Ein Kurztrip nach Langeoog

Reisebericht

Ein Kurztrip nach Langeoog

Reisebericht: Ein Kurztrip nach Langeoog

Ein Bericht über eine Zweitagestour nach Langeoog. Lohnt so ein Kurztrip? Ja, denn manchmal kann ein einziger Sonnenaufgang am Meer schon wie ein ganzer Urlaub vom Alltag sein! Auf dem Rückweg stoppten wir noch in Greetsiel und Suurhuusen.

Ines und Florian durften mit Oma und Opa eine Woche in den Urlaub fahren. Es sollte auf die Insel Langeoog gehen, die Ines bereits vor zwei Jahren so gut gefallen hatte. Dann folgte mein Geburtstag, und mit ihrem Geschenk landete meine Frau bei mir einen Volltref­fer: Zwei Tage Kurzurlaub auf der Insel Langeoog. Was für ein Zufall... Vom 09.04 auf den 10.04 2009 hatte sie unsere kleine Tochter Nele und uns in der Pension Landhaus Schniederdamm einquartiert. Ich war begeistert, denn Urlaub am Meer ist immer gut, auch wenn er nur zwei Tage lang dauert. Und auf Langeoog war ich noch nie. Ich sollte also eine neue Insel kennen lernen. Es war natürlich kein Zufall, dass sie den Zeitpunkt so gewählt hatte, dass er am Ende des Urlaubs der Kinder lag. Wir konnten die Kinder dann mit nach Hause nehmen, und meine Eltern hatten die Gelegenheit, ihren Urlaub noch zu verlängern.
Ich freute mich auf die zwei Tage. Als wir am 09.04 losfuhren, war die Wettervorhersage für die ostfriesische Küste gut. Sonnenschein und warme Temperaturen waren vorhergesagt. Was wollten wir mehr? Frühmorgens um 06.00 Uhr fuhren wir los, da wir die Fähre von Bensersiel nach Langeoog um 11.30 Uhr erreichen wollten. Wir kamen pünktlich am Fähranleger in Bensersiel an. Dort parkten wir auf einem der großen Parkplätze, der 3,50 € an Parkgebühr für jeden Tag verlangte.
Die Fährtickets kosteten 21 € pro Person für uns Erwachsene. Meine kleine Tochter wurde noch kostenlos befördert. Das Schiff legte pünktlich ab. Die Sonne schien. Es waren erstaunlich viele Menschen an Bord, die wie wir vor Ostern das gute Wetter für einen Kurzurlaub ausnutzten.



Am Horizont konnte man schon unser Ziel, die ostfriesische Insel Langeoog, sehen. Das Eiland, auf dem momentan ca.2700 Menschen leben, hat eine Fläche von ca. 20 km² und einen ca. 14 Kilometer langen Sandstrand. Dem Strand schließt sich eine Dünenlandschaft mit bis zu 20 Meter hohen Dünen an. Höchste Erhebung ist die Melkhörndüne mit etwas mehr als 20 Metern, die lange auch die höchste natürliche Erhebung Ostfrieslands war. Auf der Insel gibt es einen kleinen Wald, in dem sich ein Fitnesspfad sowie Wander- und Reitwege befinden. Nele hatte während der Überfahrt riesige Freude an den Möwen und den vielen kleinen Schiffen, die wir während der Überfahrt sehen konnten. Ein Krabbenkutter fischte nach den kleinen Krustentieren. Dass er erfolgreich war, konnte man an den vielen Möwen erkennen, die wie ein Kometenschweif hinter dem Kutter nervös her flogen. Wir genossen die Sonne. Nach dem langen und kalten Winter taten die warmen Sonnenstrahlen sehr gut. Endlich hatte der Frühling die kalten Tage vertrieben. Die Fähre legte nach 35 Minuten an. Wir hatten die Insel erreicht. Es dauerte etwas, bis die vielen Menschen das Schiff verlassen hatten. Ganz zum Schluss gingen auch wir. Nun mussten wir noch mit der Inselbahn die 3 km bis zum Inselort fahren. Am Fähranleger befindet sich direkt der kleine Bahnhof.
Am 22. Juni 1901 wurde von der Reederei eine 3,5 Kilometer lange Pferdebahn in Betrieb genommen, die vom damaligen Anleger, der nahe dem heutigen Hafen gelegen war, durch das Inseldorf zum Hospiz führte. Nach Zerstörung des Anlegers durch eine Sturmflut Ende 1936 wurde die Pferdebahn durch eine motorisierte Inselbahn mit 1000 mm Spurweite (Meterspur) ersetzt. Die Inbetriebnahme der neuen Bahn erfolgte am 2. Juli 1937. Seitdem fährt die Inselbahn nicht mehr durch das Inseldorf, sondern endet im neuen Inselbahnhof am Ortsrand. 1995 wurden für die Inselbahn zwei neue Züge mit insgesamt zehn Wagons und fünf Lokomotiven beschafft. Zwischen 1993 und 1996 wurde außerdem der Inselbahnhof von 1937 durch einen Neubau an gleicher Stelle ersetzt. 2005 wurden noch zwei Personenwagen beschafft, die jeweils mit Einstiegshilfen für Rollstühle und Kinderwagen versehen sind. Heute verfügt die Inselbahn über 5 Lokomotiven für den Personenverkehr, 2 Güterzuglokomotiven, 12 Personenwagen, einen historischen Personenwagen, 2 Gepäckcontainerwagen und 23 Güterwagen.
Natürlich war der Zug nun überfüllt, denn die Menschenmassen vom Schiff waren nun in den Wagons. Wir bekamen nur noch einen Stehplätze. Dann fuhr der Zug los in Richtung des Inseldorfes. Die Fahrt dauerte nicht lange. Wir bekamen einen ersten Einblick von der Landschaft, als wir durch saftige Salzwiesen und an einem kleinen Wäldchen vorbeifuhren. Am Horizont konnten wir die für die Ostfriesischen Inseln so typische Dünenlandschaft erkennen. Kurz bevor wir am Zielbahnhof ankamen, passierten wir zur Rechten noch den kleinen Inselflugplatz. Dann hatten wir unser Ziel erreicht. Hier wollten wir uns mit den Kindern und meinen Eltern treffen. Wir stiegen aus. Nur wenig später rannte Ines auf mich zu uns begrüßte mich freudestrahlend. Dann konnten wir auch Florian mit Oma und Opa sehen. Der Bahnhof von Langeoog Stadt liegt neben einem kleinen Park. Alles sah sehr einladend aus. Das Licht der Sonne ließ die Farben des Frühlings kräftig wirken. Überall blühten Tulpen und Narzissen. Auf einer Seite des Parkes, auf dem Fährhusweg, stehen noch zwei ältere Inselhäuser.



