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Reisebericht: Havanna - Sozialismus, Rum und der Charme einer alten Dame

 
 
 
 
 
Reisebericht: Havanna - Sozialismus, Rum und der Charme einer alten Dame

Der typische Kuba-Tourist: Flug von FRA nach Varadero, 2 Wochen All Incl. im 5-Sterne-Hotel, Pendeln zwischen Strand & Hotelzimmer. Doch Kuba hat viel mehr zu bieten. Es lohnt sich, abseits der Touristenpfade hinter die Kulissen zu schauen - machen Sie sich mit auf den Weg nach Havanna, wandeln Sie auf den Spuren Hemingways und erleben Sie eine Stadt, die Sie nicht mehr loslassen wird.

„Hey, Amica!“ Beinahe werde ich von einer Rikscha überfahren, als ich halb schockiert, halb belustigt, dem jungen Mann auf seinem Klappfahrrad hinterher schaue. Die Kubaner sind ja berühmt berüchtigt für ihren Charme und ihre offenherzigen Komplimente.
Es ist unser erster Tag in Havanna, der Alten Dame der Karibik und hinter uns liegen 10 Stunden Flug und eine unruhige Nacht. Entweder die Klimaanlage war viel zu kalt, oder, sobald man sie abgeschalt hat, das Zimmer viel zu warm. Durch die andauernde Feuchtigkeit haben sich sämtliche Türen im Zimmer verzogen und das Betreten des Badezimmers stellt sich somit als Akt roher Gewalt heraus. Heute Morgen dann der Schock – voll freudiger Erwartung schlagen wir die Fensterläden zur Seite und sind erst einmal sprachlos. Havanna von oben ist eindeutig gewöhnungsbedürftig. Mit morbidem Charme schmiegen sich graue, abrissreife Häuser aneinander. Dieser erste Eindruck will nun verdaut werden. Ein Streifzug durch die Stadt soll Linderung bringen und Lust auf die kubanische Unbekümmertheit machen. Der erste Weg in Havanna führt natürlich zum Malecon.



 
 
 
 
 

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Die berühmte 7 km lange Uferpromenade Havannas, eine sechsspurige Schnellstraße, ist der Treffpunkt der Stadt, abends gemütlich bei einer Flasche billigem Rum treffen sich Liebespaare, Prostituierte, Straßenhändler und -musiker. Tagsüber spielen Kinder und Jugendliche in der schmutzigen Brandung, das Meer schwämmt immer wieder allerlei Unrat an und häufig müssen Teile der Straße wegen Reinigung gesperrt werden. Die Häuser am Ufer sind durch Seeluft, Brandung und Altersschwäche gekennzeichnet und werden erst langsam wieder in Stand gesetzt. Das Meer stürmt unerbittlich frontal über die niedrige Kaimauer. Von dem einstigen Prunk der Kolonialzeit ist hier wahrlich wenig zu spüren. Durch den Zahn der Zeit, der am Großteil der Stadt nagt, hat Havanna in den vergangenen Jahren mehr als 600 Häuser verloren.
Dennoch, dem charmanten Lächeln, welches uns überall entgegenweht, können und wollen wir uns nicht entziehen. Nur keine Zigarren auf der Straße kaufen, hatte man uns eingebläut. Und tatsächlich werden wir schon innerhalb kürzester Zeit belagert. Gleich um die Ecke steigt angeblich eine große Party und wir sollen natürlich mitkommen. Nur mühsam gelingt es uns, die beiden jungen Habaneros abzuschütteln.



