Tage in Burma

Reisebericht

Tage in Burma

Tage in Burma

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Warum Burma?

... und Ergebnis der...

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Ich erinnere mich noch gern an die Besuche bei meinen Dresdner Großeltern in meiner Kindheit. Während die Erwachsenen nach dem Essen am Tisch sitzen blieben und in meinen Ohren langweilige Konversation betrieben, zog ich mich in das ehemalige Kinderzimmer meiner Mama und ihrer Schwestern zurück und schmökerte gefesselt in der Sammlung von Mosaikheften meiner Großeltern. Das ist ein Comicmagazin, welches sogar heute noch monatlich neue Ausgaben herausbringt, in der drei Wichte in allen Zeitepochen überall auf der Welt große Abenteuer erleben. Einige dieser Zeichnungen haben mich so fasziniert, dass in dieser Zeit der Wunsch entstanden ist, unbedingt einmal mit eigenen Augen diese wunderschönen Tempellandschaften in Landstrichen mit tropischem Klima sehen zu wollen. Dieser Wunsch hatte keinen festen örtlichen Bezug und damals wusste ich noch nicht, dass diese Landschaften unter Anderem in Burma zu finden sind. In Burma jedoch konnte ich befriedigt feststellen, dass die Mosaikzeichner genau hier Maß für ihre Zeichnungen genommen hatten.



... und Ergebnis der Mosaikzeichner.

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Bewusst Notiz von Burma nahm ich vermutlich erstmals in der neunten Klasse, als ich im Geografieunterricht einen Vortrag über dieses südostasiatische Land halten musste. Damals lernte ich, dass Burma am Indischen Ozean liegt, seine Nachbarn Indien, Laos, Bengalen, China und Thailand sind und dass es viele Bodenschätze, unter anderem Edelsteine, besitzt. Das Wissen darüber blieb allerdings abstrakt.
Die Erinnerungen an schöne Fernweherlebnisse in der Kindheit haben eine große Rolle gespielt, als die Entscheidung gefällt wurde, wohin die Reise im Jahr 2009 gehen sollte. Andere Aspekte, beispielsweise moralische Fragen im Hinblick auf die politische Lage: soll man ein Land bereisen, dass eine Militärdiktatur ist? - oder die aus der Entfernung schwierige Einschätzung der persönlichen Sicherheit haben eigentlich eher gegen diese Unternehmung gesprochen. Schließlich hat die Neugier gesiegt.

Heute können wir sagen, dass man die Reise so gestalten kann, dass das Geld, welches man im Lande ausgibt, nur zu einem kleinen Teil der Militärjunta in die Hände fällt und der größere Part der normalen, im Durchschnitt sehr armen Bevölkerung zukommt, die im Tourismus ein geringes Einkommen erwirtschaften kann. In Burma haben wir keinerlei Bedrohungen erlebt. Es klingt beinahe paradox, aber das Militärregime ist um die Sicherheit seiner ausländischen Gäste einigermaßen bemüht. Wer sich an die bekannten Regeln hält, hat wenig zu befürchten.

Die Vorbereitungen auf die Reise waren gar nicht so einfach. Viele Dinge waren für heutige Verhältnisse ungewöhnlich: es gibt keine Möglichkeit, vor Ort Geld abzuheben oder Travellerchecks einzutauschen. Das bedeutet, dass man mit dem Geld, was man mitnimmt, auskommen muss - aber wieviel Geld braucht man denn eigentlich? Noch viel schwieriger war die Frage, wieviel Speicherkarten ich für die Kamera mitnehmen sollte, eine Frage, die mir wirklich wochenlang Bauchschmerzen bereitet hat. Es hieß, dass man vor Ort keine Speicherkarten nachkaufen kann.



Ankunft

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Unser erster Eindruck von Yangon: dunkel. Verdammt dunkel. Es ist abends, wir sind gerade angekommen und befinden uns auf dem Weg zu unserem Hotel. Straßenbeleuchtung gibt es kaum, aber auch in den Fenstern der Häuser, die wir sehen können, sind kaum Lichtschimmer auszumachen. Auf unserer Fahrt erhaschen wir einen ersten Blick auf die Shwedagon Pagode, das Wahrzeichen der Stadt. Es ist das einzige erhellte Gebäude, das wir sehen können. Dennoch sind die Straßen belebt, viele Menschen sind draußen. Es ist warm, es ist schwül. Es hat tropischen Charakter. Ich habe das Gefühl, ich bin im Dschungel. Das ist bezaubernd.



Blick aus dem Hotelzimmer am...

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Am nächsten Morgen öffne ich die Fensterläden unseres Zimmers und will endlich Yangon sehen. Es ist nicht wirklich schön. Neben dreckig-grauen Häusern sehe ich Palmen, Schienen, ein paar Männer vor dem Haus. Sie tragen karierte Röcke in gedeckten Farben. Das sind Longis, die normale Männerbeinbekleidung in Burma. Sie sind praktisch, man verknotet sie einfach vor dem Bauch. Den Knoten kann man nach einer üppigen Mahlzeit einfach ein wenig lockern…
Das Klima ist noch ungewohnt, ich muss zugeben, dass bei diesen Temperaturen bestimmte Vorsichtsmaßnahmen zur Vorbeugung von Sonnenbrand oder Mückenstichen sehr schwerfallen. Nach einer erfrischenden Dusche (kein warmes Wasser? In Burma kein Problem!) bildet sich sofort ein Feuchtigkeitsfilm auf der Haut, sobald man mit dem Abtrocknen fertig ist. Auf die feuchte Haut aber Sonnencreme oder Antimückenlotion aufzutragen ist ziemlich unangenehm. Mückenstichprophylaxe – so sagt der Reiseführer – ist jedoch die wichtigste Malariaprophylaxe.



Männer in ihren typischen Beinröcken in Yangon ...

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Ringbahn in Yangon

Hauptbahnhof von Yangon

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Unsere Erkundung von Yangon beginnen wir mit einer Ringbahnfahrt. Für uns Berliner ist eine Ringbahn ja nichts Besonderes. Denken wir. Dabei erleben wir den ersten Kulturschock unserer Reise. Gleich am ersten Tag überrollt die Wirklichkeit unsere Vorstellungen. Ringbahn. Assoziation? Schnelles Verkehrsmittel, welches verschiedenste Stadtteile in der Peripherie einer Stadt miteinander verbindet. Ringbahn. Assoziation? Keine Wartezeit, ständige Verfügbarkeit, immerzu da. Ich fahre hier in Berlin beinahe jeden Tag mit der Ringbahn zur Arbeit. Die Ringbahn ist für Berlin eine Art Drehkreuz. Von überall treffen andere S-Bahnen sternförmig auf den Ring. Eine Runde – eine Stunde. Die Ringbahn für den Arbeitsweg bestimmt die Wohnungssuche in der Stadt. Wohnungen, von denen man zu Fuß die Ringbahn erreichen kann, sind tatsächlich teuer als Wohnungen, die weiter davon entfernt liegen.
Es gibt eine Ringbahn in Yangon? Ich bin überrascht. Auch eine Verbindung der Stadtteile untereinander. Aber Schnell? Oft? In Birma weder noch. Wir betreten den Hauptbahnhof in Yangon, ein großes luftiges Gebäude. Ich frage mich, ob es aus der Zeit des britischen Empires stammt. Um ein Ticket zu erwerben, werden wir an einen speziellen Ort gebracht, an dem wir, die Ausländer, gegen Vorlage des Reisepasses ein Ticket für einen Dollar erwerben können. Die Bahn fährt ungefähr jede Stunde. Wir haben noch Zeit.



Auf dem Hauptbahnhof von Yangon...

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Nach einer Weile kommt der Zug in den Bahnhof gefahren. Langsam. Der Zug hat keine Fensterscheiben. Es ist voll. Wir finden einen Platz. Ich bin froh, dass auch die Burmesen schwitzen. Wir sind erstaunt, dass fast die Hälfte des Waggons abgesperrt ist. Dahinter sitzt als Einziger ein Polizist, einen Teil seiner Uniform hat er über eine Leine gehängt. Wir wollen gern fotografieren, fürchten aber die Präsenz des Polizisten. Wir haben gehört, dass das Fotografieren von militärischen Geländen, wozu auch ein Bahnhof, eine Brücke zählen kann, verboten ist. Im besten Fall ist man die Kamera los, man kann aber dafür aber auch inhaftiert werden. Der Zug ruckelt langsam durch die Stadt und Vorstädte. Hier gilt eher die Devise: ein Ründchen in drei Stündchen... Wir bekommen erste Eindrücke von Yangon, erste Eindrücke von Burma. Wir staunen über Plattenbauten, sehen Einfamilienhäuschensiedlungen, Holzhausdörfer, Felder und viel Dreck.
Der Zug wird von vielen Menschen genutzt, um Waren, vorzugsweise Nahrungsmittel, zu transportieren. Säcke voller Bananen, Bohnen, Gemüse usw. werden durch das Fenster gereicht, deren Besitzer steigen durch die Tür ein. Viele Bahnhöfe dienen als Markplatz. Wir sehen unsere ersten Mönche und die erste Pagode.



