Reif für den Genuss: Bozen

Reisebericht

Reif für den Genuss: Bozen

Eingerahmt von grünen Hügeln, auf denen die besten Trauben reifen und die flankiert sind von so mächtigen Felsriesen wie Dolomiten, Texelgruppe und Sarntaler Alpen, duckt sich vorwitzig das Städtchen Bozen. Klein, aber fein ist es. Doch es erschließt sich dem Neuling nicht auf den ersten ankommenden Blick. Nein, man muss schon mitten rein. Muss wie in vielen großen Städten erst einmal die unattraktiven Seiten hinter sich lassen, sich an vielen roten Ampeln schimpfend vorkämpfen, den Wagen abstellen und dann,



Bozen, Waltherplatz

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ja dann erst einmal richtig durchatmen auf einer Bank auf dem Waltherplatz. Das hat was. Und jetzt, ja erst jetzt, ist man im Sü-den erst richtig angekommen. Vorher, aus dem Norden kommend, war alles vertraut. Aber hier in dieser Stadt trifft der Norden auf den Süden. Wird man mit „Ciao“ statt mit „Grüß Gott“ begrüßt. Hier vermischen sich Bergbauern aus den umliegenden Süd-tiroler Felsentälern mit einem erstaunlich jungen italienischen Publikum. Und in den Läden unter den endlosen Laubengängen überwiegen alteingesessene Kaufleute, die freundlich und gewand sind im Umgang mit Fremden.

Und weil ich schon so oft in dieser gemütlichen Südtiroler Hauptstadt



Bozen, undekoriertes Schaufenster



zum Einkaufen oder nur auf einen genüsslichen Capuccino von meinem geliebten Vellauer Berg in Algund bei Meran hinunter gefahren bin, habe ich mich jetzt für ein paar Tage gleich in dieser kuschelig kleinen Großstadt einquartiert. Und wenn schon, dann richtig.



Bozen, Parkhotel Laurin



Und da mich im lässig-mondänen „Laurin“ der Geist von gestern mit einer erstklassigen Ästhetik des 21. Jahrhunderts in luftig heller Atmosphäre schon immer angesprochen hat, stehe ich jetzt mit einem lecker gekühlten Prossecco am geöffneten, riesigen Fenster dieses Jugendstilhotels.



Bozen, Garten des Parkhotels Laurin



Schaue auf mächtig alte Bäume einer grünen Oase und genieße die Ruhe. Dabei kommen mir solche Größen wie der britische Rock-Blues Sänger Joe Cocker, der Schriftsteller Ephraim Kishon und der Tenor José Carreras in den Sinn, die genau wie der Dalai Lama schon ihren Tee oder Champagner unter diesen schattigen Baumriesen getrunken haben.



Bozen, Roland Margesin,...

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Später schlendere ich mit Roland Margesin durch den Park mit seinen jahrhunderte alten Bäumen und einem Schwimmbad. Dabei zeigt er mir mit Stolz eine 26 Meter hohe Kletterrose mit Namen Rosa Banksia, die umgeben ist von Skulpturen bekannter Künstler.

Die Kunst ist aber nicht nur in diesem wundervollen Garten zu bestaunen. Margesin erzählt von dem radikalen Umbau dieses Hauses. So wurde das Laurin in den Jahren 1991 bis 1993 in allen Bereichen einem radikalen Umbau unterzogen. Dabei sollte das Alte belassen, aber mit Neuem verbunden werden. Und so hielt auch die Kunst in unterschiedlichster Form im gänzlich entkernten und neu gestalteten Haus in jedem Zimmer Einzug.



Bozen: Fürstlich speisen im Parkhotel Laurin



Und genau in diesem Ambiente folgt ein kulinarisches Abendessen in unkomplizierter Atmosphäre.

Im Bewusstsein dieses mythischen Ortes folgt ein kurzer obligatorischer Besuch der Laurin-Bar. Sie ist auch an diesem Abend wie immer nicht nur bei einem internationalen Hotelpublikum beliebt, sondern auch in der Bozner Szene angesagt.



