Unterrichten an einer Schule in Zanskar

Reisebericht

Unterrichten an einer Schule in Zanskar

Reisebericht: Unterrichten an einer Schule in Zanskar

Im Sommer 2009 war ich vier Monate in Ladakh und Zanskar, habe dort an einer Mittelschule Englisch- und Theaterunterricht gegeben, bevor ich weitergereist bin, zum Trecking im Himalaya und zu dem Besuch des Dalai Lama nach Lingshed, einem kleinen Streudorf in den Bergen.

Schüler der SECPAD-Schule Yulsum

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Mitten im Leben, abseits der Welt

Mutter einer Schülerin bei der...

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Zanskar ist ein entlegenes Hochtal mitten im indischen Himalaya. Von Leh, der Hauptstadt Ladakhs, sind es ein paar hundert Kilometer und zwei Tagesreisen mit dem Jeep, um dorthin zu gelangen. Holprig die Straßen, die nur für kurze Zeit im Sommer passierbar sind. Den Rest des Jahres gelangt kaum ein Reisender in die Region, die auf über 4000m Höhe liegt.
Als ich mich im letzten Sommer auf den Weg dorthin gemacht habe, sind Kälte und Eis jedoch noch weit entfernt. Die Menschen, denen ich begegne, haben alle Hände voll zu tun: in den paar Monaten, die ihnen bleiben, müssen sie ihre Felder bestellen und die Ernte aus Gerste, Weizen und Erbsen einholen, um die Nahrung für den langen Winter zu sichern.
In Yulsum, einem kleinen Dorf, werde ich die kommenden Wochen an einer Schule verbringen, um dort den Kindern Englisch beizubringen. Die Aufgabe ist auch für mich eine neue Herausforderung, denn gelernt habe ich etwas ganz anderes. Als Angestellte in einem Dortmunder Bioladen habe ich mich bisher eher mit EAN-Codes und der Beratung der Kunden auseinandergesetzt als mit Vokabeltraining und englischer Grammatik.
Doch als ich von der deutschen „Athenstaedt-Stiftung“ erfahren habe, die sich dort engagiert, war meine Neugier geweckt, und so stand mein Entschluss, für eine Weile dort zu leben und zu arbeiten, sehr schnell fest.
Die gemeinnützige Organisation aus Bremen hilft den Schülern der SECPAD-Schule (Social Education Cultural Preservation and Developement) seit vielen Jahren, stellt den Kontakt zu Pateneltern her, die für das Schulgeld der Kinder aufkommen, bezahlt die Lehrer und das Schulmaterial. Auch das Gebäude, zu dem noch ein angeschlossenes Internat gehört, wird durch Spendengelder aus Deutschland finanziert.
Schon am ersten Tag nimmt mich das freudige Rufen und Lachen der Kinder ein. Für sie erscheine ich mit meiner blassen Haut und fremden Sprache irgendwie exotisch. Neugierig folgen mir einige von ihnen, beobachten mein Tun genau.
Doch das Unterrichten fällt mir manchmal schwer. Die Englischkenntnisse der Zanskaris sind oftmals schlecht, und auch die kulturellen Unterschiede machen sich bemerkbar. Wenn ich so gar nicht weiterweiß, hilft oft ein Spiel: Memory oder „Ich sehe was, das Du nicht siehst“. Die Kinder lernen die Vokabeln der Bilder auf den Karten oder des gesuchten Gegenstandes, und bringen mir im Gegenzug den ladakhischen Begriff bei. Und mit soviel Spaß geht vieles leichter.
Nach dem Unterricht gehen wir gemeinsam in den Speiseraum des Internates. Von den 152 Schülern, die die Schule besuchen, wohnen hier etwa 45, deren Familien in weiter entlegeneren Dörfern leben. Auch ich habe hier ein kleines Zimmer. Und so kann ich den ganzen Tag mit den Kindern zusammen sein, bin beim Morgen- und Abendgebet, der Puja, dabei und finde oft noch etwas Zeit, um nach der Schule zusammen zu spielen oder mit einer kleinen Gruppe ein Theaterstück zu proben. Manchmal kochen wir gemeinsam, ich lerne, was „momos“ (eine Art tibetischer Ravioli) sind und wie man sie zubereitet. Den Kindern zeige ich dafür, wie man Pfannkuchen macht und lade sie auf den ersten Schokopudding ihres Lebens ein – das Pulver dafür habe ich aus Deutschland mitgebracht.
Viel zu schnell vergehen die Wochen, und als ich Anfang August schließlich weiterreise, fällt der Abschied schwer. Die Kinder sind mir ans Herz gewachsen, und ich habe mich an den gemeinsamen Tagesablauf mit ihnen gewöhnt. An meinem letzten Tag wird das Stück, an dem wir so lange geübt haben, aufgeführt. In den Gesichtern der Kinder zeigt sich ihre Anspannung, aber auch ganz viel Freude und ein gewisser Stolz. Theaterspielen – das hat keines von ihnen bisher gemacht! Als ich gehe, weiß ich, dass wir viel voneinander gelernt haben. Nicht nur Englisch oder ein paar Brocken Ladakhi.

Für weitere Informationen: www.athenstaedt-stiftung.de


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Kommentare

  • RdF54

    Respekt!!

    LG Robert

  • Thomas12 (RP)

    hi nina,

    ja, bedauerlich wenn einem die Zeitung den Platz streicht und man dann gute Berichte kürzen muß.

    Dennoch gefällt mir auch deine kurze Fassung für einen ersten Eindruck deiner Erlebnisse gut.

    Wer mag, kann ja auch durchaus auf deiner Website nachlesen, wo wenn ich mich recht erinnere eine längere Reisebeschreibung zu finden ist. Den Link kannst du ja
    noch ergänzen wenn du möchtest.

    Zum Athenstaedt Schulprojekt noch kurz eine paar kurze Bemerkungen von mir.

    Es handelt sich dabei um eines der vielen (wieviele davon gibt es eigentlich mittlerweile ?) privaten Schulprojekte in Ladakh und Zanskar.

    Die finanzielle Zukunft des Projekts scheint auch nach dem Tod der Gründerin durch eine Stiftung gesichert zu sein, was das Engagement des Vereins angeht, fühlt sich wohl keiner so richtig zuständig.

    Die große Frage, die alle derartigen Projekte zu lösen haben, nämlich wie jemals eine Unabhängigkeit von Vereinen, Förderung und Finanzierung des Westens erreicht werden soll, scheint mir auch hier noch ungelöst zu sein.

    Ein weiteres Guest-House in Yulsum wird bei der extrem kurzen Sommersaison in Zanskar keine Lösung sein, zumal das Touristenaufkommen ausserhalb der organisierten durchwandernden Gruppen eher gering ist. Wer verirrt sich da schon nach Yulsum ?

    Dennoch, es wird viel investiert, viel gebaut und Bildung hilft den Kindern allemal auf ihrem Wege weiter.

    Soweit fürs erste.

    Thomas12
    Thomas Wilden

  • Thomas12 (RP)

    hallo noch mal,

    es gab da ja auch noch einen Link auf eine Kodak-Gallerie mit vielen, vielen Bildern die Nina während ihres Aufenthaltes in Zanskar gemacht hat.

    Gerne kannst du uns natürlich auch hier den Verweis auf deine Bilder geben, wenn du möchtest.

    Ich würd mich freuen, andere Leser sicher auch.

    Grüße
    Thomas 12
    Thomas Wilden

    ... und danke noch mal für deinen lesenswerten Beitrag.

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