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Reisebericht: Die schwedische Schärenküste – Blaues Wasser und weiße Wolken
Das Misterhults-Naturreservat an der schwedischen Schärenküste – nichts für Leute, die eine Schönwettergarantie brauchen und Hulli-Gulli suchen, aber ein ideales Urlaubsziel für Naturliebhaber und Paddler auf der Suche nach Ruhe und Erholung.
Seit 30 Jahren fahren wir (Monika und Christoph) im Sommerurlaub nach Schweden, aber diesmal nun sollte es ein Urlaub der gemütlichen Art werden.
Keine Zelttour mit Einpacken, paddeln, auspacken, schlafen, einpacken, paddeln, auspacken, schlafen (auf harten Isomatten mit Mücken als Gesellschaft) und diesmal auch kein Wohnmobilurlaub, denn an der Schärenküste gibt es kaum Möglichkeiten zum Wildcampen und Campingplätze sind nun so gar nicht unser Ding.
Nein, diesmal hatten wir uns ein schwedisches Sommerhaus gemietet und wollten einmal auf das Nomadendasein verzichten und tatsächlich zwei Wochen Urlaub an einem Ort machen. Etwas skeptisch, ob das nicht vielleicht doch zu langweilig wird, packten wir reichlich ein:
Natürlich unser Seekajak mit allem Zubehör, dann durften die Wanderschuhe nicht fehlen; für schlechtes Wetter reichlich Lesestoff und eine große Kiste mit meinen Malutensilien einschließlich Staffelei.
Laut Prospekt sollte unser Haus sehr einsam liegen, die nächste Möglichkeit zum Einkaufen in 10 km Entfernung, der nächste größere Ort mit Postamt in 50 km Entfernung. Also hieß es auch, sich reichlich mit Lebensmitteln zu bevorraten.
Schon tagelang vor unserer Abreise schrieb ich Speisezettel und Einkaufslisten, um dann vier Klappkisten und eine große Kühlbox vollzupacken. Christoph glaubte zwar beim Anblick dieser Menge, dass wir entweder zwei Monate wegbleiben würden oder aber eine Kompanie verpflegen müssten, aber schließlich wollten wir ja nicht darben.
Dafür konnten wir an Klamotten wirklich sparen, was braucht man schon in der Einsamkeit: Paddelhosen und Paddelshirts, zwei Wanderhosen, T-Shirts, Fleece und Regenjacke, zur Not noch Badezeug, falls es doch nicht so einsam ist wie erwartet.
Christoph musste natürlich noch sein spezielles Spielzeug mitnehmen: Er hatte die Detailkarten unseres Paddel- und Wandergebietes schon vorher eingescannt und im Laptop gespeichert und konnte es dann vor Ort mit seinem GPS verbinden, so dass wir jeweils unsere Touren vorher genau am PC planen konnten und das GPS uns sicher führen würde.
Am 3. Juli war es dann endlich soweit.
Gott sei Dank, dass wir so ein großes Auto haben! Wie machen das eigentlich Familien mit mehreren Kindern? Unser Auto war auf jeden Fall randvoll!
Nach knapp fünf Stunden stressfreier Fahrt kamen wir in Travemünde an. Wir hatten die Nachtfähre mit Kabinenüberfahrt gewählt, so sparten wir uns die Zwischenübernachtung. Am nächsten Morgen um 7.30 Uhr kamen wir ausgeruht in Trelleborg an und hatten nun nochmals fünf Stunden Fahrt bis zu unserem Ziel – Adriansnäs in der Nähe des kleinen Hafens Klintemala - vor uns.
Mittwoch, 4. Juli 2007
Gegen Mittag kommen wir in Adriansnäs ein, das Ehepaar Johansson, dessen Haus wir in den nächsten zwei Wochen bewohnen werden, wartet schon auf uns.
Das Haus liegt wunderschön in einem verwunschenen, etwas verwilderten Garten, ein richtiges Blockhaus mit einer herrlichen Terrasse. Von innen allerdings ganz und gar kein typisches Ferienhaus, man spürt in jeder Ecke, dass hier die Besitzer selbst wohnen und man wirklich zu Gast ist. Überall stehen Vasen mit frischen Wiesenblumen, jede Ecke ist mit Nippes (teilweise kitschig, zum Teil aber auch wirklich antik) voll gestellt und insgesamt gibt es innen und außen sage und schreibe sechs Sitzgruppen mit Tischen und Stühlen, an denen man es sich je nach Wetterlage gemütlich machen kann. Zurzeit regnet es allerdings, so dass wir den Innenbereich vorziehen.