Da meine Frau Fahrräder beim Inselverleih Peer Agena vorbestellt hatte, gingen wir schnell zum nur wenige Meter entfernten Lütje Pad, um unsere Räder abzuholen. Am Fahrradverleih standen zwar Räder, aber das war es auch. Hier war Mittagspause seit fünf Minuten. Pech gehabt. Nun mussten wir noch etwas warten. Das ärgerte mich sehr, denn wenn man nur so kurz unterwegs ist, dann spielt Zeit eine wichtige Rolle und bei dem Wetter wollte ich natürlich so viel wie möglich auf dem Fahrrad unterwegs sein, um möglichst viel von der Insel sehen zu können. Wir konnten es nicht ändern und brachten erst einmal unser Gepäck in unser Hotel. Dafür gingen wir an den Bahngleisen entlang zurück in Richtung Fähranleger. Der Schniederdamm ist die erste Straße, in die man nach dem Bahnhofsgelände links abbiegen kann. 250 Meter weiter befand sich unser Hotel auf der linken Seite. Es war ein typischer Bau der 70er Jahre. Innen war auch noch ein Restaurant angegliedert. Der Innenraum war sehr voll gestellt. Das wirkte auf mich nicht unbedingt einladend. An der Theke bekamen wir den Zimmerschlüssel. Meine Frau hatte das Zimmer Nummer 5 gebucht. Das Zimmer war ordentlich, sauber und verfügte über einen großen Balkon. Die Aussicht war schön. Wir schauten auf die Salzwiesen, auf denen Pferde weideten. Und wir schauten auf den kleinen Flugplatz, der genau gegenüber des Hotels lag. Eigentlich hatten wir ein Doppelbett ausgesucht. Hier waren zwei Einzelbetten einfach nebeneinander gestellt worden. Die große Ritze machte es unmöglich, dass unser Tochter Nele wie geplant bei uns schlafen konnte.
Schnell machten wir uns etwas frisch, um dann in die Ferienwohnung meiner Eltern zu gehen. Vorher aßen wir aber noch ein Fischbrötchen beim Fischgeschäft auf Langeoog, welches zwischen dem Bahnhof und dem Flugplatz liegt. Durch die Inschrift „Fisch“ im Dach ist es nicht zu übersehen. Nein, dieses Brötchen gehörte nicht zu den wirklich guten Fischbrötchen. Da hatten wir auf Föhr schon ganz andere Qualität genossen. Die Kinder erwarteten uns. Ich lieh mir derweil kurz das Fahrrad meines Vaters, um eine erste kleine Tour zu unternehmen. Das kleine Wäldchen, welches ich während der Bahnfahrt gesehen hatte, hatte mein Interesse geweckt. Also fuhr ich mit dem Rad in Richtung Fähranleger. Nach kurzer Zeit hatte ich den Wald erreicht. Ich bog rechts ab, auf einen kleinen Weg, der in den Wald hineinführte.
Ich war scheinbar alleine in diesem Wald. Hier kamen wohl seltener Touristen hin, da sich dieser Ort fernab des Strandes befand. Vor mir lag ein gut 300 Meter langer Weg, der schnurgerade durch den Wald führte. Das Unterholz bestand aus Johannisbeerbüschen, die bereits über Blätter verfügten. Irgendwie war hier eine zauberhafte Atmosphäre. Auf dem Boden war es frühlingshaft grün, aber die Bäume selbst schien noch im Winterschlaf zu sein. Durch die unbelaubten Baumkronen gelangte viel Licht auf den Waldboden. Die Bäume zur linken und rechten Seite waren zur Mitte des Weges hin geneigt. Ich schaute in einen langen Tunnel. Langsam fuhr ich ihn entlang. Der Boden war schwarz und moorig. Es war nicht ganz einfach, diesen Weg zu befahren, da moorig eben auch aufgeweicht heißt.



Langeoog, Frühlingstimmung im Wäldchen.



