Diskussion: Menschen um Erlaubnis bitten - vorher oder nachher?

schlabbi am 24.11.2009 | 23:00 Uhr

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Menschen um Erlaubnis bitten - vorher oder nachher?

Dass man Menschen fragt, ob es ihnen Recht ist, sie zu fotografieren, scheint mir selbstverständlich. Doch sollte man dies machen, bevor man eine Aufnahme macht, um niemanden zu verärgern, und gleichzeitig die chance verpasst, "echte" Aufnahmen zu machen, weil die Menschen anders reagieren wenn sie wissen, sie werden beobachtet und fotografiert, oder sollte man sie im Nachhinein darauf aufmerksam machen, dass sie abgelichtet wurden, und sie fragen, ob das ok war? Und was ist, wenn zu keinem von beiden Zeit ist?

mpics am 25.11.2009 | 16:01 Uhr

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Re: Menschen um Erlaubnis bitten - vorher oder nachher?

Hi Kerstin,
du hast da eine Gruppe mit einem sehr interessanten, jedoch auch sehr schwierigen Thema eröffnet!!!
Ich muss gestehen, ich handhabe dieses Thema sehr leichtsinnig. Okay, bei vielen Portraits habe ich vorher! gefragt, ob ich fotografieren darf. Ich habe aber damit nicht das Recht erworben, dieses Bild ins Internet zu stellen. Besonders im Ausland gestaltet sich das natürlich auch als äußerst schwierig! (Verständigungsschwierigkeiten)
Bei vielen Streetaufnahmen kann man gar nicht vorher fragen, da dann die Situation, die man aufnehmen will, vorbei wäre! Ich habe ein paar Streets hier in der RC, bei denen die Person nicht zu erkennen ist, da von hinten aufgenommen. Trotzdem kommt eine Aussage rüber. Dies ist vielleicht ein Kompromiss, der aber nicht immer funktioniert!
Vorher fragen ist immer leichter als hinterher. Hinterher fragen ist für das Ergebnis der Aufnahmen natürlich besser!
Man sieht, ein schwieriges Thema!! Bin gespannt, was andere darüber denken!!!!

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Re: Menschen um Erlaubnis bitten - vorher oder nachher?: Werbefotografie

Blula am 30.11.2009 | 17:19 Uhr

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Re: Menschen um Erlaubnis bitten - vorher oder nachher?

Hallo Kerstin!
Ja, dieses Thema hat es in sich und ist es wert in einer Gruppe diskutiert zu werden. Es geht praktisch jeden von uns an und ein Jeder von uns ist ja auch schon immer wieder mal auf seinen Reisen in derartige Situationen gekommen.
Gewiss ist das Fotografieren eine herrliche Sache, ist es doch hier in dieser Runde mehr oder weniger auch jedermanns Hobby, dem einen oder anderen sogar sein Beruf.
Ich will dieses Thema betreffend mal die asiatischen Länder, z.B. vielleicht Indonesien anführen. Generell können Fotografen hier, auch beim Porträtieren von Einheimischen, mit großem Entgegenkommen rechnen. Im Gegensatz zu den islamischen Ländern des Orients, in denen wegen der Bildnisfeindlichkeit des Islam das Fotografieren problematisch ist, gibt es hier in dieser Beziehung kaum Probleme, es sei denn eventuell in den muslimischen Gebieten. Die Menschen sind in der Regel erstaunlich extrovertiert und lassen sich mitunter sogar gerne fotografieren. Häufig wird man als Besucher sogar aufgefordert, ein Foto zu machen oder zusammen mit Einheimischen für ein Gruppenbild zu posieren. Trotzdem sollte man unbedingt einige Tabus und gewisse „Spielregeln“ beachten. Selbstverständlich gibt es auch hier wie überall Menschen, die sich nicht gerne ungefragt fotografieren lassen, vor allem dann nicht, wenn sie Alltags- oder Arbeitskleidung tragen. Festlich gekleidet, sind sie dagegen oft weniger „fotoscheu“. Schon die Höflichkeit gebietet es aber, Aufnahmen nur im Einverständnis mit dem Betreffenden zu machen – oft genügt dabei ja schon ein kurzer Blickkontakt, ein freundliches Lächeln. Man kann ganz einfach auch höflich um Erlaubnis bitten. Ich habe eigentlich damit meistens kein Problem und entscheide aus der Situation heraus. Mit der Zeit entwickelt man auch das nötige Gespür dafür . . .. „wie verhalte ich mich hier am besten“..? Wenn man sich eine Weile und ohne Eile (!) an einem Ort aufhält, gelingt das mit diesem Gespür für die Situation eigentlich ganz gut.
Gerade bei religiösen Festen und Zeremonien ist zunächst --oder überhaupt—Zurückhaltung oberstes Gebot, vor allem sollte das Blitzgerät nicht ausgefahren werden. Bei solchen und anderen „Touristenattrakionen“ vergessen oft die sogenannten zivilisierten Fremden alle Regeln des Anstandes, verletzen die Gefühle der dortigen Bewohner und rauben ihnen mit einer 1/125 Sek. Bei Blende 5,6 die persönliche Würde.
Auf keinen Fall sollte man deswegen auch nackte Menschen, die sich an Flüssen oder Seen waschen, fotografieren.
Ob man sich für wenig Geld ein Foto erkaufen sollte, ist ein Frage, die man sich in manchen Situationen selbst beantworten muss. Auf der einen Seite fördere ich damit vielleicht die Bildung einer Bettlermentalität, andererseits ist das „Modellstehen“ für Einheimische, die sonst keine oder kaum eine andere Verdienstmöglichkeit haben, eine willkommene Einnahmequelle.