Am Spätnachmittag lässt der Regen nach und wir können die Gegend erkunden.
Donnerstag, 5. Juli 2007
Die für heute geplante Paddeltour muss erst einmal verschoben werden, es ist viel zu windig! Aber der Wind bewirkt wenigstens, dass die Regenwolken weitgehend vertrieben sind, es ist zwar noch bedeckt und mit 16 Grad nicht gerade sommerlich warm, aber wenigstens trocken.
Ideales Wanderwetter also und so bewältigen wir heute die erste Etappe des Ostkustleden. Der Ostkustleden ist ein Fernwanderweg rund um Oskarsham, der sich aus sehr gut für eine Streckenwanderung eignet, denn jeweils in Tagesetappen gibt es kleine Hütten zum Übernachten.
Wir fahren mit dem Auto bis Gässhult und wandern dann auf einem sehr gut markierten, aber abenteuerlichen Weg über Stock und Stein durch sehr schöne Schärenlandschaft mit immer wieder traumhaften Ausblicken über die Küste bis nach Ekerup. Auf den feuchten Felsen muss man aber schon sehr trittsicher sein und ich bin froh, dass wir keinen großen Wanderrucksack mit Utensilien für eine Mehrtagestour dabei haben. Unterwegs können wir uns immer wieder mit Blaubeeren stärken, die Büsche hängen voll davon!
Freitag, 6. Juli 2007
Na bitte, es geht doch. Wir werden von Sonnenstrahlen geweckt, strahlend blauer Himmel und 20 Grad! Endlich können wir den Frühstücksplatz auf der Terrasse ausprobieren und die gestern gepflückten Blaubeeren schmecken im Müsli prima!
Und dann gibt es kein Halten mehr! Zwar weht der Wind immer noch ordentlich, aber nun wird die schon vorgestern geplante Route ins GPS geladen und los geht’s!
In Lindnäs (ein paar Autominuten vom Haus) finden wir einen kleinen Hafen, in dem wir das Boot gut zu Wasser lassen können.
Im Windschatten der Inseln kommen wir gut voran und der Wind ist gar kein Problem. Leider stellt sich ein eingeplanter Landtransport als umständlicher heraus als gedacht, so dass wir lieber einen Umweg von acht Kilometern in Kauf nehmen. Bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 7 Stundenkilometern macht uns diese zusätzliche Stunde aber nicht allzu viel aus.
Wir umrunden die Insel Skälö und finden einen schönen Mittagsplatz auf einer kleinen Schäreninsel. Ab und zu zeigt sich auch die Sonne – typisches Schwedenwetter halt. Und endlich wird es auch was mit Baden – allerdings ist dies nur ein wirklich kurzes Vergnügen, denn das Wasser ist doch a….kalt.
Am Abend zeigt sich dann, dass ich vielleicht im letzten Jahr doch zu wenig Sport betrieben habe. Auch fast zwei Jahre ohne ein Paddel in der Hand gehalten zu haben sind für meine Oberarmmuskeln nicht folgenlos geblieben: Ich kann kaum mehr den Arm heben. Kochen und Spülen muss heute mein lieber Mann übernehmen, ein nicht unwillkommener Nebeneffekt der Schinderei. Um neun falle ich todmüde ins Bett und schlafe den Schlaf der Gerechten.
Samstag, 7.Juli 2007
Schade, es hat sich wohl doch nur um ein kurzes Zwischenhoch gehandelt. Dunkle Regenwolken hängen am Himmel.
Wir versüßen uns den Morgen erst einmal mit Blaubeerpfannkuchen, um dann zu beratschlagen, was wir heute unternehmen.
Der Vorteil an dem trüben, nieseligen Wetter ist, dass es recht windstill ist. Deshalb beschließen wir, der Insel Snüggo, der dem Snüggöstigen, an dem unser Haus liegt, den Namen gegeben hat, einen Besuch abzustatten.
