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Reisebericht: Fahrt in die Provence
Eine Busreise in den Süden Frankreichs
hallo,
hier der versprochene bericht über unsere neujahrsreise.
am samstag morgen fuhren wir mit dem linienbus zum hbf offenbach. das war uns als abfahrtsort genannt worden. der reisebus kam fast pünktlich und wir fuhren nach ffm hbf, um dort die leute aufzunehmen. da beschlossen wir, nach der reise in ffm wieder auszusteigen.
wir fuhren über koblenz und aachen nach belgien, an brüssel vorbei (wir sahen schon mal das atomium) nach brügge. dort erhielten wir eine rasante stadtführung und wurden am hotel abgeliefert. wir konnten uns in dieser zeit wenigstens orientieren, was wir uns am nächsten tag dort anschauen wollten, wenn wir zeit für alleingang haben. eine stunde später trafen
wir uns, um zum essen zu gehen. es gab ein 4-gänge menu mit schinkenröllchen auf salat (war wirklich lecker!), danach eine tomatensuppe mit gemüse. die kellner trugen die suppentassen auf tabletts herein. sie waren ohne untertassen und sie fassten mit dem daumen hinein, um sie uns hinzustellen. jeder hatte seine "marke" am tassenrand hinterlassen, da der daumen mit der suppe konfrontiert wurde. vielleicht war das nötig, für den guten geschmack der suppe !?
dann gab es hasenkeule, mit etwas apfelmus und pommes. ich weiß nicht, wieviele leute an diesem abend ihren ersten stallhasen aßen!. ich liebe hase, aber dieser war etwas zu süß, aber es passte zum apfelmus.
auf die pommes hatte ich mich gefreut, weil jan sagte, die belgischen pommes seien weitaus die besten. diese allerdings schmeckten nicht anders, als man sie auch bei uns bekommt.
das dessert war ein apfelkuchen mit rosinen, gar nicht süß, aber so lecker und zart! ich aß sogar den rand, den sonst jan immer essen muß.
die getränke mußten wir bezahlen, und die waren teuer. für ein kleines glas bier 4 €, medium
7 €, obwohl es kaum mehr als ein kleines war, ein großes, das allerdings 1 l. 12 €. 1/4 l wein 7 €.
am nächsten tag fuhren wir nach gent und hatten auch dort eine stadtführung. die führerin kam mir am anfang sehr zugeknöpft und hochgeschlossen vor, mit pelzmütze und handschuhen. aber im laufe der führung outete sie sich als genießerin, richtig lustig, wie sie uns demonstrierte, wie lecker die eine oder an spezialität schmecke.
danach hatten wir zeit zur eingenen verfügung. die städte in belgien sind voll mit schokoladen- und spitzenwarengeschäften. dort darf man nicht schokosüchtig sein, man ruiniert sich.
die spitzenwaren kommen heute meist aus china und sind sehr preiswert, es sind schöne sachen dabei. auffallend sind die vielen taufkleidchen in allen ausführungen und preislagen.
belgien hat 3 offizielle landessprachen: flämisch (ein verwandter von niederländisch), französisch und - deutsch!. nach dem 1. weltkrieg kamen deutsche ostprovinzen (welche? ich muß nachschauen) zu belgien. heute leben 60 000 deutschstämmige dort. die kinder lernen zuerst ihre "haussprache" und in der schule kommen die 2 anderen sprachen dazu und noch englisch.
wenn im königshaus geheiratet wird, dann 3x, in jeder sprache einmal.
ich suchte nach den frittenbuden. wenn ich eine sah, war ich nicht hungrig. hatte sich der zustand geändert, waren keine buden zu finden. ein stadtführer erklärte uns, woher die tradition kommt: füher waren die flüsse und grachten im winter immer zugefroren und die leute fuhren darauf schlittschuhe (übrigens gab es in brügge und gent schlittschuhbahnen auf den weihnachtsmärkten, die noch geöffnet waren, die buden auch). da die fischer keinen fisch hatten zum verkaufen, verkauften sie den schlittschuhfahrern kartoffelstäbchen, zubereitet wie fische: frittiert.
