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Reisebericht: Marokko – Reiseimpressionen
Eine Reise durch Marokko mit dem Reisemobil
- Ceuta – Die Grenze
- El Jadida – Die Küstenstraße und der erste Souk
- Aglou-Plage – Höhlen und Interesse an Deutschland
- Tafraoute – Der etwas andere Laden
- Tafraoute nach Taroudannt – Begegnungen unterwegs
- Nach Quarzazate – Kinder wachsen aus dem Boden
- Tinerhir – Todra-Schlucht
- Campingplatz Source bleue – Erziehung zur Ordnung
- Erg Chebbi – Schonung für unsere Mobile
- Zagora – Die Wagenburg
- Kasbah Ait Benhaddou – Zwiespalt der Gefühle
- Marrakech – Der Souk, die Berber-Apotheke und ein hervorragendes Lokal
- Casablanca – Und die Taxifahrer
Ceuta – Die Grenze
Hundert sind es, vielleicht auch mehr. Und die Anzahl nimmt immer noch zu. Dicht gedrängt stehen sie an der Grenze zu Marokko, aber noch auf der spanischen Seite. Voll gepackt mit Sachen, die sie in Ceuta gekauft haben, die sie brauchen oder die sie in ihrer Heimat verkau-fen können.
Und dann plötzlich läuft einer los und die anderen folgen ihm. Die Zöllner und ihre Gehilfen fassen den einen oder anderen, der größte Teil aber ist auf marokkanischer Seite.
So schnell klappt unsere Grenzabfertigung nicht. Das Ausfüllen der erforderlichen Formulare, das Prüfen der Pässe, das Umtauschen des Geldes, die Kontrolle einzelner Fahrzeuge – zwei Stunden später sind auch wir in Marokko.
El Jadida – Die Küstenstraße und der erste Souk
Der vor uns fahrende LKW ist zweistöckig beladen. Im oberen Stockwerk befinden sich eini-ge Ziegen. Sie müssen schwindelfrei sein in vier Meter Höhe. Plötzlich, natürlich ohne Blin-ker zu setzen, wechselt der LKW die Spur und setzt zum Überholen, oder besser, zum Vorbei-fahren an. Er schwankt bedenklich, aber es geht gut. Und dann sehen wir es auch: Ein Eselge-spann, hochbeladen, auf der Ladung thront der männliche Begleiter, seine Frau trabt neben dem Esel. All dies befindet sich auf der rechten Fahrspur. Wir befinden uns auf der Autobahn in der Nähe von Rabat.
Im Souk kaufen wir uns ein Fladenbrot. Es wird uns von Hand zu Hand angereicht. Als wir die „saubere“ Hand des Bäckers sehen, schlucken wir erst einmal. Aber das Brot schmeckt. Und – auf der gesamten Fahrt haben wir nicht einmal Probleme mit dem Magen.
In all der Enge, dem Gewühle und dem Krach sitzen drei Männer seelenruhig am Boden und spielen auf dem Kleinpflaster mit Kronkorken ein für uns nicht erkennbares Spiel. Sie sind voll konzentriert und nehmen die Umgebung nicht wahr. Das ist Meditation auf marokka-nisch.
Aglou-Plage – Höhlen und Interesse an Deutschland
Ein wunderschöner Strand, endlos weit, durch Dünen aufgelockert, menschenleer. In der Fer-ne wird die Küste steiler. Als wir näher kommen, sehen wir Fenster und blaue Türen in die-sem steilen Bereich. Ob es sich hier um Eingänge zu bewohnten Höhlen handelt?
Da spricht uns ein junger Marokkaner an, der von der Meerseite langsam auf uns zugeschlen-dert kommt: „ So etwas kennen sie sicherlich nicht aus ihrer Heimat!“ Wir müssen das bestä-tigen. Er erzählt uns, dass es sich bei den Höhlen um die Behausungen von Fischern handelt, die auch heute noch zum Teil bewohnt sind.
