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Windkraft: Unterwasser-Baulärm: Knall auf Fall
Offshore-Windkraftanlagen sind groß im Kommen. Neben sauberer Energiegewinnung freuen sich Forscher über positive Auswirkungen auf die Ökosysteme im Meer. Doch die Sache hat einen Haken
Die Energiewende ist beschlossene Sache, der zügige Ausbau der erneuerbaren Energien das Gebot der Stunde. Windkraft auf hoher See wird dabei eine Schlüsselrolle zukommen. Denn hier weht der Wind zuverlässiger als an Land. Zudem stören die Spargel auf hoher See nicht das menschliche Auge. Einer Studie unter der Federführung des Niederländischen Energieforschungszentrums ECN zufolge könnten bis zum Jahr 2030 Offshore-Windparks die Leistung von 135 Atomkraftwerken erzeugen. Das setzt allerdings politische Entschlossenheit und eine zügige Montage voraus. Doch was bedeutet das für Tiere und Umwelt?
Welche Folgen Offshore-Windparks für die Ökosysteme haben, dieser Frage widmeten sich jetzt niederländische Forscher. Sie untersuchten am Beispiel der ersten niederländischen Offshore-Windkraftanlage Egmond aan Zee (OWEZ), wie sich über einen Zeitraum von zwei Jahren die Lebensgemeinschaften am und im Meeresboden, in der Wassersäule und in der Luft veränderten. Der Windpark liegt nordwestlich von Amsterdam zwischen 10 und 18 Kilometer vor der niederländischen Küste. Seit 2007 erzeugen dort 36 Windturbinen eine Gesamtleistung von 108 Megawatt. Das entspricht dem Stromverbrauch einer Stadt mit rund 100.000 Haushalten.
Was die Unterwasserwelt anbelangt, kommen die Forscher zu einem überraschend positiven Ergebnis: Die Fundamente bieten im sandigen oder schlammigen Meeresboden zahlreichen Muscheln und anderen sesshaften Meeresbewohnern einen willkommenen Lebensraum. In deren Gefolge stellen sich Krebse und Fische ein, die ihrerseits Fressfeinde anzulocken. Im Untersuchungszeitraum konnten die Forscher im OWEZ mehr Schweinswale nachweisen als in unbebauten Referenzzonen.
Offensichtlich profitiert die neu entstandene Artenvielfalt zusätzlich davon, dass sie von jeglichem Bootsverkehr und Fischerei verschont bleibt. Denn in dem rund 40 Quadratkilometer großen Gebiet - einschließlich einer 500-Meter-Sicherheitszone um die Anlage - ist jegliches Befahren und Fischen verboten. Dass die Tiere durch die Geräusche gestört werden, die die Rotoren im laufenden Betrieb erzeugen, konnten die Forscher nicht beobachten.
Glaubt man der Studie, so erzeugt Offshore-Windkraft nicht nur einen Mehrwert für den Menschen, sondern auch für die Ökosysteme an Ort und Stelle der Energiegewinnung. Doch die Untersuchung hat eine Schwachstelle: Vom Lärm in der Bauphase ist in der Studie, die von NoordzeeWind, einem Gemeinschaftsunternehmen von Nuon und Shell Wind Energy, in Auftrag gegeben wurde, kaum die Rede. Und genau hier setzt die Hauptkritik von Naturschützern an.
Die Fundamente von Offshore-Windkraftanlagen bestehen aus bis zu drei Pfeilern, die in den Meeresgrund gerammt werden. Je nach Untergrund und Konstruktion sind pro Pfeiler bis zu 3000 Schläge mit hydraulischen Rammen nötig, damit ein Windrad mit einer Nabenhöhe von etwa achtzig Metern sicher steht. Wenn mit größter Wucht Metall auf Metall prallt, entsteht ein Knall, der unter Wasser noch viele Kilometer von der Baustelle entfernt zu hören ist. 235 Dezibel Schalldruck maßen Wissenschaftler beim Rammen eines Windkraft-Fundaments im dänischen Windpark Horns Rev. Zum ungefähren Vergleich: Der Knall eines abgefeuerten Gewehres trifft ein menschliches Ohr in Mündungsnähe mit rund 160 Dezibel. Das ist weit jenseits der Schmerzgrenze (120-130 Dezibel).



Kommentare zu "Unterwasser-Baulärm: Knall auf Fall"
Aber wäre es denn da nicht möglich beim bau der anlagen eine art Schallschutz um die gerade in Bau befindliche anlage zu machen die dann wieder abgebaut und bei der nächsten verwendet wird?
@berthu: Erdbeben und Tsunamis sind fürTiere auch weniger gefährlich. Tsunamis sind auf See vielleicht nur einen Meter hoch und im Wasser selber huschen sie vorebei wie ein seichter Windstoß, die werden erst kurz vor der Küste so gewaltig. Beide Phänomene sind primär gefährlich für uns Menschen, die wir in Häusern leben von denen wir erschlagen werden, weniger für tiere, und laut sind sie ohnehin nicht wirklich. @allgemein 235 dB sind schon extrem derbe laut! Die Dezibelskala ist logarithmisch. Im Labor kann man ab 220 dB Löcher in Beton bohren, ab 180 Bekommt der Mensch innere Verletzungen. Der 235 dB Rammenknall enthält die winzige Wenigkeit von 31 millionen mal mehr Energie, als der 160 dB Gewehrknall. Die "Lautstärke" ist immerhin "nur" 5600 mal lauter als der Gewehrknall. Wasser Überträgt Schall sehr viel besser als Luft, da es nicht kompressibel ist. Ich kann mir also durchaus vorstellen, dass diese Rammen wirklich ein Problem für die Ökologie sein können, da sie Tiere ertauben
Bei Naturkatastrophen wie Erdbeben, Tsunamis werden die Tiere auch nicht "gewarnt". Die wissen sich schon besser zu schützen wie wir Menschen. Es gibt unsinnigere Aktionen, wo Lärm zu vermeiden machbar ist.