belgien ist neben D. das größte bierland. es gibt über 1000 sorten. im ersten lokal haben wir "hausbier" getrunken. es schmeckt gut.
belgien ist das einzige land, neben china, daß man nachts vom welltall aus sehen kann, erzählte uns unser busfahrer. china wegen der großen mauer und belgien wegen der beleuchteten straßen. ja, alle staßen, auch die autobahnen haben straßenlaternen (ich frage mich nur: wie erkennt man nachts die große mauer)
die straßenbeleuchtung haben die autoversicherer finanziert. bis sie sich armortisieren, soll es aber noch jahrzehnte dauern. ich finde das gut. mit licht fahre ich besser. bei nebel ist es aber nicht so lustig, sagte der fahrer.
zurück in brügge hatten wir etwas zeit für diese stadt. wir besuchten das frühere hospital st. jans aus dem mittelalter und die dazugehörige apotheke. es ist jedem zu empfehlen, auch wenn der eintritt hoch ist, 8 €.
dann war die zeit knapp und wir verliefen uns. so klein ist brügge doch nicht, wenn man die stadt nicht kennt.
in brügge gibt es einen beginnenhof. die beginnen waren ledige frauen, die keine nonnen wurden, deswegen beginnen/de nonnen. in D und anderen ländern gab es sie auch, wurden aber schnell abgeschafft, da frauen entweder verheiratet, dienstmägde, huren oder nonnen sein mußten.
heute sind die häuser weiterhin an frauen vermietet.
abends gingen wir in eine aufgelassenen kirche zur hochzeit von karl dem kühnen und margareta von york. wir standen im regen und warteten, daß uns "aufgetan" wurde, mit fünfzehnminütiger verapätung. die straße war verstopft mit menschen. dann wurde unsere gruppe nicht hereingelassen, weil wir keinen "tableplan" hatten. wir waren alle angesäuert, zumal man unserem busfahrer gesagt hatte, daß wir nichts bräuchten, alles sei geregelt. also mußte er beim vorverkauf unseren tableplan holen, und alles im regen!
es war eine dreischiffige kirche mit dicken säulen, dazwischen waren die tische gestellt. wir wurden an unsere tische gebracht und konnten uns setzen, nachdem wir am eingang ein glas sekt mitnehmen konnten.
danach stellte sich heraus, daß wir am falschen tisch saßen und mußten umziehen in ein seitenschiff und da war die sicht schlecht. wein, bier und wasser waren gratis.
es dauerte sehr lange, bis die vorspeise kam: eine platte mit blattspinat und lachsfilets. die platte wurde durchgereicht und bis sie zu uns kan (wir waren die letzten) war nur noch ein kleines stück fisch und etwas spinat da, das wir uns teilten. die stimmung wurde immer besser. wenn jetzt noch die suppe knapp wird, dachte ich, dann ist hier was los!
am nachbartisch (der gehörte auch zu unserer gruppe) war genausoviel fisch für 4 leute, wie bei uns für 2. da tat sich denn für den veranstalter die hölle auf! trotzdem dauerte es noch über eine hlbe stunde, bis sie etwas bekamen. wahrscheinlich mußten sie es frisch zubereiten.
mir war der fisch zu verkocht und fade gewesen, da war es ganz gut, daß ich nur einen versuch bekommen habe.
vegetarische suppe gab es dann satt. sie wurde in messingeimern auf den tischen verteilt und sie war heiß und sehr lecker.
währenddessen war die show losgegangen, mit falknern (mit falken, adler und uhu), schwertkämfen, schwetschluckerin, die auch feuer verspeiste, jonglieren und tanzen konnte.
ein schiff wurde hereingefahren, gäste mit geschenken kamen, es wurde mit einer armbrust auf einen laubsägehasen geschossen, das durften auch die besucher, und alle trafen. ich vermute, der pfeil hing an einem faden, der schnell aufgespult wurde. es gab so mancherlei ergötzlichkeiten.
moderiert wurde alles vom hofnarren, der zu derben späßen aufgelegt war, wie so im richtigen mittelalterlichen leben. ich muß wohl nicht hinzufügen, daß alle stilecht gekeidet waren, die darsteller.