Markttreiben auf einem Bahnhof

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Burmesische Fahrgäste

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Langsam holen wir die Kamera hervor. Fotografieren ist – Gott sei Dank – kein Problem. Auch nach der Zugfahrt dürfen wir die Kamera behalten und werden nicht des Landes verwiesen. Ich frage die Menschen im Zug, ob ich sie fotografieren darf. Das heißt, ich zeige auf meine Kamera und lächle sie an. Sie lächeln zurück. Das heißt, ich darf fotografieren. Wer nicht fotografiert werden möchte, schaut abweisend von der Kamera weg. Das lerne ich allerdings erst später.



Kinder beim "Ringbahn-Surfen"

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Impressionen von Yangon

Burmesische Erfrischungsbar -...

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Auf unseren Erkundungsgängen durch die Stadt sehen wir Männer auf winzigen Plastikstühlchen an ebenso winzigen Plastiktischchen sitzen und Tee trinken. Es sieht aus, als hätten sich die Männer irrtümlicherweise in einem Kindergarten niedergelassen. Oder, um ein märchenhaften Vergleich zu wagen, als wären sie in Alices Wunderland gelandet. Dieses Bild wird uns in der Zukunft oft begegnen. Es sind normale burmesische Teestuben. Sie sind den ganzen Tag über gut besucht, auch am Abend in der Dunkelheit. Neben grünem Tee, den man sich immer nachschenken kann, gibt es Kleinigkeiten zu essen, ein Gemüsecurry zum Beispiel oder Gebäck.
Oft hören wir ein Klingeln, damit wollen Erfrischungsgetränkehersteller auf sich aufmerksam machen. Auch sie gehören zum normalen Stadtbild. Das Geräusch entsteht, wenn sie ihre beiden Walzen im Leerlauf drehen. Durch die Walzen pressen sie frischen Zuckerrohr mehrfach hintereinander aus. Das ist Schwerstarbeit. Den Saft fangen sie auf, vermischen ihn mit Sirup und geben Eiswürfel dazu. Davon zu probieren trauen wir uns anfangs nicht (Achtung Eiswürfel!!! – laut Reiseführer allerhöchste Gefahrenstufe für unsere an europäische Mikroorganismen gewöhnte Verdauung, falls nicht abgekochtes Wasser für die Eisherstellung verwendet wurde, was man natürlich nie wissen kann). Später werden wir mutiger und schlürfen das süße Getränk. Die Eiswürfel fischen wir allerdings vorher aus dem Glas.
An vielen Straßenecken sehen wir Tische voller Telefone, die von ein oder zwei Personen betreut werden. Wir haben den Eindruck, dass es sich hierbei um Telefonvermittlungen handelt. Handys sind in Burma noch selten, daher kennt man vermutlich die Telefonnummern der Stationen in der Nähe von zu Hause, von der Arbeit, von der Liebsten und kann dort eine Nachricht hinterlassen oder darum bitten, dass der gewünschte Gesprächspartner an eine Telefonstation geholt wird. Vielleicht verabredet man sich auch zu festen Zeiten zum telefonieren?



Männer spielen Dame - man beachte die...

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Kulinarische Köstlichkeiten – erster Teil: Gekochte Frühstückseier

"Fisch sweet and sour"

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An unserem zweiten Tag probieren wir ein "Burmesian-Style" Frühstück. Es besteht aus Nudeln mit Kokosnussmilch und indischem Fladenbrot mit gekochten Bohnen. Ein burmesisches Frühstück muss man in den meisten Hotels vorbestellen, Standard für Touris ist das sogenannte „Western-Style“ Frühstück. Das heißt Toastbrot und Ei, wahlweise gekocht, gebraten oder als Rührei, dazu Instantkaffee. Meist gibt es noch frisches Obst. Das größte Überraschungsmoment des Frühstücks bieten die gekochten Eier – man kann nie sicher sein, ob sie schon gestockt sind. Einmal werde ich gefragt, ob ich meine Eier für zwei oder drei Minuten gekocht haben möchte. Ich bin entsetzt. Seit diesem Tag bestehe ich auf zehn Minuten. Selbst dann sind sie nicht immer durch, meistens ist das Eiweiß aber nur auf einer Seite flüssig. Ich vermute, Burmesen essen keine gekochten Eier und bereiten sie nur für Touris so zu. Deshalb nehmen sie vielleicht nicht genug Wasser, um die Eier komplett zu bedecken und so die Eier nicht gleichmäßig durchkochen.
Auf unseren Spaziergängen tagsüber an den vielen Ständen auf der Straße und in den Restaurants am Abend entdecken wir viele verlockende Dinge: manche Gerichte in den Speisekarten tragen beispielsweise einen mit schalen Erinnerungen behafteten banalen Namen: Fish sweet and sour, aber das Festmahl, was uns serviert wird, ist Augenweide und Gaumenschmeichler zugleich. Verschiedene ethnische Kulturen bieten in Burma die Spezialitäten ihrer Küche feil: neben burmesischen finden wir indische, chinesische und thailändische Restaurants und Garküchen. Die Praxis der Verhinderung von Reisedurchfällen durch "kluges Essverhalten" ist daher in Wirklichkeit viel, viel schwerer als die einfach zu verstehende Theorie im Reiseführer. Viel zu schnell ist die frische, süße, aromatische, eisgekühlte Ananas (Mango / Melone / Erdbeere…) in den Mund gesteckt. So schnell kann man gar nicht darüber nachdenken, ob man auch wirklich alle klugen Regeln aus dem Reiseführer: "boil it, peel it or forget it" berücksichtigt hat.
Übrigens nutzen Burmesen die auch bei uns in Esotherikstübchen erhältlichen Räucherstäbchen für die Mückenabwehr – wenn man draußen sitzt, werden sie in den Restaurants mit Beginn der Dämmerung unter den Tisch gestellt und tatsächlich trauen sich die Mücken danach nicht mehr in unsere Nähe. Die Duftnote ist also zweitrangig.



Dieses in Schiffsgestalt erscheindende Gebäude...

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Die Shwedagon Pagode – oder der irdische Platz der Smaragdenstadt

Die Schwedagon Pagode

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Jetzt weiß ich endlich, wo die Smaragdenstadt liegt. Die Bücher über das kleine Mädchen Elli, das bei einem Wirbelsturm in ein fremdes, verzaubertes Land verschlagen wird, und mit Hilfe vom dummen Strohmann, dem herzlosen Eisenmann und dem ängstlichen Löwen ein Weg nach Hause findet, waren als Kind meine Lieblingsbücher. Als wir die Shwedagon betreten, stockt uns der Atem. So schön ist es. Alles, was hier golden glitzert, ist echtes Gold. Ganz im Zentrum auf einem Hügel steht die riesige Pagode selbst, ein goldener massiver Bau mit rundem Querschnitt, nach oben hin spitz zulaufend, 90 Meter hoch; drum herum drängen sich viele kleine Tempel, beinahe wie eine kleine Stadt, um genauer zu sein: wie die Smaragdenstadt.



Bizarre Figuren, eine riesige Goldstupa und iel...

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Gläubige in der Dämmerung

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Nach einer Weile erst nehmen wir wahr, wie belebt dieser Ort ist und wir bemerken, dass das Nationalheiligtum von den Burmesen lebhaft für die Ausübung ihrer Religion genutzt wird. Es gibt kleine Brunnen mit Bechern vor Statuen, beispielsweise Elefanten oder Buddhafiguren. Die Burmesen schöpfen Wasser aus dem Brunnen und begießen die Statuen an verschiedenen Stellen unterschiedlich viele Male. Dabei beten sie für etwas; die Gesundheit eines Angehörigen oder das Glück eines frisch verheirateten Paares. Ein anderer Brauch ist das Trinken von heiligem Wasser. Dabei gehen die Gläubigen in einer Reihe von einer Wasserstation zur nächsten und schöpfen heiliges Wasser in ihre Tasse und nehmen jedes Mal einen Schluck davon. In Myanmar kann man viele Dinge für Buddha tun: man kann ihm Luft zufächeln, für ihn den Gong schlagen, Wasser über seine Statuen gießen und vieles mehr. Dabei ist es auch wichtig, wie oft man den Gong schlägt oder das Wasser über eine bestimmte Stelle einer Statue gießt. Häufig werden diese Tätigkeiten fünf, sieben oder neun Mal wiederholt. In der Dämmerung wird der Platz um die Shwedagonpagode richtig voll. Wir beobachten fasziniert eine Reinigungszeremonie. In mehreren Reihen, die so breit sind wie der Weg, der um die Hauptpagode führt, fegen die Männer und wischen die Frauen den Fußboden. Wir sind den ganzen Tag barfuß durch die Anlage gelaufen und haben, wie alle anderen auch, unsere Schuhe am Eingang abgestellt.
Im Buddhismus gibt es für jeden Wochentag einen Buddha. Wichtiger als das Datum, an dem man geboren wurde, ist der Wochentag der eigenen Geburt. Als mein Reisebegleiter nicht sagen kann, an welchem Wochentag er geboren wurde, sind die Burmesen fassungslos.