 
 
 
 
 

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Richtung Parque Central donnern amerikanische Straßenkreuzer und fauchende urzeitlich anmutende Busse über die Straßen und ziehen schwarze Abgaswolken hinter sich her.
In den Schlaglöchern spiegeln Pfützen die Sonne, Frauen hängen ihre Wäsche an verrostete Balkongeländer. In der Ferne sehen wir schon die Kuppel des Kapitols durch die Gassen blitzen. Und spätestens am Parque Central angelangt sind wir dann positiv überrascht. Seit die koloniale Altstadt Havannas im Jahr 1982 von der UNESCO zum Weltkulturerbe ernannt wurde, hat man begonnen, den Stadtkern zu renovieren. So konnten Teile der Altstadt vor dem endgültigen Verfall bewahrt werden.
Das Capitolio Nacional wurde zwischen 1926 und 1929 als Kopie des us-amerikanischen Kapitols erbaut und diente ursprünglich als Präsidenten- und Regierungspalast. Da nicht genug Geld da war, um Havannas Kapitol größer zu bauen als in Washington (Ausdruck kubanischen Stolzes), baute man die Kuppel einfach um einen Meter höher.



 
 
 
 
 

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Obwohl Havanna 85 km breit ist, ist das Stadtzentrum generell erstaunlich gut zu Fuß zu erlaufen. Die Highlights liegen nicht weit auseinander und zu Fuß sind die schwülen Temperaturen wesentlich besser zu ertragen als in einem der heillos überfüllten Stadtbusse, den sogenannten Camellos.
Alt und Neu liegen in Havanna so dicht beieinander, wie man es sich kaum vorstellen kann. Auf der Plaza Vieja finden wir ein hübsches Restaurant und lassen uns bei „Pollo“ (Hühnchen), Mochito und Cuba Libre im Schatten nieder. Melancholischer Gesang der 3-Mann-Kapelle mit "Guantanamera" und "Besame mucho" ist hier inklusive. Ein paar Sicherheitskräfte des Restaurants halten unliebsame Bettler, die die Gäste belästigen wollen, vom Restaurant fern.
Kaum zu glauben, dass nur eine Straße weiter ganze Häuser in sich zusammen stürzen. Doch diese Teile der Grand Dame der Karibik lernen nur die wenigsten Touristen kennen. Die Reiseleiter, meist studierte Akademiker, lenken die Besucher gezielt in Richtung Plaza de Armas oder Plaza de la Catedral. Hier schlägt das historische Herz der Stadt und alles ist liebevoll saniert und begrünt. Unter den Arkaden bieten Antiquare halb verfallene zerfledderte Bücher an, herausgeputzte Damen betteln um die Gunst männlicher Touristen. Eine ganz in rosé gekleidete ältere Dame mit einer dicken Zigarre zwischen den Lippen setzt sich für unser Erinnerungsfoto in Szene – gegen Zahlung eines Pesos Convertibles versteht sich. Gegensätze einer Stadt der schon Hemingway oder Kolumbus nicht widerstehen konnten.




 
 
 
 
 

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Hotel del Tejadillo

Wunderschönes kleines Hotel im Kolonialstil mitten im Herzen der Altstadt von Havanna. Von hier aus lässt sich bequem das ganze Zentrum Havannas zu Fuß erkunden.

Persönliche Meinung von Jane:
Die Mitarbeiter des Hotels sind sehr bemüht, unser Zimmermädchen hat uns jeden Tag einen kleinen Brief hinterlassen. Ab 3 Übernachtungen gibt es sogar eine Flasche Havanna Club Rum!



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Übersicht Kuba


Stadt: Havanna

Kommentare
  • Vazquez 14.09.2009 | 09:54 Uhr

    Und die Menschenrechte? In Kuba werden die Menschenrechtsverteidiger und oppositionellen verfolgt und bestraft. Die Ruinen von Havanna sind auch die Ruinen einer Diktatur die versucht hat diese Stadt, meine Geburtsstadt, zu zerstören. Sozialismus, Rum und Charme? : Fast zwei Millionen von Exilkubaner, hunderte von politische Gefangenen, 200 Gefängnise und Arbeitslager, Repression, Ausreiseverbot, Berufsverbot, Dissidenten die von Castro-Anhänger beleidigt und oft zusammengeschlagen werden, Oppositionelle die von der Kommunistischen Partei kriminalisiert und inhaftiert werden, immer mehr Prostitution und Flüchtlinge. Charme?
    G.Vazquez
    Kuban. Menschenrechtsverteidiger. Berlin