Als er dann hört, dass wir aus Deutschland kommen, zeigt er starkes Interesse. Besonders interessiert ihn der schulische Weg der Kinder und Jugendlichen und die Arbeitswelt mit ih-rem sozialen Hintergrund. Absolut unverständlich erscheint es ihm, dass wir soviel Zeit op-fern können für eine solch lange Reise nach Marokko.
Wie wir dann auch erfahren, ist er ein Sohn eines Fischers und studiert Literaturwissenschaft in Agadir. Wir sind überrascht über sein sehr gutes englisch und beschämt über unsere lü-ckenhaften Sprach - Kenntnisse.
Tafraoute – Der etwas andere Laden
In einem Lokal mit einer deutschen Speisekarte haben wir eine ganz hervorragende Tajine mit Gemüse und Hühnchen, Mandeln und Trockenpflaumen gegessen und jetzt machen wir einen Verdauungsspaziergang durch den kleinen Ort. In einer Seitenstraße entdecken wir einen La-den mit einem großen Schild „Festpreis“. Das ist außergewöhnlich in einem Land, in dem um jeden Preis gefeilscht wird. Wir sind neugierig geworden und gehen hinein. Es handelt sich um einen Schmuckladen, in dem einheimische Schmuckgegenstände zu durch aus akzeptab-len Preisen angeboten werden. Hinter der Theke steht eine junge, hübsche, selbstbewusste Frau, unverschleiert, deutsch und englisch sprechend und, wie wir dann später erfahren, aus diesem kleinen Ort stammend. Sie macht uns darauf aufmerksam, dass ihr Geschäft im Därr – Reiseführer Marokko erwähnt wird. Wir kaufen einige Teile und sprechen später mit dem Leiter unserer Gruppe über diese außergewöhnliche Begegnung. Seine Meinung ist, dass die-se Frau in dieser Gegend mit Sicherheit zum Leben ohne Ehepartner verurteilt ist. Kein Ma-rokkaner aus Tafraoute wird eine derartig selbstständige Frau heiraten.
Tafraoute nach Taroudannt – Begegnungen unterwegs
Wir machen eine Rast in den Bergen. Ein Marokkaner auf einem Rennrad nähert sich unse-rem Rastplatz. Ungewöhnlich, das ein Einheimischer sich auf diese Art und Weise körperlich ertüchtigt. Neben unserem Reisemobil unterbricht er seine Fahrt, breitet auf dem Boden eine Decke aus und drapiert auf dieser Unterlage einige Öllämpchen, die er aus seinem Rucksack holt. Und dann beginnt er, uns diese Öllämpchen anzupreisen. Nur mit Mühe gelingt es uns, ihm klar zu machen, dass wir im Moment keinen Bedarf an Öllampen haben.
Bei einer weiteren Pause in dieser fantastischen Bergregion kommt uns ein Junge auf einem Esel entgegen. Ich frage ihn, ob ich ihn fotografieren darf. Er hat nichts dagegen und erzählt uns dann, das er von der Schule kommt. In dieser Gegend, die einen wohlhabenden Ein-druckmacht, gehen alle Kinder zur Schule. Kinder, die betteln, sieht man gar nicht. Am Mit-tag bei Schulschluss fahren die Mädchen und Jungen mit ihren Mopeds nach Hause oder rei-ten halt auf dem Esel heim.
Nach Quarzazate – Kinder wachsen aus dem Boden
Heute fahren wir durch eine besonders beeindruckende einsame Gegend: eine bergige, un-heimlich weite Landschaft, seltsam geformte Bergkegel, weite Talkessel, die Straße ist manchmal kilometerweit in ihrem Verlauf im voraus zu erkennen. Alles ist trocken, dunkle Farbtöne sind vorherrschend, etwas Grünes sieht man nicht.
Wir machen auf einem einsamen Plato neben der Straße eine Pause, um die Gegend zu genie-ßen. Da hören wir plötzlich neben uns mehrere piepsende Stimmen: „Stilo, Bonbons“. Uns ist immer wieder schleierhaft, woher diese kleinen Kinder in Windeseile kommen, wenn ein Au-to oder Reisemobil anhält.