Bozen: Das Cocktailangebot der...

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Dabei trinke ich einen eigens von Cocktail-Guru und Szene-Legende Ernesto Lechthaler kreierten, spritzig erfrischenden Cocktail „Laurin Life“. Erstaunlich dabei, dass die Eiswürfel ihre Intensität nicht verlieren und meinen Sommer-Drink verwässern. Und da erzählt mir Margesin, dass sie bei der Frage nach perfekten Eiswürfeln wie in allen Dingen tief ins Detail gegangen sind und die beste Crashed-Ice-Maschine erstanden haben, die es auf dem Weltmarkt zu kaufen gibt. „Und die“, so sagt er mit leuchtenden Augen, „gibt’s nur im fernen Japan von der Firma Hoshizaki.“

Beim Blick auf das morgendliche Himmelsblau hält mich dann auch nichts mehr.



Im Herzen von Bozen befindet...

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Der eindrucksvoll gotische Dom auf dem Waltherplatz interessiert mich genau so wie die prachtvollen, erkergeschmückten Fassaden über den vielen bekannten Laubengängen dieser gut erhaltenen Schatzkammer. Dabei finde ich überall zauberhafte Details in den dunklen Lichthöfen der Stiegenhäuser. Bei den vielen Stuck- und holzgeschnitzten Decken mit Fresken und kunstvoll geschmiedeten Treppengeländern schmilze ich dahin. Freue mich über die Vielfalt dieser kleinen, alteingesessenen Läden, die sich abheben von den üblichen Geschäftsketten, die in allen Großstädten das gleiche Bild bieten.

Und während ich meinen Gedanken nachgehe und in der Weltgeschichte herum schaue, rempele ich im Rizzolli, einem originellen, alteingesessenen Hut- und Schuhgeschäft, eine alte Freundin an.

Es ist Doris Gotter, die sich gerade von Eva Pernstich, der Dame des Hauses, mondäne Einzelstücke aus handgeflochtenem Sisal reichen lässt. Mit diesen Sisalstrohhüten legt sie dann auch gleich vor meiner Kamera eine bühnenhafte Inszenierung hin. Am Ende entscheidet sie sich für das rote „Wagenrad“ mit eleganter Blumen- und Federgarnitur.



Bozen: Doris Gotter probiert mondäne Hut-Einze...



Und wie wir dann gemeinsam wieder in diese mittelalterliche Gasse eintreten, erzählt sie mir von alten Zeiten. Wie früher die mondänen Gäste des noblen Hotels Greif am Waltherplatz in die Rittnerbahn einsteigen und nach Oberbozen auf den Ritten mit dem Schmalspurbähnchen hinaufzuckeln konnten. Meine elegante Freundin Doris weiß das deshalb so genau, weil sie dieses Haus als Direktorin leitet. Heute ist es topp modern umgestaltet. Nun, lange ist’s vorbei. Heute schwebt man von Bahnhofsnähe elegant mit einer neuen Seilbahn auf jenes Plateau, auf dem die Bozner Patrizier am vom sommerlichen Klima begünstigten Hausberg ihre feinen Sommerhäuser errichtet hatten.



Bozen, Laubengänge und hübsche Straßencafes übe...



Auch sah es früher in den Laubengängen so aus, dass die Laubenkönige, so nannten sie ihre Geschäftsleute, ihre Ware in den Laubengängen präsentierten, und die feinen Damen und noblen Herren stolzierten über die gepflasterten Gassen und schauten sich die Auslagen durch die Bogen an. „Und heute“, so strahlt meine private Stadtführerin, „haben sich die Geschäfte zurückgezogen und wir flanieren eben durch diese Laubengänge und sind unabhängig von Sonne und Regen und bewundern die besten Waren weit und breit hinter geschmackvoll dekorierten Schaufenstern“.

