Kulturelle, historische Stätten im Reich der Mitte

Reisebericht

Kulturelle, historische Stätten im Reich der Mitte

Reisebericht: Kulturelle, historische Stätten im Reich der Mitte

Während eines Auslandsaufenthaltes in Hong Kong habe ich Reisen nach China unternommen, insgesamt knapp 7 Wochen.
Ziel: verschiedene Ecken des Landes sehen, günstig unter Einheimischen reisen
Ergebnis: eine Abenteuerreise auf eigene Faust zu wunderschönen Landschaften eines faszinierenden Landes
Erster Teil: Städte-und Kultur-Reise: HK - Chongqing - Yangtze - Yichang - Xi'An - Peking - HK

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29.12.2006

Los geht's: ab in die Mitte des Reich der Mitte

Abflug Shenzhen

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Nach einem sehr frühen letzten Frühstück in vertrauter Umgebung und Gesellschaft ging es los mit der KCR zum Grenzübergang nach Shenzhen. Dies war noch ein bereits vertrauter Weg. Doch schon auf der anderen Seite der Grenze begann die Suche nach dem richtigen Bus zum Flughafen.
Mit fragendem Blick, ein paar chinesischen Brocken und einem handgeschriebenen Zettel mit den chinesischen Schriftzeichen des Wortes Flughafen in der Hand fragte ich mich von der erst besten Haltestelle über einige Busse bis zum richtigen Minibus durch. Dort saßen schon einige Leute mit viel Gepäck drin, also konnte es sich nur um den richtigen Bus handeln.
Nach etwa einer Stunde erreichten wir unser Ziel und mit den anderen beladenen Leuten stieg ich aus. Dies war eindeutig der Flughafen. Ein großes Schild mit Arrival, und natürlich chinesischen Schriftzeichen prangt über der Tür. Doch wo war nur die Abflugshalle?
Ich entschied mich, erstmal hinein zu gehen und dann weiterzusuchen.
Morgens um 9 Uhr war die Halle fast menschenleer. Ein wenig durstig trieb es mich zur McDonalds Filiale, in der Hoffnung, dort jemanden mit nur wenigstens ein paar Englischkenntnissen zu finden. Cola bestellen klappte ganz gut, doch als ich nach dem Abflugbereich fragte, waren der Verkäufer und ich mit unseren Sprachkenntnissen des jeweils anderen am Ende.
Also versuchte ich mit Händen, Füßen und Körpereinsatz ein abhebendes Flugzeug darzustellen. Den Stadtnamen Chongqing hatte er bereits verstanden. Er schrieb ihn mir sogar in Chinesisch auf, was ich natürlich leider nicht lesen konnte, und erst hinterher in meinem Reiseführer identifizieren musste. Doch dann konnte er mir irgendwie doch verständlich machen, dass nicht nur das Flugzeug abheben würde, sondern auch ich erstmal ins obere Stockwerk müsste. Ja, auf die Idee hätte ich auch allein kommen können, doch für diese gedankliche Leistung war es einfach zu früh am Morgen, und dann hätte ich ja auch dieses amüsante Gespräch verpasst :-)
An der Informationsstelle im Abflugsbereich sprach sogar jemand Englisch, der mir sagte, wo ich mein Ticket abholen und ich einchecken konnte.
Pünktlich wie wir Deutschen nun mal sind, musste ich noch kurz warten, aber dann ging's los: eingecheckt, zur Security, … und zurück zum Check-in.
Hattee ich es doch gewagt, mit meinem Für-Alle-Fälle-Taschenmesser durch die Sicherheitskontrolle zu gehen. Also wurde mein kleines Messer in einen riesigen Karton verpackt und als Gepäckstück aufgegeben.
Dann lief aber alles reibungslos, zumindest nachdem der Sicherheitsmann an meiner Wasserflasche gerochen hatte, Vortrinken musste ich es nicht.
Also ging es ab ins Flugzeug, wo ich leider am Gang saß, aber bei dem bewölkten Himmel machte mir das nicht viel aus.
Eine ältere Chinesin, die am Fenster saß, machte mir ein Foto kurz vor dem Start. Es dauerte einige Zeit, doch dann konnte ich sie überzeugen, dass der Fotoapparat nicht gefährlich wäre, einfach nur auf den einen Knopf fest drücken und fertig.
Ich glaube, die beiden schon etwas älteren Chinesen neben mir hatten noch nie einen Fotoapparat in der Hand.