  • RdF54 14.09.2009 | 14:04 Uhr

    Hallo Jane,

    gut geschriebener Cubabericht, der aufzeigt, was passieren kann, wenn eine Clique der Bevölkerung ihre Wahrheit aufzwingt.
    Vazquez, ja - Menschenrechte sind ein hohes Gut, dass aber nie von aussen "aufgezwungen" werden kann (siehe die Vesuche der USA). Eine Revolution zum Besseren und damit zu mehr Menschenrechte kann, meiner Meinung nach, nur von Innen aus kommen, d.h. von der Bevölkerung selber.
    Wir, die viel in Länder reisen, in denen die Menschenrechte als ein "Hobby" der Satten angesehen werden, können nur zeigen, dass es auch anders geht, aber durchsetzten können es nur die Menschen in den Ländern selbst!
    Menschenrechte sind, unter anderem, eine unmittelbare Folge von Bildung und vollem Bauch ... und das wundert mich bei den Cubanern. Sie haben einen hohen Bildungsstand und hungern tun sie eigentlich auch nicht ..... ???

    LG Robert

  • Jane 14.09.2009 | 19:56 Uhr

    Hallo Vazquez, hallo Robert,

    vielen Dank für Eure Kommentare. Zuerst einmal möchte ich sagen, dass auch ich nicht nur mit positiven Eindrücken aus Kuba zurückgekehrt bin, im Gegenteil. Und der Bericht sollte auf keinen Fall die Realität "weichgespült" wiedergeben. Uns hat viel schockiert aber auch berührt und wir haben im Gegensatz zu vielen anderen Kuba-Reisenden den Mut gehabt, die ausgetretenen Standard-Pfade zu verlassen und uns ein eigenes Bild zu machen. Und zu meiner eigenen Überraschung schienen nicht sehr viele Kubaner mit ihrer Situation unzufrieden. Im Gegenteil - mit dem Notwendigsten ausgerüstet und "pflichtversorgt" sind wir auf mehr Lebensfreude als Unglück gestoßen. Und, da gebe ich Robert absolut recht, oft war ich schockiert über die Bequemlichkeit einiger Einheimischer - frei nach dem Motto: Warum sich anstrengen und etwas bewegen, wenn ich auch den ganzen Tag lang Domino mit meinen Freunden spielen kann, und trotzdem genug zu Essen habe (dank Lebensmittelmarken). Warum kein Einfallsreichtum - die Insel bietet optimale Bedingungen für den Anbau vielfältiger Früchte und Lebensmitteln - statt dessen nur Zuckerrohr und Tabak, soweit das Auge reicht. Ich habe Männer in der Mittagszeit vor sich hindösen sehen, während die Frauen arbeiten gehen. Wo bleibt dabei das männliche Ego? Hoffen wir auf eine bessere Zukunft und darauf, dass die Schätze Kubas bewahrt werden und die Würde der Kubaner geachtet wird. Ein wirklich heikles Thema....

  • RdF54 14.09.2009 | 21:29 Uhr

    Hallo jane,

    ich finde es richtig hier auch Reiseberichte zu veröffentlichen, die etwas abseits von TUI, Neckermann, Meiers, FTI, etc., sind.
    Dieses spezielle Thema finde ich so interessant, dass ich mich frage, ob Du nicht ein Gruppe oder ein Forenthema dazu eröffnest. Lade Vazquez, mich und alle anderen dazu ein. Es kommen sicher sehr interessante Meinungen und Ansichten zum Vorschein,

    LG Robert

  • trollbaby 15.09.2009 | 17:26 Uhr

    Hallo Jane!
    Sehr interessanter und informativer Bericht, der mir gut gefällt! Bezüglich Menschenrechte... Wenn man nur mehr in die Staaten fahren würde, die auf Menschenrechte achten, würden meines Erachtens nicht mehr viele übrig bleiben. Wie Robert schon gesagt hat, hängt es auch vom Volk selbst ab, etwas ändern zu wollen, aber die Trägheit ist in den kommunistischen Staaten ja enorm. Ich habe schon etliche Länder der ehemaligen Sowjetunion besucht und bin überall auf die selbe Trägheit der Bevölkerung gestoßen. Auch habe ich etliche (Brief)freundInnen in diesen Staaten und alle jammern der "guten, alten" Sowjetzeit nach. Gibt einem ja auch zu denken, oder?
    LG Susi

