So viel Heimlichkeit, in der (sächsischen) Weihnachtszeit….

Reisebericht

So viel Heimlichkeit, in der (sächsischen) Weihnachtszeit….

Reisebericht: So viel Heimlichkeit, in der (sächsischen) Weihnachtszeit….

Beim Spaziergang über die unzähligen Weihnachtsmärkte Dresdens blicke ich auf sächsische Traditionen, Rezepte, Gebräuche und Geschichten.

Touristenbusse erobern zur Zeit Dresden – tatsächlich, an den vergangenen Adventswochenenden war in Dresden kein einziges freies Hotelzimmer mehr zu bekommen. Zu Weihnachten strömt ganz Deutschland, Tschechien und Polen in die sächsische Hauptstadt, um den berühmten und ältesten Weihnachtsmarkt, den Striezelmarkt, zu bestaunen. Bereits zum 575. Mal erobern Stollen, Kipferl, Pflaumentoffel und erzgebirgische Volkskunst die Herzen der Besucher. Im Herzen der historischen Altstadt gelegen, haben sich mittlerweile noch unzählige kleinere Weihnachtsmärkte hinzugesellt. Beliebt bei Touristen ist so unter anderem auch der mittelalterliche Weihnachtsmarkt im Stallhof Dresden, der neueste Markt auf dem Neumarkt, zu Füßen der Frauenkirche gelegen, die Schlemmermeile in der Münzgasse sowie der moderne Markt auf der Hauptstraße, bei dem Shopping und Glühwein-Trinken direkt verbunden werden können.
Steigt man in Dresden am Hauptbahnhof aus, kann man – kein Scherz – 3,2 Kilometer über Weihnachtsmärkte bis hin zum Albertplatz auf der Neustädter Seite wandern.

Die Sachsen sind berühmt für ihre Weihnachtsgebräuche. Aus den verschiedenen Regionen stammen beliebte Mitbringsel – Herrnhuter Sterne, Lausitzer Glasbläserkunst, Pulsnitzer Pfefferkuchen, Seiffener Pyramiden, Räuchermännchen, Schwibbögen oder Dresdner Pflaumentoffel.
Letzterer ist ein kleiner Glücksbringer aus Backpflaumen, der einem Schlotfegerjungen mit Umhang und Kehrbesen nachempfunden ist. Später wurde sein Aussehen ein wenig modifiziert und heute trägt er Leiter, Zylinder und Halskrause. Seine Geschichte geht bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts zurück, als verarmte Familien aus der Not heraus Pflaumentoffel bastelten und sie von ihren Kinder, den sogenannten „Striezelkindern“, verkaufen ließen. Diese Striezelkinder finden sich bis heute besonders in der erzgebirgschen Holzschnitzkunst wieder.

Beginnen wir also am Hauptbahnhof, laufen wir zunächst über die Hauptstraße, Dresdens beliebte Einkaufsfußgängerzone, und gelangen direkt zum Altmarkt. Beim Geruch von gebrannten Mandeln, Glühwein und Weihnachtsmusik wird ganz sicher auch der letzte Weihnachtsmuffel schwach.



Striezelmarkt 2009



1434 zum ersten Mal urkundlich erwähnt, hat der Striezelmarkt seine Wurzeln von Kurfürst Friedrich II. und seinem Bruder Herzog Sigismund, die 1434 erstmals das Zugeständnis machten, einen freien Markt 1x wöchentlich sowie am Tag vor Weihnachten auf dem heutigen Altmarkt abzuhalten. Zunächst nur Fleisch gedacht, gesellte sich schnell der Striezel hinzu, besser bekannt als der Dresdner Christstollen, dem der Striezelmarkt seinen Namen zu verdanken hat. Schon zu Beginn des 16. Jahrhunderts wurden Dresdner Christstollen auf dem Striezelmarkt verkauft. Heute haben nur wenige Bäcker die offzielle Erlaubnis „Original Dresdner Christstollen“ zu verkaufen. Zum üblichen Rosinenstollen gesellen sich dafür neue leckere Kreationen, wir Mandel-, Mohnstollen, Mohnstriezel und und und. Ganz Mutige backen sogar ihren eigenen Stollen zu Hause.
Nach einem über 100 Jahre alten Rezept enthält der Dresdner Stollen bei 3 Pfund Mehl:
• 300 g Zucker,
• 1¼ Pfund Butter,
• ¼ Pfund Rindertalg (heute besser Schmalz),
• 1½ Pfund Rosinen, in Rum eingeweicht,
• ¾ Pfund Zitronat,
• ¾ Pfund Mandeln,
• 110 g Hefe,
• 1 Prise Salz,
• abgeriebene Zitronenschale,
• ca. ¼ l Milch.



Striezelmarkt 2009



Verlässt man den Striezelmarkt über die Wilsdruffer Straße steht man auch schon direkt vor der Frauenkirche. Hier hat sich 2009 ein ganz neuer Weihnachtsmarkt etabliert, der romantische Weihnachtsmarkt soll die Zeit zwischen 1830 und 1920 widerspiegeln und im historischen Gewand traditionelle, hochwertige und handgefertigte Waren darbieten. Nach dem man sich an einem leckeren Heurekaner gütlich getan hat, sollte man unbedingt die verschiedenen Handwerkszünfte besichtigen. Warum so nicht mal für einen historischen Scherenschnitt Modell sitzen? Neben der Weihnachtskrippe im Stall dürfen die Tiere sogar gestreichelt werden. Zwischen den Ständen begegnet man Bergmännern in Uniformen, die gerne ein Weihnachtsständchen bringen.