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Re: Menschen um Erlaubnis bitten - vorher oder nachher?: Leben auf einem Klong

schlabbi am 01.12.2009 | 12:21 Uhr

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Re: Menschen um Erlaubnis bitten - vorher oder nachher?

Hey,
danke für eure Beiträge!

Also das Ablichten und das "ins-internet-stellen" sind sicher zwei verschiedene Dinge, das müsste man wahrscheinlich nochmal extra diskutieren...

Was das Fotografieren selber betrifft, finde ich es sehr interessant, was Ursula über die Kontaktaufnahme sagt, (die ja, wenn man sich dazu entschließt vorher zu fragen, auf jeden fall schwierig erweisen kann, wie Michael auch angesprochen hat), nämlich das Lächeln. Das scheint mir ein sehr wirksames Mittel sein, in manchen Kulturgemeinschaften Kontakt herzustellen.

So hab ich das noch gar nicht gesehen, dass man sich dadurch eigentlich gut verständigen könnte, da freu ich mich gleich auf meine nächste Möglichkeit, das mal auszuprobieren =)

Guido am 05.12.2009 | 16:41 Uhr

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Re: Menschen um Erlaubnis bitten - vorher oder nachher?

Wer sich mit der Reisefotografie beschäftigt, wird irgendwann vor der Frage stehen: Wie bekomme ich Menschen vor die Kamera?
Bei diesem sensiblen Thema entscheiden nicht nur die technischen Voraussetzungen, vielmehr wie der Fotograf einem Menschen gegenüber tritt. Als Grundvoraussetzung dienen hier: Einfühlungsvermögen, Höflichkeit sowie der Respekt vor dem Gegenüber. Dies bedeutet auch zu akzeptieren, wenn eine Person nicht mit auf ein Bild möchte.
In erster Linie handelt es sich um Menschen! In Europa haben wir die Möglichkeit, das Recht am eigenen Bild gesetzlich durchzusetzen. Diese Gelegenheit haben Bewohner in abgelegenen Gebieten, zum Beispiel in Südostasien, nicht.
Tipps:
- Suche den Augenkontakt. Mit Körpersprache, Freundlichkeit und Gesten lässt sich auch ohne Sprachkenntnisse eine Fotografierabsicht bekunden.
- Allein oder zu zweit kann man unauffällig auftreten oder Kontakte knüpfen. Zu zweit besteht die Möglichkeit ein Gespräch aufzubauen und Interesse am Gegenüber zu bekunden. Nach einer Weile des „Warm Werdens“, kann einer der beiden ein paar Fotos nehmen, während der andere das Gespräch fortsetzt.
- Nicht aufdringlich werden. Langsam auf ein Ziel zugehen, d. h. nicht sofort seine Ideen umsetzten wollen. Mache ein paar Familien- oder Gruppenfotos, wenn die Models es wünschen. Danach fällt es leichter, seine Bildidee umzusetzen.

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Re: Menschen um Erlaubnis bitten - vorher oder nachher?: Glück ist jeder neue Morgen,

agezur am 18.12.2009 | 22:56 Uhr

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Re: Menschen um Erlaubnis bitten - vorher oder nachher?

Beim Fotografieren von Menschen ist die Reisegruppe ein kleiner Vorteil. Wenn ich ein Bild machen will frage ich , meist durch Augenkontakt an ob es erlaubt ist. Wenn ja, dann mache ich mein Foto. Inzwischen sind die anderen Reiseteilnehmer aufmerksam geworden und wollen natürlich auch... Wenn die Aufmerksamkeit dann von mir abgelenkt wird mache ich in Ruhe ein zweites oder drittes Bild. Und dann hab ich meist Aufnahmen ohne dass man sich für mich extra in Position stellt.

