Mallorca: Rustikale Fincas in berauschender Natur

Reisebericht

Mallorca: Rustikale Fincas in berauschender Natur

Reisebericht: Mallorca: Rustikale Fincas in berauschender Natur

Mallorca: Rustikale Fincas in berauschender Natur

Weit geht der Blick vom Hügel dieser alten Kulturlandschaft mit seinen knorrigen Ölbaumveteranen, den Johannisbrot- und Zitrusbäumen mit den leuchtend gelben Früchten hinüber zum Meer.



Kinder springen an der...

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Und während dort Kinder in der feinsandigen Bucht von Alcúdia in die karibisch anmutend blaugrünen Fluten springen, hat hier oben Biel mit seinen schwieligen Händen das Lenkrad seines alten Traktors fest im Griff. Dabei hat ihm dieses alte Gefährt schon stolze 44 Jahre gute Dienste geleistet



Mallorca, Biel mit seinem alten...

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Und so tuckert er auch an diesem späten Nachmittag wieder mit seinem Sohn José auf eines seiner Felder, um Heu für seine 260 Schafe in den Stall zu transportieren. Derweil hängt seine Frau Margalida die frisch gewaschene Gästewäsche zum Trocknen an die würzige Frühlingsluft und Tochter Joana bereitet in der Küche das Essen für die Hausgäste vor. Fast alle Gäste haben sich am heutigen Frühstückstisch zu „Bacalao a la mallorquina“, einem leckeren Fischessen, angemeldet.

Und so liegen jetzt Berge von Spinat, Mangold, Porree, Zwiebeln, Knoblauch, Petersilie, Kartoffeln und Tomaten auf der Arbeitsplatte, die nacheinander gesäubert und verarbeitet werden. Joanas zweijährige Tochter ist mit anderen Dingen in der Küche beschäftigt.

Von Joana erfahre ich, dass der Urgroßvater bereits diesen Hof gemietet hatte. Der Großvater konnte ihn dann nach dem Krieg von einem Großgrundbesitzer kaufen. Besaß dieser zu jener Zeit ein endloses Land, das von der Hauptstraße, die die Orte sa Pablo mit Pollenca verbindet, bis weit hinauf zum Kloster Lluc in der Tramuntana reichte.



Mallorca: Unsere Finca bei Pollenca



Und so wechselte die 30 Hektar große Finca für heute umgerechnet 1500 Euro – was damals enorm viel Geld war - in den Besitz der jetzigen Familie.



Später haben Biel und sein Sohn José die Finca nach und nach für Urlaubsgäste ausgebaut.

Mit der Vorfreude auf ein leckeres Abendessen verlasse ich für einen Spaziergang die duftende Küche und schlendere durch die Hügellandschaft, deren typische Trockensteinmauern sich wie silberbraune Adern durch die bäuerlich grüne Landschaft ziehen. Und inmitten dieser Stille ab und an das empörte Blöken einiger Schafe, die sich von mir gestört fühlen.



Mallorca, Abendessen auf unserer Finca



Abgerundet wird der Abend dann später nach dem leckeren Fischessen



gemütliche Abendstunde auf unserer Finca bei Po...



unter freiem Sternenhimmel mit einem guten Rotwein dieser Gegend. Die Einzigen, die jetzt richtig Krach schlagen, sind eine Horde von Vögeln, die sich im benachbarten Bougainvillegebüsch eingefunden haben, um sich vor dem Schlafengehen ihre Tageserlebnisse zu erzählen. Der Lautstärke nach zu urteilen müssen die Erlebnisse enorm gewesen sein.

Man könnte die Uhr darauf stellen. Um 4 Uhr in der Früh haben dann alle diese kleinen Quälgeister ausgeschlafen und starten wieder mit der gleichen Lautstärke in den neuen Tag. Gott sei Dank ist kurz danach Ruhe, und der Schlaf geht weiter.



Mallorca, Port Sóller mit alter Straßenbahn



Später dann nach einem ausgiebigen Frühstück geht’s mit dem Mietwagen in gemütlicher Fahrt durch die gebirgige Tramuntana nach Port Sóller. Dazu schrauben wir uns aber erst einmal von Inca aus hoch hinauf zum Pass Coll de sa Batalla, der in Lluc endet. Dabei sind die vielen Rennradfahrer schon eine echte Plage auf dieser engen, steilen Straße.

