Reisebericht

Reisebericht: Türkeiurlaub Sommer 2009

 
 
 
 
 
Reisebericht: Türkeiurlaub Sommer 2009

Mein Mann und ich unternahmen diesen Sommer eine selbsortorganisierte Rundreise mit dem Mietwagen durch die Türkei, die uns von Lykien über das türkische Seengebiet nach Kappadokien führte. Der Bericht gibt einige persönliche EIndrücke und Übernachtungstipps wieder.

Lykien und die Südküste

Unser diesjähriger Sommerurlaub führte uns in die Türkei, wo wir nicht nur antike Stätten an der Küste Lykiens entdecken, sondern auch die Wunderlandschaft Kappadokiens bereisen wollten. Als Ausgangspunkt des ersten Teils unseres Urlaubs diente uns das Bergdörfchen Faralya, oberhalb der Traumbucht von Ölüdeniz nahe der Stadt Fethiye. Dort betreibt die Deutsche Brigitte Özbali mit ihrem türkischen Mann das wunderhübsche kleine Hotel „Wassermühle“ (http://www.natur-reisen.de), das in luftiger Höhe dank der eigenen Quelle stets eine Erfrischung im Vergleich zur schwül-heißen Küste verschaffte. Brigitte gab uns stets gute Tipps für unsre Ausflüge und hat uns jeden Abend mit einem 6-Gang Menü für die türkische Küche begeistert. Wir haben uns in dieser Woche sehr wohl gefühlt und die tolle Sicht auf den abendlichen Sonnenuntergang und vor allem den nächtlichen Sternenhimmel, an dem wir jeden Tag ein neues Sternbild entdeckt haben, sehr zu schätzen gelernt.

Wer es in der Region Fethiye noch einfacher, dabei aber auch idyllischer und naturverbundener mag, dem seien auch die Unterkünfte am Strand von Kabak empfohlen, bei denen eine Post-Hippie-Atmosphäre herrscht und der abendliche Yogakurs fest im Programm integriert ist. Persönlich getestet haben wir davon nur den Olive Garden (http://www.olive-garden.net), bei dem wir Tee und Kaffee getrunken haben und dessen freundlicher Besitzer Fatih Canözü einige Zimmer in Holzhäuschen auf Stelzen vermietet sowie gute landestypische Küche anbietet. Fatih spricht gut Englisch und hat zur Zeit auch einen amerikanischen Dauerlogiergast mit Familie, der bei Fragen weiterhelfen kann.

Während unseres Aufenthalts in Faralya haben wir wunderschöne Ausflüge zu den antiken Städten von Termessos (nahe Antalya) und Pinara sowie nach Patara, der Geburtsstätte des Heiligen Nikolaus (seine Wirkungsstätte war in Myra) gemacht. Alle drei Anlagen stammen aus vorhellenistischer Zeit und gehörten, außer Termessos (dessen Geschichte und die des Volkes der Solymer vermutlich bis ins 2. Jahrtausend vor Christus zurückreicht), dem Lykischen Bund an, in dem sich die damals bedeutendsten Städte verbündeten. Jede der Städte hat ihren ganz eigenen, einzigartigen Reiz, wobei mir persönlich Termessos und Pinara ob ihrer einsamen Lage in der Bergwelt, hoch auf den Fels gebaut, besonders gefallen haben. Die später angelegte griechische Stadtarchitektur hat allen ihren typischen Aufbau gegeben, wobei die Amphitheater jeweils besonders beeindruckend waren.

Am Tag der Abreise aus Faralya waren wir daher fast ein wenig ratlos, wie es uns ohne die gute Umsorgung durch Brigitte Özbali fortan ergehen würde. Zum Glück fanden wir aber überall freundliche Gastgeber und wurden bestens bekocht.
Über das hübsche Küstenörtchen Kas und die antike Stadt Myra bewegten wir uns stetig weiter Richtung Osten und dann ins Landesinnere Richtung Kappadokien. Dank des Mietwagens waren wir sehr flexibel und konnten immer dort Station machen, wo es uns gerade gefiel. Wir waren jedoch eine der wenigen deutschen Touristen, die sich nicht als Pauschalurlauber, sondern auf eigene Faust bewegten. An vielen tollen Orten sind wir fast alleine unterwegs gewesen.

