Reisebericht

Reisebericht: Leserreisen nach Teneriffa 9. bis 23. November 2002 u. 1. bis 15. November 2003

Reisebericht: Leserreisen nach Teneriffa  9. bis 23. November 2002 u. 1. bis 15. November 2003

Teneriffa, Insel des ewigen Frühings.
Diese Überschrift auf der Seite Leserreisen unserer Heimatzeitung sprang uns bei herbstlichem Wetter sofort ins Auge. Eine gute Gelegenheit, den Sommer nachklingen zu lassen oder sich auf den kommenden Frühling vorzubereiten.

Leserreise nach Teneriffa 9. bis 23. November 2002

Gruppenbilder bei der Berichterstattung über Leserreisen unserer Heimatzeitung waren Grund für uns, Leserreisen nie ernsthaft in Erwägung zu ziehen. Bis ein befreundetes Ehepaar uns eine Leserreise unserer Heimat-Zeitung nach El Medano empfahl.



Dieser ehemals kleine Fischerort liegt im Süden der Insel, nicht weit vom Flughafen Teneriffa Süd entfernt. Den beiden hatte es im letzten Jahr gut gefallen und so flogen sie diesmal wieder mit. Zwei Busse brachten uns an den Frankfurter Flughafen. Wir wohnten in einem kleinen familiären Hotel direkt am Strand. Wir hatten ein schönes Zimmer mit Balkon und Blick auf El Medano und aufs Meer.



Der deutsche Besitzer war offenbar handwerklich nicht sehr begabt und einen arbeitswütigen Hausmeister hatte er auch nicht. Mit anderen Worten, die Schranktür des schönen Pinienschrankes quietschte und schrie nach einem Tropfen Öl, durch die Tür zum Balkon zog es wie Hechtsuppe, im Bad stank es, weil ein Abfluss nicht dicht war und das Wasserventil für das Bidet ließ sich nicht bewegen. Ich ging zur Rezeption und borgte mir eine Rolle Klebeband und eine Rohrzange. Den Spalt an der Tür und den Abfluss klebte ich mit Packband zu und das Wasserventil machte ich gangbar. Ich war gespannt, ob das Zimmermädchen meine Dekoration akzeptieren würde, aber sie störte sich nicht daran.



Stammgäste ließen gleich vom Kellner einen Tisch für abends reservieren, was kein Problem war, denn man war ja hier schon bekannt. An der Rezeption lag eine Strichliste aus, wo man sich bis zum Mittag eintragen sollte, ob man abends Fisch oder Fleisch wünschte. Nach ein paar Tagen machte ich anstatt eines Striches ein S, andere Gäste sahen das und fragten, was das bedeute. Ich erklärte, das heiße Seniorenteller. Das machten sie dann auch, nur in der Küche wußte man nicht, was das bedeuten soll. Ätsch!



Einen Meerwasserpool gab es auch, leider recht kalt. Ich ging morgens ins Meer und brachte, wie die anderen Gäste, die vom Strand kamen, eine Menge Sand an den Füßen mit. An der Hintertür zum Strand gab es einen Schlauch, der zum Gießen der Blumen gedacht war und aus dem Süßwasser kam, was zum Reinigen der Füße nicht verwendet werden sollte. Es gab sogar eine Dusche am Pool, aber wie manches in diesem Hotel, funktionierte sie auch nur eingeschränkt. Dann trug ich den Sand halt bis in den dritten Stock und duschte mit dem gleichen Süßwasser im Zimmer. Es gibt ja eine Putzfrau. Eine Sauna, natürlich gegen Gebühr, gab es auch. Sie verdient aber kaum der Erwähnung, trotzdem schien es die einzige weit und breit zu sein. Ich habe mir erst einen rostigen Nagel, den ich anderswo herausgezogen hatte, in die Wand einschlagen müssen, um meine Klamotten aufhängen zu können. Schön war, dass im ganzen Hotel nicht geraucht werden durfte, nachdem ein Gast einmal einen Brand verursachte, als er seine Kippe in einen Topf mit Platikblumen geworfen hatte.



Gleich am nächsten Tag zeigten uns unsere Freunde einen schönen Strand, etwa eine halbe Stunde vom Hotel entfernt. Vorbei am Montana Roja, einem roten, kegelförmigen Berg, ging es über einen früheren Flugplatz zu einem schönen, langen Sandstrand, der uns gleich gut gefiel. In der Folge waren wir hier öfter anzutreffen. Was einigen Gästen nicht so gut gefiel, war, dass dort viele nackt baden gingen. Ein Paar, was an den Stand kam, hatte diesbezüglich Meinungsverschiedenheiten. Die Frau wollte gerne bleiben, der Mann protestierte heftig: „Nein, ich lege mich nicht unter lauter Nackte.“ Mir lag auf der Zunge zu sagen: „Oben drauf wäre aber auch nicht so gut“, konnte mich aber gerade noch bremsen.