Gläubige reinigen den Boden der Shwedagon-Pagode.

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Orwells Burma

Orwells Burma

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George Orwell ist ein toller Reisebegleiter. Seinen Burmaroman habe ich zu Weihnachten von meiner Schwester geschenkt bekommen. Ich habe das Buch extra für die Reise aufgehoben und will es erst vor Ort lesen. Zugegebenermaßen bin ich aber ziemlich skeptisch. Ich weiß, das Buch ist uralt und befürchtete eine ebenso altmodische wie schwer lesbare Sprache. Aber weit gefehlt. Orwell hat sarkastischen Humor und die Lektüre dieses Buches hat mir sowohl Burma als auch Orwell näher gebracht. In besagtem Buch (Tage in Burma) antwortet der Diener auf die Frage, warum sein Herr nicht im Moskitonetz schläft: "Abends Master zu betrunken, um Moskitos zu bemerken. Morgens Moskitos zu betrunken, um Master zu bemerken."
Es ist spannend, das Burma Orwells zu erleben. Obwohl mehr als 80 Jahre zwischen dem Aufenthalt von Orwell in Birma und heute liegen, hat man nicht den Eindruck, dass sich soviel seit dieser Zeit verändert hätte. Die roten Briefkästen in der Stadt –stammen die vielleicht noch aus der Zeit des britischen Empires? Die Eisenbahn haben die Birmesen auch den Briten zu verdanken. Es scheint die Zeit stehengeblieben zu sein. Und vor Ort gelesen – kann man auch das Buch besser verstehen. Der korrupte burmesische Politiker des Buches will nach Abschluss seiner beruflichen Laufbahn so fünf, sechs Pagoden bauen, um sich nach buddhistischem Brauchtum von seinen Sünden zu befreien. Fünf, sechs Bauten im Sinne und in der Größe einer Kirche? Das kann man doch in einem Menschenleben gar nicht schaffen – geschweige denn in einem Bruchteil der Zeit davon! Wenn man aber vor Ort gewesen ist und daher weiß, dass eine Pagode auch ein massives "Gebäude" von drei Metern Höhe und einer Grundfläche von anderthalb Quadratmetern sein kann, dann erscheinen fünf, sechs Pagoden doch nicht mehr so abwegig.
Leider gelingt es uns nicht so richtig, anhand des Reiseführers nachzuvollziehen, wo sich Orwell in Burma aufgehalten hat. Das hat damit zu tun, dass die meisten Orte seit der Unabhängigkeit neue Namen bekommen haben. Aber diese Rätsel lösen sich später in diesem Jahr auf, während ich eine liebevoll geschriebene Orwell-Biographie lese. Dabei habe ich sofort wieder das Gefühl, in Birma zu sein. Ich kann mir ganz genau vorstellen, wie der junge Eric Blair, der sich später George Orwell nennt, mit dem Schiff im Hafen von „Rangoon“ ankommt und dort zum Polizeipräsidium, einem der imposanten Empire-Gebäude direkt vis-a-vis des Hafens, läuft, um seinen Dienst als Assistent Superintendent anzutreten.



Weiterreise nach Bagan

Pferdekutschen gibt es nicht...

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Die Weiterreise nach Bagan katapultiert uns weit zurück in vergangene Zeiten. Als wir drei Tage nach unserer Ankunft wieder den Flughafen von Yangon betreten, haben wir das Gefühl, mit dem Betreten des Flughafens von Yangon eine Zeitreise von 60 Jahren in die Vergangenheit zu machen. Wir betreten eine schummrige, schlecht beleuchtete Halle. Es gibt keine Fluganzeigetafeln, keine automatischen Gepäckbänder. Nach der Flugticket- und Passkontrolle wird unser Gepäck auf einer Briefwaage vermessen und anschließend vom Flughafenpersonal fortgetragen. Im Wartebereich trägt eine Person eine Tafel durch die wartenden Passagiere, um die Maschine anzuzeigen, die zum Abflug bereit ist. Herkömmliche Wasserspülungen gibt es in den Örtlichkeiten nicht, neben der normalen „europäischen“ Toilettenschüssel steht ein großer Wasserbottich mit einer Kelle für die Säuberung der Toiletten bereit. Über das Rollfeld gehen wir zu unserer Maschine und steigen über die Treppe in das Flugzeug. Wir fragen uns, ob dies wirklich der gleiche Flughafen ist, an dem wir drei Tage zuvor in Yangon angekommen waren. Unserer Erinnerung nach sind wir doch auf einem ganz normalen, modernen Flughafen gelandet, oder?



Alltag in Bagan - Pagoden, wohin das Auge schaut



Vergangenheit in der Gegenwart

Zementsieben - Frauenarbeit

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In Myanmar wird man jeden Tag mit der Lebensweise aus der Vergangenheit konfrontiert. Die Menschen sind auf ein Leben ohne Strom eingestellt: Bügeln mit kohlebefeuerten Plätteisen, Wäschewaschen auf dem Stein, Kochen über dem offen Feuer. Aus unserem Blickwinkel betrachtet hat das Ganze einen großen Vorteil: das Essen wird immer aus frischen Zutaten zubereitet. Und diese sind immer köstlich aromatisch – klarer Vorteil örtlicher klimatischer Bedingungen…
Strom ist in Myanmar in den Städten meist auf die Morgen- und Abendstunden rationiert. Wer es sich leisten kann, betreibt zusätzlich einen Generator. Das kann gelegentlich auch zu amüsanten Missverständnissen führen. Wir wollen in Bagan ein Lassi trinken, eine Art Fruchtjoghurtgetränk, das man in asiatischen Gaststätten zwar auch bei uns trinken kann, das aber dort aber nach viel mehr schmeckt. Habe ich schon die köstlich aromatischen Mangos, Ananas, Papayas, Erdbeeren etc. aus Burma erwähnt? In einem Café, das für seine Lassis wirbt, fragen wir nach Papayalassi. Die Papayas in Myanmar sind eine kulinarische Offenbarung, wann immer wir können, essen wir frische Papaya. Papayalassi aber gibt es gerade nicht. Das ist schade, aber in Bagan hat die Papayasaison noch nicht begonnen, nur weiter im Süden des Landes können die Früchte schon geerntet werden. Vielleicht ist die Lieferung an diesem Tag ausgefallen. Also fragen wir nach Erdbeerlassi. Aber auch bei Erdbeerlassi: Fehlanzeige. Hoffnungsvoll, aber dennoch vorsichtig, um etwaigen Enttäuschungen vorzubeugen, fragen wir nach Bananenlassi. Bananen – also die gibt es wirklich an jeder Ecke. Aber es gibt auch kein Bananenlassi. Schließlich fragen wir: „Haben Sie eigentlich überhaupt Lassi?“ – „Nein – wir haben keinen Strom.“ Und der wird für den Mixer benötigt.



Kulinarisches Köstlichkeiten – zweiter Teil: Pflanzenkunde: Ursprung von Nahrungsmitteln

frisch geerntete...

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In Bagan handeln wir hart für ein burmesisches Kochbuch mit farbigen Fotos. Bücher auf Glanzpapier mit bunten Fotos sind in Bagan eine Seltenheit. Die meisten Bücher haben sehr dünnes Papier und sind lediglich beschrieben. Unser Kochbuch hat eine Auflage von 1.000 Stück. Wir zeigen es einem Restaurantbesitzer in der Hoffnung, mehr über die burmesische Küche zu erfahren. Der Restaurantbesitzer kennt das Buch nicht und studiert es mit großer Aufmerksamkeit und beinahe ehrfürchtig. Er blättert jede einzelne Seite um, liest sogar das Impressum. Er ist begeistert. Das Buch stellt seiner Meinung nach eine schöne Sammlung traditioneller burmesischer Speisen dar. Auf seiner Speisekarte jedoch ist keines dieser Speisen zu finden. Er bietet uns an, am nächsten Tag ein Menü nach diesem Kochbuch zusammenzustellen, er muss noch einige Besorgungen dafür machen. Leider reisen wir am nächsten Tag ab, so dass wir dieses Menü nicht genießen können. Wir fragen uns, warum in einem Restaurant, das burmesische Gerichte anbietet, keine einzige Speise aus unserem Kochbuch zu finden ist. Vielleicht ist das so wie mit gefüllten Paprikaschoten in Deutschland: eine typisch deutsche Speise, aber bestimmt nur selten in deutschen Restaurants zu finden. Der Wirt bereitet am Abend doch noch eine Spezialität extra für uns zu: Kartoffelsuppe mit Drumsticks. Die Ernte dieser so genannten Früchte haben wir am Morgen gesehen. Drumsticks sind große, bohnenähnlich aussehende Früchte, und sie werden mit einem scharfen Haken von den Bäumen geholt. Tatsächlich erinnern die Früchte in ihrem Aussehen an Schlagstöcke. Sie werden gekocht und schmecken ein Bisschen wie Spargel. Allerdings haben sie viele Fasern, die man nicht mitessen kann, man muss sie auszutschen.