Romantischer Weihnachtsmarkt...



Diese Bergmänner erinnern besonders an das Erzgebirge, aus dem die meisten Weihnachtsbräuche herstammen. Das „Lichteln“ zum Beispiel entstand dadurch, dass die Ehefrauen ursprünglich eine Kerze ins Fenster stellten, um ihren Männern, den Bergleuten, den Weg nach Hause zu zeigen. In Annaberg findet so jedes Jahr am 4. Advent die größte deutsche Bergparade statt, bei der sächsische Bergknapp- und brüderschaften vereint mit etwa 1200 Trachtenträger aus ganz Sachsen und den Bergbauregionen der gesamten Bundesrepublik aufmarschieren. Eine weitere bekannte Tradition ist das am Heilig Abend servierte „Neunerlei“, ein Weihnachtsessen bestehend aus 9 Gerichten. Je nach Region im Erzgebirge, sind das in der Regel:

Kartoffelsalat oder Klöße (damit das Große Geld – Taler – nicht ausgeht), Fisch (eine Schuppe wird abgelöst und getrocknet in der Geldbörse aufbewahrt, damit das Kleingeld nicht ausgeht), Linsen haben ebenfalls diese Bedeutung, Bratwurst (damit man(n) stark bleibt), Sauerkraut (damit das Leben nicht sauer wird), Semmelmilch (für die Schönheit), Nüsse (damit der Lebensweg gut geölt ist), Rote Beete (damit man rote Wangen hat, für die Gesundheit).



Neumarkt Dresden an Weihnachten...

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Vom Neumarkt aus sind es nur noch wenige Schritte bis zum Stallhof Dresden. 3 Taler kostet der Eintritt am Wochenende, geboten werden zünftiges Met, Hanfbrot, mittelalterliche Musik
oder ein Bad in der Menge. Im Badehaus können jeweils 8 Personen in zwei riesigen hölzernen Zubern, Platz nehmen und sich von Schnee und Eiseskälte befreien.

Wer nun noch nicht genug bekommen hat – oder sich im Badezuber wieder aufgewärmt hat – kann über die Münzgasse noch über die Elbe bis zur Hauptstraße laufen. Auf dem Fußgängerboulevard vom Goldenen Reiter bis zum Albertplatz können die Besucher am Randes des Barockviertels um die Königstraße vorweihnachtliches Flair genießen, entspannt nach Weihnachtsgeschenken stöbern, Künstlern bei Ihren Darbietungen zusehen und nach Herzenslust die vielen Nascherein probieren.

In diesem Sinne: Frohe Sächsische Weihnacht! Und zum Schluss noch ein Rätsel: Was ist eine „Bieramidengärdse“?


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Kommentare

  • Schoena

    Schade, dass der Bericht so spät zur Weihnachtszeit erscheint. Er lädt doch sehr zum Besuch des Weihnachtsmarktes ein und das Stollenrezept sollte man vielleicht auch einmal ausprobieren. Aber zum Glück gibt es ja jedes Jahr einen Weihnachtsmarkt!
    Insgesamt gut geschrieben mit vielen interessanten Informationen.

  • Blula

    Danke für diesen schönen und informativen Bericht. Muß gestehen, dass ich leider noch nie in Dresden war. Vielleicht sollte ich das spätestens nächstes Jahr zur Weihnachtszeit mal ins Auge fassen. Du bringst mich hier im wahrsten Sinne des Wortes auf den Geschmack..!!

  • mamaildi

    Das ist ein richtig schöner Bericht, der die weihnachtliche Stimmung vermittelt und auch die Traditionen, die dahinter stecken, erläutert. Da kann ich Schoena nur recht geben: schade, dass nun keine Zeit mehr für einen Besuch in Dresden bleibt, denn das scheint mir wirklich ein lohnender Weihnachtsmarkt zu sein!
    Des Rätsels Lösung ist wohl die Pyramidenkerze ;-))

  • Jane

    Hallo Schoena, Blula und Mamaildi,

    vielen Dank für Eure positiven Bewertungen und Kommentare. Eigentlich war der Bericht nur für Weihnachten gedacht, um die schönen sächsischen Weihnachtstraditionen ein wenig bekannter zu machen. Für einen Besuch kam er wahrscheinlich wirklich einfach zu spät. Dann gilt die Einladung aber herzlich für 2010! Und wenn im kommenden Sommer die neuen Termine feststehen, kann ich Öffnungszeiten und Preise nachpflegen, damit ihr bestens für einen Besuch in meiner Heimatstadt gerüstet seid. Wenn ihr dann auch noch Tipps für Übernachtungen braucht, gebt einfach Bescheid.

    Liebe Grüße und Frohe Weihnachten wünscht Euch Jane

  • SachsenTourismus (RP)

    Hallo zusammen,

    so ein schöner Bericht über Weihnachten in Sachsen!

    Wenn Ihr Euch für die 2010er Weihnachtsmärkte in Sachsen interessiert, schaut mal auf www.tmgs.de, da gibt's auf der Startseite ein schönes PDF mit allen Weihnachtsmärkten.

    Zusätzlich hält jede Städteseite noch mal ein paar Infos und den direkten Link zum Weihnachtsmarkt bereit, so zum Beispiel Dresden (http://www.sachsen-tourismus.de/de/staedtereisen/dresden.html).

    Eine schöne Vorweihnachtszeit zusammen:).

    Viele Grüße,

    Euer Team von SachsenTourismus

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