übrigens: karl der kühne hat seine ewige ruhe in brügge gefunden.
kurz vor zwölf counte der narr down. alles jubelte und brüllte, in vielen sprachen. der champagner kam dann gleich danach (inbegriffen) und dann das dessert, 3 scheibchen diverse geeiste cremeschnitten. wieder sehr lecker. das hauptmenu hatten wir auch zwischendurch erhalten.
danach gingen wir ins hotel zurück.
der letzte tag war brüsselbesuch. als ich im buss saß, beobachtete ich einen jungen mann, der wohl bis dito gefeiert hatte. er versuchte ein sweatshirt anzuziehen. in anbetracht seines alkoholgenusses keine einfache sache. das gleichgewicht spielte nicht mit, und überhaupt. das shirt hatte ein eigenleben entwickelt und verhielt sich kontraproduktiv. seine hose war über den hintern gerutscht, alles hatte sich gegen ihn verschworen. dann hatte er es geschafft und das hend an. ich muß erwähnen: alles geschah im strömenden regen und er war klatschnass. dann versuchte er die nasse, zugeknöpfte jeans über die nasse unterhose zu ziehen: showreif!!! als auch das gelungen war, angelte er nach einem glas mit inhalt, auch nicht einfach, in schräglage mit angegriffenem gleichgewichtssinn. als er es endlich im griff hatte, leerte es es auf ex zerschiß das glas und ging seiner wege. die gaudi war auf unserer seite!
brüssel ist häßlich, vor allem, wenn man es im winter und im regen kennen lernt. sein: grand place ist schön, aber die häuser schwarz... das konnte den eindruck von eurobrüssel nicht herausreissen. kein wunder, daß unsere abgeordneten so tief in die eurokasse greifen: irgendwie muß man es ertragen.
aber: es gibt eine fischgasse: ein lokal am anderen und sie überbieten sich mit dekorationen: auf berghoch gestapeltem crasheis kaskaden von muscheln, hummern und anderen meeresfrüchten (kein fisch), gedeckte tische, mit gläsern und stoffservietten. alles unter markiesen und toll dekoriert. das würde ich gerne wieder erleben, und dann:essen!
dann wollte jeder nur noch nach hause. abends waren wir in ffm und bekomen auch schnell die s-bahn.
und jetzt: neues spiel, neues glück!
liebe grüße U & jan
Vom 05. / 10.07 fuhren wir mit einem Reisebus in die Provence.
Start war 3:30 h ab einem Parkhaus, Nähe Flughafen Ffm. Wir waren einen Tag vorher schon dort hin gefahren um uns dann nachts zurecht zu finden. Der Parkplatz war im Preis inbegriffen, Prima! Der Bus war pünktlich um uns einzuladen und die Fahrt ging weiter nach Karlsruhe, um die letzten Fahrgäste mitzunehmen. Wir warteten eine halbe Stunde länger, weil eine Reisende sich verspätete. Sie tauchte nicht auf (wir erfuhren später, dass sie an der falschen Stelle wartete) und so fahren wir los, der Sonne Frankreichs entgegen. Zuerst ging es durch die Schweiz, am Genfer See vorbei nach Grenoble. Wir konntes die Stadt auf eigene Faust erkunden. Schön fand ich sie nicht, die meisten Häuser waren schwarz durch das Alter und müssten renoviert werden. Die Schaufenster waren einfach dekoriert und die Preise sehr teuer. Das Kaufhaus Lafayette enttäuschte genauso, es passt zur Stadt. Vielleicht ist Grenoble im Winter schöner.
Am frühen Abend kamen wir in Orange an. Ein kleines hübches Städtchen, auch alles alt, aber sauberer und enladender..
Wir logierten im Hotel deux Princes, direkt in der Stadt, nur 100 m vom Arc de Triomphe aus der Römerzeit entfernt. Ein Hotel mit dem Charme vergangener Zeiten, schäbig aber gepflegt. Es gab ovale Hinweisschilder in Emaile. Die Zimmer nach Süden (der Straßenseite) hatten Klimaanlage, die nach Norden einen Ventilator.