Ein Tamarindenbaum

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Ein Papayabaum

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Wir unterhalten uns lange mit dem Restaurantbesitzer über die burmesische Küche und schließlich auch über Pflanzen, die zur Nahrungsgewinnung angebaut werden. Ich frage ihn, ob er mir einen Papayabaum zeigen kann. Ich habe noch nie einen gesehen. Er überlegt einen Moment, dann bittet er mich, ihm zu folgen. Wir gehen in den Garten nebenan. Erst denke ich, es ist sein Grundstück, aber er erzählt mir, dass es seinen Nachbarn gehört, mit denen er befreundet ist. Tatsächlich sehe ich meinen ersten Papayabaum. Die Pflanze ist mannshoch und hat einen dünnen Stamm, von dem oben palmenartig Blätter abstehen. Vermutlich gehört sie zu den Sukkulenten. Die unterhalb der Blätter hängenden kleinen, grünen Früchte sind noch nicht reif, die Saison beginnt in Bagan erst Ende März, das ist in ein paar Wochen. Der Restaurantbesitzer zeigt mir auch einen Tamarindenbaum, die Blätter schmecken säuerlich. Daraus wird Saft und Senf hergestellt. Da auch die Tamarinden noch nicht reif sind, holt er mir welche aus dem Haus – angenehm süß-säuerlich. Ich erfahre außerdem, dass Ananas nicht in Bagan wächst und Melonen nicht angebaut werden dürfen. Generell stellen wir fest, dass die Menschen im Durchschnitt viel mehr Ahnung von Pflanzen und ihrem Anbau und was man daraus machen kann, haben als bei uns. Wir treffen eigentlich keinen, der uns dazu keine Auskunft geben kann. Das liegt vermutlich auch daran, dass ein viel größerer Teil der Bevölkerung in der Landwirtschaft beschäftigt ist als bei uns.
In Bagan werden unter anderem Erdnüsse (in Burma wortwörtlich einer deutschen Übersetzung entsprechend, also „groundnuts“ genannt, nicht wie sonst im englischen Sprachgebrauch üblich „peanuts“) angebaut – und tatsächlich handelt es sich bei den Pflanzen um Bodendecker, es sind kleine Pflanzen. Erdnüsse werden in Bagan vielfältig verwendet: in den Gaststätten stehen sie immer auf dem Tisch als Snack zum Getränk, sie werden auch beinahe in jeden Salat gemischt. Sehr lecker und weit verbreitet ist beispielsweise ein Tomaten-Zwiebel-Avocadosalat – selbstverständlich mit Erdnüssen.



Jack-Frui - direkt am Baum

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Pagoden in Bagan

Pagoden in Bagan

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Bagan ist eine Steppenlandschaft. Wir sind in der Trockenzeit da, braune Farbtöne und gepflügte Felder prägen die Landschaft. Hier und da gibt es ein paar Pflanzen mit leuchtend pinkrosafarbenen Blüten. Das wirkt wie ein Farbtupfer in einer sepiafarbenen Umgebung. Wir erkunden Bagan mit dem Fahrrad. In Bagan ist es heiß, aber trocken. Dieses Klima ist eigentlich ganz angenehm: Abends gewaschene und über die Leine gehängte Sachen sind am nächsten Tag längst wieder trocken. Die Pagodenlandschaft erstreckt sich über ein Areal von 40 qkm. Pagoden sind Teil des Alltags: sie verzaubern durch ihre direkte Nachbarschaft das Ambiente eines chinesischen Restaurants oder sie stehen einfach so mitten im gepflügten Feld. Über 2000 davon sind erhalten. Die Großen tragen einen Namen, an einer kleinen finden wir ein Schild: Tempel Nr. 801. Einige Pagoden sind massiv, d.h. man kann sie nicht betreten, in andere jedoch kann man eintreten. Meist findet man darin Buddhastatuen. Manche von ihnen kann man an der Außenseite besteigen, bei anderen finden sich verwinkelte Gänge und Treppen darin, die einen in das nächste Stockwerk bringen. Der Blick, den man von oben auf die Landschaft hat, ist atemberaubend. Jeden Tag nutzen wir das warme Licht des Morgens und des Abends für einen Ausflug auf das Dach einer Pagode.



Pagoden - wohin das Auge blickt - neben dem...

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Laufen in Bagan

Laufen in Bagan

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Was sein muss - muss sein. Und wer sich seinen ersten bzw. zweiten Marathonversuch in diesem Jahr vorgenommen hat - und daher das Laufen also mit einer gewissen Ernsthaftigkeit verfolgt, der kann eine vierwöchige Laufpause nicht akzeptieren. Auch nicht auf einer Burmareise, die Temperaturen unter 30° Celsius per definitionem nicht zulässt. Tja, und es heißt ja auch - Laufen ist der unkomplizierteste Sport aller Zeiten - man kann ihn überall betreiben. Heutzutage einziges benötigtes Accessoire: Laufschuhe - und die kann man auch schon mal durch Burma schleppen, wenn man mit dem Rucksack durch das Land reist. Wir sind tatsächlich in Burma gelaufen und haben das Foto auf der linken Seite später nachgestellt. Weil es so heiß war, sind wir bereits um 6:00 Uhr gestartet - und ich muss sagen, es hatte etwas, durch diese wunderschöne Kulturlandschaft zu laufen. Wir wurden allerdings auch von den Einheimischen mit verwunderten Blicken zur Kenntnis genommen. Was der Grund dafür war - das kurze und enganliegende Outfit an einer Frau oder die Tatsache der absoluten Energieverschwendung bei einer solchen Tätigkeit - vermag ich nicht zu beurteilen.
Es war heiß, es war anstrengend, aber es war definitiv ein tolles Laufereignis.



Pagoden - wohin das Auge blickt - auch im Feld.

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Mandalay

Über Mandalay ist mir die sarkastische Beschreibung Orwells in lebhafter Erinnerung geblieben: „Mandalay ist eine ziemlich unangenehme Stadt – staubig und unerträglich heiß, und man sagt, ihre fünf Haupterzeugnisse fangen alle mit „P“ an, nämlich Pagoden, Priester, Paria, Pfandleiher und Prostituierte“.
Über Prostituierte, Priester, Pfandleiher und Paria vermag ich nicht viel zu sagen. Sie sind mir nicht so augenscheinlich aufgefallen. Die Dichte der Pagoden erscheint mir aber auch nicht höher als in anderen von uns besuchten Gegenden Birmas. In der Tat, der Name Mandalay klingt so verheißungsvoll, aber man muss schon ein wenig suchen, um der Stadt etwas Angenehmes abgewinnen zu können. Vielleicht ist es aber auch genau das: Es ist heiß, dreckig, staubig, verrußt – aber lebendig. Wir sehen viele Kunsthandwerker, die sich entsprechend ihrer Spezialisierung in bestimmten Stadtteilen sammeln: Es gibt ein Steinmetzviertel, eine Holzschnitzergegend, ein Kiez, in dem Messing bearbeitet wird usw. Das Kunsthandwerk in Mandalay hat eine lange Tradition, in der näheren Umgebung liegen viele alte Hauptstädte unabhängiger Fürstentümer aus dem 14. Jahrhundert, beispielsweise Amapura oder Sagaing. Immer wieder wurden neue Hauptstädte erbaut, die durch viele Prachtbauten ihren Reichtum demonstrieren wollten. In Mandalay wird auch Blattgold hergestellt. Selbstverständlich durch den Schweiß arbeitender Männer. Es ist ein Höllenjob, immer und immer wieder mit einem großen Hammer auf das in Lederpäckchen befindliche Gold einzuschlagen, mehrere Stunden hintereinander. Das Gold wird meistens für die Verehrung von Buddha genutzt – damit werden von den Gläubigen heilige Statuen überzogen. Das geht ganz einfach, man kauft ein Blättchen Gold und legt es auf eine Oberfläche, die bereits einen Goldüberzug hat. Dann streicht man ein paar Mal mit dem Finger darüber und das Gold haftet darauf. Einige Buddhafiguren haben über die Jahre völlig ihre Form verloren. Beeindruckend ist die Mahamuni-Statue („erhabener Weiser“), an der die einzelnen Finger Buddhas nicht mehr zu identifizieren sind. In der Pagode hängende Fotos dokumentieren beeindruckend die Veränderungen über die letzten einhundert Jahre. Wir kaufen auch ein paar Blättchen Blattgold und wollen unsere Postkarten damit verzieren. Das funktioniert leider nicht, das Gold will nicht auf dem Papier haften.