  • Jane 18.09.2009 | 09:57 Uhr

    Hallo Susi,
    vielen Dank für Deinen Kommentar. Ich hätte nicht gedacht, dass dieser Bericht auch so viele Emotionen hervorruft. Meine erste Fassung war eigentlich noch negativer, da ich nach diesem Urlaub (und wir sind schon ziemlich viel gereist) wirklich kräftetechnisch am Ende war. Was mich mit am meisten geschockt hat, ist die Tatsache, dass renovierte Bestandteile der Altstadt (Brunnen) eingezäunt werden müssen, damit die Einheimischen nicht einzelne Teile stehlen und verkaufen. Dabei ist der Wiederaufbau und die Sanierung ein immens wichtiger Bestandteil des Fortschritts und der Weiterentwicklung. Erst im Rückblick, als ich besonders Havanna noch einmal habe "Revue passieren" lassen, und meine Fotos durchgesehen habe, hatte ich das Bedürfnis, nicht alles schlecht aussehen zu lassen. Denn es gab definitiv einige Momente auf der Reise, die mich positiv berührt haben. Dennoch sollte sich wahrscheinlich jeder ein eigenes Bild vor Ort machen.
    Viele Grüße, Jane

  • Schoena 24.09.2009 | 19:42 Uhr

    Hallo Jane,
    für mich ist es trotz allem eine Liebeserklärung an diese "alte Dame" mit ihren temperamentvollen und liebenswerten Bewohnern.
    Wir sollten durchaus das Positive auf unseren Reisen sehen und uns davor hüten, unsere Lebensweise als Maßstab für die anderen Länder zu nehmen.
    Kuba hat ein ausgezeichnetes Bildungs- und Gesundheitssystem, wo sich reichere Länder durchaus ein Beispiel nehmen könnten. Wir haben bei unserer Reise durchs Land auch keine Bettler, Slums oder Obdachlose gesehen. (Touristenabzocke gibt es wohl in allen Ländern!) Und hungern muss auch keiner.
    Es ist schade, dass die Kubaner nicht reisen können, um sich ihr eigenes Bild von der Welt zu machen.
    Aber ich bin voll der Meinung von Robert, dass Veränderungen von der Bevölkerung im Land selbst ausgehen müssen. Das sehen meiner Meinung nach viele Kubaner auch so.
    Wünschen wir den Kubanern, dass sie ihren eigenen Weg zum Wohle der Bewohner dieser wunderschönen Insel finden.
    Viele Grüße
    Ingeborg

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  • RELDATS 24.02.2010 | 13:18 Uhr

    Gelungener Bericht!
    Über die Politik ist bereits genug geschrieben und auch ich hoffe, daß sich dieses tolle Land und seine Bewohner nach Fidel schnell positiv entwickeln kann
    Nette Grüße von Josef

  • Blula 31.03.2010 | 17:33 Uhr

    Hallo Jane!
    Habe eben Deinen überaus interessanten Cuba- Bericht gelesen, der alles beinhaltet, was man von einem guten Reisebericht erwartet. Cuba und seine Hauptstadt Havanna zu bereisen, stelle ich mir sehr reizvoll vor. Besonders die Metropole Havanna mit ihrem besonderen Charme. Dass Du hier auch quasi hinter die Kulissen schauen läßt, finde ich sehr gut.
    LG Ursula