Langsam kam ich vorwärts. Am Ende des „Tunnels“ bog ich links ab. Dieser Weg war nun wieder geteert und bequem zu befahren. Er war erstaunlich breit. Am Ende des Wäldchens führte ein Weg rechts ab. Betonplatten bildeten den Untergrund. Der Weg war erstaunlich breit. Wieso lagen hier Betonplatten? Es machte auf mich den Eindruck eines früheren Rollfeldes von einem Flugplatzes. Aber wofür sollte auf dieser kleinen Insel ein Flugplatz von solchen Ausmaßen gebaut worden sein? Nein, das machte keinen Sinn. Und in der Tat, zu Hause konnte ich folgendes nachlesen: Während des Zweiten Weltkrieges (1939-1945) wurde die Insel systematisch zu einer Luftwaffenbasis der Wehrmacht ausgebaut. Die Fertigstellung gelang jedoch bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges nicht. Noch heute finden sich zahlreiche Überbleibsel des früheren Flugplatzes, dessen Flugfeld nach Kriegsende von alliierten Truppen durch gezielte Sprengungen unbrauchbar gemacht wurde. Das Flugfeld wurde mit Bäumen bepflanzt und bildet das Inselwäldchen. Die Start- und Landebahnen dienen heute als Wander- und Radwege. Der Weg führte um den Wald herum. Links waren die ersten Dünen zu erkennen. Dann erreichte ich eine Laubenkolonie. Die kleinen Häuschen mit den Schrebergärten waren sehr gepflegt. In den Gärten arbeiteten einige der Gartenfreunde und pflanzten eifrig Gemüse für den Sommer. Aber nicht nur Hobbygärtner waren bei der Arbeit. Nein, auch das liebe Federvieh, welches hier häufig anzutreffen war, wurde durch das warme Frühlingswetter zu Höchstleistungen motiviert. Jedenfalls ließ es das genussvolle Krächzen eines innig vereinten Truthahnpärchens vermuten. Und das, obwohl das schwere Männchen das kleinere Weibchen unten drunter fast erdrückte. Ja, es war Frühling...



Ich fuhr zurück zur Ferienwohnung. Jetzt konnten wir unsere Räder abholen und uns gemeinsam auf eine große Erkundungstour begeben. Wir prüften die Räder, die einen akzeptablen Eindruck machten. Ich ließ noch schnell etwas Luft in meinen Hinterreifen nachpumpen. Dann fuhren wir los. Langeoog verfügt nicht über ein so ausgedehntes Radwegenetz wie beispielsweise Norderney. Trotzdem kann man hier etliche Kilometer zurücklegen. Schließlich ist das Fahrrad auch das Fortbewegungsmittel Nr. 1. Die Insel ist autofrei. Das wiederum macht das Rad fahren zu einem echten Vergnügen. Als Ziel hatten wir uns die etwas 8 km. vom Ort entfernte ehemalige Meierei ausgesucht. Die frühere Molkerei ist heute eine Gaststätte und somit ein beliebtes Ausflugziel. Wir fuhren über den Schniederdamm langsam in Richtung Inselinneres. Irgendwann hatten wir die letzten Häuser passiert und die Salzwiesen erreicht. Der Schniederdamm machte eine scharfe Linkskurve. Etwas später endete er auf einer breit ausgebauten Straße, auf die wir rechts einbogen. An dieser Stelle befand sich auch das Wasserwerk der Insel. Das Trinkwasser wird hier auf eine besondere Art und Weise produziert, die Florian sehr faszinierte, denn unter den Dünen Langeoogs hat sich eine mächtige Süßwasserlinse gebildet. Und das, obwohl Langeoog vom Salzwasser umschlossen ist. Dabei handelt es sich um einen uhrglasförmig aufgewölbten Grundwasserkörper. Seitlich und in der Tiefe wird dieser Körper durch eine Brackwasserzone (2 - 3 Metern Breite) vom Salzwasser abgeschottet. Das Grundwasser dieser Linse sammelt sich allein aus Niederschlägen an. Da Süßwasser leichter ist als Salzwasser, schwimmt das Süßwasser wie ein Fettauge darauf.. Diese Süßwasserlinse versorgt die gesamte Insel mit Trinkwasser. Das Grundwasser wird aus 13 Brunnen mit einer Tiefe zwischen 5 und 10 Metern gepumpt, zum Wasserwerk geleitet und dort aufbereitet. Probleme bereitet die Versorgung der Insulaner und der Gäste im Sommer. Ca.330.000 cbm Wasser werden im Jahr auf Langeoog verbraucht. Verschärfend zum höheren Verbrauch im Sommer kommt der geringe Niederschlag zum Auffüllen der Linse in den Sommermonaten. Die Versorgung mit Trinkwasser aus einer Süsswasserlinse ist ein sensibles System. Denn fällt die Wasserentnahme zu hoch aus, wird sich die Linse verkleinern, und ungenießbares Salzwasser gelangt in die Brunnen. Eine Überflutung mit salzigem Meerwasser durch eine Sturmflut würde ebenfalls zur Versalzung des Grundwassers führen. Ein 29 km langes Rohrnetz verteilt das Wasser an die ca. 1000 Haushalte und die auf der Insel ansässigen Firmen. Die eigenen Süßwasservorräte der meisten Ostfriesischen Inseln reichen aus, um den Trink- und Brauchwasserbedarf abzudecken. Lediglich Baltrum und Wangerooge sind über Rohrleitungen an Wasserversorgungsnetze des Festlandes angeschlossen.
Der Spiegel der Süßwasserlinsen kann so hoch liegen, dass er in tiefen Dünentälern bis nahe unter die Oberfläche reicht und dort Vernässungszonen entstehen. In einigen Gebieten Langeoogs ist die Süßwasserlinse durch den oberirdischen Süßwasseraustritt (Schilfgürtel am Lehrpfad) sichtbar.
Nun fuhren wir eine Straße entlang, die aus aus abertausenden kleinen Tonklinkern bestand, die ein interessantes Bild abgaben. Hier hatten wir auch den Dünengürtel erreicht. Ein kleiner Deich bildete den Übergang zum Naturerlebnis Langeoog. Die Tonklinker endeten an dieser Stelle ebenfalls und wurden durch monotones graues Betonpflaster ersetzt. Dafür war die Landschaft nun keinesfalls monoton. Rechts des Weges befand sich die ausgedehnte Marsch mit den Salzwiesen. Die linke Seite wurde erst durch ein paar kleinere Seen aufgelockert und am Ende durch den Dünengürtel abgeschlossen. Wir hielten an, um ein paar Fotos zu machen. Nicht nur die Landschaft war hier interessant, nein auch die Tierwelt verdiente unsere Aufmerksamkeit. Brandgänse, Eiderenten, Austerfischer und natürlich schnöde Möwen badeten in den Seen oder marschierten ruhig über die Wiesen. Wenn sie sich entdeckt fühlten, flogen sie lauthals kreischend davon. Spätestens jetzt hatte man sie natürlich entdeckt. Dummes Federvieh!