TinaO am 12.01.2010 | 20:30 Uhr

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Re: Menschen um Erlaubnis bitten - vorher oder nachher?

sehr interessantes Thema :-)
Es ist ja schon viel geschrieben worden, dem ich mich größtenteils anschliesse. Erstmal ist für mich persönlich das fotografieren fast immer gleichbedeutend mit einer Veröffentlichung auf meiner Homepage. Wären die Bilder für mein privates Fotoalbum, würde ich mir um das Thema sicher weniger gedanken machen.

Geht es um Portraits oder eben Situationen, in denen ich Zeit habe, dann versuche ich vorher Kontakt aufzunehmen, im Urlaub meist per Mimik und Gestik, in Deutschland eher einfach ansprechen. Dabei habe ich die Erfahrung gemacht, dass wesentlich mehr Leute einwilligen, als ich mir hätte vorstellen können.
Bei Streetbildern, bei denen es teilweise einfach um ganz kurze Momente geht, mache ich mein Bild und frage hinterher, was dann auch meistens klappt.

Ganz sicher gehe ich eigentlich nur, wenn es um Print-Veröffentlichungen geht. Da dann ausschliesslich mit schriftlicher Einwilligung des "Models" :-)

Viele Grüße
Tina

moona am 12.01.2010 | 20:47 Uhr

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Sei ein Teil davon!

Ich versuche, in die Situation hineinzugehen, die ich fotografieren möchte, und zunächst ein Teil von ihr zu werden. Dazu braucht man ehrliches Interesse an den Menschen, Freundlichkeit und ...Zeit!! Anschließend kann man einen Schritt aus dem Bild heraustreten und in Ruhe sein Foto machen.

In einem Suq im Oman z.B. habe ich erst lange die Waren der Händlerinnen angeschaut, mich dann zu ihnen gesetzt, als ich dazu aufgefordert wurde, zuerstg ihren Schmuck und dann ihre Kinder bewundert - und gefragt, ob ich das Kind fotografieren darf.

Das erste Bild ist nur ein "Aufwärmer", man kann es vergessen. Aber es wird erst einmal hergezeigt, das geht ja so gut bei digitalen Fotos, von der Mutter und den Nachbarinnen bewundert, und dann: "Darf ich nochmal?". Aber sicher! Und dann kommt das geplante Foto.

Die Menschen merken, ob man sich für sie interessiert oder sie nur "ablichten" will. Auf diese Weise konnte ich auch in anderen Ländern Frauen fotografieren, die sich aufgrund der örtlichen Regeln niemals hätten fotografieren lassen. Man muss nicht befürchten, nur gestellte Bilder zu bekommen. Sitzt du erst mit ihnen in einer Runde, lassen sie dich nach einiger Zeit völlig ungeniert rumknipsen.

angehängtes Bild:

Sei ein Teil davon!: Kind in Ibra, Oman

schlabbi am 12.01.2010 | 21:36 Uhr

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Toll...

... dass ihr eure Erfahrungen teilt! =)

@ Tina: Wenn du Menschen (vorher oder nachher) fragst, ob du sie fotografieren darfst, und sie dich fragen wer du bist bzw was du mit den Bildern vor hast, erwähnst du das dann auch, dass du sie eventuell im Internet veröffentlichst?
Ich hab einmal einen Straßenkünstler, einen Maler gefragt, ob ich ihn fotografieren darf, und er hat gemeint, Wozu? Und ich war dann erstmal perplex, weil ich ja noch nicht darüber nachgedacht habe, was ich dann einmal mit dem Foto anstelle, vor allem weil ich noch nicht viel fotografiert habe und einfach mal ausprobieren wollte. Ich hab dann geantwortet, einfach nur für mich, was damals auch gestimmt hat, aber in Zukunft scheint mir die Antwort nicht wirklich angebracht.
Was also antworten, wenn so eine Frage kommt?

@Moona: Das ist wirklich ein sehr wertvoller Beitrag von dir!! Ich kann mir das gut vorstellen, wenn die Menschen keine Scheu mehr zeigen und sich sogar für die "Fremden" interessieren, dass man auch tolle Bilder machen kann! Man kann sich dann auch sicher sein, dass es OK für sie ist, wenn sie abgelichtet werden. Dazu braucht man, wie du gesagt hast, Zeit und entweder man ist allein unterwegs oder hat geduldige Reisepartner =) Und dein Bild ist wirklich supersüß!!

schlabbi am 12.01.2010 | 21:44 Uhr

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ein Video: Validation

schaut es euch an! =)
http://www.youtube.com/watch?v=Cbk980jV7Ao