  • wasserhexe (RP) 12.04.2010 | 14:34 Uhr

    Hi Jane!Du hast das getan, was ich machen wollte-diesen Reisebericht geschr. Ich hatte meinen fast fertig und habe ihn dann gelöscht,... weil ich der Auf fassung war es ex. schon zu viele über Kuba. Wir sind zu 3.die Insel einmal mit dem Auto umfah- ren, sprich wir hatten von ALLEM etwas: die alte Dame mit ihrem morb. Charme, g. ganz liebe und nette Wirtsleute(fast immer Privatunterk ), geldgei... Wirtsleute, ganz arme Kammerad.,die wir mit dem Auto mitgen.haben, den alten Gutsherren, dem sein Gut von den Kommunisten "geraubt" wurde, der aber wie die Made im Speck lebte, eine Holländerin. die einen 20J.jüngeren Mann heiratet (Sextourismus mal umgekehrt?), der wegen (angebl.??böser Fotos im internet???) im kub. Knast sitz und seine "alte Dame" ihn jedes Jahr ein bischen mehr-seit 8 J.besuchen darf. u.versorgen natürl. erst recht,..Kinder, die wirkl. Kinder sind (da spielen die Grossen noch mit den Kleinen). Jeder erlebt eine/seine Reise anders.. Dein Bericht ist gut +hilfreich, auch wenn er logischerw.subjektiv gefärbt ist, sein muss! Ich denke die meisten Kubaner sind mit ihrem Leben zufrieden,.... und haben sich arrangiert, mit dem was sie haben,... etwas mehr wäre nicht schlecht, aber dann müsste man auch mehr arbeiten... hm naja..?? Wir kennen in Havanna eine Deutsche, die mit einem Kubaner verheiratet ist und schon Enkelkinder hat... auch sie hat sich inzwischen arrangiert... und sie ist absolut nicht unglücklich dabei ! Vazques, sieh mir nach ich bin von Natur aus ein neugieriges Menschenkind: Warum lebst Du in Berlin und warum bist du so verbittert? Die deutschen Touris, die Du ja offensichtl. ziemlich verurteilst, bringen Deinen Leuten die Kohle, die sie brauchen.. und zwar CUC und EURO,...und damit scheint es nicht ganz schlecht zu laufen! Und wenn die jungen Menschen genau so modern gekleidet sind wie in Costa Rica, Panama, Kanada + die jungen Männer jeden !! Sonnab.mit der Rum-Buddel( ok es ist der weisse 3 J.alt) durch die Strassen ziehen.. die jungen Frauen anmachen......dieses Geld könnte der Familie besser zu Gute kommen! ...warum sagst Du deinen Landsleuten nicht, dass man auch auf dem Balkon Gemüse u.Blumen anbauen kann,..oder im klein. Gärtchen hinterm Haus ...das Zauberwort heisst immer im Leben Eigeninitiative---auch bei uns !! LG Heike

  • freeneck-farmer 12.04.2010 | 20:18 Uhr

    Dieses Bericht ist gut, aber die Kommentare sind auch interressant. Ich wollte immer schon mal nach Kuba. Habe es aber immer noch nicht auf die Reihe bekommen. Teils wegen mein Gewissenskonflkt, teils weil ich nicht sicher war auch Privat Rundreisen zu können. Hier habe ich jetzt gelesen das Privat reisen keine Schwierigkeit ist. Jetzt kann ich planen.
    Danke an allen,
    LG Anneken

