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Reisebericht: Im Land der Geysire
Da mich Naturschauspiele mehr beeindrucken als Sonnenstrände und Partymeilen wählte ich Island als nächstes Reiseziel. Dieses Land hatte mich schon immer wegen seiner Geysire, Gletscher und Vulkane beeindruckt. Eine Mitarbeiterin aus dem Reisebüro berichtete, dass sie schon selbst dort gewesen sei und dass dieses Land außer ewigem Eis und heißen Springquellen noch viel mehr zu bieten hätte...
Eine junge Republik im Hohen Norden
Der Flug mit der „Iceland Air“ von Hamburg zum isländischen Keflavik hatte insgesamt vier Stunden gedauert. Dabei war ein Zwischenstopp in Kopenhagen enthalten. Da die Route nach Westen führte, wurde es selbst um kurz vor Mitternacht nicht dunkel.
Keflavik liegt etwa sechzig Kilometer von Reykjavik entfernt und ist der einzige internationale Flughafen auf Island.
Ich war mit einer Gruppe unterwegs, die von einer einheimischen Reiseleiterin, die Deutsch sprach, betreut wurde. Wir wohnten die ganze Zeit in Reykjavik und von dort aus starteten alle Tagesausflüge. Ich war im Gasthaus Smårar, einem zweigeschossigen Neubaublock mit 19 Zimmern und nur einem Speiseraum für alle Gäste untergebracht. Für jede Etage gab es nur ein WC und eine Dusche. Doch zum Schlafen reichte diese Unterkunft völlig aus.
Das isländische Straßennetz war Ende der neunziger Jahre zwar recht gut ausgebaut, doch die meisten Fahrbahnen waren unbefestigt. Daher musste selbst für relativ kurze Entfernungen viel Zeit eingeplant werden. So konnte uns unsere Reiseleiterin zwischendurch immer über die einzelnen Ausflugsziele ausführlich berichten. Auf unserer ersten Tour ging sie zunächst auf die Geschichte Islands ein.
Nach einigen Quellen wurde Island erstmals um 870 gesichtet. Wenige Jahre später siedelten sich norwegische Wikinger an, die frei von Gesetzen leben wollten. Das Leben ohne Gesetze dauerte fast drei Jahrhunderte und endete im Chaos. Deshalb stellten sich die Siedler im
13. Jahrhundert unter norwegischen Schutz. Im Jahre 1380 fiel Norwegen - und damit auch Island - an die dänische Krone. Im ersten Weltkrieg war Island neutral, doch im Zweiten Weltkrieg wurde die Insel zunächst von britischen und anschließend von amerikanischen Truppen besetzt, um einer deutschen Invasion vorzubeugen. Nach der Besetzung Dänemarks durch deutsche Truppen erklärte sich Island unabhängig und am 17. Juni 1944 wurde die isländische Republik ausgerufen.
Wir besichtigten die Stelle, an der die Unabhängigkeit verkündet wurde. An einer porösen Basaltwand stand ein Mast mit der isländischen Staatsflagge. Hier tagte bis 1798 das isländische Parlament im Freien. Danach wurde der Regierungssitz nach Reykjavik verlegt. Das mit Gras überwucherte Gelände erinnert aber kaum noch an den damaligen Versammlungsort. An jener Stelle wurde aber trotzdem, natürlich aus rein historischen Gründen, im Juni 1944 die Republik Island ausgerufen und 1994 das fünfzigjährige Staatsjubiläum gefeiert.
Heiße Quellen und schwarzes Eis
Eine große Touristenattraktion auf Island ist das Geysirfeld Haukadalur. Das Wort „Geysir“ ist von gjosa, was so viel wie ausbrechen bedeutet, abgeleitet. Der „Große Geysir“ gab allen anderen Springquellen dieser Art ihren Namen. Er galt zum Zeitpunkt unserer Reise als erloschen, wurde aber durch ein Erdbeben im Jahre 2000 zu neuen Aktivitäten angeregt. Wesentlich aktiver war (und ist) das „Butterfass“. Dieser Geysir bricht bis zu drei Mal hintereinander aus.
Das „Butterfass“ lief gerade über, als wir ankamen. Nachdem die Wassersäule wieder in sich zusammengefallen war, wagte ich mich bis an die Absperrung um den Krater heran und richtete meine Kamera darauf. In etwa zwei Metern Tiefe war leicht brodelndes Wasser zu sehen. Plötzlich blubberte es stärker und stieg hoch. Ich trat daher einige Schritte zurück. Bereits Sekunden später schoss die kochende Gischt aus dem Krater. Ich bekam einige Tropfen ab, obwohl ich von der Absperrung zurück getreten war. Das Wasser roch sehr stark nach Schwefel.