Also Laptop hochfahren, Route programmieren, ins GPS laden (das ist Christophs Job). Außerdem Brote schmieren, Tee kochen, Paddelsäcke packen (das ist mein Job). Heute sind wir spät dran, es wird fast 12 Uhr, ehe wir in Lindnäs das Boot zu Wasser lassen. Wir wagen uns diesmal viel weiter raus aufs offene Meer.
Bleiern liegt das Wasser vor uns, die Wolken hängen so tief, dass sie zum Greifen nah erscheinen. Je weiter wir nach Osten vordringen, desto karger werden die Schäreninseln, der Bewuchs wird immer spärlicher, buckelige beige-rote Sandsteinfelsen liegen vor uns, die Eiszeit lässt grüßen. Aber je kleiner die Schäreninseln werden, desto weniger Windschutz bieten sie auch. Wir müssen längere Strecken über recht offenes Meer fahren, der Wind frischt auf.
Panikstimmung bei mir! Das Ufer scheint so weit weg, die Wellen werden immer höher, links und rechts von uns fahren die Segelboote und produzieren zusätzliche Wellen. Christoph ist zwar die Ruhe selbst und scheint alles im Griff zu haben, aber mir wird es unheimlich. Zudem ist der Wind auch reichlich kalt, ich friere und sehne mich nach meinem Paddelfleece, welches ich glücklicherweise in den Paddelsack gepackt habe (zum Hohnlachen meines Mannes, aber jetzt bewahrheitet sich mal wieder: Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste). Also suchen wir uns eine windgeschützte Bucht, landen an und ich ziehe alle Klamotten übereinander, die ich in meinem Paddelsack finden kann. Eine kurze Stärkung mit Banane, Schokolade und einem Schluck Tee und weiter geht’s.
Recht gut durchgefroren kommen wir wieder in Lindnäs an (16 km, 2 Stunden 40 Minuten reine Paddelzeit).
Zu Hause brauche ich erst mal eine heiße Dusche und reichlich Rum im Tee um mich wieder aufzuwärmen. Irgendwie ähnelt das ganze Unterfangen hier eher einem Winterurlaub! Gut ist nur, dass wir reichlich Möglichkeiten auch im Haus haben, die nassen Sachen zu trocknen. Bin ich froh, dass wir jetzt nicht in einem engen Wohnmobil sitzen müssen!!
Sonntag, 8. Juli 2007
Es regnet Bindfäden! Da hilft auch kein Blaubeerpfannekuchen als Trost, heute geht an Außenaktivitäten wirklich gar nichts.
Also bleiben wir erstmal gemütlich im Bett, frühstücken dann ausgiebig.
Mein rechter Arm wird mir den Ruhetag danken, denn seit gestern quält mich eine Überanstrengung der Sehne im Ellebogen ganz ordentlich.
Ich erkläre den heutigen Tag zum Maltag! Christoph baut mir die Staffelei auf und los geht’s. Nach sechs Stunden intensiver Arbeit ist mein Werk fertig. So kann ein Regentag dann doch noch kreativ genutzt werden.
Montag, 9. Juli 2007
Nach 36 Stunden Dauerregen ist es heute Morgen endlich trocken! Zwar immer noch bedeckt, mit 15 Grad auch nicht gerade sommerlich warm, aber immerhin.
Der Wind bläst recht kräftig aus Westen, aber nach einem erzwungenen Faulenzertag ist Christoph heute nicht zu bremsen.
Unsere Planung heißt: Rund um Vinö.
Wir starten recht früh in Klintemala, um viertel vor elf sind wir schon auf dem Wasser.
Wir haben Glück, auf der Ostseite von Vinö fahren wir im Windschatten. Trotzdem müssen wir ab und zu einen Sund queren und hier bläst der Wind schon sehr böig (laut Wetterbericht Windstärke 7 – 11). Ich muss das Paddel gut festhalten, sonst droht es mir weggerissen zu werden. Glücklicherweise bauen sich zwischen den Schäreninseln nicht so hohe Wellen auf, trotzdem ist dieser Wind für mich grenzwertig, mehr Abenteuer brauche ich nicht! Der Lohn für diese Mühe sind wirklich einsame Schäreninseln mitten im Naturschutzgebiet. Schade, dass wir keinen Vogelkundler dabei haben, hier nisten sehr viele verschiedene Seevögel. In windstillen Buchten entdecken wir tolle Badeplätze – müssen wir uns für besseres Wetter merken. Denn heute sind eher Fleece und langärmelige Paddeljacke angesagt.