Die Feuerwehr in Burma

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Nonnen und Mönche in Burma

Bettelnonnen

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An einem Morgen beobachten wir eine lange Reihe von Bettelnonnen, die sich durch die Straße schlängelt, und dabei an von Haus zu Haus zieht. Das Gewand von Nonnen ist rosafarben, das von Mönchen hat erdige Rottöne. Ohne den Farbunterschied zu kennen, ist es schwer, Nonnen von Mönchen auf den ersten Blick zu unterscheiden, denn sowohl die Männer als auch die Frauen haben kurz geschorenes Haar. Auf dem Kopf tragen sie ein Gefäß. Die Bewohner der Straße kennen den Tag, an dem die Kolonne kommt und haben Reis gekocht. An jeder Tür bekommt jede Nonne in einen Löffel davon ihr Gefäß.
Mönche und auch Nonnen gehören in Burma zum Alltag. Man sieht sehr junge Mönche, noch „kleine“ Jungen, vielleicht zehn oder elf Jahre alt und viele junge Männer. Das entspricht der burmesischen Tradition, zweimal im Leben einen Lebensabschnitt als Mönch zu verbringen. Wenn die Jungen das erste Mal Mönch werden, was als Novizenschaft bezeichnet wird, gibt es eine große Feier, die mit vielen Gästen, Musik und als Prozession auf der Straße gefeiert wird. Eine solche Prozession können wir in Taungyi beobachten.



Nonnen am Morgen ziehen von Haus zu Haus, um Re...

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Verkehr in Mandalay

Verkehr in Mandalay

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Der Verkehr in Mandalay ist dem ersten Eindruck sehr chaotisch, aber viel flüssiger als bei uns zu Hause. Das liegt einerseits sicherlich an einem geringeren Verkehrsaufkommen, andererseits auch an einer im Allgemeinen niedrigeren Geschwindigkeit, bei der in eine neue Straße abbiegende Fahrzeuge durch leichtes Abbremsen der anderen Fahrzeuge gut in die neue Fahrspur integriert werden können. Vor dem Linksabbiegen fahren Viele schon in die Spur des Gegenverkehrs um dann zunächst ganz eng links abzubiegen – wiederum in die Spur des Gegenverkehrs – und sich dann bei einer Lücke im Verkehr langsam auf die rechte Seite – also die richtige Fahrspur – zu schleichen. Auf diese Weise wird im Grunde genommen aus dem Linksabbiegen, bei dem man sowohl dem entgegenkommenden Verkehr als auch dem von links kommenden Verkehr Vorfahrt gewähren müsste, ein einfacherer Abbiegevorgang entsprechend dem nach rechts abbiegen, bei dem nur Fahrzeuge von links beachtet werden müssen, gemacht. Gehupt wird von hinten, um anzudeuten, dass man überholen möchte und der vor einem Verkehrende rechts bleiben oder sich nach rechts scheren sollte. Vorfahrt hat grundsätzlich der Größte. Das funktioniert. Das funktioniert sogar in der Dunkelheit, wenn nur wenige motorisierte Fahrzeuge Licht haben, es fast keine Straßenbeleuchtung gibt und Fahrräder natürlich kein Licht haben. Unsere Stirnlampen machen uns zu den einzigen Fahrradfahrern mit Beleuchtung…



Die U Bein-Brücke von Amapura

Das andere beste Bild der...

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Die U Bein-Brücke von Amapura erreichen wir nach einer anderthalbstündigen Fahrradfahrt auf altmodischen Fahrrädern, die wir in unserer Unterkunft ausleihen können. Diese Fahrt genießen wir und erwarten ein "Highlight" - so verspricht es der Reiseführer. Vor Ort jedoch sind wir wenig beeindruckt. Unter der größten Teakholzbrücke der Welt stellt man sich irgendwie etwas Spektakuläreres vor. Aber man soll nicht zu schnell ein Urteil bilden - letzten Endes sind die Aufnahmen, die wir hier gemacht haben, wirklich toll geworden. Das hatten wir so gar nicht erwartet. Warum die U Bein-Brücke U Bein-Brücke heißt, haben wir indes bisher nicht herausbekommen können.



Das beste Bild der U-Bein-Brücke



Pyin U Lwin

Wir machen einen leider viel zu kurzen Abstecher nach Pyin U Lwin, das früher den Namen Maymyo trug, 50 km von Mandalay entfernt. Wir fahren in einem Taxi, gemeinsam mit zwei weiteren Fahrgästen, zwei Burmesinnen. Auf diese Weise werden die Reisekosten auf mehr Schultern verteilt, eine übliche Form des Reisens. Der größte Teil der Fahrt führt bergan. Nach vielen, vielen Aufwärtsserpentinen machen wir eine Rast. Der Fahrer macht sich mit einem Schlauch am Fahrzeug zu schaffen. Ich nehme an, wir tanken. Doch dafür dauert die Prozedur viel zu lange. Beim genaueren Hinsehen stelle ich fest, dass er einen Schlauch in den Motorraum gehangen hat, aus dem unentwegt Flüssigkeit läuft: Wasser – für die Motorkühlung. Die Briten haben Maymyo aus klimatischen Gründen gemocht und daher als Kurort ausgebaut: es liegt auf einer Höhe von 1300 Metern – die Temperaturen klettern hier nicht ins Unerträgliche – und die klare Bergluft ist wohltuend für staubgestresste Lungen aus Mandalay. Die Burmesen haben hier eine wichtige Militärstation, in der militärische Führungskräfte ausgebildet werden. Es ist die einzige Stadt, in der wir viele Soldaten sehen.
Für uns ist der Charme von Pyin U Lwin jedoch anderer Art: wir genießen das, was vom Britischen Empire übrig geblieben ist und sich mit der burmesischen Kultur vermischt hat. Gebäude im verspielten Stil aus Kolonialzeiten, mit Anstrich nach asiatischem Geschmack in Pastellfarben: mintgrün, zartrosa oder hellblau – das hat was. Oder bunte Kutschen, die an das Märchen „Aschenputtel“ erinnern, die Touristen spazieren fahren oder auf dem Markt für den Verkauf oder Transport von Ananas zweckentfremdet werden. Viele Teestuben bieten englisches Gebäck. In einem Café entdecken wir sogar eine Sachertorte, und zwar eine, deren Anblick keinen Zweifel aufkommen lässt, dass hier Könner am Werk waren. Sachertorte ist insofern etwas sehr Ungewöhnliches, als dass Schokolade in burmesischem Klima normalerweise schmilzt. Schokolade haben wir bisher nirgendwo in Burma gesehen. Die Bedienung zeigt uns die an das Café grenzende Backstube, in der alles, was draußen im Café angeboten wird, selbst hergestellt wird. Es sind modernste Maschinen – dementsprechend ungemütlich wirkt die Backstube. Um die Herstellung der Sachertorte zu erlernen, wurde das Personal sogar von einem europäischen Bäcker geschult. Es gibt natürlich Gründe dafür, dass es all diese und noch viel mehr Luxusgüter (Schweizer Käse, echte Schokolade) in Pyin U Lwin gibt. Hier lebt ein Teil der burmesischen Armeeelite.



Ananastransport in Aschenputtelkutschen



Kulinarische Köstlichkeiten – dritter Teil: Burmesische Eierkuchen

Burmesische Eierkuchen

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Auf dem Markt entdecken wir viele interessante Dinge. Am meisten fasziniert mich eine große eiserne Pfanne mit ganz vielen Mulden, jede so groß wie ein halbes Ei. Darin wird eine Art herzhafter Eierkuchenteig in Fett ausgebacken. Kurz bevor er fertig ist, wird er entweder mit Tomatenwürfeln oder Kräutern verziert oder ein ganz kleines Ei (in der Größe von Wachteleiern) darauf aufgeschlagen und durchgegart. Das Ergebnis sieht nicht nur sehr ansprechend aus sondern ist auch sehr schmackhaft.
In Pyin U Lwin wird das Stadtbild auch vom Einfluss indischer Einwanderer geprägt, erstmals können wir Kaffee mit echter Milch genießen und in indischen Restaurants essen. Wie in vielen asiatischen Ländern üblich, werden Kühe eigentlich nicht für die Milchgewinnung gehalten sondern lediglich zur Feldbewirtschaftung genutzt. Ein Grund dafür ist die bei Asiaten relativ häufig vorkommende Unverträglichkeit des Milchzuckers. Das lässt uns darüber nachdenken, wie groß der Anteil von Milchprodukten unserer herkömmlichen Nahrung ist: Butter, Joghurt, Quark, Käse etc. Und was wir jetzt, nach knapp zwei Wochen eigentlich so vermissen, vor allem: echten Kaffee. Der wird in Burma nicht angebaut und ist daher ein Luxusgut, das importiert werden muss. Auf unseren Erkundungsgängen sehen wir vor einer Gärtnerei ein Schild mit der Aufschrift: Nursery. Ich kenne das Wort im Sinne der Kinderbetreuung und amüsiere mich über die Verwendung in der Pflanzenzucht – quasi ein Pflanzenkindergarten. Wir besuchen auch einen riesigen botanischen Garten, der sehr an die Anwesenheit der Engländer erinnert und in dem man stundenlang verweilen kann.