Während der weiteren Ausflüge betrachteten wir einige imposante Wasserfälle. Einer davon war der Gullfoss, der Goldene Wasserfall. Die Wassermassen stürzen auf zwei Stufen in etwa fünfzig Meter Tiefe. Die aus Basalt bestehenden Abhänge fielen fast senkrecht ab. Der Gullfoss ist einer der wenigen Wasserfälle, die nicht für die Erzeugung von Elektroenergie genutzt werden.
Island bezieht achtzig Prozent seines Bedarfes an Strom aus Wasserkraft. Die verbliebenen zwanzig Prozent werden aus Erdwärme gewonnen. Der gesamte Energiebedarf wird also zu 100 % aus regenerativen Quellen bezogen. Deshalb zahlt man auf Island keine Energiekosten. Allerdings ist hier die Wasseraufbereitung sehr teuer, sodass die Wasserrechnungen dementsprechend hoch sind.
Ein weiteres Reiseziel war die Gletscherzunge Solheimajökull, die schon in der Ferne zu sehen sein sollte. Doch wir erkannten am Horizont lediglich ein schwarzes Bergmassiv. So sah normalerweise Basalt aus. Und tatsächlich war unsere Vermutung nicht gänzlich verkehrt, denn was wir sahen, war ein durch Vulkanasche verunreinigter Gletscher. Unter diesem Gletscher liegt der Vulkan Katla, der zeitweise Asche ausspuckt, welche dem Gletschereis sein schwarzes, schmutziges Antlitz verleiht.
Der Reisebus hielt auf einer wüsten, mit Geröll bedeckten Ebene. Obwohl die Außentemperatur nur um die fünfzehn Grad betrug, war uns so warm, dass wir unsere Jacken auszogen. Die Sonne strahlt im Hohen Norden nämlich viel intensiver als in Mitteleuropa und daher fühlen sich die Temperaturen auf Island wärmer an. Aber strahlender Sonnenschein und Gletschereis; wie passte das zusammen…
Einige Mitreisende versuchten das Eis zu erklimmen, doch unsere sonst sehr ruhige Reiseleiterin rief sie lautstark und energisch zurück. Das Eis war auf Grund der frühlingshaften Temperaturen nämlich sehr weich geworden und daher keinesfalls begehbar. Es ließ sich sogar mit der flachen Hand mühelos eindrücken. Daher konnten wir nur am Rande der Eismassen entlang wandern.
Am nächsten Vormittag fuhren wir zur Blauen Lagune, die mitten auf einem Geröllfeld liegt. Die Blaue Lagune ist eine 120 Grad heiße Quelle, deren Wasser durch einige Minerale blau gefärbt ist. Auf Grund der hohen Wassertemperatur ist neben der Quelle ein Geothermalkraftwerk errichtet worden. Das blaue, mineralhaltige Wasser hat aber auch eine heilende Wirkung. So befindet sich an der „Lagune“ eine Hautklinik, in der insbesondere Patienten mit Schuppenflechte behandelt werden. Wer ein belebendes Bad nehmen möchte, ist hier ebenfalls richtig. Einen Badestrand gibt es auf Grund der recht ungemütlichen isländischen Sommer nicht. Die Badegäste halten sich in einem beheizten Umkleideraum auf und müssen nur einige Meter im Freien bis zum See laufen. Wer diese kurze, aber dennoch sehr ungemütliche und steinige Strecke überwunden hat, kann sich im etwa vierzig Grad warmem Wasser wohl fühlen.
Die Lufttemperatur betrug bei unserer Ankunft sechs Grad. So verzichteten die meisten Mitreisenden aus unserer Gruppe - darunter auch ich - auf ein Bad.
In der isländischen Hauptstadt
In unserem Reiseprogramm war auch eine Rundfahrt durch die isländische Hauptstadt Reykjavik enthalten.
Reykjavik wurde bereits um 870 erwähnt, bekam aber erst 1786 das Stadtrecht zugeteilt. Der Name bedeutet „rauchende Bucht“. Mit dem „Rauch“ ist der aus heißen Quellen aufsteigende, weiße Wasserdampf gemeint. Die Stadtentwicklung war durch Handelsblockaden über mehrere Jahrhunderte lang nicht voran geschritten. Erst im 20. Jahrhundert stieg die Einwohnerzahl merklich an und heute leben über 120.000 Menschen in Reykjavik.