Ankunft in Chongqing

Glücksbringer

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Es war ein schöner erholsamer Flug, der meinetwegen noch etwas länger hätte dauern können, so gern hätt’ ich noch etwas geschlummert.
Doch nach 2h kam ich in Chongqing an. Und schon der Gang durch die Gangway zeigte mir, dass es hier um einiges kühler war als in Hongkong.
Am Ausgang wurde ich gleich von jemandem von dem Ferry Office abgeholt, über das ich mich für die Ferry Tour auf dem Yangtze angemeldet hatte. Ein bisschen Planung kann bei der ersten Chinareise garnicht schaden.
In einer mir endlos erscheinenden Fahrt durch eine im Nebel versinkende städtische Landschaft wurde ich zum Office gebracht. Es waren wohl etwa 5°C draußen, soweit reichte das Englisch. Aber trotz Schal und mehreren ungewohnten Kleidungsschichten war es sehr frisch.
In Chongqing Stadt angekommen standen wir dann kurz vorm Office im Stau. Ein Stockung im Straßenverkehr ist in China eigentlich keine große Sache, denn die Ursache ist selten ein Unfall oder ähnliches, sondern es liegt mehr daran, dass zu viele Verkehrsteilnehmer auf einmal auf die Kreuzung fahren. Es gibt zwar Verkehrsregel, die oft eingehalten werden, doch gerade die Fahrradfahrer, Fußgänger und Karrenschieber suchen sich immer den für sie schnellsten Weg.
Nachdem ich also in dem Office, das mehr einem einfachen Hotelzimemr glich, die Reise bezahlt hatte und sie mir telefonisch eine günstige Unterkunft bestätigten, starte ich: meine ersten Schritte allein auf Chinas Straßen.
Ich werd diesen Eindruck wohl nie vergessen. Fotos können das leider nicht beschreiben, denn der unglaubliche Lärm, die Gerüche oder auch z.T. Gestank lässt sich nicht in Bildern festhalten. Zum Glück hattee ich von einigen Bekannten, die schon vor mir eine Reise nach Xi’An und Peking gemacht haben, erfahren, dass man in China einfach über die Straße geht, wenn sie halbwegs frei ist. Das heißt, man kämpft sich Fahrbahnspur um Fahrbahnspur vor. So steht man also manchmal zwischen den Autos, die auf beiden Seiten um einen herum fahren, bis zur nächsten Lücke in der zu überquerenden Spur. Autofahren ist in China schon ein Erlebnis für sich, was ich trotz ‚richtiger’ Fahrbahnseite (Rechtsverkehr) nicht selber ausprobieren möchte. Es ähnelt bei den vielen Fußgängern, Fahrradfahrern und Karrenschiebern schon fast einer Slalomfahrt.
Zuerst lief ich durch ein paar Marktstraßen, wo es viele der typischen, roten Glücksbringer gab. Doch recht schnell gelangte ich dann zu einer Art Verkaufshalle für Klamotten, denn eines stand fest, eine Jacke musste her. Gleich ganz vorne war ein Stand mit sehr warm aussehenden Jacken für nur 45RMB. Anprobiert, wirklich sehr wärmend, und schon besaß ich eine Jacke für knapp 5€. So gefällt mir China.
Dann ging es erstmal in Richtung Docks, wollte ich doch sehen, was mich am nächsten Tag erwarten würde. Leider konnte man nicht viel sehen. So viel dichten Nebel hatte ich schon lange nicht mehr gesehen. Auf dem Platz von dem man einen guten Blick auf die beiden in einander mündenden Flüssen in Chongqing hat, waren viele Leute unterwegs, die versuchen, Geld zu verdienen.
So erstand ich sehr schnell eine Karte in Englisch über den Verlauf des Yangtzes mit genaueren Erklärungen zu den Abschnitten, die ich in den nächsten Tagen entdecken würde. Außerdem konnte ich eine Schuhputzerin nicht davon abhalten meine Schuhe zu putzen und zu kleben - hatte sich die Spitze meiner Turnschuhe schon seit geraumer Zeit gelöst. Für 30 Cents wolte sie dies reparieren.
Also klebte und schrubbte sie meine 'ollen' Turnschuhe, sahen echt toll aus. Mittlerweile waren andere Schuhputzer und Leute neugierig geworden, wer die Fremde dort wäre. Ein kleines Kind kam immer wieder zu mir gelaufen und starrte mich an. Da fühlt man sich wie ein Außerirdischer. :-)
Dann waren meine Schuhe fertig, und mit Unterstützung eines Mannes meinte sie nun doch 10RMB haben zu wollen. Auch wenn 1€ für reparierte und geputzte Schuhe nicht viel wäre, so lasse ich mich nicht über den Tisch ziehen.
Nach einigen Verhandlungen, wie gut das ich die Zahlen zumindest im unteren Bereich beherrschte, einigten wir uns auf 3Y pro Schuh.
Nach all diesen lustigen, merkwürdigen Begegnungen machte ich mich durch die Straßen ziehend auf in Richtung meines Hotels. Es schien, als sei ich die einzige Fremde, die diese Chinesen je gesehen hatten. Von vielen Seiten hörte ich immer wieder ein ‚Hello!’ (das vermutlich einzige, was sie in Englisch sagen können) und viele Blicke blieben beim Vorbeigehen an mir hängen. Sobald ich auf die Karte in meinem Reiseführer schaute, gesellten sich neugierige Leute hinzu und fragten, wo ich denn hin will. Und so bekam ich immer wieder neue Richtungshinweise.
Eine Frau wollte mir dann unbedingt den Weg dorthin persönlich zeigen, was bedeutete, sie wollte Geld.. Auch nach einigen Anläufen, in den ich ihr klar zu machen versuchte, ich fände meinen Weg und sie würde kein Geld von mir bekommen, ließ sie sich nicht davon abbringen, mir auf Schritt und Tritt zu folgen. Schließlich hat sie Geld von einem Mann aus der Hotellobby bekommen und damit war sie endlich verschwunden.
Als ich ankam, war es gegen 18Uhr abends. Da mich eine Form der Erschöpfung übermannte und auch keinerlei Appetit vorhanden war, blieb ich den Abend in dem gemütlichen Mehrbettzimmer (50,-RMB/Nacht).
Um halb 11Uhr konnte ich mich dann aufraffen, und begann die Suche nach etwas Essbarem. Das Hotel lag günstig in einer der Haupteinkaufstraße und so konnte ich sogar noch ein paar Pommes Frites beim KFC nebenan kurz vor Ladenschluss und einen Maiskolben beim Kiosk vor der Tür bekommen. Und schon wurden die Bürgersteige in Chongqing hochgeklappt.



