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Satellitenaufklärung: "Unverzichtbar für den Umweltschutz"
Ein Gespräch mit Volker Liebig, Chef der Erdbeobachtungsprogramme der europäischen Raumfahrtagentur ESA

GEO: GMES, „Global Monitoring for
Environment and Security“, heißt das
neue europäische Erdbeobachtungsprojekt.
Was sind die Schwerpunkte?
Volker Liebig: Mit der GMES-Satelliteninfrastruktur
werden wir, unterstützt
durch Bodenmessungen, die verschiedensten
Umweltdienste neu bereitstellen
oder verbessern. Zum Beispiel für den
Klimaschutz. Aber auch einen Dienst, der
nach einer Naturkatastrophe Karten erzeugt
und Informationen für Hilfskräfte
liefert. Ein weiterer Schwerpunkt ist die
Reinhaltung der europäischen Meere. So
lassen sich mithilfe von Radarsatelliten
Schiffe aufspüren, die illegal auf See ihre
Tanks spülen und Öl ablassen.
Europas bisherige Umweltsatelliten
haben bereits Unmengen von Daten
über Umwelt, Klima, Eisschmelze und
vieles mehr gesammelt. Was kann
GMES noch Neues liefern?
Veränderungen auf unserem Planeten
verlaufen sehr langsam. Das heißt, wir
sind bei der Datenerhebung auf lange
Zeitreihen angewiesen. In der Tat hatten
wir in den vergangenen 20 Jahren Messreihen
zu vielen Umweltparametern: zum
Zustand der Atmosphäre, des Meeres, der
Landnutzung, der Ausdehnung von Wüsten,
um nur einige zu nennen. Diese
Messreihen müssen wir fortführen. Und
wir müssen diese Daten für künftige Fragestellungen
verfügbar halten. So steigt
trotz aller Klimakonferenzen weltweit
der CO2-Ausstoß. Die GMES-Daten können
sichtbar machen, wie sich die tatsächliche
Entwicklung zu den Modellen verhält,
die von der Klimaforschung aufgestellt
wurden. Da sehen wir bereits, dass zum
Beispiel das Meereis in der Arktis viel
schneller verschwindet als gedacht. Das
heißt auch, dass die Folgen davon sehr
viel schneller eintreten werden.
Die Welt ist voll mit Sensoren aller
Art. Warum brauchen wir für diese
Messungen noch die Raumfahrt?
Viele Gebiete auf der Erde können wir nur
durch Satelliten ständig im Blick haben.
Die Pole, Hochgebirge, Wüstengebiete,
Regenwälder, der offene Ozean: Da ist einfach
niemand. Und nach Katastrophen
sieht man meist nur auf dem Satellitenbild,
wo Straßen noch passierbar sind
oder wo man Camps aufbauen kann. Alles
in allem liefert erst die Kombination von
orbitalen und am Boden erhobenen Daten
ein genaues Bild vom Zustand bestimmter
Regionen. Zum Beispiel hat 2011 ein
Crowdsourcing-Projekt unser GMES Masters
gewonnen. Es basiert auf Daten, die
speziell für die Beobachtung des Regenwaldes
zur Verfügung gestellt werden:
Auf den Bildern sollen die Teilnehmer
Bereiche markieren, in denen sie gerodete
Flächen entdecken. So erhalten die
Behörden vor Ort einen guten Überblick
und können schnell auf illegale Rodungen
reagieren.
Für GMES sind rund neun Milliarden
Euro kalkuliert. Wie wollen Sie den
Europäern erklären, dass angesichts
knapper Kassen und wachsender
sozialer Probleme diese Ausgaben
noch gerechtfertigt sind?
Die Infrastruktur, die wir da aufbauen,
wird für den Umwelt- und Klimaschutz in
Europa unverzichtbar sein, wir brauchen
die Daten etwa für die Wirtschaft, die
Raumplanung, die Landwirtschaft. Auch
in anderen Sektoren wird ja langfristig in
Infrastrukturen investiert. So würde heute
kein Flugzeug starten und kein Schiff
ablegen ohne den aus Satellitendaten erstellten
Wetterbericht. Außerdem erzeugt
das GMES-Programm Arbeitsplätze. Eine
Studie der EU rechnet unmittelbar mit
rund 20.000 Hochtechnologie-Arbeitsplätzen.
Man erwartet zudem, dass auf
Basis der Daten, die dann zur Verfügung
stehen, weitere 60.000 Jobs entstehen.
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