Kloster Lluc wird natürlich ein Besuch abgestattet. Dabei erinnere ich mich gerne an den beliebtesten Wallfahrtsort der Mallorquiner, da ich hier einmal für eine Zeit lang in klösterlichen Mauern gewohnt habe. So schlendere ich durch den mächtigen Innenhof, schaue kurz in die Kirche und ins Museum, bestaune die Farbenpracht im Garten und spaziere für einen guten Rund¬umblick zum Kalvarienberg hinauf.



Danach geht’s weiter zum kurzen Halt an den beiden Stauseen Gorg Blau und Cuber, die jetzt prall gefüllten Wasserreservoirs Mallorcas. Mit Freude stelle ich fest, dass ich doch kein so schlechtes Gewissen beim morgendlichen Duschen haben muss.



Mallorca: Weit geht der Blick...

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Jetzt windet sich die angenehmer zu fahrende Passstraße hinunter nach Sóller, um am Mirador de Ses Barques bei einem kurzen Fotostopp den Blick auf den tief unten gelegenen Hafen von Port Sóller und die grandiose Bergwelt mit dem tiefen Blau des Meeres frei zu geben. Kurze Zeit später in der Innenstadt des hübschen Örtchens Sóller inmitten von Orangenheinen fällt die französische Bauweise vieler Häuser auf. Und das hat seinen Grund: So trieben viele Bewohner im Anfang des 20. Jahrhunderts regen Handel mit Frankreich. Sie verschifften ihre Zitrusfrüchte lieber dort hin, als sie mühevoll über die Berge nach Palma zu schleppen. Und so brachten sie die Bauweise ihrer fernen Handelspartner kurzerhand mit nach Hause.

Bimmelnderweise quietscht über die hübsche Plaza wieder die uralte Straßenbahn.



Mallorca: Alte Straßenbahn in...

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Kurz entschlossen steige ich ein und lassen mich – wie schon so oft – ins benachbarte Port de Sóller hinüber schaukeln. Orangenpflücken ist dabei aus den offenen Fenstern der Holzbahnen verboten! Später, während ich ein lauschiges Plätzchen gefunden habe und genüsslich einen Cappuccino schlürfe, beobachte ich Menschenmassen, die am Kai von großen Ausflugsbooten kommen. Sie haben bei einem Tagesausflug die Buchten von Cala Tuent und Sa Calobra besucht und trotten jetzt hinter ihren Stadtführerinnen her, die mit hochgehaltenen roten und weißen Schirmen vor ihnen her laufen. Sie treffe ich alle auf meiner Rückfahrt in der Straßenbahn wieder.



An einem dieser vielen Sonnentage zieht es mich dann zu den großen Buchten des Nordens. Vorher jedoch folge ich einem Tipp von Joana. So ist sie einem guten alten Brauch folgend mit ihrer damals zweimonatigen Tochter Marlena auf dem Arm von der alten



Mallorca: Alte Römerbrücke in...

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Römerbrücke in Pollenca zum mächtigen Puig de Maria mit seinen 333 Meter hoch hinauf gestiegen. Es soll ihr Glück bringen. Das erhoffe ich mir auch und werde nach einem eineinhalbstündigen mächtigen Aufstieg mit einem grandiosen Ausblick



Mallorca: Blick vom Kloster Ermita de Nostra Se...



vom kleinen Kloster Ermita de Nostra Senyora del Puig mit einem gigantisch großen Speisesaal entlohnt. Dabei heben sich die Berge Mallorcas im Dunst wie Scherenschnitte gegen den blauen Himmel ab. In diesem Moment ist die Welt mit ihrer Hektik weit entfernt und eine innere Ruhe kehrt ein.



Mallorca: Markttag in Alcúdia



In Alcúdia dann das genaue Gegenteil. Es ist Markttag und ich habe nicht daran gedacht. In einem Gewusel von touristischen Marktständen und Menschenmassen drehe ich mich am Rathaus mit den Fahnen Mallorcas, Katalaniens und Spaniens auf dem Absatz um und trete den Rückzug an. Dabei führt mich mein Weg durchs alte Stadttor, über dessen Pflaster Heerscharen von Römern mit ihren Sklaven, Vandalen, Muslime und Seeräuber stiefelten. Auch schob man die Räder der Pestwagen über diese Steine.



