Wanderungen auf Kreta / Besteigung des Psiloritis

Reisebericht

Wanderungen auf Kreta / Besteigung des Psiloritis

Reisebericht: Wanderungen auf Kreta / Besteigung des Psiloritis

Die Besteigung des Psiloritis gehört nach Aussagen einiger Reisführer zu den Wünschen, die sich ein Kreter in seinem Leben erfüllen möchte. Als ich meinen ersten Urlaub auf Kreta verbrachte, kam der Wunsch auf, einmal die Insel von Nord nach Süd zu durchwandern und auch den Psiloritis und den Gipfel, den Timios Stavros zu besteigen. Beide Wünsche konnte ich mir im Laufe der Jahre erfüllen. Hier nun der Bericht zur Psiloritis-Wanderung.

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Nachdem ich in den vergangenen Tagen im Südwesten Kretas durch Schluchten gewandert war und von dem zweithöchsten Berg Kretas, dem Pachnes, aus das nächste Ziel sehen konnte, musste ich ein paar Tage ausruhen, bis mein Muskelkater abgeklungen war. Danach ging es mit einem Mietwagen bis zu dem Ort Anogia (ausgesprochen Anojia). Hier hatte ich im Vorfeld ein Hotel gefunden und ein Zimmer reserviert.
Anogia war mir bekannt. Der Weg dort hin führt teils über die alte Ost-West-Verbindungsstraße und dann durch kleine Orte und das Hinterland. Es ist landschaftlich eine nicht berauschende aber doch ganz schöne Strecke.

Anogia ist touristisch geprägt. Viele Tavernen liegen an der Hauptstraße, die so eng ist, dass der Verkehr immer wieder stockt, wenn ein Bus mit Touris durch will. Diese Tavernen bieten qualitativ und auch quantitativ selten gutes Essen. Das Gerangel um die Gäste ist schon zu spüren und doch wird man nicht wie sonst in kleinen Orten auf Kreta wie ein Gast behandelt. Zwei Franzosen fragten mich nach einem im Reiseführer beschriebenen Restaurant, das, so konnte man dort lesen, eine Besonderheit sein sollte. Ich hatte es vorher schon probiert und war auch hier von dem Essen sehr enttäuscht.

Anogia hat unter der Deutschen Besatzung im zweiten Weltkrieg sehr gelitten. Männer wurden ermordet, das Dorf niedergebrannt. Trotzdem, wie so oft in Griechenland, erlebt man als Deutscher keine Vorurteile und wird auch in Gesprächen mit der Bevölkerung nicht mit dem Leid aus der Vergangenheit konfrontiert. Kreter nehmen aber wahr, wenn man sich der Geschichte bewusst ist und Lehren aus ihr gezogen hat.

Das Hotel aber war sehr schön. Neu gebaut mit hübschen und modern eingerichteten Zimmern in einem guten Standard. Es sollte für mich den Ausgangspunkt für meine Psiloritis –Tour bilden.

Grundsätzlich gibt es mehrere Möglichkeiten auf den Psiloritis zu gelangen. Ich hatte mich für eine Route entschieden, die von der Nidha-Hocheben ausgeht, dafür zwar länger ist, aber nicht die starken Steigungen hat, die die Route von Süden aus aufweist. Der Weg bis zu NIdha Hochebene ist hervorragend ausgebaut, gut asphaltiert und wird sowohl von den einheimischen Schäfern als auch von Touristen gern benutzt.

Auf die Beschreibung der Hochebene, ihre geschichtliche Bedeutung möchte ich hier gern verzichten. Nur soviel sei erwähnt, von hier aus kommt man auch zu einer Höhle, die dem Zeus zugeordnet wurde. Und Am Ende des Asphalt-Straße steht ein Bau, der wohl mal als Wintersportzentrum geplant war, aber nun so langsam vor sich hingammelt und alle Auswirkungen des Jahreszeitenwechsels in seiner Bausubstanz widerspiegelt.



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Nach einer ruhigen Nacht und einem kleinen Frühstück, meinen Tagesproviant habe ich mir am Abend zuvor eingekauft, geht es mit dem Auto bis zur Nidha-Hochebene. Die Fahrt dauert etwa eine Stunde. Diesmal ist der Gipfel fei von Schnee. Beim letzten Mal sah man auch im Mai noch die Schneefelder.



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Den Versuch, mit meinem GPS Gerät den Weg zu finden, gebe ich schnell auf. Es zeigt erhebliche Abweichungen zu meinen Waypoints an und so versuche ich am Hang entlang den richtigen Weg zu finden in dem Wirrwar von Ziegenpfaden. Immer in Gedanken bei dem Spruch, niemals einer Zige zu folgen, sondern eher einem Esel. Die Orientierung ist schwierig, ich versuche auch die Spuren der früheren Wanderer zu sehen und so komme ich nur langsam voran bis der Weg in Richtung Westen abbiegt und an einem Tal aufwärts führt.

Felsen, Steine, Geröll und nur dann und wann ein Strauch. Bisher kein Mensch zu sehen. Aber auch der Gipfel ist nicht zu sehen. Und so quält sich mein Weg aufwärts. Langsam steigt auch die Sonne und scheint vom wolkenlosen Himmel.



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Vor mir taucht eines der wenigen Schilder auf, die den E4 Wanderweg eigentlich markieren sollen. Auf einem Bergkamm entlang geht es ein Stück hinab zu der Alm Kolita. Ich hatte eine Alm nach meinen von „Heidi“ geprägten Vorstellungen erwartet. Hier handelt es sich aber nur um eine kleine Hochfläche, die sich nach Süden hin öffnet und mit etwas Gras und niedrigen Sträuchern bewachsen ist.



