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Reiserecht: Versicherung gegen Airline-Insolvenz?

Immer mehr Fluggesellschaften melden Insolvenz an. Es gibt Versicherungen, die bei Airline-Pleiten helfen sollen, ob sie sich lohnen, erklärt Reiserechtler André Schulze-Wethmar


Andrè Schulze-Wethmar, Reiserechtler beim Europäischen Verbraucherzentrum Deutschland (Foto von: )
Andrè Schulze-Wethmar, Reiserechtler beim Europäischen Verbraucherzentrum Deutschland

GEO.de: Herr Schulze-Wethmar, bucht man dieser Tage einen Flug, stolpert man über ein neues Kästchen, in das man ein Häkchen setzen kann: eine Versicherung gegen Insolvenz der Fluggesellschaft. Ist das wirklich nötig?

Andrè Schulze-Wethmar: Das ist immer schwierig zu beurteilen. Man weiß ja nie, ob die Versicherung gebraucht wird oder nicht. Man sollte sich vorab über die jeweilige Airline informieren und schauen, ob es schon Berichte gibt, dass die Airline eventuell zahlungsunfähig wird. Versicherungen versichern in der Regel keine brennenden Häuser. Es lohnt sich also, die Versicherungsbedingungen genau zu lesen und nachzusehen, ob bestimmte Fluggesellschaften ausgeschlossen sind oder unter welchen Voraussetzungen der Versicherungsschutz nicht greift.

Was beinhalten diese Versicherungen?

Das kommt auf die jeweiligen Versicherungsbedingungen an. Manche Versicherungen erstattenden Ticketpreis oder einen Anteil der Kosten für ein neues Ticket. Andere bieten ein Ersatzticket an. Allerdings ist das schwieriger, weil das im Zweifel auch einen Vertrag mit einer anderen Fluggesellschaft voraussetzt.


Sollten Reisende grundsätzlich mit einer möglichen Insolvenz der Fluggesellschaft rechnen?

Generell lässt sich das nicht sagen. Ganz auszuschließen ist das Risiko aber eben auch nicht. Nehmen Sie so einen Fall wie das Versandunternehmen Neckermann. Das gibt es ja seit Ewigkeiten, und jetzt ist es plötzlich zahlungsunfähig. Völlig geschützt ist man dagegen leider nicht.

Wie erfahre ich überhaupt davon? Muss sich die Fluggesellschaft bei mir melden oder der Dienstleister, über den ich gebucht habe?

Diese Verpflichtung gibt es eigentlich nicht. Meistens geht es ja schon durch die Medien, dass eine Fluggesellschaft insolvent ist. Wahrscheinlich ist aber, dass die Fluggesellschaft die Passagiere trotzdem informiert.

Wenn ich bei einer Gesellschaft direkt gebucht habe, die später Insolvenz anmeldet - was passiert mit meinem Flug?

Wenn Sie beispielsweise bei Lufthansa einen Flug buchen und der soll dann von einer kleineren Airline ausgeführt werden, die insolvent ist, dann haben Sie Glück. Ihr Vertragspartner ist schließlich die Lufthansa. Dieses Unternehmen ist nicht insolvent und somit verpflichtet, Sie zu befördern. Wenn Ihr Vertragspartner allerdings das insolvente Unternehmen selbst ist, haben Sie grundsätzlich nur die Möglichkeit, Ihre Forderung im Insolvenzverfahren anzumelden und zu hoffen, dass Sie zumindest einen Teilbetrag des gezahlten Geldes zurück erhalten.

Viele Reisende buchen aber auch über Plattformen wie expedia.de oder opodo.de. Wer haftet in diesem Fall?

Häufig handelt es sich hierbei nur um Vermittlungsplattformen. Das sind also nicht Ihre Vertragspartner. Eventuell haben Sie aber Glück, denn Sie zahlen das Geld ja an das Vermittlungsunternehmen. Hat der Vermittler den Flugpreis noch nicht an die Fluggesellschaft weitergeleitet und die wird dann insolvent, könnten Sie ihr Geld vom Vermittler einfordern. Nur Pauschaltouristen sind besonders abgesichert. Dort ist der Gesetzgeber schon vor Jahren tätig geworden mit den so genannten Sicherungsscheinen. Bleiben Touristen in Urlaubsgebieten hängen, weil der Reiseveranstalter insolvent ist, greifen diese Versicherungen. Wird im Rahmen einer Pauschalreise eine Fluggesellschaft insolvent, dann ist der Pauschalreiseveranstalter verpflichtet, einen Flug bei einer anderen Fluggesellschaft für die Urlauber zu buchen.

Welche Rechte habe ich, wenn die Insolvenz während meines Urlaubs eintritt?

Dann ist es schwierig. Schauen Sie auf jeden Fall auf die Internetseite der Airline. Manchmal versucht die Fluggesellschaft noch, das Problem zu lösen. Wenn eine Airline Insolvenz anmeldet, heißt das noch lange nicht, dass der Betrieb auch tatsächlich eingestellt wird. Vielleicht befindet sie sich ja noch im vorläufigen Prüfverfahren. Dann wird der Betrieb weitergeführt. Sollte das nicht der Fall sein, könnten Sie sich noch an die IATA wenden. Das ist der Dachverband der Fluggesellschaften, der in einigen Fällen auch versucht weiterzuhelfen. Meistens wird es aber darauf hinauslaufen, dass Sie sich selbst einen neuen Flug buchen müssen. Wenn Sie eine Versicherung abgeschlossen haben, müssen Sie, nachdem Sie von der Insolvenz erfahren haben, umgehend die Versicherung kontaktieren und sich dort erkundigen, wie es weiter gehen soll.

Raten Sie also allen anderen Reisenden grundsätzlich dazu, eine Versicherung abzuschließen, die im Insolvenzfall greift?

Man sollte sich auf jeden Fall vorher über die Airline informieren und wenn es absehbar ist, dass es zu Problemen kommen könnte, dann sollte man an so eine Versicherung denken. Solche Versicherungen kosten ca. fünf Euro pro Person und Flugschein. Bei teuren Tickets lohnt sich das schon.

Vielen Dank für das Gespräch.



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Kommentare zu "Versicherung gegen Airline-Insolvenz? "

Andreas | 10.05.2013 11:22

Das Thema Reiseversicherungen kommt leider bei vielen Urlaubern zu kurz. Meist wird erst nach schlechten Erfahrungen aus dem letzten Urlaub darauf geachtet.
Aber dadurch, dass seit diesem Jahr die gesetzlichen Krankenkassen keine Auslandskrankenversicherung mehr gratis anbieten darf zu der normalen Versicherung kommt vielleicht etwas mehr Schwung in das Thema. Durch Vergleichsportale (wie z.B. http://www.reiseschutzcheck.de) erhöht sich eventuell auch der Wettbewerb zwischen den Versicherungsanbietern - zumindest würde ich mir das wünschen ;)
Aber für eine Versicherung gegen Airline-Insolvenz ist es m.M.n. einfacher zu entscheiden ob man sie brauch oder eben nicht, da man relativ schnell an Infos über die Airline kommt. Beitrag melden!

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