Nach 17 km Rundtour kommen wir gegen halb drei wieder in Klintemala an.
So haben wir noch den ganzen Nachmittag zum Malen und Lesen für uns.
Dienstag, 10. Juli 2007
Das Wetter wird deutlich besser! Heute lässt sich schon häufig die Sonne sehen.
Christoph hat sich am Samstag beim Boote laden eine Rippenprellung zugezogen, die ihm doch noch ganz gut zu schaffen macht. Deshalb paddeln wir heute lieber nicht, sondern wollen die Etappe 4 des Ostkustleden von Mörtfors aus laufen.
Mörtfors ist ein sehr nettes, idyllisches Örtchen an einem Fluss, der im unteren Bereich seenartig erweitert ist, weiter oben aber – vor allem nach den heftigen Regenfällen der letzten Tage – zum Wildbach wird. Der Ostkustleden führt hervorragend markiert größtenteils mit Blick auf den Fluss entlang, durch Auwälder und Wiesen, durch verlassene Dörfer und wilde Schluchten. Eine wirklich wunderschöne, abwechslungsreiche Wanderung. Immer wieder sind sehr schöne Rastplätze mit Bänken und Windschutz für die Wanderer angelegt. Der Weg führt auch durch Blaubeerbüsche, die reichlich voll Beeren hängen.
Wir aber haben unsere Butterbrotdosen schon voll gepackt mit Steinpilzen, die ebenfalls reichlich zu finden sind. Die Beeren müssen deshalb für heute hängen bleiben.
Auf dem Rückweg legen wir eine kurze Rast am Badeplatz von Mörtfors ein.
Mittwoch, 11. Juli 2007
Die Sonne lacht vom Himmel und es ist völlig windstill! Ideales Wetter also um sich heute mal etwas weiter hinaus aufs Meer zu wagen.
Wir genießen das Frühstück in der Sonne und machen uns dann auf nach Skeppesgarden hier soll heute unser Startpunkt sein.
Mittlerweile hat der Wind aber ordentlich aufgefrischt, er weht jetzt kräftig aus Südosten. Unsere geplante Tour wird problematisch werden.
Bei starkem Gegenwind fahren wir aus der Bucht hinaus. Die Insel Älo bietet uns dann guten Windschutz und wir erreichen recht gut Stora Bergö. Dort umrunden wir noch ein paar kleinere Inseln und suchen uns dann in einer windgeschützten Bucht ein schönes Mittagsplätzchen. Endlich können wir mal so richtig die Sonne genießen, typisches Schwedenwetter: blauer Himmel, ein paar Wolken, nicht zu heiß und ein kräftiger Wind.
Die Sonne glitzert auf dem Wasser, so dass selbst die Wellen und der Wind ihre Schrecken verlieren. Den geplanten Rückweg auf der Ostseite der Inseln müssen wir aber canceln, hier ist wirklich viel zu viel Wind. Über den breiten Sund des Schifffahrtsweges kommen wir schon nur noch mit der Technik der Seilfähre, das klappt aber ganz gut.
Nach 2h 49 min reiner Paddelzeit und 18 km Gesamtstrecke kommen wir zufrieden und müde wieder ins Skeppesgarden an.
Donnerstag, 12. Juli 2007
In der Nacht hat es mal wieder kräftig geschüttet, noch um neun prasselt es ordentlich auf das Dach unseres Hauses, so dass wir gar keine Lust zum Aufstehen haben! Aber wie das so typisch ist für schwedisches Wetter: Eine halbe Stunde später scheint schon wieder die Sonne und wir können auf der Terrasse frühstücken.