Chongqing Tag2

Nach einer erholsamen Nacht und einem verschlafenen Frühstück, dass laut dem Franzosen, der auch in dem Dormsaal schlief, nur aus Reissuppe mit Gemüse bestand, fuhr ich ins Ferry Office, um dort den Tag über meinen Rucksack abzustellen.
Anschließend ging ich zuerst zurück zu der Verkäuferin meiner Jacke, da leider der Reißverschluss unten ausgefranst war und sich somit nicht mehr schließen ließ. Außerdem hatten sich die beiden unteren Knöpfe schon verabschiedet.
Ohne zu zögern, gab sie mir eine neue Jacke. Ich gab ihr das Preisschild der neuen Jacke, das sie vermutlich an die zurückgegebene Jacke hing, um diese weiter zu verkaufen. So geht das in China. ;-)
Anschließend lief ich ein wenig durch die Stadt zum PipaShan Park. Von dort aus versuchte ich, einen Überblick über die Stadt zu werfen, was bei dem Nebel nur von geringer Weite war.
Auf dem Rückweg zum Office suchte ich einen Supermarkt, was etwas länger dauerte als geplant. Ich war gut eine Stunde zu spät dran. So sammelten sich in Blitzeseile die verschiedensten Lebensmittel in meinem Einkaufswagen, aber bei einem Gesamteinkauf von 15,-EUR war es mir auch egal, wenn ich nur die Hälfte davon essen würde.
Schwer bepackt mit vielen Tüten wurde ich draußen gleich von einem 'Lastenträger' abgefangen, ein Mann mit einem Stock und Schlaufen an den Enden. Ich nahm sein Angebot gerne an, zeigte ihm die Visitenkarte des Ferry Office und so trug er mir meine Lebensmittel und vor allem Getränke etwa 10-15 Minuten zum Ferry Office – für 1€! - und ganz ohne die Gefahr mich zu verlaufen :-)
Dort traf ich ein Pärchen aus Schweden, das dieselbe Tour gebucht hatte, und gemeinsam ging es nach gut einer Stunde warten – wie gut, dass ich mich nicht noch mehr beeilt hatte – zum Ferry Terminal. Nach erneutem Warten verließen wir mit unserem Guide die Wartehalle, umringt von vielen Träger, doch wir beschlossen, das kurze Stück zur Ferry würden wir alleine schaffen.
Mit einer Art Gondel ging es runter zum Anleger und dann auf das Schiff.