Wir brachten unsere Koffer auf das Zimmer und gingen den Arc de Triomphe besichtigen.
Danach gab es Abendessen. Es gab immer 3-Gänge-Menüs und sie waren lecker und tadellos zubereitet..
Wir waren jeden Tag unterwegs und haben viel gesehen. Natürlich war es anstrengend, wir hatten es so gebucht.
Am zweiten Tag unserer Reise fuhren wir nach Rousillon, ein altes Dorf oben auf einer Anhöhe (fast alle Orte lagen auf einem Berg), mit engen Gassen, pittoresken alten Häusern, die sehr romantisch aussahen aber sicher nicht so schön zu bewohnen sind. Ausbau ist nur nach oben möglich. Dort wurde früher Ocker abgebaut, den man zum Streichen der Häuser in der Gegend benutzte. Ockerfarben in 17 verschieden Tönen.
Danach fuhren wir nach Gordes, ein bekannter Künstlerort. Vor allem Engländer haben sich niedergelassen. Hier waren die Häuser meist in kalkweis aus Bruchsteinen und viele Gartenmauern im Trockenbau errichtet, viele im Fischgrätenmuster.
Wir besuchten eine Kirche (wie überall) und es fand gerade eine Messe statt. Sie war nicht gut besucht, eine Gruppe Kinder stand vor dem Altar und die Eltern waren eifrig am fotografieren. Eine Kindermesse. Der Prister, er sah Mahatma Ghandi ähnlich, vollführte eine Show. Leider verstand ich von dem Entertainment nichts. Die Leute waren begeistert. Er ist bekannt für seine spritzigen Messen und die Leute kommen aus der Umgebung um sich bei ihm trauen zu lassen oder die Messe zu besuchen.
Unsere Reiseleiterin hatte bei strahlendem Wetter Regen angekündigt und tatsächlich zog sich der Himmel zu und wir bekamen die himmlische Segnung. Wir hatten uns neben einer Bäckerei untergestellt und aßen Sandwiches von jener Bäckerei. Ich hatte mit Käse bestellt. Bei uns gibt es immer Scheibenkäse, deshalb war ich sehr überrascht, dass es hier Ziegenkäse war. Andere Länder...
Das Städtchen hat steile, verwinkelte Gassen, sie brauchen kein Fitnes-Studio.
Viele Straßen in der Provence sind schmal, es passt gerade ein Fahrzeug darauf. Gegenverkehr fährt auf die Seite, und trotzdem sind das Nationalstraßen. Die Stassenmarkierung hat keine durchgehenden Linien, rechts und links, wie bei uns, sondern sind gestückelte Striche. Es sieht aus als hätte man die Straße geheftet, wie ein Kleidungsstück und sie warte auf das Nähen.
Wir wollten von Gordes aus zum Kloster von Senenque, ein Zisterzienserkloster, kamen aber nicht um die Kurve herum. Trotz mehrmaligen vor- und zurücksetzen gelang die Kehre nicht. Der Bus war zu lang, 14 m. Außerdem hatte er ein Automatikgetriebe und der Fahrer war nicht glücklich damit. Wir mußten ein Stück weiter fahren, auf einem grossen Parkplatz drehen und dann von unten wieder hochfahren. Überall gab es mit solchen Aktionen Staus, die anderen Autofahrer kannten das und nahmen es mehr oder weniger gelassen.
