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29. März: Kapitän Ulf Wolter auf fremden Gewässern
Die Hanseatic auf Entdeckungsreise im Gambia River - auch für Kapitän Ulf Wolter eine besondere Herausforderung. Während die Passagiere einen Landausflug auf die "Sklaveninsel" unternehmen, behält der erste Mann an Bord die Kontrolle
Heute musste der Kapitän früh raus. Sein Schiff fährt in stockdunkler afrikanischer Nacht einen fremden Fluss hinauf, da ist an Ausschlafen nicht zu denken. Da sitzt Kapitän Ulf Wolter lieber um sechs Uhr auf der Brücke, einen Becher Kaffee in Reichweite, und kümmert sich persönlich um den Kurs und alles, was so anliegt. Vor ihm leuchtet ein großer Monitor, ganz in blau. Das ist das Wasser des Gambia River. Am Rand des Bildschirm erscheinen gelbe Flecken. "Das sind die Küsten" erklärt der Kapitän der Hanseatic. Der Fluss sei zwar breit genug. "Aber wir haben nicht viel Wasser unterm Kiel. Und wir müssen sehen, wie zuverlässig der Lotse arbeitet."
Eine tropische Suppe
Mit elf Knoten gleitet die "Hanseatic" flussaufwärts. Gemächliches Tempo. Langsam dämmert der Morgen. Aus pechschwarzer Finsternis wird ein konturenloses Grau. Wo Fluss und Himmel aneinander stoßen, ist noch kein Horizont zu erkennen. Eine einzige tropische Suppe. Theoretisch weiß der Kapitän natürlich, wohin wir fahren. Obwohl er und sein Schiff den Gambia River zum ersten Mal in Angriff nehmen.
Planung ist alles
Wochenlang hat Ulf Wolter vor dieser Reise die unbekannte Fahrtroute recherchiert. Hat Seekarten besorgt, die lokalen Agenten der Reederei befragt, alles an Material gesammelt, das er bekommen konnte. "Dennoch müssen wir aufpassen", sagt er. "Seekarten können veraltet sein, auch ein Lotse kann sich mal vertun." Das Telefon klingelt, der Kapitän nimmt ab. "Wieso das denn?" fragt er in den Hörer. Es folgen routinierte Anweisungen. Ruhig, aber sehr bestimmt. Er dreht sich um, nimmt einen Schluck Kaffee und kehrt zurück vor den Monitor. "Da leckt irgendwo ein Wasserrohr. Darum kümmern sich jetzt die Techniker."
Mit Schlauchbooten zur Sklaveninsel
Zwei Stunden und gut 30 Seemeilen später lässt der Kapitän die Hanseatic beidrehen und Anker werfen. Wir haben unser erste Ziel des Tages etwas eher als geplant erreicht: James Island. Eine Sklaveninsel auf dem Gambia River. Tatsächlich nur eine winzige Erhebung in der Wasserfläche des Flusses. Alle Manöver sind glatt gegangen. In wenigen Minuten können die Passagiere die motorisierten Schlauchboote (Zodiacs) besteigen, die sie auf die Insel und zum gegenüberliegenden Dorf bringen werden. Kapitän Wolter entschuldigt sich. Er wird in eine Besprechung gerufen. Von Land kam die Nachricht, dass Besuchstermine verlegt werden müssen. Der Chef und drei seiner Mitarbeiter stecken die Köpfe zusammen, nach einer Viertelstunde ist das Problem behoben. Der Tag kann beginnen.
"Ich kenne nichts anderes"
Die Hälfte seiner Tage verbringt Kapitän Wolter auf See. Die anderen sechs Monate im Jahr hat er Urlaub, entwirft Reiserouten oder macht Werbung für seine Kreuzfahrt-Reederei Hapag-Lloyd. Ob das ein Traumjob ist? Ulf Wolter sagt: "Ich kenne nichts anderes." In seiner Familie fährt man seit vielen Generationen zur See. Er begleitete als Kind beim Vater, absolvierte eine Ausbildung zum Matrosen, studierte Nautik, wurde Offizier. Auf ein Kreuzfahrtschiff geriet er durch Zufall, "als ich einen Job suchte. Es hat mich nicht mehr losgelassen." Hier findet er, was er sich von der Seefahrt erträumt hatte: "Die Welt sehen, Neues entdecken." Die Entdecker-Schiffe von Hapag-Floyd kennen keinen strikten Fahrplan. "Wir müssen mit dem umgehen, was auf uns zukommt. Das macht es spannend." Ein Containerschiff zu steuern, kann er sich hingegen nicht mehr vorstellen: "Das ist wie Bus fahren."
Dinner mit Ehrengästen
Auch wenn die Tage häufig nicht nur früh anfangen, sondern auch spät zu Ende gehen. Wie gestern. "Welcome Dinner". Im weißen Dinnerjacket macht der Kapitän die Honneurs, begrüßt neu eingestiegene Passagiere, stellt seine Crew vor. Es ist auch eine Gruppe Ehrengäste an Bord gekommen: Die Tourismusministerin Gambias mit Entourage und Musikgruppe. Sie redet lang und ausführlich, wie bei Politikern üblich, und nennt den Kapitän beharrlich "Captain Ulf". Der steht gelassen lächelnd daneben. Am Ende bedankt er sich bei den Gästen, vor allem natürlich bei "Secretary Susan". Die schaut ein wenig fragend, als der Kapitän dafür einen Extra-Applaus seiner amüsierten Passagiere bekommt.
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Kommentare zu "29. März: Kapitän Ulf Wolter auf fremden Gewässern"
Der ausgemusterte Anker der Hanseatic, der von dem Kapitän Ulf Wolter seiner Heimatinsel gestiftet wurde, finden Sie jetzt auf dem Dorfplatz der Elbinsel Krautsand. Infos unter www.krautsand.org