  • freyabe 12.04.2010 | 20:50 Uhr

    Hallo Zusammen,
    das ist eine sehr interessante Diskussion. Ich verstehe sehr gut, was Vasquez meint. Auch ich habe unter einem kommunistischen System gelitten, und dies ist einer der Gründe, weshalb ich noch nicht in Kuba war. Hätte ich damals einen ähnlichen Bericht über den morbiden Charme zerfallender Bauten in der DDR gelesen ohne Erwähnung der Repressalien, hätte ich ähnlich reagiert. Was Freiheit zu Reisen, seinen Beruf oder Wohnort selbst zu bestimmen oder Redefreiheit bedeutet, kann, glaub ich, nur derjenige nachvollziehen, der dieser Rechte beraubt ist oder war. Ein voller Bauch reicht gerade mal zum Überleben. Ich glaube, was Vasquez meint, ist dass das, was für uns Europäer einen exotischen Reiz ausmacht, die Realität des Landes vergessen lässt. Natürlich muss die Initiative von Innen heraus gehen, aber ohne Hilfe von außen geht es nicht. Hätte Ungarn damals nicht seine Grenze aufgemacht, wer weiß...
    Andererseits sind Reisende in erster Linie in ihrem Urlaub unterwegs und wollen und können sich nicht immer allen Hintergründen ihres Reiselandes kritisch auseinandersetzen, dann könnte man tatsächlich kaum noch irgendwo hinfahren. Zudem in kommunistischen Staaten ja auch der Kontakt mit Ausländern geregelt, überwacht oder gar verboten ist.
    Was nun die Eigeninitiative betriff, die wird ja gerade in einem kommunistischen Staat unterdrückt. Dazu kommt, dass Kuba früher eine Sklavenhaltergesellschaft war, in der Eigeninitiative über Jahrhunderte ebenfalls nicht möglich war. Ich gaube nicht, dass wir darüber urteilen sollten. Allerdings Heike finde ich es schade, dass Du Deinen Bericht jetzt nicht veröffentlichst, denn Du hattest ja scheinbar mehr Kontakt mit den Einheimischen.
    Jane, das war auf jeden Fall ein interessanter Bericht, das merkst Du ja an der Diskussion. Was mir ein bisschen fehlt, ist der Kontakt mit Einheimischen, aber das fehlt mir in vielen anderen Reiseberichten leider auch.
    Ein Grund dafür, dass ich wohl doch noch mal hinfahre ist die Musik.
    LG Friederike

  • agezur 13.04.2010 | 17:10 Uhr

    Ein Reisebericht der Emotionen auslöst und eine längst fällige Diskussion bringt.
    Nützen wir als Touristen oder schaden wir? Ich weiß es nicht....
    Der Bericht gibt genau das wieder; das ein etwas anspruchsvollerer Reisender "mit nach Hause " nimmt. Die Welt können wir nicht verändern, aber wir können anderen erzählen was wir gesehen und erlebt haben. Auch das ist wichtig!
    LG Christina

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  • Jane 18.04.2010 | 00:17 Uhr

    Vielen Dank an alle für Eure Kommentare. Ich bin total überrascht, nach dem der Bericht ja schon länger auf der Site steht und kaum Bewertungen hatte. Und jetzt auf einmal so viele! Herzlichen Dank! Vor allem auch für die nachdenklichen Kommentare. Ich kann nur jedem raten, hin zu fahren und sich ein eigenes Bild zu machen.
    Und @Heike: Schreib doch Deinen Bericht. Jeder hat andere Ansätze, Gedanken und Wahrnehmungen und ich bin mir sicher, dass auch Deine Zeilen gerne gelesen werden.

  • europy 22.04.2010 | 13:59 Uhr

    @Vazquez

    Das ist eine Reisecommunity, wenn Du eine politische Bühne für Deine Selbstdarstellung brauchst bist Du hier falsch!!

    @ Jane
    Dein Bericht gefällt mir gut habe es so ähnlich auch empfunden und erlebt.
    Danke.

    Lieber Gruß Peter

  • freyabe 23.04.2010 | 16:47 Uhr

    Es kommt ja nicht so oft vor, dass sich ein Einheimischer hier in der RC zu den Berichten über sein Heimatland äußert, deshalb finde ich es ausgesprochen schade, dass dies hier auf so eine negative Ressonanz stößt. Angefangen von paternalistischen Ratschlägen, wie er sein Land retten könnte bishin zum - ich übertreibe mal - Redeverbot muss Vazquez sich hier ja fast wie zu Hause fühlen.
    @ europy. Politisches Engagement mit Selbstdarstellung zu verwechseln ist schon starker Tobak (und da drücke ich mich noch vorsichtig aus)...
    Es gibt hier mehrere Berichte, die von politischem bzw. humanitärem Engagement zeugen oder zumindest die Situation im Besuchsland kritisch reflektieren, und das sind für mich und viele andere RCler auch die interessantesten Berichte.
    @ Jane. Ich möchte noch mal betonen, dass es sich nicht um eine Kritik an Deinem Bericht handelt, den ich mit "Gut" bewertet habe, sondern an den Kommentaren.
    LG Friederike