In Senanque konnten wir nur in die Kirche hineinsehen, ein romanischer Bau ohne Firlefanz in der Ausstattung. Einige Mitreisende waren von der Kargheit enttäuscht, sie kannten die Philosophie der Zistertienser nicht. Das Kloster konnten wir nicht besichtigen, das geht nur nach langer vorheriger Buchung und Bezahlung. Dafür war der Shop frei zugänglich und überhaupt nicht karg.. Neben den üblichen Devotionalien und Büchern gab es Lavendel-produkte (Seife, Parfüm, Blütensäckchen usw.), Stoffsachen (Decken, Geschirtücher....), Olivenholzartikel, Bilder und Poster, alles womit man Geld machen kann.. Direkt vor dem Kloster waren die ersten Lavendelfelder, die man begehen konnte. Die Leute stellten sich in dem Feld auf und ließen sich fotografieren. Andere Felder hatten wir nur vom Bus aus sehen können. Als wir weiterfuhren hatten wir wieder ein Rangierproblem, weil Autos die Zufahrt zugeparkt hatten. Das gab uns Gelegenheit einen Bus mit Japanern zu beobachten, die aus ihrem Bus stürzten, Hecken überwanden und sich sofort in das nächstgelegene Feld stürzten um sich gegenseitig wie wild zu fotografieren, sie warteten gar nicht darauf, ans Kloster zu gelangen.
In der Provence wird sehr viel Wein angebaut, in Zeilen, so wie bei uns. Sehr oft sind die Zeilen Y-förmig. Es gibt nicht ganz so viel Lavendel, wie man von den Kalenderfotos her erwartet. Außerdem ist es dieses Jahr lange kalt gewesen und der Lavendel fing erst jetzt richtig zu blühen an, in den Höhen war er teilweise noch grün.
Dann gibt es noch sehr viel Olivenbäume, nicht so hochwüchsig wie in Südeuropa. Laut unserer Reiseleiterin sind sie alle gepfropft und niedrig gehalten. Ebenso verhält es sich mit den Kirschen, die in großen Plantagen wachsen. Die Bäume sollen Unmengen von Früchten produzieren und sich schnell verausgeben. Sie müssen alle paar Jahre entfernt und nachgepflanzt werden. Dann gibt es noch viele Weizen- und Gerstenfelder und Sonnenblumen.
An den Straßenrändern wachsen Eichen, schmal und nicht sehr hoch, eine andere Art als bei uns und Koniferen, dazu blühte der Ginster und Myrrhe wuchs ähnlich unserem Buchsbaum in niedrigen Büschen. Dieser blüht sehr unscheinbar in kleinen Blütchen und hat im Herbst kleine, blaue Beeren, die von Vögeln gefressen werden.
In Frankreich werden im Herbst noch Singvögel, wie Amseln, gejagt. Diese haben sich mit den Myrrhebeeren vollgefressen und werden unausgenommen zubereitet, mit natürlicher Füllung, sozusagen. Dazu soll Polenta gut schmecken.
Wir fuhren nach Sault, im Regen und streiften unterwegs ein paar Poller (Begrenzungsstäbe) an der Straße. Der Bus war einfach zu lang. Unterwegs sahen wir eine umgestürzte Pferdekutsche, die hatten also auch ihre Schwierigkeiten.
Sault ist die Hauptstadt der Lavendelzucht. Hier gab es eine romanische Kirche aus dem 11./12. Jahrhundert.
Es gab wie überall, die kleinen Geschäftchen, die Touristensouveniers verkauften, als da wären: Zikaden in allen Größen und Materialien, buntbemalt, auch in Kästchen, die beim Öffnen zirpen, Nougat aus Montpellier, bei uns bekannt als Türkischer Honig, alles aus Lavendel, Stoffartikel in Farben, Mustern und Design der Provence, Öle, Seifen, Honig nicht zu vergessen, der häufig auch am Straßenrand verkauft wird. Reis aus der Carmargue, Salz von ebenda, Epeautre, ein Getreide für das es keine Übersetzung gab. Eine mitreisende Italienerin nannte es Faro. Marmeladen, natürlich Weine usw.
Was mir besonders gut gefiel waren die Bäckerein mit ihren leckeren Kuchen und Stückchen. Leider ißt Frankreich nicht billig. Gemüse und Obst war viel teurer als bei uns, obwohl die Sachen dort wachsen.
Viel Gartenbau habe ich nicht gesehen, nur privat waren bei vielen Häusern kleine Gärtchen für den eigenen Bedarf.