Vor dem „Höfdi-Haus“ legten wir unseren ersten Fotostopp ein.
Das Höfdi-Haus wurde im Jahre 1905 aus Fertigteilen zusammengesetzt, welche aus Norwegen stammten. Es war damit das erste Haus auf Island, das nicht aus Holz und Torf bestand. Seit der Unabhängigkeit des Landes befindet es sich in staatlichem Besitz und wird für Prominententreffen genutzt.
Am 11. Oktober 1986 trafen sich Ronald Reagan und Michail Gorbatschow während ihres zweiten Gipfeltreffens im Höfdi-Haus. Dieses Treffen endete bekanntlich ohne ein konkretes Ergebnis. Die Isländer behaupten daher, dass es nach dem Treffen dieser beiden Politiker im Höfdi-Haus anfing zu spuken.
Die „Hallgimskirche“ gehört zu den modernen Bauwerken der Stadt. Sie wurde erst 1986 nach über vierzig jähriger Bauzeit eingeweiht. Der Kirchturm ist mit seinen 73 Metern das höchste Gebäude des Landes.
Nach Beendigung der Stadtrundfahrt stieg ich den Kirchturm hinauf und konnte einen großen Teil der Stadt von oben aus sehen, darunter den Campus der Universität. Dort studierten (1997) etwa 8.000 Leute.
An einer Fakultät dieser Universität werden ständig neue Wörter entwickelt, damit sich die isländische Sprache immer dem neusten Stand der Wissenschaft und Technik anpassen kann. Auf diese Weise soll die Einführung von Fremdwörtern vermieden werden, um den alten Wortschatz zu bewahren. Ein Computer wird beispielsweise als „Zahlenhexer“ bezeichnet.
Ein Ausflug zum Westmänner-Archipel
Sehr beeindruckend war für mich der Ausflug zum Westmänner-Archipel, einer vulkanischen Inselgruppe, die der Hauptinsel vorgelagert ist. Von Reykjavik aus kommt man entweder mit einer Autofähre oder mit Propellermaschinen nach Heimaey, der einzigen bewohnten Westmänner-Insel.
Auf Island herrscht übrigens ein reger nationaler Flugverkehr, da nicht wenige Teile des Landes, insbesondere der Norden und einige Inseln, schwerlich per Auto bzw. per Schiff zu erreichen sind.
In der Propellermaschine, mit der unsere Gruppe zum Westmänner-Archipel flog, fanden etwa fünfzig Personen Platz. Die Stewardess verteilte kurz vor dem Start Bonbons. Der Flug dauerte nur zwanzig Minuten (Eine Überfahrt mit der Fähre hätte dagegen viereinhalb Stunden gedauert).
Die Insel Heimaey ist weltweit bekannt geworden durch einen gewaltigen Vulkanausbruch am 23. Januar 1973. In jener Januarnacht riss gegen zwei Uhr die Erde plötzlich in eine zwei Kilometer lange Spalte auf und spuckte Unmengen an Lava heraus. Die Polizei ordnete die sofortige Evakuierung der Insel an. Da es in den Tagen zuvor stark gestürmt hatte, lagen alle Fischerboote im Hafen, sodass genügend Rettungsmittel bereit standen. Zu Beginn des Ausbruchs war auch der Flugplatz noch nicht von den Lavamassen bedroht gewesen, sodass alle alten und kranken Menschen ausgeflogen werden konnten. So kamen bei diesem gewaltigen Naturereignis keine Menschen zu Schaden. Der Ausbruch dauerte fast ein halbes Jahr, wobei die Stadt durch die Lavamassen und durch den Ascheregen völlig verschüttet wurde. Ein Drittel der Stadt konnte neu aufgebaut werden, die anderen zwei Drittel sind bis heute verschüttet bzw. zerstört.
Unsere Reisegruppe fuhr auf den Vulkanberg „Eldfell“ (was Feuerberg bedeutet) hinauf, der selbst 25 Jahre nach dem Ausbruch immer noch heiß war und dampfte. Einige Zentimeter unter der Erdoberfläche fühlte sich der Boden lauwarm an und in einem halben Meter Tiefe betrug die Bodentemperatur sogar noch über sechshundert Grad Celsius! Vor dem Ausbruch befand sich hier etwa 40 Meter tiefes Meer, doch wir standen nun über 40 Meter hoch über dem Meeresspiegel.
