborg

  • mamatembo

    Hallo Jane,
    da ist Dir wieder einmal ein wunderbarer und total interessanter Bericht gelungen; dazu diese großartigen Fotos ... ich bin beeindruckt!
    Und könnte sofort wieder nach Neuseeland aufbrechen. Vor langer Zeit habe ich die beiden Inseln zwar ausführlich bereist, aber White Island ist für mich noch immer ein white spot! :-))
    LG Beate

  • widix

    Liebe Jane,
    das sind wirklich fantastische Bilder, die Ihr auf White Island geschossen habt. Dein Bericht ist nicht nur informativ, sondern lässt mich Deinen Inselbesuch hautnah miterleben. Vielen Dank fürs Mitreisen lassen. Ich war schon selbst in Neuseeland, aber das ist 20 Jahre her und wir haben es leider nicht nicht nach White Island geschafft - nach Deinem Bericht weiß ich nun, was ich verpasst habe. Außerdem gebe ich Dir recht, dass es ein unglaubliches Gefühl ist, einen aktiven Vulkan besucht zu haben (bei mir waren es 2 Vulkane in Indonesien).
    Liebe Grüße
    Sabine

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  • Artemisia

    Halli hallo Jane
    Auf der Suche nach Infos über Neuseeland für meine geplanter Reise im Februar bin ich über deinen Bericht gestolpert. Der ist so faszinierend dass ich jetzt sofort eine Nacht im Motel und Ausflug auf die Insel am folgenden Tag gebucht habe. Vielen Dank für deine wunderbare Erzählung mit Bildern die so viel Lust auf selber Erleben macht.
    Jetzt heisst es "White Island wir kommen".
    Liebe Grüsse Jeannette

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