Und damit beginnt ein anderer Teil meiner Reise: die Ferry Tour auf dem Yangtze.



Yangtze Kreuzfahrt

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Abends um 23 Uhr ging es also los, ab auf den Yangtze.
Das Boot bestand aus vier Stockwerken, wobei sich wie auf einem Kreuzfahrtschiff die gehobenen Klassen in den oberen Stockwerken befanden, während die Passagiere der dritten Klasse ihre Kabinen ganz unten über dem Motor bezogen – so wie ich.
Auf der Homepage werden folgende Hinweise gegeben:
1. Only CHINESE SPEAKING guide in this boat.
2. The rates do NOT includ food accommodation. (Deshalb der Großeinkauf.)
3 This boat is not COMFORTABLE for western passengers, but it is a economic way to travel yangtze for Backpackers and students.
- ganz oben auf der Seite, dick in rot gedruckt – nun weiß ich warum ;-)
Die Kabinen waren immer gleich groß, egal wie viele Leute darin schliefen. Also in der 1. Klasse zwei Leute, 2. Klasse vier Leute, 3. Klasse sechs Leute.
So schlief ich also mit 5 anderen Chinesen in einer Kabine, die kleiner war als mein Zimmer in Hongkong. Als mir meine Kabine zugeteilt wurde, stand ich vor dem ersten sprachlichen Problem, ich bekam einen Schlüsselanhänger mit der Nummer, aber ohne Schlüssel. Es stellte sich heraus, dass es nur für Bett Nr. 1 einen Schlüssel gab und ich somit keinen eigenen Schlüssel für die Kabine hatte. Nun gut, ich nahm es hin und bezog mein Zimmer.
Das zweite Problem hatte ich beim Öffnen der Tür: sie ging nicht auf. Also besser gesagt nur einen Spalt breit. Das Problem war die Türklinke, die Tür ließ sich nur öffnen, wenn man die Türklinke runterdrückte, ansonsten klemmte die Tür (also der Einraster oder wie man das nennt) an dem ersten Doppelhochbett.
Mit Rucksack und den vielen Einkaufstüten quetschte ich mich also bis zu meinem Bett durch. Trotz der Enge hatte ich vermutlich das beste Bett auf dem ganzen Schiff.
Wir hatten wie alle Kabinen ein Fenster zur Seite und, da wir die vorderste Kabine waren, noch einen schönen Ausblick über den Bug. Ich schlief außerdem auf der Fensterseite im oberen Bett und konnte somit die Landschaft betrachten, während ich im Bett lag, was will man mehr?!
Meine Mitreisenden waren auch sehr nett, ein chinesisches Ehepaar, die kaum was gesagt haben, die Frau verbrachte fast die ganze Zeit im Bett, und drei weitere Chinesen, die sehr erstaunt darüber waren, dass ich allein durch China reiste. Mit meinen paar chinesischen Brocken konnte ich ihnen erzählen, dass ich aus Deutschland komme, in Hongkong studiere und eine Freundin in Peking besuchen möchte. Damit waren dann meine Sprachkenntnisse ausgereizt. Sie boten mir eine grüne Frucht an, die aussah wie ein kleiner giftgrüner Apfel, schmeckte eher wie eine Birne, gehörte aber zum Steinobst, mit der Bezeichnung ‚qingzao’. Nun habe ich es nachgeschlagen und es heißt ‚grüne Dattel’. Aha, hat auf jeden Fall sehr gut geschmeckt.
Die Betten waren aus Holz mit einer dünnen Auflage, die als Matratze dienen sollte. Für drei Nächte akzeptabel. Die Menge der Leute in der Kabine heizten den Raum sehr gut auf und so war es nicht wirklich kalt, obwohl es keine Heizung gab.
Die 1. Klasse, wie ich später erfuhr, war nicht unbedingt viel besser. Die Betten haben zwar richtige Matratzen, in denen man allerdings wohl jede einzelne Feder spürte. Es gab auch deutlich mehr Platz, aber nachts war es wohl echt kalt.
Das Badezimmer, jede Kabine hatte ein eigenes, war, wie soll ich sagen, chinesisch: eine Duschvorrichtung über einer chinesischen Toilette, also einem Toilettenbecken im Fußboden. Das Waschbecken war aus Glas, so dass man stets die darunter liegenden Abflussrohre betrachten konnte – wer sich das überlegt hat.
Da die Fenster nach vorne durch den Fahrtwind kälter waren als die anderen, gab es für sie einen zusätzlichen Plastikvorhang, damit das Kondenswasser abgeschirmt war. Die Passagiere darüber zu informieren hatten die Guides wohl vergessen, auf jeden Fall klopfte um 3:30 in der Nacht unser Guide für die Touren an die Tür und mein gegenüber Bettnachbar erklärte mir, sie hätte uns wohl gebeten, die Vorhänge zu schließen, aber die waren natürlich schon lange zu. Zumindest hab ich seine Ausführungen mit Händen und Wortfetzen so verstanden.



