Getränkekartons fluten die Küche

Der französische Fotograf Antoine Repessé aus Lille sammelte ab 2011 gemeinsam mit Freunden den Müll, den sie alltäglich verursachen. Über die Jahre kamen ganze 70 Kubikmeter Abfall zusammen. Für sein Fotoprojekt "#365, Unpacked" präsentiert der 37-Jährige den Müll dort, wo er anfällt. Diese junge Frau sitzt in ihrer Küche inmitten von Saft- und Milchkartons und hält eine Orange - vielleicht denkt sie darüber nach, demnächst selbst Saft zu pressen.

Kerzenlicht-Dinner im vermüllten Wohnzimmer

Als Repessé seinen gesamten Müll behielt, erschrak er bald über die schiere Menge, die sich ansammelte. Als Fan von Fertigessen und Tiefkühlkost arrangierte er den Verpackungsmüll der Gerichte um eine Dinner-Szene bei Kerzenlicht. Dabei kam ihm die Erkenntnis: "Für diesen Müll zahle ich doppelt: einmal für das Verpacken, dann für das Recyclen." In Zukunft möchte er öfter selbst kochen.

Ein Thron aus Klopapierrollen

Die Fotos geben einen Einblick, wie man sich die Sammelphase vorstellen muss. Repessé warf den Müll nicht in einen Container, sondern türmte ihn in seiner eigenen Wohnung auf. Plötzlich wurde ein bislang unsichtbarer Teil seines Lebens sichbtar. "Das Projekt involvierte mich selbst auf direkte Weise, da ich mit meinem eigenen Müll lebte. Er ließ sich nicht mehr ignorieren", sagt er.

Lesestoff für Jahre

Da sage noch einer, Print sei tot: Teils mannshohe Stapel aus Werbebroschüren, Zeitungen und Magazinen türmen sich um diesen Herren auf. Die Szene erinnert an Messie-Wohnungen und führt vor Augen, welche Mengen an ausgelesenen Printprodukten über die Jahre anfallen. Die Anordnung verschiedener Müllsorten habe neben dem dokumentarischen Effekt auch einen ästhetischen Reiz. Repessé: "Die Bilder sollten eine bizarre Schönheit erhalten, die stutzig macht."

Ein Bad in Plastik

Diese junge Frau wird wohl erst aufräumen müssen, bevor sie sich ein Bad einlassen kann.

Wären diese Flaschen Teil des deutschen Pfandsystems, hätte diese Frau einen stattlichen Betrag zusammen. Man muss Müll nicht gleich wie Repessé in der eigenen Wohnung sammeln. Auch im öffentlichen Raum türmt er sich gerne an Orten auf, die selten jemand betritt - wie dieser grüne Fleck inmitten eines Parkhauses.

Kippen-Kippe

Hoffentlich bekommt dieser Mann noch genügend Luft. Geraucht wird überall und nicht nur im Auto. Doch gerade auf engem Raum lassen sich die puren Mengen unseres Müll am eindrucksvollsten zeigen. Eine Schachtel pro Tag, vier Jahre lang - und Garage und Auto sind voll. Nicht im Bild: die Mengen an Teer, die sich in der Lunge sammeln.

Kopfüber im Müllcontainer

Diese Frau scheut nicht die direkte Konfrontation mit dem Abfall. Ganz im Sinne der Serie, mit der es Repessé auf die Shortlist der Sony World Photography Awards schaffte. Aber was geschah eigentlich mit dem Müll nach dem Fotoprojekt? "Ich fand in einem befreundeten Künstler einen glücklichen Abnehmer, der seine Arbeiten unter anderem aus Tetrapacks anfertigt." So geht Recycling auf künstlerische Art.