Einen Kilometer hinter dem Deich befindet sich einen kleine Siedlung. Hierbei handelt es sich um die Jugendherberge. Und hier war unsere Radtour bereits zu Ende. Mein Fahrrad hatte im Hinterreifen keine Luft mehr. Das war sehr ärgerlich, denn wir hatten weder eine Telefonnummer von unserem Vermieter, noch hatten wir Flickzeug dabei. Einen Versuch, den Reifen aufzupumpen, starteten wir, aber nach gut 200 Metern war die Luft wieder raus.
Es blieb mir nichts anderes übrig, als den ganzen Weg zu Fuß zurück zu gehen. Meine Frau, meine Mutter und die Kinder fuhren vor, während mein Vater mich begleitete und durch ein angenehmes Vater-Sohn Gespräch meinen Ärger kompensierte. Irgendwann erreichten wir den Ort und wenig später den Fahrradverleih. Aber dort war niemand. Ich war nun wirklich sauer. Gerade, als ich beschloss, mein defektes Fahrrad eigenmächtig gegen eines der intakten Drahtesel auszutauschen, kam unser Vermieter den Weg entlang. Nachdem meine Frau ihm bereits mitgeteilt hatte, dass wir ein Panne hätten, war er sofort mit einer Elektrokarre losgefahren, um mir ein neues Rad zu bringen. Da wir aber nicht den gleichen Weg, wie auf dem Hinweg „gefahren“ waren, hatten wir uns verpasst. Leider, denn nun hatte er das neue Rad am Hotel abgeliefert. Ich bedankte mich für diese Freundlichkeit und machte mich umgehend auf den Weg zum Hotel. Dort stand mein Rad. Unglücklicherweise war es nun zu spät für eine weitere Radtour. Die Kinder waren in der Stadt ein Eis essen. Also fuhren wir auch in den Ort. Langeoog Stadt besteht eigentlich aus Wohnvierteln mit typischen Häusern aus der Zeit nach dem Krieg. Überwiegend sind es Einzelhäuser. Alte Bauwerke gibt es nur noch vereinzelt. Trotzdem gibt es einige wirklich nette Ecken. Mir persönlich gefiel das Zentrum des Ortes sehr gut. Die Mischung aus Gastronomie und maritimen Geschäften sagte mir zu. Sie strahlte etwas Gemütliches aus. Wir fanden die Kinder mit Mama und Oma recht schnell. Natürlich waren sie nun zu Fuß unterwegs und natürlich wollte mein Sohn nun mit mir mitgehen, da ich einen kurzen Besuch am Flugplatz abstatten wollte. Er meinte, ich solle ruhig fahren, er würde laufen, als Fussballer würde ein Konditionstraining ja nicht schaden. Gesagt getan. Eine Viertelstunde später hatten wir den Platz erreicht, auf dem gähnende Leere herrschte. Hier war gar nichts los. Der Mitarbeiter im Tower erzählte uns, das auch kein Flugverkehr zu erwarten wäre. Gut, dann würden wir halt wieder gehen.
Es war nun bereits Abend. Nicole und ich wollten gerne essen gehen. Mir persönlich schwebte ein leckeres Fischgericht vor. Gerade als wir losgehen wollten, zeigte das traurige Gesicht meines Sohnes, dass wir nicht ohne ihn gehen sollten. Gute Eltern sagen in solch einem Moment nicht nein und so saß er wenige Minuten später neben uns auf seinem Rad und fuhr mit uns durch den Ort. Und natürlich hatte er auch einen Essenswunsch: Pizza. Das war es dann wohl mit meinen kulinarischen Tafelfreuden.
Auf Langeoog gibt es im Zentrum zwei gemütliche Pizzerien. Beide waren überfüllt. Also blieb uns nur noch die dritte Wahl, die Schnellpizzeria „Mamamia“ auf der Hauptstraße. Florian war begeistert und so betraten wir das Restaurant. Hier waren noch Plätze frei. Wir nahmen im Nebenraum Platz und warteten auf die Bedienung, die zügig kam. Die Auswahl der italienischen Gerichte war durchaus zufriedenstellend. Und da ich mich von meinen kulinarischen Erwartungen auf nahe der Null reduziert hatte, konnte es hier auch gar nicht mehr schief gehen. Florians gute Laune sorgte für Appetit bei uns. Er bestellte natürlich seine Standartpizza Margeritha. Was das Essen angeht, hat er wohl noch nicht so viel von meinen Eigenschaften und Bedürfnissen abbekommen. Er hält es hierbei eher wie sein Opa, der in Restaurants zumeist immer das gleiche Gericht bestellt: Schnitzel Wiener Art. Florian bestellt eben Pizza Margeritha. Ich kann dies nicht verstehen, denn wenn ich essen gehe, möchte ich etwas bestellen, was ich zu Hause nicht unbedingt selber kochen kann. Für mich ist Essen gehen nicht einfach nur satt werden, für mich soll es Genuss und eine kulinarische Entdeckungen sein. Aber: jeder soll es so haben wie er es mag, das ist auch wichtig. Und Genuss definiert jeder halt anders. Gut, nun saßen wir als hier auf Langeoog in der Pizzeria und Florian freute sich auf seine Pizza. Ich widmete mich derweil erst einmal einem halben Liter Frascati, dessen Potential allenfalls in der alkoholbedingten Betäubung meines Körpers lag. (Ach, du Möchtegernegourmet!) In Momenten wie diesen reicht dies aus. Dann kam auch schon die Pizza, die recht groß war. Meine Funghi war gut belegt, aber leider waren die Champignons aus der Dose. Trotzdem war sie geschmacklich kein Reinfall und durchaus akzeptabel. Der Frascati hatte doch noch eine andere Qualität gezeigt, er hatte meinen Magen geöffnet, und ich hatte nun Hunger. Florian war mehr als zufrieden. Die Rechnung war, nachdem wir mit dem Essen fertig waren, fair geblieben.
Es wurde langsam dunkel, aber wir beschlossen, wenigstens einmal kurz zum Strand zu fahren. Es zog uns noch einmal zum Meer. Langeoog hat einen Nachteil. Obwohl man sich auf einer Nordseeinsel befindet, sieht man das Meer seltener. Die Lage des Ortes und die Radwege im Inselinneren sind dafür verantwortlich. Langeoog Stadt liegt hinter dem Dünengürtel. Die Sicht auf das Meer ist somit nicht frei, im Gegensatz zu Norderney. Eine Promenade, auf der man am Meer entlang laufen kann, fehlt. Mir persönlich fehlte die Nähe zum Meer etwas, denn ich genieße es abends immer, noch einmal direkt am Meer entlangzulaufen. Da wir die Räder dabei hatten, fuhren wir kurzerhand durch die Dünen, an der modernen katholischen Kirche vorbei, zum Meer. Die Wege durch die Dünen sind gut befahrbar, auch hier hat man auf das Pflaster aus Tonsteinen weitestgehend zurückgegriffen. Wir ließen die Räder stehen und gingen zu Fuß weiter. Nach wenigen Minuten hatten wir den Strand erreicht. Keine Frage, der Strand war richtig schön. Feiner Sand machte ihn zum Baden attraktiv. Es hatte sich etwas zugezogen, aber trotzdem war es immer noch angenehm warm. Der Wind fehlte. Durch die Wolken schimmerte das letzte Orange der untergehenden Sonne. Florian wühlte etwas im nassen Sand am Wasser. Wir atmeten tief durch. Das ist es, was es immer wieder so besonders macht, am Meer zu sein. Die Luft, die Ruhe und der Duft. Fantastisch. Dann wurden wir müde und fuhren zurück zum Ferienhaus meiner Eltern. Nele übernachtete nun hier. Sie schlief bereits.
Wir schauten noch kurz, wie es im Uefacup-Viertelfinale HSV gegen Manchester City stand. Hamburg führte. Na, ja, dachte ich mir, hoffentlich legt Bremen gegen Udinese gleich nach... Dann war auch unser Tag vorbei und wir radelten zum Landhaus am Schniederdamm zurück. Vor dem Schlafen gehen gingen wir noch einmal auf den Balkon und lauschten den Klängen der Nacht. Die Vögel lärmten immer noch, ihre Nachtruhe hatte wohl noch nicht begonnen. Einfach schön, diese Atmosphäre am Meer.
Wieder Erwarten war die Nachtruhe recht kurz. Ich wachte bereits um 06.00 Uhr auf. Draußen war es noch dunkel. Ich überlegte etwas. Ausgeschlafen war ich. Warum sollte ich die durch die Panne versäumte Radtour des Vortages nun nicht nachholen? Ich stand auf. Nicole drohte mir kurz mit der Hausordnung, denn ich dürfte die Bettruhe der anderen Gäste bis 07.00 Uhr nicht stören. Irgendwie wurde ich in diesem Moment das Gefühl nicht los, dass sie ihr eigenes Ruhebedürfnis anmahnte. Trotzdem verzichtete ich natürlich auf eine frühe Dusche, zog mich an und fuhr mit nächtlicher Sturmfrisur gemütlich los. Wen sollte meine Frisur hier stören? Mich jedenfalls nicht. Ich fuhr den selben Weg wie am Vortag. Am der Stelle, wo der Deich begann, bog ich links ab in Richtung der Dünen. Ich wollte ja nicht noch einmal über die gleiche Glasscherbe fahren wie wenige Stunden zuvor... Der Weg führte vor den Dünen entlang. Fasane gaben mir mit ihren Krächztönen zu verstehen, dass ich erkannt war und unerwünscht sei. In der Tat fühlte ich mich an diesem ruhigen Morgen wie ein Fremdkörper in der Natur. Ich war der erste Mensch, denn die armen Tiere an diesem Tag sahen, und nun wurde ich scheinbar dafür verantwortlich gemacht, dass deren Ruhe der Nacht endgültig vorbei war. Es war noch empfindlich kalt an diesem Morgen. Ich merkte, das das Meer wie ein Kühlakku in der Nacht gewirkt hatte. An der Melkhörndüne, der höchsten Erhebung Langeoogs, stoppte ich. Diese Düne ist eine Aussichtsdüne. Ich wollte warten bis die Sonne aufging. Von dort oben stellte ich mir die Aussicht fantastisch vor. Am Horizont war bereits ein orangener Streifen zu erkennen. Lange würde es nicht mehr dauern, und der Tag würde endgültig erwachen. Ich ließ das Rad stehen und ging durch die Dünen zum Aussichtspunkt. Ich konzentrierte mich ganz auf die Natur. Schade, dass es Nicole immer wichtiger ist, um jede Minute im Bett zu kämpfen. Solche Momente würde ich gerne mit ihr teilen. Möwen und Austernfischer flogen an mir vorbei. In der Ferne hörte ich das nervöse Rufen der Wildgänse. Dann, ganz plötzlich, kam die Sonne hervor. Die ersten Sonnenstrahlen tauchten die Insel in ein orange-goldenes Licht. Unglaublich! Das Licht wurde immer kräftiger. Die Insel glühte nun förmlich. Was für ein Erlebnis dieser Moment doch war. Das wäre etwas für meine Kinder gewesen. Die schliefen aber noch. Ich schaute noch einmal in alle Richtungen. Vor mir, in Richtung der aufgehenden Sonne, lagen die Dünen, rechts neben mir die Salzwiesen, links neben mir konnte ich hinter den Dünen wenigstens etwas vom Meer erkennen und hinter mir sah ich in guten vier Kilometern Entfernung Langeoog Stadt.