Bis in die 1970er Jahre, so staune ich, hatten diese wunderbar alten Häuser im Altstadtviertel fast alle kein Bad. Und so ging man wöchentlich einmal ins „Greif“, das bis zu dieser Zeit ein öffentliches Bad besaß, und schruppte sich den Schmutz vom Leibe.



Wirtshaus Vögele in Bozen

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Wir schlendern weiter und irgendwann an diesem sonnigen Mittag kosten wir inmitten altem Gemäuer von 1277 traditionelle Tiroler Küche mit mediterranem Touch im berühmten Wirtshaus Vögele. Die Bozner, so erfahre ich, nannten es liebevoll „Roter Adler“. Das war um 1870. Zu dieser Zeit speisten und tranken hier Handelsreisende, Dichter, Denker und ganz gewöhnliche Menschen. Auch Johann Wolfgang von Goethe soll unter diesen Gästen gewesen sein, so sagt man. Aber nicht nur Schöngeistige saßen in diesem Gemäuer, sondern in Kriegszeiten trafen sich hier Strategen ganz geheim, um Pläne zu schmieden. Damit auch nur die richtigen am Tisch saßen, verabredete man bei solchen konspirativen Treffen ein Losungswort. Und das hieß ganz einfach „Vögele“.



Bozen: Herrliche Stoffe im „Corradini“



Gut gestärkt geht’s weiter und mir fallen herrliche Stoffe im „Corradini“ auf, die von der pfiffigen Chefin Marlene Corradini und ihrer Mitarbeiterin Gabi Unterhofer gekonnt präsentiert werden. „570 Jahre“, so die stolze Chefin, „wird unser Stoffgeschäft schon in Familienbesitz betrieben“. Auch sie verkauft nun schon seit 56 Jahren ihre Stoffe. Und wenn sie an die Zukunft denkt, dann lacht sie und meint: „ Stoffe, mein Herr, werden immer gebraucht“. Sehr viel Baumwoll- und Trachtenstoffe hat sie in ihrem Sortiment. Besonders stolz ist sie aber auf ihre bestickten Samtstoffe, die in einer Breite von 1,5 Metern schlappe 280 Euro kosten.



Bozen: Delikatessengeschäft von Johann Seibstock



Im Delikatessengeschäft von Johann Seibstock sind wir vom umfangreichen Angebot sehr angetan und entscheiden uns nach langem Hin und Her als Mitbringsel für zu Hause für ein kleines Fläschchen Balsamiko „Accato“ zu einem Preis von 22,50 Euro. Verlassen das interessante Geschäft aber nicht, bevor wir vom echten Südtiroler Speck, hauchdünn geschnitten, gekostet haben. Da schmilzt man glatt dahin.



Bozen, Obstmarkt



Am westlichen Ende der Lauben kauft Doris dann auch schnell noch auf dem Obstmarkt bei Ganni eine Honigmelone. Bevor diese jedoch den Besitzer wechselt, klopft und riecht der freundliche süditalienische Verkäufer an diesem guten Stück und gibt es dann lächelnd aus der Hand. „Und das“, so meint Doris zu mir gerichtet, „macht den Einkauf hier einfach so sympathisch. Du kaufst bei Ganni nur frische, erstklassige Wahre und findest auf diesem Markt keinen Touristenkitsch“.



Bozen, Waltherplatz



Und dann, nachdem sich diese viel gefragte Hotelmanagerin für mich alle Zeit der Welt genommen hat, beschließen wir den Tag in ihrem mondänen Haus. Plaudern am offenen Fenster, schauen auf den inzwischen nächtlichen Waltherplatz und ich amüsiere mich über eine Gesellschaft, die allerorts und zu jedem Zeitpunkt mit „bella figura“ lautstark am „telefonino“ ihre Aktivitäten plant.

Gerd Krauskopf



Infos:



Unser Zimmer in Bozen: Logieren mit Stil im Par...



