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8. GEO-Tag der Artenvielfalt an der Nordsee
Die Aufgabe war klar: innerhalb von 24 Stunden möglichst viele Tier- und Pflanzenarten in ausgewählten Gebieten der Nordsee und ihren Küsten nachzuweisen. Rund 80 Experten nahmen die Herausforderung an. Bei strahlendem Sonnenschein und 25 Grad Celsius waren Biologen und Naturfreunde unterwegs auf Salzwiesen und Sommerpoldern, an Sand- und Muschelbänken, auf hoher See, im Watt und an felsigen Klippen. Drei GEO-Reporterinnen begleiteten die Hauptveranstaltungen zum GEO-Tag der Artenvielfalt an der Küste nördlich von Bremerhaven sowie auf den Inseln Helgoland und Sylt. Zu den Funden / Artenlisten der 3 Standorte gelangen Sie hier: Bremerhaven, Helgoland und Sylt.
Freitag, 09.06.2006, Helgoland / Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung in Bremerhaven (AWI), Gebäude D am Alten Hafen
Der 8. GEO-Tag der Artenvielfalt beginnt mit einem Vorsprung für jene, die von der Tide abhängig sind: Bereits am Morgen bricht der AWI-Forschungskutter "Uthörn" von Helgoland aus auf, um Teilnehmer des Tages nach Bremerhaven überzusetzen. Natürlich werden auf dem Weg zur Wesermündung bereits reichlich Tier- und Bodenproben gesammelt, von denen ein Großteil bis zum nächsten Tag bestimmt werden soll. Mit an Bord sind GEO-Reporter Martin Meister und Fotograf Heiner Müller-Elsner. Bei aller Begeisterung für Flora und Fauna haben sie, wie die Besatzung und mitfahrenden Forscher, gegen Abend aber vor allem ein Ziel vor Augen: noch rechtzeitig zum Auftakt-Spiel der Fußball-WM 2006 im alten Hauptgebäude des AWI einzutreffen. Doch obwohl Kapitän Charly Lührs alles aus dem Kutter herausholt, ist er erst zu Beginn der zweiten Halbzeit in Bremerhaven eingeschleust, wo die übrigen Teilnehmer bereits bei Bier und Fischbrötchen den doppelten Auftakt feiern. Immerhin: Der anschließenden Einweisung in die Untersuchungsgebiete im AWI-Hörsaal können dann alle gemeinsam folgen.
Samstag, 10.06.2006, Auftakt im Watt, Nationalpark-Haus Dorum-Neufeld, 5.00 Uhr
Die Frühaufsteher haben sich zur Wattbegehung getroffen. Dichte Nebelschwaden verhängen die Sicht auf die 100 Meter entfernte Küste. "Zu gefährlich, um ins Watt zu gehen", befindet Waltraut Menger, Leiterin des Nationalpark-Hauses Dorum-Neufeld. Die aufgehende Sonne bringt Hoffnung. Langsam verzieht sich der Nebel. Und mit vierzigminütiger Verspätung marschiert die Gruppe ins Watt, bewaffnet mit Eimern, Spaten und Fanggläser - barfuß oder in Gummistiefeln. Dann wird gegraben, nach Watt- und Seeringelwürmern, Pfeffermuschel und Sandklaffmuschel, die einst im Kielwasser der Wikingerschiffe aus Nordamerika eingeschleppt wurde. Am vorderen Priel wird der Untergrund so tief, dass die Ersten bis zu den Waden im Schlick versinken. Die Gummistiefelträger kämpfen um ihr Schuhwerk - zwei von ihnen vergebens.
Helgoland, 5.00 Uhr
Zeitgleich mit den Dorumer Frühaufstehern startet das Helgoländer Team ins Felswatt. Allen voran Prof. Heinz Dieter Franke, Zoologe bei der Biologischen Anstalt Helgoland. Es riecht nach faulen Eiern; Möwen kreischen, glucksend läuft das Wasser ab. Ebbe. Koffer- bis kleinwagengroße Brocken aus rotem Sandstein säumen die Steilküste. Helgoland, 50 Kilometer vom Festland entfernt, ist die einzige Felsinsel Deutschlands. Auf ihrem überfluteten Sockel - von Forschern "Hartsubstrat" genannt - leben maritime Arten, die in deutschen Gewässern nur hier einen Lebensraum finden, darunter viele Großalgen wie der Palmentang. Um 6.30 Uhr klettert die Gruppe eine Treppe hinauf zum Felsplateau, welches das Felswatt säumt. Am Lummenfelsen wartet Dr. Ommo Hüppop von der Vogelwarte Helgoland. 2600 Lummenpaare nisten auf der Insel - in einer steilen, etwa 50 Meter hohen Wand, die jäh ins Meer abfällt. Die Weibchen legen jeweils ein Ei auf einen schmalen Vorsprung und bewachen es, bis das Junge schlüpft. Dann stellen sie sich schützend vor ihr Jungtier, den schwarzen Rücken dem Meer zugewandt. Die Jungen sind flauschige kleine Knäuel, in zwei Wochen etwa werden sie in einer windstillen Stunde zum Lummensprung ansetzen. Die noch flugunfähigen Jungen stürzen sich in die Tiefe während ihre Eltern sie von unten rufen. Meist geht das gut. Unten erkennen sich die Familien an ihren Stimmen. Notwendig ist das Manöver, weil es für die Eltern zu energieaufwändig wäre, ihr Junges weiter zu füttern. Statt dem Kleinen Fische auf den Felsen zu schleppen, bringen sie den Nachwuchs zur Nahrung.
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