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Yangtze Kreuzfahrt Tag1

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Am nächsten Morgen um 7Uhr besichtigten wir die Geisterstadt Fengdu besichtigt. Da es ja wie bereits erwähnt nur chinesische Tourguides gibt, bin ich mit ein paar anderen Ausländern, die ich beim Verlassen des Schiffes getroffen habe, man findet sich bei so wenigen englischen Worten ganz wie von selbst. Also liefen wir gemeinsam hoch zum Ming Shan.
Dort gab es dann viele Tempelgebäude und Skulpturen, die dem Höllengott Tianzi geweiht sind. Sahen schon echt absurd aus.
Das Wetter war weiterhin sehr diesig, so dass man noch nicht mal die andere Uferseite des Yangtzes sehen konnte. Das verlieh dem ganzen Ort eine schaurige, geisterhafte Atmosphäre. Leider blieb uns nicht genügend Zeit, um auch noch die Geisterpaläste auf der anderen Seite der Anlage zu besichtigen. Die westlichen Touristen waren schließlich pünktlich zur Weiterfahrt um 10Uhr zurück, nur die Chinesen mit ihren Tourguides hatten sich leider nicht daran gehalten. So legten wir also erst um kurz vor 11Uhr ab. Ich war ein wenig enttäuscht, dass wir uns den anderen Teil nicht wenigstens noch kurz angesehen haben, aber so schön war das Wetter nun auch nicht, und so war ich wenigstens sicher, dass das Boot nicht ohne mich weiterfuhr.
Den Nachmittag fuhren wir also weiter den Yangtze hinunter. Hin und wieder waren nun weiße Markierungen an den Klippen und Hängen zu sehen, die markierten, wie hoch das Wasser steigen wird, wenn der Staudamm, unser Endziel, voll genutzt wird. Je nach Enge des Flusses bedeutet das, dass der Wasserspiegel um 20m bis 100m ansteigt. Es werden dann auf Dauer einige Städte und etwa 2 Mio. Menschen umgesiedelt werden müssen.
Am Abend fuhren wir nach Wanzhou. Als die ersten großen Brücken in Sicht kamen, beobachtete ich das Erwachen der Lichter in der Umgebung. Zur Feier des Tages gab es am Ufer in mehreren Abschnitten kleine Feuerwerke. Es war schön, so weit weg von Zuhause und jeglicher Silvesterfeier aus unerklärlichem Grunde Raketen zu sehen. Es war 7Uhr abends, doch ich hatte mein Feuerwerk, klein, aber fein. Dann erreichten wir die Stadt und den Bootsanleger. Es war nach der vielen bäuerlichen Gegend schön die Lichter der Stadt erstrahlen zu sehen. Und vermutlich ist die Stadt im Dunkeln um einiges schönes als bei Tageslicht :-)
Dort wurde der ZhangFei Tempel besichtigt, der zwar recht schön, aber doch sehr touristisch aufgemacht war. Die Umrisse der Tempeldächer waren in rote Lichterketten eingefasst. Der Tempel stand eigentlich bei Baidicheng und wurde dann Stein für Stein an dem jetzigen Standort, nahe zum Bootsanleger wieder aufgebaut - nur um bald wieder den Hang hinauf 'verrückt' zu werden.
Der Tempel ist drei Brüdern gewidmet, die sich erst gut vertrugen und sich dann doch zerstritten. Aber so genau blickt man als Ausländer durch die ganzen Geschichten nicht durch, zumal die englischen Erklärungen doch sehr kurz gehalten waren.
Zurück auf dem Schiff traf ich die beiden Schweden wieder, die ihre eigene Kabine hatten und sie luden uns, also insgesamt eine Kanadierin, eine Australierin, ein Engländer und mich zu sich ein, um ins neue Jahr zu feiern. Meine Kabinenmitbewohner waren sehr verwundert, als ich so spät unsere Kabine wieder verlassen wollte, doch nach einigen Versuchen verstanden sie „New Year“, und ich war für eine Nacht der Schlüsselbesitzer.
Eine Amerikanerin mit ihrem Sohn (leben in Thailand) hatten ebenfalls die 1.Klasse gebucht und so trafen sich alle Foreigner gegen 11Uhr auf dem 4.Deck, wo sich auch das Sightseeing Deck befand. Zuerst feierten wir bei den Amerikanern und später bei den Schweden, so konnte der kleine Alexander frühzeitig schlafen gehen.
Alle bewaffneten sich mit etwas zu trinken und dann ging es für Mitternacht aufs Sightseeing Deck, um mit Rotwein, Sprudel, Eistee oder was jeder gerade so trank anzustoßen.
Anschließend saßen wir mit nun mit Chips, Keksen und allerlei zu trinken bei den Schweden in der Kabine. Es war ein sehr lustiger Abend. Ich konnte vielen spannenden Geschichten lauschen, bekam neue Ideen für tolle Reisen und es gab viel zum Lachen.