Mitten auf diesem scheinbar öden Geröllfeld hatte ein älteres Ehepaar einen Steingarten angelegt. Da der Erdboden immer warm ist, gedeihen hier unter anderem Nelken und Tulpen, die auf Island normalerweise nur in Gewächshäusern überleben.
Die heiße Erde des Vulkanbergs eignet sich aber nicht nur für den Gartenbau, sondern auch zum Brot backen. Nach einem isländischen Brauch werden für prominente Besucher Brote auf dem Berg gebacken. Der Teig lagert zehn Stunden im heißen Geröll und das fertige Brot wird anschließend vom prominenten Gast selbst ausgegraben.
Als der damalige amerikanische Präsident Ronald Reagan im Oktober 1986 auf Island weilte, sollte auch für ihn ein Brot auf dem Eldfell gebacken werden. Doch den Organisatoren war offenbar völlig entgangen, den Teig rechtzeitig einzugraben. Um die Tradition nicht zu brechen, gruben sie für den Präsidenten schnell ein bereits fertig gebackenes Brot in den Geröllboden ein. Die Besucherdelegation reiste planmäßig an und Präsident Reagan grub das „frisch gebackene“ Brot aus. Zu seiner großen Verwunderung war dieses angeblich frische Brot jedoch bereits in Scheiben geschnitten.
Am späten Nachmittag traf unsere Gruppe auf dem Flugplatz ein. Wir wurden auf mehrere Zweipropellerflugzeuge aufgeteilt, in denen jeweils nur zwanzig Leute Platz fanden. Dafür befand sich jeder Sitzplatz an einem Fenster.
Camping am ewigen Eis
Mein letzter Ausflug auf Island führte in das Gletschertal Thorsmörk, einem landesweit sehr beliebtem Campingplatz. Der Weg dorthin verlief an der Südküste entlang. Irgendwann mussten wir in einen anderen Bus umsteigen, der eine auffällig hoch liegende Karosserie sowie ein abgeschrägtes Heck hatte. Der Grund dafür war das nun folgende, noch unwegsamere Gelände und vor allem die Bäche, die den Weg an einigen Stellen kreuzten. Der Busfahrer berichtete, dass sich diese kleinen Gewässer während der Schneeschmelze zu reißenden Strömen vergrößerten.
An einem See legten wir einen Stopp ein. Im Hintergrund zeigte sich eine weiße Zunge des Gletschers zwischen einem mit Moosen begrünten Bergmassiv. Auf dem glasklaren Wasser trieb ein Eisblock, der sich wahrscheinlich erst vor kurzem von der Gletscherzunge abgelöst hatte.
Der Bus hielt vor einem eingeschossigen Holzhaus. Darin war alles zu finden, was die Camper benötigen: WC, Waschräume, ein kleiner Laden und ein Schnellrestaurant. An einigen Stellen im Tal waren Bäume angepflanzt worden, zwischen denen die Camper ihre Zelte aufgeschlagen hatten. Sie zelteten bevorzugt an kleinen Rinnsälen, die vom Gletscher gespeist wurden, da man das glasklare Wasser zum Kochen verwenden und bedenkenlos trinken konnte.
Ich wanderte fast eine Stunde lang durch das Tal. Mein Weg wurde durch einige Wasserläufe gekreuzt, die entweder über Holzbohlen oder Steine überquert werden konnten. Einige abgehärtete Camper zogen sich ihre Schuhe und Strümpfe aus und wateten einfach hindurch. Zum Baden war es hier aber wirklich zu ungemütlich!
Am späten Nachmittag ging es zurück nach Reykjavik. Damit war mein Besichtigungsprogramm auf Island beendet.
Am nächsten Vormittag ging es mit dem Flughafenbus nach Keflavik. Dort startete eine Maschine der „Iceland Air“ gegen Mittag nach Kopenhagen und kam dort drei Stunden später zu einer Zwischenlandung an. Danach flog die gleiche Maschine nach Hamburg weiter. Dort endete am späten Abend meine einwöchige Reise nach Island.
Anstelle eines angenehm warmen Sommers hatte Island vieles andere zu bieten. Nicht nur die bezaubernde Natur, sondern auch die Zeugnisse seiner wechselvollen Geschichte sind eine Reise wert.
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Viel und gute Information aber zu wenig Bilder. (Habe gerade geshen das diese Bericht schon von eine Reise in1998 ist, die BIlder sind analog und gescant wahrscheinlich, und deswegen so wenig) Hättest du vielleicht vermelden sollen.
War selbst auch in Island und mann kann da wunderbare Bilder machen.
LG Anneken
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