 
 
 
 
 

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Abends wurde in einem Veranstaltungsraum ein Videofilm über die Insel gezeigt. Es war schwül, die Luft war stickig, ich war müde, zog die Schuhe aus und war kurz vorm Einschlafen, als ich durch einen lauten Schlag wieder hellwach wurde. Ein anderer Gast war eingeschlafen und mitsamt seinem Stuhl umgefallen.



 
 
 
 
 
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Der Hotelbesitzer war mit Thor Heyerdahl befreundet als dieser noch lebte. Bei den Pyramiden in Güimar ist eine große Ausstellung seiner Fahrt mit der Kon-Tiki gewidmet. Ein Nachbau des Floßes, mit dem er den Atlantik überquerte, ist sogar in Originalgröße zu sehen. Wenn ich richtig informiert bin, konnte Thor Heyerdahl noch nicht einmal schwimmen.



Wir bestiegen den Montana Roja, was schwieriger war, als ich zunächst annahm. Loses Geröll gab bei jedem Schritt nach und man rutschte immer wieder zurück. Später machten wir dann zu viert eine Wanderung durch den Barranco Los Valos, die unvermutet zu einer Kletterpartie wurde und zu einer Höhle führte, in der ein Heiliger gelebt hatte. Durch endlose Tomatenplantagen wanderten wir zurück zum Hotel. Verwilderte Hunde hatten sich zu Meuten zusammengeschlossen und machten keinen vertrauenerweckenden Eindruck.



Mit einem Bus fuhren wir über eine kurvenreiche Strecke nach Villaflor und zum Nationalpark De Las Canadas Del Teide. Waren wir morgens bei bedecktem Himmel gestartet, schien hier oben die Sonne und wir sahen eine grandiose Landschaft, die wir bisher nur von Bildern kannten. Natürlich machte ich eine Menge Fotos. Weiter ging die Fahrt ins Tal de la Orotava zu einer Bananera. Hier fotografierte ich Pflanzen, die ich noch nie zuvor gesehen hatte.



 
 
 
 
 

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An einem Abend gab es eine Theatervorstellung. Der deutsche Schauspieler Ecky Bogner spielte ganz alleine das Stück „Monsieur Ibrahim und die Blume des Koran“ von Eric-Emmanuel Schmitt. Er spielte dabei neun verschiedene Personen und überzeugte uns von seinem schauspielerischen Talent. Dabei bin ich nicht eingeschlafen. An anderen Abenden gingen unsere Freunde und andre Gäste gelegentlich noch über einen Blankensteg, der den Strand von einer Ladenzeile trennte, in den Ort, um noch etwas zu trinken. Wir waren meist zu müde dazu und blieben gerne im Hotel. Jemand wollte uns überreden mitzukommen und sagte. „Was Du heute kannst besorgen, das verschiebe nicht auf morgen.“ Ich sagte nur: „Siehst Du, genau deshalb gehen wir jetzt schlafen.“



 
 
 
 
 

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Zweifellos ein Höhepunkt dieser Reise war ein Besuch im Loro-Park. Ursprünglich ein Park für Papageien, die heute in über 300 Arten und mit über 3000 Vögeln vertreten sind, wurde der Park im Laufe der Jahre zu einem weltweit einmaligen Zoo erweitert. Die neueste Errungenschaft ist eine Polarlandschaft mit Pinguinen, an denen die Besucher auf einem Laufband vorbeigeführt werden. Eine Delphin-Show darf genausowenig fehlen wie ein gläserner Tunnel durch das Hai-Aquarium. Der Besuch war ein krönender Abschluss unserer Reise und wir beschlossen, wiederzukommen.



 
 
 
 
 

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Teneriffa 1. bis 15. November 2003

Ein Jahr nach unserer letzten Visite auf der Insel, saßen wir wieder im Flieger nach Teneriffa-Süd. Außer den uns aus dem letzten Jahr bekannten Wiederholungstätern waren noch eine frühere Arbeitskollegin meiner Frau und ihr Mann dabei. Wir sahen sie erst im Flugzeug und waren überrascht, sie hier zu treffen. Wir wohnten im gleichen Hotel. Die paar Unzulänglichkeiten waren uns schon vertraut und deshalb von uns akzeptiert. Es war halt so!