Ein Fahrradausflug führt uns zu einem in der Nähe liegenden Wasserfall. Der Hinweg geht wie von selbst – wir fahren die ganze Zeit den Berg hinunter; mit ordentlichen Gefälle. Ich mache mir ein bisschen Sorgen um den Rückweg, denn eine Gangschaltung hat das Fahrrad natürlich nicht. Unterwegs kommen wir in einem Dorf vorbei, in dem gerade ein Fest gefeiert wird: eine Bühne wird gerade aufgebaut, Händler bieten allerlei schnell Gebratenes und frisch Frittiertes, auf dem großen Platz wird gerade Fußball gespielt. Später soll noch Theater gespielt werden und eine Misswahl stattfinden. Fußball ist in Burma äußerst beliebt. Insbesondere die Champions League wird begeistert verfolgt. Oft sehen wir Poster von David Beckham. Um zu den Wasserfällen zu gelangen, müssen wir das letzte Stück des Weges zu Fuß zurücklegen. Es geht eine Stunde lang steil bergab. Unbemerkt schließen sich uns zwei Burmesinnen an und begleiten bzw. geleiten uns den ganzen Weg. Als wir unten sind, öffnen sie ihre Kanister und bieten uns Erfrischungsgetränke an. Auch auf dem Rückweg sind sie an unserer Seite. Das Wasser stürzt in drei Strängen etwa 30 m in die Tiefe und mündet in mehrere terassenförmig angelegte natürliche Flussbecken, ein wunderschönes natürliches Freibad. Allerdings ist das Wasser sehr kalt. Der Rückweg mit dem Fahrrad ist auf dem ersten Teil erwartungsgemäß sehr anstrengend, immer wieder muss ich bei zu großen Steigungen absteigen. Später kommen wir auf die gut ausgebaute Hauptstraße nach Pyin U Lwin, deren besserer Straßenbelag das Fahren deutlich erleichtert.



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Pindaya

Auf Pindaya freuen wir uns ganz besonders. Die Fahrt von Kalaw nach Pindaya soll laut Reiseführer zu den schönsten Strecken Burmas gehören. Nicht umsonst hätten die Engländer die pittoresk anmutende Landschaft als burmesische Schweiz bezeichnet. Wir haben in Mandalay mit einem Tag Verzögerung zwei Tickets für den Nachtbus nach Kalaw gebucht. Andere Verbindungen nach Kalaw gibt es nicht und der Bus für den gleichen Tag war schon voll. Von Kalaw, einem beliebten Ort für Wanderer, werden wir ein Taxi nehmen müssen. Wir sind auf eine lange Nachtfahrt eingestellt und werden in Kalaw vermutlich am zeitigen Morgen ankommen, aber irgendeine Teestube wird sich dann schon finden lassen. Der Bus ist ausgebucht, alle Plätze sind besetzt. Er rumpelt in langsamer Geschwindigkeit vor sich hin. Das beträchtliche Hin- und Hergeschwanke macht mich müde, ich schlafe ein. Immer wieder hält der Bus und es steigen weitere Personen ein. Diese finden auch noch Platz auf plötzlich im Mittelgang ausgeklappten Sitzen. Mitten in der Nacht hält der Bus, das Licht wird eingeschaltet und laut brüllt es von vorne in den Bus: Kalaw, Kalaw. Wir schrecken auf. Kalaw? Was? Jetzt schon? Wir reiben uns die Augen und schauen auf die Uhr. Es ist halb zwei in der Frühe. Wir steigen aus, nehmen benebelt unser Gepäck entgegen und sehen uns desorientiert um. Da kommt ein Burmese auf uns zu, der anscheinend auf die Ankunft des Busses gewartet hat. Er ist Trekking-Guide und bietet uns seine Hilfe bei der Suche nach einer Weiterschlafmöglichkeit an. Wir sind einverstanden, er führt uns zu einem Hotel, klingelt die Hotelbesitzer aus dem Bett, die uns verschlafen ein Zimmer zeigen, welches wir sofort beziehen und uns wieder schlafen legen. Als wir dann wieder aufwachen, sieht die Welt viel besser aus. Ein Taxi, das uns nach Pindaya bringt, lässt sich leicht organisieren und so fahren wir die verheißungsvolle Strecke. Aber pittoreske Landschaft? Burmesische Schweiz? Diese Vergleiche können wir nicht nachvollziehen, die Landschaft ist leicht hügeliger Natur, man könnte sagen, ganz nett, aber in unseren Augen nichts Spektakuläres.



Der Weg



Tanken in Burma

Eine Tankstelle in Burma

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Dennoch erleben wir wieder etwas Neues, also Besonderes: Tanken in Burma. Das gesamte Angebot der Tankstelle passt in ein mannshohes Regal: unten steht eine kleine Sammlung von Fässern in Weinfassgröße, darüber stehen mit Flüssigkeit gefüllte Flaschen. Wir erfahren, in den Fässern ist das Benzin für die Autos, in den Flaschen für die Mopeds. Getankt wird das Auto ohne Benzinpistole mit einem Einfülltrichter von Hand. Dafür werden zwei Personen benötigt. Der Wagenbesitzer hält den an einem Schlauch befestigten Einfülltrichter in den Tank und der Tankwart hält ein gläsernes weinballonartiges Gefäß, in dem die zu tankende Portion Benzin aus einem Fass umgefüllt wurde, in Höhe seines Kopfes, aus dem das Benzin in den Tank läuft.



Getankt wird in "Vierhandtechnik"

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Kulinarische Köstlichkeiten – vierter Teil: Burmesische Schokolade

In Pindaya sehen wir, wie in einem Familienbetrieb Papier nach alter Tradition angefertigt wird. Das wird unter anderem für die Herstellung von bunten Schirmen genutzt, die in Burma vorwiegend für als Sonnenschutz Verwendung finden. Der Herr des Hauses bietet uns Tee und eine Süßigkeit an, die er verschmitzt als Schokolade Birmas bezeichnet. Dabei zerbricht er eine dünne braune Platte, die in der Tat der Größe einer normalen Schokoladenpackung entspricht. Wir probieren gerne und sind angenehm überrascht. Um echte Schokolade handelt es sich dabei natürlich nicht. Es sind Peanutcandies, also Erdnussbonbons, eine beliebte Süßigkeit in Birma.



Wanderung zum Kloster

Am folgenden Tag brechen wir gemeinsam mit einem Guide in die umliegenden Berge auf und wollen ein Kloster besuchen. Wir sehen Teefelder, die an steilen Berghängen liegen und ein wenig später auch Frauen mit Kiepen auf dem Rücken, die den Tee ernten. Eine Familie lädt uns am Nachmittag zu einem Besuch in ihr Haus. Die Häuser sind aus Stein gebaut und sehen für das europäische Auge von außen gar nicht so fremd aus. Innen jedoch spiegelt es die einfache Lebensweise der Bewohner wider. Im Obergeschoss findet das Familienleben statt. Es gibt keine Unterteilung des großen Raumes, der die gesamte Grundfläche einnimmt. Der Raum ist mit Bambusmatten ausgelegt, an den Wänden stehen ein paar Säcke Reis. Auch hier bekommen wir Tee und Süßigkeiten angeboten und werden ausgefragt: Wie alt wir sind. Ob wir verheiratet sind. Und wie viele Kinder wir haben. Danach befragen wir unsere Gastgeber. Sie verraten uns nicht, wie alt sie sind und es ist auch schwer, das zu schätzen. Aber sie haben acht Kinder groß gezogen und sind mittlerweile Großeltern von 25 Enkeln. Das Familienleben funktioniert hier noch wie bei uns in alten Zeiten: die mittlere Generation übt eine geldbringende Tätigkeit aus, während die Großeltern die Eltern im Haus und bei der Kindererziehung unterstützen.
Das Kloster, das wir besuchen, ist ein Neubau. Der dienstälteste Mönch hat in der Zeit, in der wir das Kloster besuchen, fünf Novizen zur Ausbildung. Es gibt ein Schlafhaus für die Gäste, auch das ist neu erbaut. Alles in allem haben entspricht der Klosteraufenthalt nicht unseren romantischen Vorstellungen davon. Dafür sehen wir ein Stückchen Realität, die durch Entwicklungshilfe geschaffen worden ist. Wir erfahren, dass Schweizer das Kloster regelmäßig unterstützen. In der Zeit, in der wir dort sind, wird gerade eine Pumpe für den Dorfbrunnen geliefert. Auch der Neubau und der Anbau des Klosters wurden durch Hilfsgelder unterstützt. Wir haben nicht den Eindruck, in einer völlig verarmten Gegend zu sein. Das nächste Projekt dient dem Straßenausbau: zurzeit ist der nächste Arzt eine mehrstündige Wanderung entfernt, ein Zahnarzt gar kann nur im einen Halbtagesmarsch entfernten Pindaya aufgesucht werden. Die Wege sind für Fahrzeuge nicht passierbar. Am Abend kommen viele Jugendliche in das Kloster, ein Fernseher wird angeschaltet. Auch eine Art des dörflichen Zusammentreffens in einem Kloster. Als wir am nächsten Tag noch einen Spaziergang durch das Dorf machen, verschenken wir unsere Hefte und Stifte an die Kinder, die wir sehen. Von jeder Familie erhalten wir Tee als Dankeschön. Wir sind von der Freundlichkeit der Burmesen gerührt.