Am nächsten Tag fuhren wir nach Avignon und hielten am Pont d´Avignon, der berühmten Brücke, die nur bis in die halbe Rhone reicht. früher hatte die Brücke 22 Bögen, jetzt nur noch vier. Die Brücken dort sind länger weil Hochwasser mitgerechnet wird.
Wir besichtigten den Papstpalast, die Kirche St.Pierre und eine von den 14 Nothelfern, die Pancratius geweiht ist (einem Eisheiligen).
Avignon ist bekannt für sein Festival des Theaters, da finden unzählige Vorführungen statt, Schauspiele, Kabarett, Vorführungen usw. Jede Kneipe hat ihr Programm, das auf Plakaten angekündigt wird. Die Stadt ist damit zugepflastert, vermüllt, verschandelt!!!
Danach besuchten wir Aix en Provence, Stadtbesichtigung mit Kirchenbesuch. Wir gingen danach in ein Straßenlokal auf dem Stadtplatz und bemerkten in einem Fenster eine Gestalt sitzen, mager, klein, grau und angestaubt, bewegungslos. Ich wäre jede Wette eingegangen, dass es sich um eine Puppe handelte. Doch dann bewegte sie sich, stand sogar auf und lief herum, rückte den Stuhl anders, setzte sich und blieb wieder reglos sitzen.
Der folgende Tag war der längste. Wir fuhren in die Schlucht von Verdon, dem größten Canon Europas, zum Töpferort Moustiers am See von St. Croix, Aups und Tourtour.
Unsere Reiseleiterin war eine ältere, kleine Frau mit hennaroten Haaren. Sie sagte, andere Reiseleiter liefen mit erhobenem Regenschirm einher, damit die Grippe sich orientieren könne, sie hätte ihre roten Haare. Sie lebt schon lange Jahre abwechselnd in Deutschland.
Sie war sehr bemüht um ihre Schäfchen und wusste manche Abkürzung, die sich manchmal als Fehlschlag erwiesen und der Bordnavigator doch Recht gehabt hatte. Dabei lernten wir die Provence von der untouristischen Seite kennen, z.B: bogen wir in die Ortschaft Mirabeau ab und blieben im Ortskern stecken Mehrere Versuche zu wenden scheiterten an der Enge der Gassen und der Bus mußte rückwärts fahren, bis auf die Nationalstraße, das war ein Applaus für den Fahrer wert.
Moustier ist auch in Hanglage gebaut, mit vielen Treppen. Zwischen zwei Berggipfeln ist eine Kette gespannt, an der ein Stern hängt, wie haben die das hingekriegt!? Zumal das die Einlösung eines Gelübtes ist, das ein Zeitgenosse aus der Kreuzfahrerzeit für ein gutes Heimkommen abgelegt hatte. Kette und Kreuz sind häufiger erneuert worden.
An diesem Tag war die Stimmung im Bus, durch Fehlfahrten, leicht aufgeheizt. Ich betrachtete es als Bereicherung der Reise, andere nervte es, typisch: deutsch!
In Moustier trafen wir eine andere Reisegruppe, deren Fahrer (hatten die keinen Reiseleiter?) unseren Leuten erzählte, wir dürften in der Schlucht von Verdun auf keinen Fall bis zum 3. Aussichtspunkt fahren, sondern nur bis zum ersten, weil dort die einzige Wendemöglichkeit bestehen würde. Das vergiftete das Klima besonders. Ein Forscheteam zum Thema Gruppenverhalten hätte ein ergiebiges Studienfeld vorgefunden.
Dann ging es also in die Schlucht, zuerst sahen wir den Stausee, der seinen Namen von dem letzten Dorf, Nähe Staumauer, hat, St. Croix. Er war tief türkis blau. Ein Teil des Sees ist für Wassersport freigegeben, dort tummelten sich vor allem Kanus und Tretboote, die den Verdon weit hineinfuhren.