Heute scheint völlige Flaute zu herrschen. Was für die Segler ein Fluch ist für uns ein Segen! Wir sind spät dran, deshalb verzichten wir heute auf eine Autofahrt bis zum Einsatzpunkt und starten direkt in Adriansnäs. Zunächst paddeln wir in vertrautem Terrain: Vorbei an Lindnäs und nordwestlich von Lilla Bergö vorbei. Aber trotzdem ist der Eindruck der Landschaft ein völlig anderer als in den vergangenen Tagen, glatt wie ein Kinderpopo liegt das Meer vor uns, die Wolken, Bäume und Felsen spiegeln sich im Wasser, ein traumhaftes Bild! Heute können wir uns auch noch auf die Ostseite von Stora Bergö wagen, immer noch weht kaum Wind. Hier draußen kann man das Gefühl haben, eine Riese hätte willkürlich Kieselsteine verstreut, so liegen die kahlen Schärenfelsen im Wasser. Teilweise ähnelt unser Weg einem Labyrinth, durch enge Gasse zwischen zwei Inseln mogeln wir uns mit unserem Boot und erreichen damit Gebiete, in die kein Segelschiff oder Motorboot sich mehr hineintraut.
Den ganzen Tag begegnet uns keine Menschenseele, die einzigen Lebewesen, die wir sehen, sind Kormorane, Seeschwalben, Schwäne und Möwen. Es ist wie ein Rausch: Wir verlassen unsere geplante Route, um immer noch eine Insel weiter östlich zu umrunden! Wer weiß, ob wir noch mal so einen windstillen Tag erwischen!
Auf Stora Korsholmen – fast an der östlichen Grenze des Misterhults-Naturreservats – landen wir schließlich für die Mittagsrast an. Wir haben Glück, am 10. Juli ist das Landeverbot auf allen Schäreninseln des Naturschutzgebietes aufgehoben, vor diese Zeit hatten hier die brütenden Vögel absolutes Vorrecht.
Nach der Mittagspause machen wir dann die Erfahrung, dass sich auf dem Meer das Wetter genauso schnell ändern kann wie im Gebirge. Dunkle Wolken ziehen auf und es wird deutlich windiger. Noch vor drei Tagen hätte ich bei diesem Wind und diesen Wellen Zeter und Mordio vor Angst gebrüllt, aber mittlerweile habe ich großes Vertrauen in unser Eski-Kajak und Christophs Erfahrung. Problemlos, aber reichlich müde erreichen wir nach 23,5 km Gesamtstrecke (3h20min reine Paddelzeit) wieder unseren Ausgangspunkt.
Während wir das Boot laden, beginnt es kräftig zu regnen. Glück gehabt, dass uns das Wetter nicht schon auf dem Wasser erwischt hat.
Freitag, 13.Juli 2007
So langsam wird unsere Geduld aber doch auf eine harte Probe gestellt, am Morgen regnet es schon wieder und es sieht überhaupt nicht nach einer durchgreifenden Wetteränderung aus.
Ich lege an diesem Morgen mal wieder eine kreative Phase ein und male.
Obwohl das Wetter nicht deutlich besser wird, wollen wir am Nachmittag doch paddeln und fahren nach Klintemala. Erst mal müssen wir aber noch einen kräftigen Regenguss im Auto abwarten, bevor wir das Boot abladen und starten können.
Es ist gar kein Wind und wir fahren in Richtung Süden in ein sehr schönes Vogelschutzgebiet. Ganz still liegt das Wasser vor uns, links und rechts sehen wir Weißwangengänse und Kormorane mit Jungtieren. Es hat jetzt aufgehört zu regnen und es bewahrheitet sich mal wieder die alte Regel: Wenn man erst mal im Boot sitzt, macht Paddeln auch bei schlechtem Wetter Spaß. Heute lassen wir uns viel Zeit, trödeln ein wenig herum, beobachten die Vögel und fotografieren viel.
Insgesamt paddeln wir nur 15 km bei einer reinen Paddelzeit von zweieinhalb Stunden.
Am Abend ändert sich das Wetter schlagartig. Als wollten die Wettergötter uns mit diesem Freitag, dem dreizehnten, doch noch versöhnen, schieben sie alle Wolken beiseite und es wird ein klarer, blauer Himmel. Wir genießen die Abendsonne erst auf der Terrasse und später am Abend noch am Meer.
Jetzt wird es richtig spannend, wie wohl morgen das Wetter wird!
Samstag, 14. Juli 2007
Der Morgen begrüßt uns mit einem schwedischen Sommertag wie aus dem Bilderbuch: Ein Himmel, wie er blauer gar nicht sein kann, dazwischen ein paar Schäfchenwolken, ein leichter, warmer Südwestwind und angenehme 20 Grad!