Das Kloster

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"Things you shouldn´t eat together"

Auf unserer Wanderung zum Kloster entdecken wir bei einer Familie, die uns auf eine Tasse Tee eingeladen hat, eine laminierte Tafel an der Wand, auf der immer paarweise verschiedene Speisen abgebildet sind, einige für unseren Geschmack an sich recht außergewöhnlich, beispielsweise Papagei. Noch ungewöhnlicher erschien jedoch die in unseren Augen willkürliche paarweise Anordnung. Wir fragten unseren Guide, was es mit diesem Plakat auf sich hat. Er erklärt uns, man dürfe die paarweise dargestellten Dinge nicht zusammen bei einer Mahlzeit essen, weil man daran sterben würde. Das klingt in der Tat relativ drastisch und es erscheint recht unglaublich, dass beispielsweise ein Eier-Melonensalat eine tödliche Kombi sein soll. Oder vielleicht eine Hähnchen-Gurkenpfanne.
Ein ähnliches Plakat sehe ich später auf einem Markt wieder, diesmal mit englischen Untertiteln: Danach sollten bestimmte Nahrungsmittelkombinationen zu gesundheitlichen Problemen, beispielsweise Hautausschlag oder Leberbeschwerden, führen. Das klingt nach jahre- oder gar jahrhundertelanger gesammelten Erfahrungen, das auf diese Weise in die Familien getragen wird. Allerdings scheint die Unvertäglichkeit von Eis und Gurke doch eine ziemlich moderne Entdeckung zu sein...
Einige Dinge sind jedoch wissenschaftlich erklärbar: Zum Beispiel soll man Soya Milch nicht mit Eiern zusammen essen. Soya Milch reduziert die Aktivität eines wichtigen eiweißspaltenden Enzyms, das für die Verdauung von Proteinen gebraucht wird. Ein anderes Beispiel ist Schokolade und Milch. Milch ist reich an Calcium und Proteinen, Schokolade enthält Oxalsäure. Bei gleichzeitigem Verzehr kann Kalziumphosphat entstehen, das unverdaulich ist und Durchfall verursacht.



Eis und Ingwersalat

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Am Inlesee

Fischer auf dem Inlesee

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Am Inlesee sehen wir mit Abstand die meisten anderen Touristen auf unserer Reise. Erstmals treffen wir auf ein ausgebuchtes Hotel. Aber auch hier sind die meisten Restaurants am Abend sehr leer, wir sind oft die einzigen Gäste. Wie überall auf unserer Reise klagen die Einheimischen über den Rückgang der Touristen, die seit dem Wirbelsturm im vergangenen Jahr und den politischen Unruhen ein weiteres Jahr zuvor um etwa 90 % zurückgegangen sind. Der Tourismus ist für viele eine wichtige Einkommensquelle.
Wir treffen auf einen überaus kontaktfreudigen Gastwirt, der auch mehrtätige Trekkingtouren in der Umgebung durchführt. Er möchte natürlich auch uns als Guide betreuen. Als wir auf seine Frage hin erzählen, dass wir aus Deutschland kommen, ist er total begeistert. Er erzählt uns, er sei auch schon einmal in Deutschland gewesen: bei einem Zwischenstopp auf dem Flughafen in München auf der Reise nach Österreich. Er holt ein Fotoalbum hervor und zeigt uns stolz die Fotos von seiner Deutschland- und Österreichreise, die er vor zwei Jahren machen konnte, als er einer Einladung von seinen Freunden, Gästen, die ihn mehrere Jahre lang immer wieder besucht hatten, gefolgt war. Neben normalen Postkartenfotos von Berglandschaften sehen wir Fotos von Mähdreschern, Hotelbädern… Es ist faszinierend für uns, die Sichtweise eines Burmesen auf unsere normale Welt zu sehen.



auf dem Weg nach Hause



Einbeinruderer auf dem Inlessee

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Der Inlesee ist der größte Binnensee Birmas, dessen Besonderheit darin besteht, dass er nur zwei bis drei Meter tief ist. Die daran angepasste Lebensweise der Einheimischen lockt viele Touristen an. Es gibt Dörfer auf den Seen, deren Häuser auf Teakholzstelzen im Wasser stehen. Das typische Verkehrsmittel sind Boote und es gibt die sogenannten schwimmenden Gärten. Die Schlingpflanzen des Sees werden als Untergrund für die Bepflanzung mit Tomaten, Kürbissen und vielen anderen Gemüsesorten genutzt. Diese Gärten sind sehr fruchtbar. Die Einheimischen fahren also mit dem Boot in den Garten und jäten aus dem Boot heraus das Unkraut. Ein schönes Bild.
Auch die Techniken des Fischfangs sind dem See angepasst. Wir sehen sogenannte Einbeinruderer. Sie stehen am hinteren Rand des Bootes und haben ein Bein um das Ruder geklemmt. Mit einer kreisförmigen Bewegung des Beines führen sie das Ruder und haben so beide Hände für das Fischen mit Netzen frei. Für eine andere Fischfangtechnik haben sie u. a. längliche Fangkörbe, die vielleicht 2,50 m hoch sind. Man kann sie bis auf den Grund des Sees stellen und der obere Teil schaut noch aus dem Wasser heraus. Mit einem harpunenähnlichen Werkzeug wird dann in dem Korb herumgestochert, in der Hoffnung, dass sich erstens ein Fisch darin befindet, den man zweitens aufzuspießen will.



Gartenarbeit

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Anbandelungstraditionen auf den Dörfern des Pa-O Volkes

Eine Frau des Pa-O-Volkes in...

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Um den Pagodenwald von Kakku sehen zu können, müssen wir eine Zutrittsberechtigung erwerben, die uns den Zutritt in ein normalerweise für Touristen gesperrtes Gebiet ermöglicht. Außerdem muss uns ein Führer des Pa-O Volkes auf dieser Tour begleiten. Von diesen Zwängen sind wir anfangs nicht begeistert. Aber wir ändern unsere Meinung sehr bald. Unser Führer für die Fahrt und im Pagodenwald ist eine hübsche, sehr nette junge Frau, die die traditionelle Kleidung ihres Volkes trägt. Von allen Menschen, die wir in Burma kennenlernen, spricht sie das beste Englisch und berichtet anscheinend gern von ihrem Volk und dem Leben in Birma. Endlich treffen wir jemanden, der die vielen Fragen, die sich inzwischen bei uns aufgestaut haben, beantworten kann und das unserem Eindruck nach auch gerne macht.
Auf der Fahrt nach Kakku berichtet sie uns über die Bräuche bei der Brautschau ihres Volkes: Wenn ein junger Mann im heiratsfähigen Alter Interesse an einer jungen Frau hat, wobei hier natürlich das ernsthafte Interesse an einer Ehegründung gemeint ist, wendet er sich an den Ältesten der Jungen. Dieser bespricht die Angelegenheit mit der Ältesten der Mädchen. Daraufhin wird die Begehrte in der Regel den Verehrer zu sich nach Hause einladen. Selbstverständlich erscheint dieser in Begleitung seiner Freunde und dem Dorfjungenführer zu diesem offiziellen Treffen und auch das Mädchen wird die Verstärkung seiner Freundinnen und des weiblichen Oberaufsehers haben. Traditionell wird bei diesem Zusammentreffen Tee gereicht. Je nachdem, wie die Chancen des jungen Mannes stehen, schenkt die Angebetete viel oder wenig Tee in die Tasse des Anwärters. Wenn sie ihn mag, wird sie ihm nur wenig Tee anbieten, wenn sie ihn nicht mag, dann wird es viel Tee sein. Wie aber kommt das? Die dahinterstehende Logik hat etwas Bestechendes: Wenn sie ihn nicht mag, wird er durch den vielen Tee bald ein dringendes Bedürfnis haben. Da sich die Toilette außerhalb des Hauses befindet, hat die junge Frau die Chance, dem nicht Erwünschten die Tür vor der Nase zu verschließen – und ihn damit loszuwerden. Wer nur wenig Tee trinkt, kann natürlich länger bleiben – und dieses als Zeichen der Zuneigung werten.
Kakku ist ein für Touristen noch nicht lange zugängliches Pagodenfeld mit über 2500 Stupas. Wir haben uns eine riesige Anlage vorgestellt – ähnlich wie in Bagan, aber die Stupas stehen dicht bei dicht, so dass sie nicht so viel Raum einnehmen. Die Stupas wurden in den letzten Jahren restauriert, die neu hinzugefügten Anteile kann man an der rosa Farbe erkennen. Auf dem Weg dorthin passieren wir eine Schranke. Hier müssen wir unsere Pässe zeigen und das Permit hinterlegen. Erst dann können wir passieren. Das gibt es also tatsächlich, dass man ein Gebiet absperren kann. In Birma sind viele – auch sehr interessante Regionen – für Touristen nicht zugänglich. Obwohl auch in Deutschlang früher Realität, bleibt es doch schwer vorstellbar: kein Zugang zu beispielsweise Thüringen. Das wäre ein ganz schöner Aufwand – man müsste viele Straßen absperren. In Burma jedoch ist die Infrastruktur ziemlich schlecht, ein gut ausgebautes Straßennetz gibt es nicht. Von daher ist es viel einfacher, die Zufahrt zu einer Region zu überwachen. Wir können aber nicht herausfinden, warum diese Region abgesperrt ist. Generell wird viel von Bürgerkrieg gesprochen, wir wissen aber nicht, ob sich verschiedene Volksgruppen Birmas untereinander bekriegen oder damit Aufstände gegen die Regierung gemeint sind.