Die Straße war natürlich nur "einmalig" befahrbar und kaum Ausweichplätze vorhanden. Ausweichende Autos mussten hart ran an die Schlucht. Dann lag malerisch ein Durchbruch der Straße durch den Felsen vor uns, als hätte ein Riese einen Happen aus dem Berg gebissen und das in eine 90° Kurve. Wir befanden uns knapp davor, da kam von der Gegenseite der Bus mit dem Fahrer, den wir in Moustier getroffen hatten, in die Kurve, wir konnten ihn nur zur Hälfte sehen, so eng war es. Der Bus lag da wie eine fette, grüne Raupe
und überall Autos, davor, dazwischen, dahinter. Es wurde wieder hin und her rangiert, danach konnte jeder weiter.
Es waren noch einige Kilometer bis zu den "Bellevedere". Wir kamen durch ein schmales Dorf (wie sollte es sonst sein?), La Palud s/ Verdon mit Kiosk direkt an der Straße. Es waren sehr viele ausländische Homemobile und Autos unterwegs.
Wir fuhren an der ersten Belverdere und genossen den Blick in die Schlucht an dessen Grund eine margere Verdon floss, nicht mehr als ein schmaler Bach, aber genauso türkis wie im Stausee. Danach fuhren wir zur zweiten und dann dritten Belverdere. während wir den Blick schweifen ließen und ein Raubvogel ohne Flügelschlag seine Kreise zog, fuhr der Bus noch ein Stück höher auf einen Wendeplatz. Die ganze Aufregung war umsonst. Ich hatte mich schon gefragt woher der andere Fahrer seine Weißheit hatte, denn wenn man nicht oben drehen konnte, säße er immer noch oben oder er war niemals dort.
Wir fuhren zurück zum See und kamen wieder durch La Palud und blieben auf Höhe des Kiosk hängen. Auf der Gegenseite zwei Wohnmobile und dahinter Autos. Das vordere Mobile hatte eine Limburger Zulassung und der Fahrer weigerte sich zuerst beharrlich zurück zu fahren, seine Frau saß mit verschränkten Armen, typische "wir rühren uns nicht vom Fleck!" Haltung und Miene im Auto, bis ihr Gatte sich bequemte auszusteigen und die Lage zu begutachten. Er musste nur neben den Kiosk zurückstossen und der Knäuel hätte sich lösen können. Hinter seinem Bus waren die französischen Fahrer schon ausgestiegen und gestikulierten und fuhren ihre Autos zurück, in alle Seitenstraßen und Richtungen Das Mädel aus dem Kiosk schloß den Laden, ließ die Rolladen herunter, indem sie mit den Füssen nachhalf und half mit Winken und Rufen das Chaos aufzulösen. Sie kannte das wohl. Jetzt weiß ich, wo Jaques Tati seine Inspirationen her hatte.
Als wir endlich fahren konnten, sahen wir überall die Autos stehen, auf dem Dorfplatz standen sie als hätte ein Hochwasser die Autos hingeschwemmt und dahinter noch eine lange Schlange.
Der Weg zum See war dann ereignislos, wir zogen nur einen langen Korso hinter uns her. Leider hatten wir keine Zeit zum Baden und konnten den Nixen und Wassermännern nur zusehen. Zwei junge Männer sprangen von der Autobrücke hinab in das türkise Wasser voll mit Booten.
Unsere Reiseleiterin bekam wegen ihres Aussehens und der Abenteuer den Namen Pumukel von einem Reisenden.
Wir fuhren weiter durch Aups nach Tourtour. Dieses Städtchen stand nicht mal im Reiseführer, dabei ist es so schön. Es gibt sehr viele Malerateliers mit Austellungen. Ein Atelier befindet sich in einer ausrangierten alten Ölmühle. Ein schweres Steinrad war senkrecht zum Zermahlen der Oliven in einem großen Trog an eine Achse befestigt, früher wurde es von Wasser angetrieben. Drei Pressen waren in Wandnischen eingelassen. Viele schöne Bilder waren ausgestellt. Leider war die Zeit zu kurz und wir mußten weiter.
Überall in der Provence wachsen riesige, satt blühende Oleanderbüsche und -bäume, so haben wir sie nicht in unseren Kübeln, dafür wachsen bei uns die Rosen in gleicher Fülle.