Mallorca: Felsklippen am Cap Formentor



Ich mache mich aus dem Staub. Blicke kurz mal wieder wie so oft über die steilen Felsklippen am Cap Formentor und mache später eine wunderschöne Strandwanderung in der Bucht von Alcúdia, schaue dabei lange den Jugendlichen beim Toben im Wasser zu



Mallorca: Strandkunst bei Can Picafort



und erfreue mich später bei einem Spaziergang über die Promenade von Can Picafort über die jungen Leute, die äußerst geschickt große Figuren aus Sand formen.

Mein Cala Figuere mit der Fjordartigen Bucht im Südosten der Insel darf natürlich bei einem Mallorcabesuch auch diesmal nicht fehlen. Und so schlendere ich an einem meiner letzten Tage durch den kleinen Schutzhafen, steige über blaue Fischernetze hinweg, klettere über Bootsstege und balanciere über schwankende Holzstege. Danach schaue ich wie immer bei einem lächelnden Lebenskünstler vorbei. Es ist der Maler Hein Driesen, der seit fast 30 Jahren hier im Sommer in seiner kleinen Galerie Sirena und im Winter in seinem Atelier in Emmerich arbeitet. Kennen gelernt habe ich ihn, als er vor einigen Jahren meine damalige Schwarzweiß Fotoausstellung „Carretera de Seda“, die Seidenstraße, besuchte, die ich hier auf der Insel in der



Mallorca: Ingrid Flohr in ihrer Galerie in Sant...



Galerie Flohr ausgestellt hatte.

So vergeht eine schöne Urlaubswoche wieder wie im Fluge und ich sitze am Fenster meines Fliegers, der auf das Rollfeld hinaus gleitet und hänge meinen Gedanken nach. Freue mich auf meine nächste Fotoausstellung im kommenden Jahr hier in Santanyi. Und nur einen kurzen Moment später und das Flugzeug steigt über den Norden der Insel langsam in den Himmel. Jetzt, in der Blauen Stunde von hier oben aus betrachtet, deckt der Abend seicht den Tag mit einem Mantel aus Dunst zu und die untergehende Sonne verwandelt das Meer in flüssiges Gold. Daraus steigt stolz und mächtig Cap Formentor heraus.

Gerd Krauskopf


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Kommentare

  • astrid

    Hallo Gerd,
    wieder ein herrlicher Bericht mit tollen Fotos - ich möchte am liebsten sofort losfahren.
    LG
    Astrid

  • lilli.28

    ...wie alle Reiseberichte: Einfach toll. Text und die aussagekräftigen Bilder beflügeln....
    Ich habe das gefühl, dass ich mit einem guten Glas Rotwein an einem schönen Frühlingsabend dort sitze, und einen herrlichen Urlaubstag revue passieren lasse.
    Herzliche Grüße aus Köln :-)

  • studiolaube

    Ein schönes persönliches Tagebuch mit interessanten und bekannten Motiven hast Duns da in beeindruckender Weise präsentiert.
    Herzlichst, Wolfram

  • mamaildi

    Ein Bericht, der Lust auf Mallorca macht, dazu schöne und sehr originelle Fotos - das zu lesen hat Spass gemacht!
    LG Ildiko

  • xflow (RP)

    Mallorca, sooooooo viel mehr als nur Ballermann-Reisen made by TUI. Ein sehr schöner Bericht.

  • mamatembo

    Aus jeder Zeile und jedem Bild spricht Deine Kenntnis von und vor allem Deine Liebe zu der Insel. Vielleicht sollte ich sie mir ja doch mal ansehen ...
    LG Beate

  • ruma94

    Hach ja! Fein wärs, mal wieder dort zu sein... Danke für den schönen Bericht! Gruß, Ruth

  • nach oben nach oben scrollen
  • Zaubernuss

    Beeindruckend in Wort und Bild. Möchte Mallorca bald einmal realisieren, am liebsten auf einer Finca. Dein Bericht gibt mir viele gute Informationen. Danke!

  • Finca

    Toller Bericht. Nicht nur interessant geschrieben sondern auch schöne Fotos. Da bekommt man richtig Urlaubsstimmung.

  • Bluesfreundin (RP)

    Wunderbar, dein Bericht So habe ich die Insel im Oktober auch erlebt und genossen.
    Liebe Grüße - Sigrid

Bitte melden Sie sich an, um einen Kommentar abzugeben. Mallorca: Rustikale Fincas in berauschender Natur 4.22 18

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