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Am nördlichen Berghang sehe ich Menschen mit Gewehren. Besser ist es wohl, wenn ich mich mit lautem Rufen bemerkbar mache, nichts dass die mich als jagdbares Wild ansehen. Aber auf meine Rufe reagieren die gar nicht.

Die Alm überquere ich, am südlichen Rand stehen zwei Geländewagen und sonst ist niemand zu sehen. Weiter geht mein Weg. Dann und wann sind nun auch Steinmännchen zu sehen und es ist schrecklich, wenn ich das Ziel meiner Wanderung nicht vor Augen habe. Ich quäle ich weiter und kann die Gedanken an ein Aufgeben und Umkehren nicht wegwischen. Immer wieder versuche ich meinen Weg auf der Karte zu finden und setze auch im GPS an verschiedenen Stellen Waypoints.



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Plötzlich taucht der Gipfel in der Ferne auf. Es ist ein unglaubliches Gefühl, ihn endlich so zu sehen. Nach meiner Schätzung habe ich wohl noch ein Drittel der Strecke zu gehen. Und jetzt geht es sich leichter, besser motiviert. Ich kann sogar die kleine Kapelle auf dem Gipfel schon mit bloßem Auge erkennen. Mit dem Teleobjektiv geht es sogar noch besser - da sehe ich sogar Menschen. Vor der letzten Steigung treffe ich ein Schweizer-Pärchen. Kurze Unterhaltung. Sie gehen bereits wieder abwärts in die Südroute und stimmen meiner Einschätzung zu, dass diese Route doch sehr steil ist. Vor allen Dingen geben sie mir noch einen moralischen Antrieb, dass auch das letzte Stück zu schaffen ist. So stehe ich vor dem Ziel, die kleine Kapelle auf dem Gipfel ist hinter dem Hang verschwunden und ich nehme meinen Rucksack und es geht weiter.



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Endlich. Geschafft. Nach etwa 4 einhalb Stunden bin ich auf dem Gipfel und bin entsetzt. Eine Gruppe Jäger mit Hunden sitzen herum. Ihre Gewehre an die Steinmauer der Kapelle gelehnt. Sie grüßen nicht zurück, sehen mich auch nicht an. Einer der Hunde möchte aus einer Schale an einer Zisterne saufen und wird von seinem „Herrn“ daran gehindert. Ich muss mich abseits setzen, sonst packt mich der Zorn. Am südlichen Gipfelrand sitzt eine Gruppe Franzosen. Ich bin für mich allein und sauge die Aussicht förmlich in mich hinein. Im Norden sehe ich die Küstenorte, im Westen die Lefka Ori und den Pachnes, im Süden das Libysche Meer und im Südosten glänzen die Plastikdächer der Gewächshäuser, die dort in einer ungeheuren Anzahl gebaut sind. Trotz dieser Einschränkungen ist es schön und ich bin sehr zufrieden und glücklich, dass ich den Weg gemacht habe, nicht aufgegeben habe und umgekehrt bin.



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Nach einer Ruhepause geht es wieder abwärts, zurück zur NIdha-Hochebene. An den Waypoints im GPS kann ich abschätzen wie weit es jeweils von Punkt zu Punkt ist. So biete mir das Gerät dann doch noch einige Orientierung. Kurz vor der Alm Kolita treffe ich auf zwei Wandere aus Osteuropa. Soweit wir uns verständigen können, sind sie wohl mit dem Auto bis zur Alm gefahren und von dort aus wollen Sie auf den Gipfel.

Der Weg zieht sich und er scheint immer länger zu werden, als ich die Nidha-Hochebene sehe und auch schon mein Auto erkennen kann.

Nach fast neun Stunden Wegzeit treffe ich am Auto auf Belgier. Es sind Flamen und die Dame kann etwas deutsch sprechen und verstehen. Und nach diesem Tag ohne viele Worte und nach der Anstrengung überkommt mich regelrecht ein Fall von Logorroeh. Ich muss mir alles von der Seele sabbeln.

Die gesamte Wegstrecke lag bei 20 km; die Gehzeit betrug 9,5 Stunden, der Höhenunterschied zwischen Nidha Hocheben und Timios-Stavros liegt bei etwa 1.130 m.

Wer das Profil und die Strecke sehen will, der sei auf folgenden link verwiesen:
http://www.wandermap.net/route/107188
( Die Beschreibung stammt aber nicht von mir)

Als ich im nächsten Urlaub, wieder auf Kreta, in einem Hotel mit dem Portier über meine Psilorits-Tour sprach, fragte er mich, ob ich auch Santorin hätte sehen können. Ich habe ihn wie einen Marsmenschen angestarrt und mir wurde klar – ich muss da noch mal rauf.


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Kommentare

  • venus

    und, hast Du es schon nachgeholt?...

  • Wilfried_S.

    Das Ganze erinnert mich ein bisschen an unsere Besteigung des Ben Nevis, des höchsten Gipfels in Großbritannien, mit ähnlichem Höhenunterschied (etwas mehr als 1.300 Meter - man geht dort von Meereshöhe weg) und interessanterweise ähnlichem Gelände (Geröllfelder). Dort ist es aber sicher nicht so heiß wie in Kreta und es sind wesentlich mehr und im allgemeinen sehr freundliche Leute unterwegs.

    Insgesamt ein sehr interessanter Bericht, schade, dass die Fernsicht vom Gipfel durch das dort herrschende Wetter so getrübt ist.

    lg Wilfried

  • harley_flanigen

    Aus Deiner Sicht heraus sehr gut geschrieben, da kann ich nur sagen TOP
    LG :-)
    Patrick

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