Keine Frage, dieser Tag ist wie gemacht für eine größere Paddeltour.
Wir fahren wieder in dasselbe Gebiet wie gestern, wollen heute versuchen, noch ein Stück weiter südlich bis Krakemala zu kommen. Leider haben wir von diesem Gebiet keine Karte, so dass wir nun wirklich wie in einem Labyrinth durch die Schäreninseln hindurch fahren. Es ist immer wieder spannend, ob die vermeintliche Bucht eine Sackgasse ist oder doch einen Ausgang hat und sich dahinter neue Inseln auftun. Das schöne Wetter und das Wochenende haben nun auch andere Wassersportler vor die Tür gelockt. Zum ersten Mal in all den Tagen begegnen uns auch andere Kanuten. Segelboote und Motorboote sind heute ebenfalls viele unterwegs und wo gestern noch absolute Einsamkeit war, tummeln sich heute die Menschen auf den Badefelsen. Na ja, tummeln ist vielleicht zuviel gesagt, wenn wir heute insgesamt 20 Menschen gesehen haben, war das viel.
Leider hält der Tag wettermäßig nicht, was der Morgen versprach. Es zieht sich wieder völlig zu. Mit einer Mittagspause in der Sonne und Baden wird es deshalb leider nichts. Zu allem Überfluss rutsche ich beim Aussteigen auf den algenbewachsenen, glitschigen Felsen auch noch aus und lande der Länge nach im Wasser. Dabei wollte ich doch heute gar nicht schwimmen!!
Zum Trost pflücken wir erst mal eine große Portion Blaubeeren! Dann sehen wir den Seeschwalben beim Fische fangen zu. Christoph versucht verzweifelt, dieses Schauspiel zu fotografieren, aber die Tiere sind einfach zu schnell, jedes Mal ist nur Luft auf dem Foto! Den Rückweg legen wir auf der Ostseite der Inseln zurück, hier auf den äußeren Schären ducken sich die Kiefern auf den flachen Felsen und man kann sich gut vorstellen, wie hier die Herbststürme über das Meer fegen. Auch jetzt weht schon wieder ein kräftiger Wind, aber mittlerweile sind wir so geübt, dass auch ich mich ganz sicher fühle. Im Gegenteil, es macht richtig Spaß bei Rückenwind mit den Wellen zu surfen. Christoph freut sich wie ein kleiner Junge, wenn unser Boot Spitzengeschwindigkeiten von 12 km/h erreicht.
Nach 3 ½ Stunden reiner Paddelzeit und einer Gesamtstrecke von 24 km erreichen wir wieder Klintemala.
Sonntag, 15. Juli 2007
In Schweden ist der Hochsommer ausgebrochen: 24 Grad und den ganzen Tag Sonne, allerdings bei Wind der Stärke 10 – womit Paddeln flach fällt.
Diesmal haben wir uns ein Stück der Etappe 3 des Ostkustleden vorgenommen und fahren dazu ein wenig ins Landesinnere, mitten in das Land von Pippi Langstrumpf.
Vinnerby und Lönneberga sind nicht weit, die Kinder aus Bullerbü lassen grüßen und es scheint, als käme gleich Kleiner Onkel (oder wie hieß das Pferd von Pippi Langstrumpf noch) um die Ecke geritten.
Auf dem Weg finden wir eine Rodung mit wunderschönen dicken Granitwackersteinen. Diese sollen später unseren (geplanten) Bachlauf im Garten zieren. Jeder der uns sieht, muss uns für total bescheuert halten: Da stromern zwei Deutsche im Wald herum, schleppen Steine heran und verladen die dann auch noch ins Auto!
Hinter Krokstorp (schöner Badeplatz am See, allerdings dicht an der Straße) biegen wir links ab Richtung Bagetorp. Nach ca. 1 km geht rechts ein Waldweg nach Ytterryd (einer alten verlassenen Siedlung, von der nur noch die Ruinen stehen) ab.
Der Ostkustleden führt uns zuerst durch Wiesen und Wald und dann am Ufer des Sees entlang. Hier machen wir bei herrlichem Sommerwetter Rast und ich kann endlich mal ausgiebig schwimmen, das Wasser im See ist angenehm warm.