Es war nun 07.00 Uhr. Ich hatte also noch etwas Zeit. Also ging ich zurück zu meinem Fahrrad und setzte mich in Richtung der Meierei in Bewegung. Immer wieder musste ich unterwegs kurz anhalten, um Fotos zu machen. Die Motive waren sehr schön. Und das Licht tat den Rest dazu. Es war ein fantastischer Morgen. Die Meierei war natürlich um diese Uhrzeit noch geschlossen. Ein Kaffee hätte mir gut getan. Also drehte ich und fuhr den selben Weg zurück.
Als ich kurz vor Acht Uhr wieder in der Pension ankam, hatte Nicole schon gepackt. Ich duschte schnell. Dann gingen wir frühstücken. Das Frühstück war gut. Es war abwechslungsreich und reichhaltig. Und der Kaffee war ausgezeichnet. Insgesamt muss ich wirklich sagen, dass diese Pension eine gute Wahl war. Und die Toilette im Zimmer werde ich nie vergessen. Dort war nämlich ein Pumpe mit angebracht, welche die Fäkalien laut und in Intervallen aus dem Badezimmer pumpte. Wir bezahlten unsere Rechnung und machten uns auf den Weg zu meinen Eltern. Dort herrschte noch das absolute Chaos. Ich entschied mich spontan, noch einmal für eine kurze Tour durch den Ort, denn was sollte ich hier das Chaos noch vergrößern. Zum letzten Mal fuhr ich an der katholischen Kirche vorbei, durch die Dünen und blickte bei bestem Sonnenschein auf Langeoogs Wahrzeichen, den 1908 erbauten Wasserturm, der leider momentan renoviert wurde und teilweise mit Bauplanen verhangen war. Schade, aber solches Glück hatte ich ja schon häufiger. Dann schaute ich noch ein letztes Mal auf den Strand und fuhr durch den Ort am alten Rathaus und der evangelischen Kirche vorbei zur Ferienwohnung zurück.