Logieren mit Stil

Unser Zimmer im Parkhotel Laurin, Via Laurin Straße 4, I-39100 Bolzano/Bozen, Tel: 0039/0471/ 311000, Fax: 0039/0471/311148, Mail: info@laurin.it, www.laurin.it Und nicht vergessen: Das Cocktailangebot der Laurin-Bar hat Weltklasse-Niveau inmitten edler Designermöbeln.



Bozen: Lounge-Bar im Hotel Greif



Interessante Bar im Hotel Greif

Lounge-Bar, die optisch nach außen den extravaganten Anspruch des Hauses mit seinen von Künstlern gestalteten Zimmern und Suiten signalisiert. Waltherplatz 1, I-39100 Bozen, Tel: 0039/0471/318000, Fax: 0039/0471/318148, info@greif.it, www.greif.it, www.grifoncino.it



Bozen, Hutanprobe im Rizzolli



Feine Hüte und Schuhe

Rizzolli, I-39100, Lauben 60/Via Portici 60, Tel: 0039/0471/973560, Fax: 0039/0471/ 981128, Mail: info@rizzolli.com, www.seibstock.com



Bozen: Wirtshaus Vögele



Wirtshaus Vögele

Goethestraße 3, I-39100 Bolzano/Bozen, Tel: 0039/0471/ 973938, Fax:0039/0471/325750, Mail: info@voegele.it, www.voegele.it



Bozen: Ausgefallene Stoffe bei Corradini



Ausgefallene Stoffe

Corradini, Laubengasse 23, Laubengasse E, Tel: 0039/0471/975822



Bozen: Delikatessengeschäft mit höchst ausgefal...



Delikatessengeschäft Johann Seibstock

mit höchst ausgefallenem Angebot auf 2 Etagen: I-39100, Lauben 50, I-39100 Bolzano/Bozen, Tel: 0039/0471/324072, Fax: 0039/0471/325231, Mail: info@seibstock.com



Bozen: Obstmarkt



Der Obstmarkt

mitten in der Bozener Altstadt ist sehenswert. Hier kauft man ständig gute und frische Produkte. Daher zählt sein Angebot zu den Besten der Region. Keine Touristenkitsch!



Reiseführer für unterwegs

Polyglott on tour „Südtirol“ + Spezial: Szene in Bozen, Törggelen, Aktivtipps Dolomiten.



Bozen: Nachtleben



Nachtschwärmer

Unzählig viele gute Straßencafes und Kneipen hat die Universitätsstadt Bozen zu bieten.



Italien, Dolomiten



Dolomitenrundreise

Von Bozen aus bietet sich eine wunderbare Rundreise durch die Dolomiten an über die „Große Dolomitenstraße“.



Weitere Informationen

Verkehrsamt der Stadt Bozen, Waltherplatz 8, I-39100 Bozen, Tel: 0039/0471/307000, www.bolzano-bozen.it


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Kommentare

  • trollbaby

    Sehr professioneller Bericht!
    LG
    Susi

  • RdF54

    Wieder hast Du einen sehr gut geschriebenen und amüsant zu lesenden Bericht verfaßt. Deine professionellen Bilder zeigen uns wie schön Du diese reizende Stadt siehst und erfühlst!
    Deine Tipps sind für jeden Bozenreisenden hilfreich!

    LG Robert

  • ToniE

    Also gut ...
    du hast mich überzeugt !
    Wenn ich im September die Sarntaler Runde wandere, hänge ich noch einen Tag Bozen dran.
    TONI

  • mamaildi

    Ich freu mich auch schon auf die 2 Wochen Südtirol im August! Der eine oder andere Tag in Bozen muss natürlich drin sein. Dein Bericht steigert jedenfalls die Vorfreude und stimmt schon mal auf das schöne Flair dort ein. Die Tipps von dir sind schon vermerkt!
    Liebe Grüße - Ildiko

  • freeneck-farmer

    Super Tipps, beschrieben von ein Genießer!
    Ich wird Sie aufschreiben.
    Anneken

  • Claus_Wagner

    Eine wunderbarer Bericht.
    Gruß
    Claus

  • flowershop

    Super Bericht...:-)) lg sabine

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