Auf dem Rückweg müssen wir dann feststellen, dass es auch eine Kehrseite des schönen Wetters gibt: Die Mücken tauchen nämlich wieder auf, jetzt ist das Schweden-Feeling komplett, denn in kürzester Zeit handeln wir uns eine Reihe von Stichen ein. Bisher hatten wir erstaunlicherweise gar nichts mit den Stechbiestern zu tun, keine kleinen Beißer, keine Phosphoraugen, keine Mücken. Offensichtlich war es denen auch zu kalt gewesen.
Montag, 17. Juli 2007
Inzwischen ist hier Mittelmeerwetter, keine einzige Wolke am Himmel und richtig warm.
Jeder, der ein Boot hat, scheint heute auf dem Wasser zu sein. In Klintemala gibt es keinen einzigen Parkplatz mehr. Wo kommen bloß plötzlich all die Leute her?
Der Wetterbericht sagt nur mäßigen Südwind an, so dass wir uns als Ziel die Insel Strupö fast am östlichen Rand des Schärengebietes wählen.
Die Sache mit dem Wind stimmt zwar, aber offensichtlich hat der Sturm gestern doch draußen auf dem Meer ziemliche Wellen produziert, die jetzt hier ankommen.
Beim Überqueren des großen Sundes glaube ich deshalb, mein letztes Stündlein hätte geschlagen. Aber Christoph lässt sich durch meine Panikschreie nicht irritieren und fährt unbeeindruckt die geplante Route weiter. Und tatsächlich, obwohl ich das Gefühl habe, in einer Nussschale über den großen Ozean zu wollen, schaffen wir es gut zu den äußeren Schären. Hier wagen wir uns wieder in ein Felsenlabyrinth, kein Motorboot und kein Segelschiff kommt hier hinterher und wir haben die Badefelsen ganz für uns allein.
Man muss aber schon wirklich vorsichtig sein, in den glitzernden Wasser und bei Gegenlicht sieht man die flachen Felsen knapp unter der Wasseroberfläche kaum und die Kentergefahr ist sicher höher, wenn man auf einen Felsen donnert als bei den Wellen mit Schaumkronen. Der Lohn der Mühe ist ein wirklich supertoller Badeplatz mit windgeschütztem Felsen. Hier in dem flachen, wenig bewegten Wasser zwischen den Schären ist das Wasser auch nicht ganz so kalt wie auf dem offenen Meer, so dass das Schwimmen wirklich Spaß macht.
Am Nachmittag sind dann auf dem Rückweg die Wellen auch schon wieder deutlich kleiner (oder bin ich nur mutiger??).
Ingesamt paddeln wir heute 18 km in zweieinhalb Stunden reiner Paddelzeit.
Dienstag, 17. Juli 2007
Und das war es auch schon wieder mit dem schwedischen Sommer! Es ist zwar immer noch warm, aber regnerisch.
Wir starten in Lindnäs zu unserer letzten Paddeltour. Eigentlich wollten wir noch mal heraus zu den äußeren Schären, aber angesichts des Windes müssen wir diesen Plan leider aufgeben und dümpeln rund um Älö herum.
So sind wir schon recht früh wieder am Haus, 17 Tageskilometer haben wir heute in zweieinhalb Stunden geschafft.
Am Nachmittag ist es ungewöhnlich warm, fast stechend. Auch die Mücken sind so aggressiv wie sonst nur vor einem Gewitter! Deshalb verzichten wir lieber darauf, noch mal in die Blaubeeren zu gehen. Zerstochen sind wir schon genug, aber ohne juckende Knöchel ist es halt auch nur ein halber Schweden-Urlaub.
Mittwoch, 18. Juli 2007
Heute heißt es Abschied nehmen von Adriansnäs und dem Haus der Johanssons.
Ein letztes Frühstück bei wunderschöner Sonne und Wind, packen und aufräumen geht schnell, so dass wir dann noch eine gemütliche Zeit bis zur Abfahrt haben.
Um 18.00 Uhr kommen wir in Trelleborg an, besichtigen noch ein wenig die Stadt und gehen dann auf die Fähre, wo wir ein tolles Bufett genießen können.
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