An diesem Abend kamen wir um 22:00 h erschöpft im Hotel an. Das Personal war auch froh, konnten sie doch nach Hause, als wir abgefüttert waren.
Am letzten Tag fuhren wir nach Arles, Aigues Mortes und Les-Saintes-Maries-de-la-Mer ind er Camargue.
Arles ist wie alle Städtchen sehr schön. Das Amphittheater wird erneuert, es war mir zu neu.
Das Colloseum war teilweise sandgestraht und hatte viel "antik" verloren. (Man ist doch nie zufrieden, Grenoble war mir zu schwarz, hier war alles zu weiß!)
Aigues Mortes hat intakte Stadtmauern im Rechteck, die Straßen sind fast wie auf einen Schachbrett. Pumukel hatte vorher Postkarten herumgehen lassen, auf diesen Luftaufnahmen sah die Stadt aus wie eine rechteckige Linzer Torte. Wie besichtigten eine alte romanische Kirche, die Louis IX. geweiht ist, einem Kreuzfahrer und Heiligen. Die Fenster waren interessant Sie waren in verschiedenen Grundfarben und hatten andersfarbige, große Tupfen darauf.
Durch die Camargue fuhren wir dann zum Zigeunerwallfahrtsort Les-Saintes-de-la-Mer zur heiligen Sarah. Ich war sehr überrascht, denn es ist ein moderner Badeort mit Strandpromenade, wo früher viele Zigeuner verweilten gibt es heute Badegäste. Zigeuner haben wir nur wenige gesehen, bei der Kirche, sie wollten aus der Hand lesen. Pumukel sagte, dass wir evtl nicht in die Kirche könnten, falls Hochzeit oder Beerdigung wäre, denn dann ist die Kirche voll. Wir kamen hinein. Vor dem Altarraum ging es eine Treppe hinab zur Sarah. Von unten kam ein heißer Schwall hoch, von all den Kerzen die hier brannten. Wir konnten uns alles in Ruhe ansehen, danach schauten wir uns die Geschäftchen an. Die Sachen waren hier viel billiger als in den anderen Städten, Pech, wir hatten unsere Einkäufe schon getätigt.
Unterwegs sahen wir die berühmten Stiere, Pferde (eine Reisegästin rief: da sind Pferde im Wasser, darauf ein Reisegast: das sind Seepferdchen), Flamingos und Reiher. Auch hier gibt es Wein, Vine de sable, Sandwein, worin wächst er wohl?
Einen Tag zuvor hatte es in einem Atommeiler in der Nähe von Avignon, einen Unfall gegeben, wir erfuhren zuerst von deutschen Sendern davon. Bei den Franzosen hieß es, es sei keine Gefahr, nur sollte man keinen Sport treiben und kein Wasser trinken. Hä?
Auf der Rückfahrt ging ein Reisegast im Bus nach vorn, da waren die Getränke und sagte zur Reiseleiterin: Pumukel gib mir bitte ein Piccolo. Der Bus hielt den Atem am. Sie reagierte nicht, vielleicht hatte sie es nicht verstanden oder wollte es nicht.
Die Rückfahrt am nächsten Tag war für 9 h vorgesehen. Donnerstag ist Markttag in Orange. Wir standen früh auf um den Markt noch zu besuchen. Pumukel hatte mit dem Hotel ausgemacht, dass wir zeitiger frühstücken könnten.
Der Markt ist riesig, er verteilt sich in den Gassen der Altstadt, die nahe an unserem Hotel war.
Ausser Obst, Melonen in Hülle und Fülle, sie dufteten von weitem, Gemüse, viel frischer, bläulicher Knoblauch, Honig, Olivenprodukte, die Früchte zum Essen und Holzartikel für die Touristen, Blumen, Käse, Wurst, Fleisch, Fische und Meeresfrüchte (6 ! Stände) Kleidung viel für die nordafrikanischen Mitbürger, Sonnenbrillen, Tand usw...
Die Rückfahrt ging auf dem kürzesten Weg und wir waren froh wieder zuhause zu sein.
Ich fahre gerne weg und freue mich dann genauso auf daheim.
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