Yangtze Kreuzfahrt Tag2

Die Nacht fuhren wir durch, um am nächsten Morgen die Qutang Schlucht, die erste, kürzeste, wildeste (früher einmal) und eindruckvollste Schlucht bei Tageslicht zu durchfahren. Den Ausflug um 7 Uhr zur White Emperor City (Zhongxian) hatte ich gecancelled, da ich mich erstens nicht wirklich fit fühlte und wer will schon am Neujahrmorgen schon um 6Uhr aufstehen.
Die Schlucht war sehr eindrucksvoll. Die steilen Felswände ragten rechts und links von uns empor, enger als in irgendeiner anderen der folgenden Schluchten.
Mittags legten wir einen Stopp in Wushan ein. Dort stiegen wir in ein kleineres Boot um. Immer noch groß genug für alle, geschätzte 250 Leute. Für den Nachmittag war ein Ausflug in die drei kleinen Schluchten geplant. Die 'kleinen Schluchten' sind vor allem um vieles enger, dadurch näher ... einfach unglaublich schön.
Die gesamte Zeit hatten wir einen extra Tourguide, der uns über Mikro auf beiden Stockwerken ständig mit vielen Informationen fütterte – und mit ständig, meine ich ständig, immer zu, fortlaufend. Das war nach einigen Stunden dann doch zu viel des guten. Eine chinesische Familie, die seit zwei Jahren in Brisbane/Australien lebt, war so lieb und übersetzte mir einiges und versuchte mir das wichtigste zu erzählen, doch ich hatte den Eindruck, auch ihnen wurde es nach einiger Zeit zu viel der Informationen.
Wir machten einige Zwischenstopps bei einem auf traditionell aussehenden Dorf mit vielen Souvenirläden oder einer Tempelanlage, die eigens ein Vater für seinen Sohn errichtete, damit er studieren konnte. Dieser tat dies auch fleißig, was gut nachzuvollziehen ist, die Aussicht war zwar herrlich, doch nach spätestens zwei Tagen wäre es vermutlich sehr einsam, eingekesselt in der Felswand festzusitzen.
Außerdem gab es viele kleine Dörfer, Affen, hängende Särge, ein in die Klippen gehauenen Pfad zu bestaunen und traumhafte Landschaft, der man sich noch näher fühlte, als wir in kleinen Nussschalen kurz über der Wasseroberfläche saßen. Aber so wirklich kann man diese Eindrücke nicht in Worte fassen.
Mit Einbruch der Dämmerung waren wir wieder zurück, doch über Nacht blieben wir in Wushan vor Anker und konnten so zum Abendessen in die Stadt. Allerdings hätten wir dafür einen Taxi oder Privat Driver nehmen müssen, und so aßen einige Ausländer und ich am Anleger. Mu, die Kanadierin, sprach Mandarin und so wurde sie bald als unsere Reiseleiterin abgestempelt. Es war wirklich sehr hilfreich, wenn man sicher wusste, was einem serviert wird und die Leute einem erzählen.
Der Ausflug hatte mich wegen einer Erkältung ziemlich geschafft und so war ich froh, als ich wieder in meinem Bett lag.
Dadurch hatte ich am nächsten Morgen auch einen Teil der zweiten Schlucht verschlafen, denn abgelegt wurde schon um 6 Uhr. Aber die letzte Schlucht war dann eh das Highlight des Tages: schneebedeckte Gipfel, vor allem für die Chinesen ein großes Ereignis. Die meisten haben wahrscheinlich noch nie Schnee in ihrem Leben gesehen (Süd-Chinesen), und so wurden Fotos ohne Ende geschossen.