Die Weiterfahrt ins Landesinnere

Auf unserem Weg ins Landesinnere haben wir später noch Arykanda besucht, das seit über 30 Jahren von einem türkischen Archäologen erforscht wird. Dieses liegt wohl am einzigartigsten von allen bisher erwähnten Städten und wird von einem sehr sympathischen türkischen Herrn bewacht, der in gutem Deutsch Auskunft über die einzelnen Stadtteile geben kann und uns sogar zu sich nach Hause zum Übernachten einlud. Er verkauft auch den sehr fundiert aufbereiteten Führer zu Arykanda (im 6. Jh. Vor Christus gegründet) und zu Kappadokien in englischer Sprache.

Auf unseren Ausflügen sind wir häufig auf türkische Familien gestoßen, die picknickend im Park, am Strand, oder an einem der vielen Binnenseen den Tag verbracht haben. Mit vielen sind wir ins Gespräch gekommen, da sie in Deutschland arbeiten und den Sommer zu Hause verbrachten. Manchmal haben sie aber auch nur Verwandte in Deutschland, haben dort studiert und leben nun wieder in der Türkei und sind daher Deutschen gegenüber sehr aufgeschlossen. Sofern man uns nicht für Deutsche hielt, wurden wir als Franzosen eingestuft, da es wohl mehr französische, denn deutsche Individualurlauber gibt.

Neben der Schlucht von Saklikent, die leider in der Hochsaison von Touristen überlaufen ist, lohnt sich unbedingt auch ein Abstecher ins Bergland. Wir haben auf unserer Weiterreise nach Kappadokien am drittgrößten See der Türkei, in Egidir Station gemacht und wären dort am liebsten geblieben, so schön und belassen ist dort noch vieles. Der Tourismus hat sich dort – insbesondere aus Deutschland – in den letzen 10 Jahren stark rückläufig entwickelt, das schilderte uns Mario, ein Deutscher, den wir bei Nomad Travel (http://www.nomadbiketours.com) und dem sehr freundlichen und hilfsbereiten Betreiber, Herrn Can, kennen gelernt haben. Weiter geht die Fahrt über Beysehir, der zweitgrößte Binnensee der Türkei, an dessen nahem Ufer eine wunderschöne Moschee mit Holzsäulen aus der Zeit der Seldschuken steht, vor der handarbeitende Frauen selbstgestrickte Socken und Handschuhe verkaufen, während andere dem auf Laken ausgebreiteten Getreide beim Trocknen zusehen.

Über die Hauptstadt des Sufismus, Konya, führt uns die Straße quer durch die türkische Hochebene über viele gut ausgebaute Bergstraßen mit zahlreichen Imbiss- und Restaurantstationen am Wegesrand gen Osten. Wir folgen dabei der alten Seidenstraße und besichtigen zwischen Konya und Aksaray – dort befindet sich ein großes LKW-Werk von Daimler – zwei Karawansereien, die den Kamelkarawanen Unterkunft boten. Diese waren in Abständen der Tagesetappen einer Karawane, also alle rund 30 Kilometer, anzutreffen. Von Osten kommend hatten die Karawanen Konya als Umschlagplatz für ihre Waren zum Ziel.

Gegen Abend erreichen wir schließlich unser Ziel: Ürgüp in Kappadokien, wo wir für 5 Nächte ein Zimmer in einem Höhlenhotel beziehen (http://www.elkepevi.com). Das Hotel hat eine phantastische Frühstücksterrasse, von der aus man einen herrlichen Blick in eines der nahe gelegenen Tuffsteintäler und den schneebedeckten nahezu 4.000 Meter hohen Vulkan Erciyes hat.