Tinerhir – Todra-Schlucht
Warnungen von Reisemobilisten, dass man mit einem hohen Reisemobil nicht in diese Schlucht hineinfahren soll, beachten wir nicht. Unser Mobil ist 3,20 m hoch und es geht ei-gentlich ganz gut. Es gibt eine enge, ca. 30 m lange, einspurige Engstelle mit überhängenden Felsen, wo Vorsicht geboten ist. Man kann 6 km in die Schlucht hineinfahren auf einer Bitu - Fahrbahn, die restlichen paar hundert Meter sind Piste. Die Schlucht ist überwältigend. Wir durchfahren eine 30 cm tiefe und 30 m lange Fuhrt und dann beginnen links und rechts die Felsen, immer enger und höher werdend. Am Ende, wenn es mit dem Befahren nicht mehr weiter geht, haben die Felsen einen Abstand von 20 m und eine Höhe von vielleicht 250 m. Leider haben die Marokkaner in der Nähe dieses malerischen Platzes den Bau eines Restau-rants mit Hotelbetrieb zugelassen. Dies wirkt hier äußerst deplaziert. Aber warum sollen hier die Fehler der europäischen Länder nicht gemacht werden?
Campingplatz Source bleue – Erziehung zur Ordnung
Malerisch ist er, dieser Campingplatz. Wir stehen mit dem Mobil im Sand direkt unter Palmen mitten in einer Oase. Das ist das reine Paradies. Als wir nach einem langen und sehr schönen Abend, an dem wir mit Freunden zusammen sitzen und die bisherigen Erlebnisse noch einmal an unserem inneren Auge vorbei ziehen lassen, ins Mobil gehen, lassen wir einige Sachen vor dem Wagen stehen. Am nächsten Morgen wundern wir uns, wie ordentlich und leer es um das Fahrzeug herum aussieht. Wir lassen uns von Marokko – Kennern belehren: Alles, was vor dem Fahrzeug, vor dem Haus oder vor der Wohnung liegt, wird vom Eigentümer nicht mehr gebraucht und kann mitgenommen werden. Dies ist ein ungeschriebenes Gesetz und kein Diebstahl.
Erg Chebbi – Schonung für unsere Mobile
Mit Jeeps fahren wir über Sandpisten im Höllentempo zum Erg Chebbi, der aus 100m hohen Sanddünen besteht. Unterwegs machen wir an einer Verkaufsstelle für Versteinerungen Halt. Diese Versteinerungen wurden alle in der Umgegend gefunden. Peinlich, dass ein von uns fast erworbenes Stück den Aufkleber „Made in India“ trägt.
Später stehen wir auf den hohen Sanddünen, schauen in die hier beginnende endlose Wüste und betrachten vorbeiziehende Karawanen. Vergessen ist der marokkanische Führer, der nur bis zu den Verkaufsständen ansprechbar war, vergessen sind die aufdringlichen Händler, ver-gessen ist alles Negative.
Zagora – Die Wagenburg
Die Fahrzeuge stehen in einem Kreis wie in einer Wagenburg. Wir befinden uns hier am Ende der Piste, ungefähr 30 Km hinter Zagora. Nur noch Dünen und Sand und Stille ist um uns. Wir sitzen vor unseren Wagen im Schatten, das Thermometer zeigt 40°C, abends kühlt es aber ab, um 23.00 Uhr werden es nur noch angenehme 25°C sein. Plötzlich sind wir nicht mehr allein. Unsere Wagenburg füllt sich mit Leben. Händler mit Teppichen, Versteinerun-gen, Silberschmuck und Kameltreiber, die ihre Tiere für einen kurzen Ritt in die Wüste anbie-ten, bevölkern den Innenraum. Aber wir hatten sie auch schon ein wenig vermisst.
Kasbah Ait Benhaddou – Zwiespalt der Gefühle
Mit unserem marokkanischen Führer besichtigen wir diese Kasbah. Das monumentale Haupt-tor dieses Wehrdorfes wurde für den Film „Sodom und Gomorrha“ neu errichtet. In der Kas-bah befinden sich noch einige Wohnungen, eine dürfen wir besichtigen. Die Wohnung ist direkt am Berg aus dem Lehmmauerwerk errichtet, wobei der ansteigende Fels mit in die Wohnung eingebunden ist. In der Wohnung sind nur ein Schlafraum und die Küche möbliert. Der Schlafraum ist mit Teppichen und Decken ausgelegt, die Küche weist einen Herd und ein Spülbecken auf. In einem Seitenraum der Wohnung sind Ziegen und eine Kuh untergebracht.