  • Jane 20.07.2010 | 21:08 Uhr

    Herzlichen Dank noch einmal an alle, die sich die Mühe gemacht und die Zeit genommen haben, diesen Bericht zu lesen und zu kommentieren. Wie schon oft geschrieben, hat wahrscheinlich jeder seine eigenen Wahrnehmungen und Gefühle, seinen Urlaub betreffend. Einen ganz besonderen Moment auf unserer Reise werde ich jedoch ganz sicher nie vergessen:
    In einer kleinen Töpferei in Trinidad habe ich einen alten Mann getroffen. Trotz fehlender Kommunikation (mangelnde Spanisch-Kenntnisse meinerseits) haben wir uns angelächelt und ich habe mich auf Anhieb mit diesem Menschen verbunden gefühlt. Er drückte mir mit einem Lächeln eine kleine Tonvase in die Hand, die er selbst getöpfert hatte, dann verschwand er im Garten und pflückte sogar noch einen Blumenstrauß für mich. Als er mir bedeutete, dass dies ein Geschenk sei, konnte ich meine Tränen der Rührung nicht länger zurückhalten und umarmte ihn fest.

    Die Blumen sind leider inzwischen verblüht, aber die Vase steht noch heute auf meinem Tisch und ich nehme sie oft in die Hand und denke zurück an Trinidad!

  • mamatembo 28.08.2010 | 15:51 Uhr

    Sorry, aber ich kann die ganze Aufregung irgendwie nicht nachvollziehen! Was ich hier gelesen und gesehen habe, das ist ein ungemein gut geschriebener Stimmungsbericht und eine kleine Liebeserklärung an Havanna, illustriert mit hervorragenden Fotos!
    LG Beate

  • paladar 16.09.2010 | 13:18 Uhr

    Hallo zusammen

    Sehr interessant hier; erstmals Kompliment für den super geschriebenen Bericht, er ist subjektiv, realistisch, zeigt ein gutes Mitelmass was der etwas offenere Varadero-Tourist erleben kann und was man sieht wenn man sich auch in die hinteren Gassen wagt.

    Ich bin seit 1999 regelmässig in Cuba unterwegs, meine Frau stammt von Havanna (kein Sex-Tourismus, kleiner Altersunterschied, in CH kennengelernt, normale Lieberbeziehung, auch das gibts)

    Ich verstehe auch Vazquez sehr gut, er gehört zu denen, die etwas ändern wollen, die noch in dunklere Gänge sieht. Es ist einfach zu sagen "der Wechsel muss von innen heraus passieren" oder "man kann auch selbst was anpflanzen". Wer in dieses 50-jährige Regime hineingeboren wurde, kennt nichts anderes. Aber versucht bitte mal einen Bohrer, einen Sack Ziment oder Samen für Früchte zu bekommen. Ohne Auto, ohne einen Geldbeutel voller CUC. Das ist alles andere als einfach und es führt zur Resignation.

    Trotzdem geben wir nicht auf, es braucht die Hilfe von aussen (Einnahemquelle Nr. 1 sind nicht Tourismus oder Tabak, sondern Geldtransfer von Familienmitgliedern). Wichtig ist, dass das Geld nicht einfach an die regierung geht, sondern an die Leute auf der Strasse. Und besser nicht einfach Geld sondern aktive Hilfe, Ideen, Materialien für den täglichen Gebrauch.

    Ich geniesse diese Diskussion und habe auch eine Gruppe gegründet "Alternativurlaub Kuba". Ich lade Euch alle dazu ein, da kräftig weiter zu debattieren.

    @freeneck-farmer: ich habe massenhaft Tips, wie du alleine, individuell, gefahrlos und mit viel Spass reisen kannst. Meld dich einfach.

    Grüsse an alle
    Thomas

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  • INTERTOURIST 06.02.2012 | 10:53 Uhr

    Ab 3 Übernachtungen eine Flasche Havanna Club Rum - ich ziehe nach Havanna!

    ;-))

  • Jane 08.02.2012 | 14:53 Uhr

    Na dann, vamos!!! ;-)

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Havanna - Sozialismus, Rum und der Charme einer alten Dame 4.50 22