Jetzt mussten noch die Räder meiner Eltern weggebracht werden. Dann nahmen wir das das Gepäck und gingen zum Bahnhof, um den Zug um 10.30 Uhr zu bekommen. Die im Fahrplan der Reederei angegebenen Fährabfahrtszeiten sind immer auch die Abfahrtszeiten der Inselbahn ab dem Bahnhof Langeoog Stadt. Dieses Mal waren wir früh genug da und ergatterten Sitzplätze im letzten Wagon des Zuges. Die Züge haben stets zwei Lokomotiven. Eine befindet sich jeweils am Anfang des Zuges und eine am Ende. Wir schauten vom hinteren Geländer des Wagons genau auf die Lok.
Während der Fahrt genossen wir letztmals die Blicke auf den Flugplatz, das Wäldchen, die Salzwiesen und die Dünen. Langsam verschwanden die letzten Häuser des Ortes. Florian und Ines verabschiedeten sich von der Insel, so wie Kinder das eben machen: „Tchüss Langeoog.“
In den Kurven der Streckenführung konnten wir den ganzen Zug überblicken. Jeder Wagon hatte eine andere Farbe. Dann kam schon der Fähranleger in Sicht, und kurze Zeit später verließen wir den Zug und gingen zum Schiff. Da sehr viele Gäste die Rückreise antreten wollten wartete die Fähre noch auf einen zweiten Zug. Dann, als endlich alle an Bord waren, legten wir ab. Es war angenehm warm. Die Sonne hatte den kühleren Wind bereits niedergekämpft. Die Kinder liefen über das Deck. Besonders wurde natürlich Opa vereinnahmt. Typisch. Nele erfreute sich an den Möwen, den Schiffen und an dem kleinen Hund einer Touristin. Die Fahrt dauerte nicht lange. Schon waren wir wieder in der langen, von Buhnen umrahmten Fahrtrinne nach Bensersiel. War das ein schöner Blick. Die Sonne spiegelte sich silbern in den kleinen Wellen des Wassers. Dann legten wir an und verließen das Schiff. Nun musste ich nur noch das Auto abholen. Ich bezahlte sieben Euro und ging zum Wagen.