Das Oberhaupt der Familie sitzt im ersten Raum, den wir betreten und erwartet von jedem Besucher Bakschisch. Die 15jährige Tochter verlässt, als sie die Menge der Besucher sieht, fluchtartig die Wohnung. Das Ganze wirkt auf uns durch den Umstand peinlich, dass hier Familien gezwungen sind, aus finanziellen Gründen ihre Wohnung völlig fremden Menschen gegen Geld zu zeigen.
Marrakech – Der Souk, die Berber-Apotheke und ein hervorragendes Lokal
Der Souk von Marrakech ist einer der größten und abwechselungsreichsten in ganz Marokko. Was uns stört, ist die Geschwindigkeit, mit der uns unser marokkanischer Führer hier durch-schleust. Und dann erkennen wir den Grund: Der Besitzer der Berber Apotheke wartet schon. Was dann folgt, könnte als Video auf einem Verkaufsseminar für angehende Verkäufer ge-zeigt werden. Der Mann im weißen Kittel führt Regie – jeder erhält eine Plastiktasche – die einzelnen Mittelchen werden kurz vorgestellt – es folgt die Frage, wer die dazu passenden Wehwehchen hat – schwups, landet jeweils eine Dose, Schachtel, Beutelchen in jede Plastik-tasche. Als die nächste Gruppe schon an der Tür klopft und die Plastiktaschen voll sind, geht es ab zur Kasse. Der Kassierer peilt den Inhalt kurz an, nennt einen Preis und die Dinar wech-seln den Besitzer. Wie sich später herausstellt, wurde jeder besch…
Abends fahren wir zu einem luxuriösen Lokal in der Innenstadt. Das hier gebotene Essen be-steht aus mehreren Gängen: 1. Salate, 2. Pastine (Blätterteig mit Fleisch von Tauben); 3. Causcous (Hähnchenfleisch, Gemüse, Salat, scharfe Sausen); 4. Obst, Gebäck, Tee. Das Es-sen wird von ständiger marokkanischer Musik begleitet, die von etwas schläfrigen Musikern erzeugt wird, und es werden verschiedene Vorführungen gezeigt. Tänzerin, Gruppe mit sin-genden Mädchen, Bauchtänzerin.
Casablanca – Und die Taxifahrer
Wir haben uns die große Moschee Hassan II angeschaut mit dem 200 m hohen Minarett. Und jetzt wollen wir mit dem Taxi zurück zum Campingplatz. Wir finden ein Mini-Taxi, einen Fiat Uno, steigen ein und sagen dem Fahrer, wo wir hin wollen. Das Ergebnis ist, das der Fah-rer den Wagen verlässt und sich bei den anderen Teilnehmern unserer Gruppe erkundigt, ob sie auch zum Campingplatz wollen. Als dies bejaht wird, fährt er mit uns entgegen der Fahrt-richtung zu einem zweiten Standplatz für Taxis und bietet dort seinen Kollegen die Fahrgäste an, natürlich gegen Bakschisch. Dann fährt er nochmals zurück, um das „Verstauen“ der an-deren Fahrgäste auf die einzelnen Wagen zu organisieren, nimmt selbst noch einen nicht mehr zugelassenen 4. Fahrgast auf, verdeckt aus diesem Grund sein auf dem Dach angebrachtes „Taxi“ - Schild und bringt uns erst dann unter Missachtung des gegenläufigen Verkehrs auf den Richtungsfahrbahnen in einem mit seinen Kollegen durchgeführten Taxi - Rennen zum Campingplatz zurück, freut sich dabei mächtig, wenn wir uns in Anbetracht seiner scharfen Fahrweise das eine oder andere Mal erschrocken zeigt.
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