Junge Mönche in Kakku

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Novizenprozession in Taungyi

Straßenprozession bei der Feier...

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Auf dem Weg nach Kakku halten wir in Tangnyi, um die Einreisegenehmigung zu besorgen und die Begleiterin abzuholen. Musik lässt uns aufmerksam werden. Auf den Straßen findet gerade eine Novizenprozession statt. Ein langer Zug mit verkleideten Menschen zieht durch den starken Verkehr, schließlich kommt das Pferd, das den kleinen Reiter, dem diese Prozession gewidmet ist, trägt.



Der Star der Novizenfeier

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Frauen rauchen in Birma nicht ...

Frauen rauchen in Burma nicht -...

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- Ladies aber rauchen Charoots... Tatsächlich ist auffällig, dass in Myanmar weniger Menschen als bei uns dem Laster des Rauchens fröhnen. Auch sind zigarettenrauchende Wesen ausnahmslos männlichen Geschlechts. Ältere Frauen jedoch rauchen zigarilloähnliche Räucherstäbchen, sogenannte Charoots.



Flughafen von Yangon

Nach drei Wochen voller verschiedenster Eindrücke nehmen wir Abschied von Birma. An unserem letzten Tag besuchen wir noch einmal die geliebte Smaragdenstadt. Und verlassen Yangon auf die gleiche Art, wie wir gekommen sind. Mit dem Flieger. Wir starten von einem der modernsten Flughäfen, den ich je gesehen habe. Wie kann das nur sein? Jetzt fällt es uns wie Schuppen von den Augen: es sind zwei Flughäfen in einem: ein nationaler und ein internationaler – ein altmodischer und ein moderner.



Rückblick heute

Selbstverständlich haben wir auf unserer Reise nur einen winzigen Ausschnitt Burmas gesehen. Das war ausgerechnet der präsentable Part – der für Touristen zugängliche Landesteil. Und dazu kommt noch, dass wir die gewöhnlichste Burmareise aller Burmareisen gemacht haben: Egal, welchen Ausländer wir auch treffen, sie haben, abgesehen von wenigen abweichenden Abstechern zu dem einen oder anderen Zwischenstopp, die gleiche Route wie wir. Das hängt auch mit der Zeit zusammen, die wir für unsere Reise haben. Wer tiefer in das Land vordringen will, braucht viel mehr Zeit. Nur die absoluten Highlights sind gut erschlossen und in relativ kurzer Reisezeit zu erreichen. Ein Ausflug nach Mrauk U im Rakkhine-Staat beispielsweise, den wir gern gemacht hätten, hätte uns mehrere Tage An- und natürlich auch wieder Abreise gekostet. Wir können uns also nicht wirklich ein Bild über das Leben in Birma und schon gar nicht über die politische Unterdrückung der Bevölkerung machen. Wir haben allerdings viel mehr Polizei- oder Militärpräsenz erwartet. Aber überraschenderweise sehen wir selten Uniformen. Unser Bild von Burma bleibt auch durch die Sprachbarriere eingeschränkt, da nur wenig Birmesen ein passables Englisch sprechen, das über die Möglichkeiten der touristischen Basiskommunikation hinausgeht. Dennoch haben wir den Eindruck, dass die Burmesen offen mit uns sprechen wollen. Wir hören durchaus kritische Meinungen zur Regierung Burmas. Unsere Reise hat uns einen Einblick in das Land gewährt. Wir nehmen viele Eindrücke mit nach Hause. Von der Landschaft sind wir eher enttäuscht, den über und über grünen Dschungel, den ich gern gesehen hätte, gibt es nicht. Jedenfalls nicht im März, der Trockenzeit des Jahres, und nicht auf der Hauptreiseroute. Aber wir sind tief beeindruckt von den Tempellandschaften Bagans und wir sind begeistert von der Freundlichkeit der Burmesen. Jeder grüßt uns – „Mingalawa“, „Mingalawa“ und wir grüßen gern zurück. Am Ende der Reise stellen wir uns natürlich die Frage, ob wir wiederkommen würden. Bagan würden wir gern noch einmal besuchen. Dann vielleicht noch das Irrawaddy-Delta und den nördlichen Teil des Landes im Himalayavorland – beide Gebiete sind aber zurzeit für Touristen gesperrt.



Kulinarische Köstlichkeiten - allerletzter Teil....

Shannudelsalat

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Wir hatten noch ein amüsantes Erlebnis in Pindaya, in einer kleinen Familiengaststätte, in der während unserer Anwesenheit gebügelt wurde, das Familienmahl stattfand und schließlich einträchtig fern geschaut wurde. Kurzum, wir fühlten uns familiär geborgen und bestellten Shannudelsuppe und Shannudelsalat, hiesige Spezialitäten. Wir erhielten diese beiden Schüsseln:




Shannudelsuppe

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Wir waren überrascht, zumal beide Teller ein warmes Gericht enthielten. Da wir einige Verständigungsschwierigkeiten mit der Bedienung hatten, wussten wir nicht, ob hier nicht vielleicht ein Irrtum vorliegt. Deshalb haben wir am nächsten Tag noch einmal Suppe und Salat bestellt, mit dem gleichen Ergebnis. Und wenn man ganz genau hinschaut, kann man sogar einen kleinen Unterschied in der Menge der Flüssigkeit in beiden Tellern feststellen. Fazit: Beides war sehr lecker, der Teller mit der geringeren Flüssigkeitsmenge - den wir als Salat definiert haben - ein bisschen pikanter...


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Kommentare

  • rrobby

    Hallo Danjela,
    da hast du einen tollen ausführlichen Reisebericht über ein interessantes Reiseland geschrieben. Ich selbst habe Myanmar im Dezember 2002 bereist, Reisebericht ist hier online, allerdings nicht so ausführlich wie Du, aber es war toll.
    LG Robert

  • Blula

    Liebe Danjela!
    Dein Bericht ist wunderschön, toll geschrieben mit vielen interessanten Details und persönlichen Erlebnissen. Hatte sowieso schon immer Lust, dieses großartige Land einmal zu bereisen. Du bestärkst mich mit Deinem Bericht und den wundervollen Aufnahmen, es doch vielleicht recht bald einmal zu tun.
    LG Ursula

  • kawasakipower

    Hallo Danjela,
    Ganz toller Reisebericht,mit schönen Bildern.Das weckt die Reiselust auf ein interessantes Reiseland.
    Lg Melanie

  • agezur

    Danke für einen sehr informativen Reisebericht über ein Land von dem allgemein wenig bekannt ist.
    Liebe Grüße Christina

  • Zypresse

    Das ist ein Reisebericht der Lust auf Mehr macht: mehr lesen, mehr Köstlichkeiten probieren, mehr selbst erleben.
    Danke Dir!

  • gabi.weinert

    Hi, ich schwanke noch, ob ich die dreieinhalb Wochen im Jänner vielleicht doch in Myanmar verbringen soll. Dein Bericht brachte einige gute Argumente, danke! Gut geschrieben, gut bebildert. Wirklich fein.

  • borneo

    Hallo Danjela,

    wie die anderen Schreiber dir schon bescheinigten, ein famoser Bericht.
    Kurzweilig, gut formuliert und viele meiner Fragen beantwortend. Spannend geschrieben.

    Nun bin ich gespannt, wir reisen am 14.Dezember für 3 Wochen dort hin.

    L.G. Peter

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  • RELDATS

    Ich drücke es einfach aus : ein großartiger Bericht!
    Nette Grüsse von Josef

  • INTERTOURIST

    Die Ringbahn fährt ja nun wirklich nicht jeder Tourist. Das ist das echte Myanmar! Es gibt natürlich viele andere schöne Ecken im Myanmar, wie Du jedoch richtig angemerkt hast, braucht man dafür mehr Zeit.
    Die haben bzw nehmen sich die wenigsten. Wir haben nun mal nur 30 Tage Urlaub ;-)
    Die Burmesen haben wahrscheinlich keinen Urlaub und schon gar nicht unsere Möglichkeiten.

    Grüße Jörg

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