Kappadokien

Kappadokien hat so viel zu bieten, dass bereits nach einem Tag die Speicherkapazitäten der Kamera und des eigenen Gehirns erschöpft sind. Von den vielzähligen Eindrücken ist die Fahrt mit dem Heißluftballon sicher der bleibendste. Um 5.00 Uhr früh holt uns ein Fahrer ab und bringt uns zum Sammelpunkt, wo sich warm eingepackte Touristen aller Nationen mit Keksen und Tee stärken. Von dort kann man zusehen, wie in der näheren Umgebung nach und nach ein Ballon nach dem anderen zum Leben erweckt wird und sich in die Lüfte erhebt. Die 1-stündige Fahrt erlaubt einem aus 1.000 Meter Höhe einen Blick auf alle Tuffsteintäler und auf die vielen Tafelberge, die charakteristisch für diese Landschaft sind. Das Land ist so fruchtbar, dass jeder freie Fleck zum Anbau von Getreide, Obst, Mais, Gemüse und Wein genutzt wird. Unser Pilot, der bereits 4.000 Fahrstunden in der Luft war und selbst Ausbilder für neue Piloten ist, beherrscht sein Handwerk und fährt mit uns ins Tal, so dass wir in Göreme den Menschen auf ihren Terrassen beinahe die Hand reichen können. Die Heißluftballons sind allerdings nicht unumstritten, da sich nicht nur die Bewohner, sondern auch die Bauern, auf deren Felder die Ballone landen, belästigt und betroffen fühlen. Noch ist das Geschäft aber zu einträglich, als dass es gravierende Einschränkungen gäbe. Allerdings machen die in Russland im Schnellverfahren ausgebildeten Jungpiloten den namhaften Anbietern, deren Piloten über die notwendige Flugerfahrung verfügen, zunehmend Konkurrenz, so dass sich hier in Kürze wohl doch etwas ändern wird.

Aus der Vielzahl der sehenswerten Orte und Freiluftmuseen, beeindruckten uns insbesondere das Soganli-Tal und das Zelve-Tal mit den jeweils über 100 Felsenkirchen, von denen man aber nur wenige für Touristen erschlossen hat. Einen Abstecher auf dem Weg zum Soganli-Tal lohnt der malerische Stausee (Trinkwasser, daher Badeverbot) Damsa.

Wir haben auch in Kappadokien lauter nette Menschen getroffen, von denen ich zwei besonders erwähnen möchte. Zum einen den Betreiber des Kaya-Campingplatzes (mit Swimmingpool!) in Göreme, oberhalb des Göreme Museums (Kaya Camping Caravaning, Tel.: 0090-384-3433100). Herr Yasar hat 7 Jahre in Berlin gelebt und spricht fließend Deutsch. Mit ihm haben wir mehrmals nette Unterhaltungen beim Tee geführt. Er vermittelt auch Ballonfahrten mit sehr zuverlässigen Piloten, die bei der türkischen Luftwaffe ausgebildet werden. Zum anderen den Besitzer des Fairy Chimney Inn in Göreme (http://www.fairychimney.com). Dr. Andus Emge ist nicht nur promovierter Ethnologe der Universität Heidelberg und damit unser Landsmann (wir kommen aus Stuttgart), sondern kann auch sehr kenntnisreich über Kappadokien Auskunft geben, was wir ebenfalls bei einer Tasse Tee erlebt haben. Seine Dissertation über die Höhlenwohnungen Kappadokiens ist uns leider erst am Ende unseres Urlaubs bekannt geworden.

Auf der Rückreise zur Küste und damit zum Flughafen in Antalya haben wir noch das sehr lohnenswerte Ihlara-Tal besucht. Übervoll von Eindrücken der Höhlenkirchen in Kappadokien haben wir uns dort auf ein Essen in einem der lauschigen Lokale in Belisirma direkt im Fluss und eine kurze Wanderung von dort bis zum Dorf Ihlara beschränkt. In der Nähe haben wir eine der vielen unterirdischen Städte besichtigt, in der mehrere tausend Christen bis zu 6 Monaten Zuflucht vor ihren Verfolgern fanden. Wir empfehlen die wenig besuchte aber dennoch 3 Stockwerke tiefe Stadt Özlüce, bei der einen der Besitzer noch mit Handschlag begrüßt und wo man nicht mit Massen anderer Touristen durch die engen dunklen Gänge kriecht.

Über die Türkei gäbe es noch unzählige andere Dinge zu erzählen, ich will es aber zunächst hierbei bewenden lassen. Wir blicken jedenfalls zurück auf einen wunderschönen Urlaub, der bestimmt nicht unser letzter in der Türkei gewesen sein wird.



 
 
 
 
 

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Kommentare
  • RdF54 10.08.2009 | 16:42 Uhr

    Gut geschriebener Bericht mit schönen Fotos!
    Kleiner Tipp: binde doch beim nächsten mal die Bilder in den Textfluß ein. Sie geben dann den Augen eine Rest vom Text und ein Bezug wird direkt hergestellt.

    LG Robert

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