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Hafen gegen Meer

In Tansania will die nationale Hafenbehörde ein umstrittenes Bauprojekt durchsetzen, das ein Meeresschutzgebiet gefährdet. Unmittelbar betroffen wäre auch der seltene Quastenflosser

Text von Babette Jochum

Die Mwambani-Bucht, acht Kilometer südlich des ost-tansanischen Tanga, soll ein bedeutender Wirtschaftstandort werden: Die staatliche Hafenbehörde sucht nach Investoren, um dort so bald wie möglich einen großen den Tiefseehafen bauen zu können. Die lokale Bevölkerung und internationale Umweltorganisationen kritisieren das Vorhaben aber scharf.


Vom Aussterben bedroht

2009 wurde in der betroffenen Bucht ein Meeresschutzgebiet errichtet. Dort lebt der Quastenflosser, ein Fisch, den man schon vor 65 Millionen Jahren ausgestorben glaubte. 1938 wurde er vor der afrikanischen Küste wieder entdeckt. Das bis zu zwei Meter lange Tier gilt als der einzige Überlebende einer Tiergruppe, aus der sich die vierbeinigen Wirbeltiere entwickelt haben sollen. Den Ausbau der Mwambani Bucht zu einem Tiefseehafen würde der Quastenflosser wohl nicht überleben, erklärt der Umweltverband "Rettet den Regenwald".

Trotz aller Risiken hält die Hafenbehörde an den Plänen fest. Auch für die Menschen in der Bucht hätte der Umbau Folgen: Viele sind Fischer und deshalb von der Mwambani Bay und ihren Gewässern abhängig. Bisher weigern sie sich daher, wegzuziehen - was die Regierung fordert. Sie hat den Dorfbewohnern nahe gelegt, innerhalb von sechs Monaten ihre Häuser zu verlassen; 250 Häuser haben bereits eine rote Markierung bekommen.

Schon 1999 wurde ein Teil der 5000 Menschen, die in der Bucht leben, umgesiedelt - die meisten, ohne je das versprochene Geld für ihren Besitz oder eine neue Bleibe bekommen zu haben, wie der Naturschutzverband "Tanzania Natural Resource Forum" berichtet.


Kampagne gegen Hafenbau

Dabei ist es gar nicht nötig, einen neuen Hafen zu bauen. Ökonomisch sinnvoller wäre es, den bereits bestehenden Hafen in Tanga auszubauen. Zu diesem Ergebnis kommen Naturschützer und Vertreter der Schifffahrtslinien, die derzeit den nahe gelegenen Hafen nutzen. Mit Umbauten für nur acht bis zehn Millionen Dollar könnten die Kapazitäten dort verdoppelt werden. Der Hafen in der Mwambani-Bucht würde dagegen etwa eine halbe Milliarden US Dollar kosten.

Trotzdem arbeitet die Hafenbehörde weiter an der Finanzierung, um den Tiefseehafen bauen zu können. Wenn die Geldgeber gefunden sind, sollen die Arbeiten gegen Ende des Jahres beginnen. "Es sieht momentan so aus, dass chinesische Investoren an der Finanzierung des Baus des Mwambani-Hafens großes Interesse zeigen", so David Vollrath von Rettet den Regenwald. Der Verein hat deshalb eine Protestaktion gestartet, um den Hafenbau zu verhindern - und damit auch, so Vollrath, die Verwirklichung eines "unnötigen Prestigeprojekts, das unter starkem politischem Druck steht."


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