Vor dem Anleger trafen wir noch einmal Oma und Opa. Wir verabschiedeten uns, denn die Beiden hatten noch ein paar Tage Urlaub vor sich. Am nächsten Tag sollte es weiter nach Helgoland gehen. Aber erst einmal war nun eine Übernachtung in Wittmund gebucht. Die Kinder bedankten sich noch einmal. Schön, dass Oma und Opa so viel für sie tun. So haben wir etwas Entlastung und die Kinder etwas Abwechslung. Ihre Dankbarkeit zeigen sie durch ein sehr intensives und persönliches Verhältnis zu ihren Großeltern. Momentan streiten sich zumeist die beiden Großen um die Gunst von Oma und Opa. Bald sind es drei. Nele lernt schnell dazu.
Unser Rückweg führte uns auf der Küstenstraße von Bensersiel über Westeraccumersiel und Neßmersiel nach Norden. Kurz bevor wir Norden erreichten, sah ich den Landeanflug eines Britten Norman Islanders auf einen Flugplatz. Wir waren kurz vor dem Flugplatz Norden-Norddeich. Da bot sich natürlich ein kleiner Stopp an. Wir bogen rechts ab und schon hatten wir den Flugplatz erreicht. Es standen zwei Islander der FLN direkt am Zaun, die ich gut aufnehmen konnte. Schön! Und schon ging es weiter. Zwischen Norden und Norddeich mussten wir die Straße wechseln und uns in Richtung Greetsiel halten, unserem letzten Ziel. Über kleine Landstraßen mussten wir noch 15 km fahren, dann hatten wir den Ort erreicht. Da wir Karfreitag hatten und somit an einem Feiertag unterwegs waren, war es schwierig, einen Parkplatz zu finden. Greetsiel ist eine Sehenswürdigkeit hier im Norden und war bei dem schönen Wetter natürlich vollkommen überlaufen. Mit etwas Glück konnten wir noch einen Abstellplatz für unser Auto ergattern. Mein persönlicher Rundweg durch Greetsiel verlief folgendermaßen: Wir starteten am Parkplatz vor den beiden Zwillingsholländerwindmühlen, die 1706 (rot) und 1856 (grün) erbaut wurden. Vom Parkplatz aus gingen wir zuerst in Richtung des Schöpfwerkes. Greetsiel konnte von den ostfriesischen Sielorten sein Ortsbild am besten bewahren. Die alten Häuser sind von der Anhöhe des Deiches am Schöpfwerk aus gut zu sehen und lassen einen ersten Vorgeschmack auf das zu, was den Besucher im Ort erwartet. Wir gingen in Richtung des alten Sielhafens. Bunte Krabbenkutter lagen festgemacht an den Molen. Hier liegen heute noch 28 Kutter. Die Kinder zählten aber nur 13. Der Rest war wohl gerade in der Hoffnung auf einen guten Fang auf See. Wir blieben auf der Deichkrone und kamen dem Ort näher. Gegenüber lag die sehenswerte Häuserzeile an der Sielstraße mit den vielen alten Wohnbauten. Dieses Motiv gehört wohl zu den beliebtesten Fotomotiven Greetsiels. Verständlich. Und so machten Florian und ich einige Aufnahmen. Die Fassaden der Häuser wirken holländisch. Und tatsächlich, bei der Erbauung hatte man sie nach niederländischen Vorbildern gestaltet. Überwiegend stammen die Häuser aus dem 18.-19. Jh. Das nächste Ziel war die alte Hallenkirche mit ihrem kleinen freistehenden Glockenturm. Die Kirche wurde zwischen 1380 und 1410 erbaut.
Am Ende der Hohen Straße fällt noch das Steinhaus auf, ein zweigeschossiger Backsteinbau aus dem 17.Jh. Dieses Haus war der Sitz des ehemaligen Rentmeisters, der im späten Mittelalter der Behörde der landesherrlichen oder kirchlichen Finanzverwaltung vorstand. Nun waren wir auch schon auf dem Rückweg. Die Mühlenstraße führt wieder zum Parkplatz. Auf dieser Straße ist das 1794 entstandene Haus von Halem hervorzuheben, was uns durch seine Größe auffiel. Bei diesem klassizistischen Haus handelt es sich um eines der bedeutendsten Wohnbauten dieses Architekturstils in Ostfriesland. In Greetsiel lohnt es sich auch, in die vielen kleinen Gassen, die von den Hauptstraßen abgehen, einzutauchen. Greetsiel ist als Ganzes sehenswert. Das sahen mit uns leider tausende von Touristen so, und daher waren die Gassen und Cafés überfüllt. Als wir das letzte Mal hier waren, war es die kalte Jahreszeit gewesen. Damals war nichts los und wir hatten einen Platz in einem Café gefunden. Dort gab es dann Kaffee und Kuchen. Ich habe den Kuchen in guter Erinnerung behalten. Leider weiß ich aber nicht mehr, wo dieses Café war. Wenn ich es an diesem Tag gesucht hätte, hätte ich es wohl gefunden. Aber uns war nicht nach Suchen zu Mute. Also ließen wir die Massen hinter uns und gingen zum Auto zurück. In einer der Windmühlen war ein Café untergebracht. Ein Schild wies darauf hin, dass Bayernfans an diesem Tag einen Euro Rabatt bekommen würden. Ja, so ist das im Fußball. Die Nordklubs sind momentan obenauf und die Häme drückt sich auch in solchen Aktionen aus. Florian freute sich, wie ich auch, denn die Bayern sind auch nicht unser Verein. Kurze Zeit später waren wir wieder unterwegs. Am Ortsausgang befindet sich die Fischhandlung De Beer. Hier kauften wir noch ein Kilo frische Krabben zum Preis von 3,50 €. Sensationell. Wenn ich da an Föhr im vergangenen Jahr denke, als wir 9,50 € zahlen sollten... Und die Fischbrötchen hier waren frisch zubereitet und sehr gut. Lecker!