Der Ausflug zum Qu Yuan Tempel fiel aus, da es durch viel Regen am Abend zu rutschig gewesen wäre und die angekündigte traditionelle Performance von Tanz und Gesang nicht stattgefunden hätte. Aber ich bekam mein Geld wieder und so war ich nicht böse, ein Tempel weniger, das ist bei einer mehrwöchigen Chinareise leicht zu verschmerzen.
Daher erreichten wir die Docks bei Yichang schon früher als geplant. Dort wurde sich dann schnell von den Schweden und dem Engländer verabschiedet, die gleich mit dem Bus nach Yichang und nach Wuhan fahren wollten. Der Rest unserer ausländischen Truppe ging ab in den Bus zum irrsinnigen Drei-Schluchten Damm. Es ist wirklich ein riesiges Bauwerk. Der Damm allein ist schon eine mächtige Betonmauer, aber die Schleusen sind unglaublich. In 5 Stufen werden die großen Containerschiffe vom aufgestauten “See“-Level hinab auf Fluss Niveau gesenkt.
Leider war das Wetter wie gewohnt, die Sicht sehr bescheiden. Doch nun kann ich sagen, ich habe dieses kostspielige (~25 Mrd. EUR) Bauwerk gesehen, welches eine herrliche Landschaft mit einigen ungeborgenen archäologischen Relikten zum Großenteil unter Wasser setzt. Und die ökologischen Folgen sind so schwerwiegend, dass der Damm durch die in den See eingeleiteten Abwässer und die einsetzende Verschlammung innerhalb von ca. 70 Jahren unbrauchbar wird.
Jeder soll sich aber sein eigenes Urteil über dieses Bauvorhaben bilden...
Um 16 Uhr wurden wir direkt am Tourist Center abgesetzt, wo ich schon erwartet wurde, um mir das zuvor gebuchte Bahnticket nach Xi’An zu übergeben. Ich musste wie die anderen noch eine Nacht in Yichang verbringen, da ich nicht erwartet hatte, den Zug um 17 Uhr noch pünktlich erreichen zu können.
So teilten wir uns auf, Diane ging mit Mu und ich mit Seonaid und Alexander, die bereits eine Zimmer gebucht hatten.
Wir wurden zwar darauf hingewiesen, dass es nur ein Doppelzimmer sei, und deshalb nur 2 Personen dort schlafen dürften. Das stritten wir natürlich nicht ab, und ich ließ mich an dem Abend einfach nicht mehr blicken, verließ am nächsten Morgen wortlos allein das Hotel, um mich dann draußen von ihnen zu verabschieden, und keiner des Hotels hat sich beschwert. :-)

Jetzt blieb mir noch ein freier Tag in Yichang, bevor der Nachtzug nach Xi'An abfuhr!



Three gorges of yangtze


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Kommentare

  • winni

    Ein spannender Reisebericht, aber es fehlen auch Fotos. Ich würde den Bericht in mehrere Seiten aufteilen und besser auch in mehreren Abschnitten. Er wirkt jetzt etwas unübersichtlich. Auch würde ich noch mehr Stichwörter eingeben. Wenn man was suchen möchte, ist es so schlecht. Vielleicht änderst du noch einiges. vg winni

  • SvenniHK

    Danke, habe noch einige Probleme mit der schönen Erstellung.
    Hatte gedacht, wenn ich die bilder hochlade, sind die gleich im Text, aber so einfach geht es leider doch nicht.
    Arbeite noch am Layout!

  • Weina

    Trotz der wenigen Bilder ein sehr unterhaltsamer Bericht von dir. Teile deiner Reise glichen sich mit unserer eigenen 2010, so konnte ich deine Schilderungen gut nachvollziehen...
    mfg Weina

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