 
 
 
 
 
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Wir zeigten den beiden „Neuen“ gleich unseren schönen Strand. In 300 m Entfernung lag ein Tanker auf Reede und löschte über eine Pipeline Flugbenzin für den nahen Flughafen. Bei dem Gedanken, dass früher oder später der schöne Strand durch Öl verschmutzt sein könnte, war uns nicht ganz wohl. Wir lagen in der Sonne und gingen baden. Auf dem Heimweg gingen wir einen Pfad am Fuße des Montana Roja entlang und kamen an einem Bunker aus dem letzten Krieg vorbei. Dort wohnte offenbar ein Aussteiger. Er hatte allerhand wertlosen Modeschmuck vor dem Eingang des Bunkers ausgebreitet, den er offenbar am Strand gefunden hatte. Er war nicht zu sehen. Wertvolle Stücke waren nicht dabei, vielleicht war er gerade auf dem Weg ins Fundbüro, um sie abzugeben. Von den streunenden Hunden vom letzten Jahr war nichts mehr zu sehen, wir fragten lieber nicht, wo sie hingekommen sind.



 
 
 
 
 
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Zum Teide hinauf fuhren wir selbstverständlich auch wieder. So etwas Schönes kann man nicht oft genug sehen. Wir waren froh, mit einem Bus gekommen zu sein. Besucher, die mit Jeeps gekommen waren, froren jämmerlich. Auf den Gipfel konnte man nicht so ohne Weiteres. Dazu bedurfte es einer Genehmigung, die man sich unten in Santa Cruz bei einer Behörde holen musste.



 
 
 
 
 

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Wir wollten Teneriffa aber auch einmal aus etwas Abstand sehen und eine Nachbarinsel kennenlernen. Also fuhren wir mit einem Bus zu einem nahen Hafen und von dort, samt Bus, mit einem großen Katamaran, dem Fred-Olsen-Express, nach La Gomera. Vom Hafen in San Sebastian aus machten wir mit unserem Bus eine große Tour über die Insel, nahmen in einem ländlichen Lokal unser landeseltypisches Mittagessen ein, wie unsere Zeitung versprochen hatte. Heu und Hafer gab es aber nicht.

Ohne erwähnenswerten Badestrand ist diese Insel hauptsächlich für Wanderer interessant, die hier viele schöne Wanderwege vorfinden. In einem Lorbeerwald im Nationalpark Garajonay machten wir Halt und wanderten ein Stück. In einem Lokal wurde uns die für diese Insel typische Pfeifsprache demonstriert. Die funktionierte sogar auf deutsch. Auf der Heimfahrt mit dem Katamaran hielten wir Ausschau nach Walen, die es hier geben soll, sich aber leider nicht sehen ließen.



Unser Hotelier gab allwöchentlich für seine Gäste ein Klavier- Konzert. Auch einen Theaterabend gab es wieder. Ecky Bogner spielte diesmal „Caveman“ von Bob Becker, ein Einpersonenstück, bei dem er sein ganzes schauspielerisches Talent ausspielen konnte. Wenn er auf der kleinen improvisierten Bühne im Abstand von wenigen Metern vor einem stand, dann spielte er nicht Caveman, er war Caveman.



Gelegentlich gingen wir nach El Medano, um etwas zum Essen und Trinken zu kaufen und dann damit an unseren Strand zu marschieren. Dort konnte man Liegen und Sonnenschirme mieten oder sich auch an einem Kiosk, der vor einen alten Bunker gebaut war, einen Kaffee oder etwas zu Essen holen. Hinter einer Felszunge, die bis ins Meer ging, war ein reiner FKK-Strand. Aber nackt baden war auch an dem langen Strand durchaus üblich und erlaubt. Duschen, um das Salzwasser abzuspülen, suchte man allerdings vergeblich. Am Strand um den Montana Roja herumzulaufen, war nicht möglich. Aber man konnte von jeder Seite ein stückweit über Felsen und Steine steigen, bis es dann wirklich nicht mehr weiterging.



Wenn ich auch manches kritisch betrachtet habe, war es doch schön und das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmte. Ein Gruppenbild für die Zeitung blieb uns übrigens erspart.

Der November ist der ideale Monat, um auf den Kanaren verbracht zu werden. Man kann da vor Beginn der kalten Jahreszeit noch einmal richtig Sonne tanken. Morgens noch im Meer baden, abends bei glatten Straßen und Minustemperaturen nach Hause kommen, lässt den Gedanken aufkommen: „Wären wir nur da geblieben“.



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