Wir fuhren nach Emden, um die Autobahn zu erreichen. Dabei passierten wir Orte mit so lustigen Namen wie Pewsum, Freepsum und Hinte. Alle dieser Orte verfügen über wunderschöne alte Dorfkirchen, die überwiegend auf kleinen Anhöhen (Warften) stehen, da diese Landschaft früher während der Sturmfluten häufig überflutet wurde. In Hinte machte ich noch ein Foto von der Brücke, die über einen Bach führt, aus. Das Motiv mit der Windmühle, dem Wasser und einem blühenden Obstgehölz gefiel mir zu gut. Und wir machten noch einen letzten Stopp in Suurhuusen. Dort steht einen kleine Kirche, die einen extrem schiefen Kirchturm hat. Wenn man vor der Kirche steht, glaubt man den Suurhuusenern ohne Zweifel, dass sie den schiefsten Kirchturm der Welt haben. Die Kirche wurde in der ersten Hälfte des 13.Jh. erbaut. Ursprünglich war sie ohne Turm gebaut wurden. Erst im Jahre 1450 wurde der Turm nachträglich angebaut. Um auf der Warft dafür Platz zu haben, musste ein Teil des Kirchenschiffes abgerissen und verkürzt werden. Der Turm misst 11 x 11 Meter und ist etwas mehr als 27 Meter hoch. Seine Mauern sind 2 Meter dick und mit Schutt und Muschelkalk gefüllt worden. 1885 wurde ein erster Überhang des Turmes festgestellt. Bis heute beträgt dieser Überhang 2,43 Meter. Aufwendige Sanierungsmaßnahmen konnten ein weiteres Absacken des Turmes verhindern und seinen Erhalt sicherstellen. Diese Kirche war natürlich für die Kinder wieder sehr interessant. Aber nun, nachdem Florian noch seine Fotos gemacht hatte, war es wirklich genug und Zeit für den Heimweg. In Emden bogen wir auf die Autobahn und machten uns zügig auf den Heimweg. Unterwegs wollte Florian eigentlich noch gerne die Burg von Bad Bentheim sehen. Aber da alle drei Kinder so schön schliefen, fuhr ich durch. Vier Stunden später hatten wir bereits das Gepäck zu Hause ausgeladen. Die Krabben hatten die Reise dank des Eises, welches uns die Verkäuferin in eine zweite Tüte gepackt hatte, gut überstanden. Und so saßen wir zum Abschluss des Urlaubes vor dem Fernseher und puhlten die Greetsieler Krabben. Besonders Ines konnte nicht genug bekommen. Florian war zurückhaltend. Ihm schmecken die Mereesfrüchte nicht mehr.
Für die Kinder ging eine ereignisreiche Woche vorbei und für Nele und uns zwei Tage voller gelungener Eindrücke. Wir waren zufrieden. Alle!



Frühling in Hinte, Ostfriesland


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Kommentare

  • RdF54

    Nicht ärgern übe die verlorene Zeit und die Unkoordiniertheit ... - mnchmal ist Afrika gar nicht so wet weg! :-)
    Im Ernst, ein shöner und sehr informativer Bericht übr ein Ziel, dass gar nicht "so weit" weg ist und Deine Bilder lassen uns an Euren Eindrücken teilhaben!

    LG Robert

  • Pinky3

    was für ein schöner beitrag zu einer wirklich tollen insel, ich liebe die inseln im wattenmeer, wir sind viele jahre, als unsere tochter noch klein war, nach wangerooge gefahren einfach herrlich diese autofreien inseln für kinder........lg gaby

  • Blula

    Über so ein Geburtstagsgeschenk hätte ich mich aber auch gefreut.... .
    Ich war noch nie auf Langeoog und auch sonst auf noch keiner ostfriesischen Insel. Bringst mich hier richtig auf den Geschmack. Danke für diesen schönen und so lebendig geschriebenen Bericht und die tollen Bilder dazu.
    LG Ursula

  • binana

    Der Reisebericht ist wirklich toll, für die kurze Zeit wurde viel erlebt. Ich kann nur zustimmen, Langeoog ist klasse, wir waren 2013 hier und kommen dieses Jahr.wieder
    Die Insel ist landschaftlich schon etwas Besonderes
    Wir freuen uns schon sehr. Wir verbringen den Urlaub etwas länger und sind im einzigen Biohotel/ Biorestaurant der Insel untergebracht. Hotel und Restaurant sind ausgezeichnet, da kann man nicht meckern !!

Bitte melden Sie sich an, um einen Kommentar abzugeben. Ein Kurztrip nach Langeoog 4.30 20

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