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Richtig spenden: "Fragen Sie nach der Wirkung!"

Im vergangenen Jahr spendeten die Deutschen 4,2 Milliarden Euro. Doch erreicht das Geld auch seinen Zweck? Über die richtige Strategie beim Spenden sprachen wir mit Sonja Schäffler vom Analyse- und Beratungshaus PHINEO. Sie ist die Autorin des "Ratgebers für wirkungsvolles Engagement in der Entwicklungszusammenarbeit", der am 7. Mai erscheint

Interview:

Sonja Schäffler ist im Beratungs- und Analysehaus PHINEO tätig im Bereich Analyse und Forschung (Foto von: PHINEO)
© PHINEO
Sonja Schäffler ist im Beratungs- und Analysehaus PHINEO tätig im Bereich Analyse und Forschung

Frau Schäffler, spenden die Deutschen richtig?
Das kann man leider nicht sagen. Die meisten Menschen spenden zum Beispiel vor Weihnachten und denken, damit sei es getan. Oder bei Katastrophen. Das sind die sogenannten Reagierer unter den Spendertypen. Sie fühlen sich zwar nach der Spende besser, haben aber relativ wenig erreicht. Denn gerade bei Katastrophen sind kurzfristige Spenden für viele Organisationen ein Problem. Der Verwaltungsaufwand steigt kurzfristig rasant. Schlimmstenfalls bleiben zweckgebundene Gelder übrig, die eigentlich dringend woanders benötigt werden.

Wozu raten Sie stattdessen?
Man muss sich überlegen, ob man immer nur dann spenden will, wenn gerade etwas passiert ist. Man sollte lieber an Organisationen spenden, die Präventionsmaßnahmen durchführen, etwa in Erdbebengebieten. Das kann bis zu sieben Mal wirkungsvoller sein, als immer nur zu reagieren. Ganz allgemein raten wir zu einer strategischen Herangehensweise. Dazu gehört auch, dass man Zeit investiert. Wer sich ein Paar Schuhe kauft, nimmt sich auch Zeit, ein passendes Paar zu finden. Mit derselben Einstellung sollte man auch an das Spenden herangehen.


Viele Spendengelder gehen nach Afrika - und helfen dort, etwa Hungersnöte zu lindern (Foto von: picture alliance/Kai-Uwe Wärner)
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Viele Spendengelder gehen nach Afrika - und helfen dort, etwa Hungersnöte zu lindern

Okay, ich nehme mir Zeit. Womit fange ich an?
Überlegen Sie sich, was Sie eigentlich wollen, welches Thema Ihnen am Herzen liegt: Klima, Kultur, Tiere, Gleichberechtigung? Welche Zielgruppe möchten Sie unterstützen: Kinder in Afrika oder Frauen in Asien? Welche Art Projekt möchten Sie fördern: einen marktorientierten Ansatz, etwa im Bereich Mikrofinanzen, oder einen strukturellen Ansatz, zum Beispiel durch sogenanntes Capacity Building, bei dem wertvolles Know-how vermittelt wird? Je nach lokalem Bedarf macht auch die Unterstützung von Basisprojekten Sinn, zum Beispiel im Bereich medizinische Versorgung, Bildung oder Umwelt.

Und dann?
Zunächst einmal würde ich mir die Homepage der Organisation ansehen. Wenn die Organisation sehr viel von sich preisgibt, Finanzdaten, Jahresberichte, wenn sie Beispiele nennt, was sie mit 50 Euro erreichen könnte, ist das ist ein guter Indikator dafür, dass sie transparent und wirkungsvoll arbeitet. Da darf man ruhig seinem Bauchgefühl vertrauen. Man kann auch einfach mal zum Telefon greifen. Als Faustregel gilt: Ein bisschen Eigenrecherche ist wichtig, damit auch eine kleine Spende wirken kann. Davon abgesehen macht es ja auch Spaß, sich zu informieren. Wenn man mit den Organisationen ins Gespräch kommt, lernt man viel.

Und wenn ich die passende Organisation für mich gefunden habe?
Unbedingt regelmäßig spenden! Zum Beispiel per Dauerauftrag. Das gibt der Organisation Planungssicherheit. Wer sich das nicht leisten kann oder möchte, sollte versuchen, Spendengelder zu bündeln, etwa, indem er sich zum Geburtstag statt eines Geschenks eine Spende für eine bestimmte Organisation oder ein bestimmtes Projekt wünscht. Denn generell gilt, dass größere Beträge wirksamer sind als viele kleine, weil der Verwaltungsaufwand pro gespendetem Euro bei größeren Beträgen sinkt.

Das Spendensiegel des Deutschen Zentralinstituts für soziale Fragen (DZI) gestattet den Organisationen maximal 30 Prozent Verwaltungskosten. Ist das eine gute Richtschnur?
Ja. Das ist vernünftig. Bestimmte Verwaltungskosten sind unvermeidlich. Ein Beispiel: Deutsche Organisationen, die in Entwicklungsländern aktiv sind, brauchen eine Arbeitskraft, die die Berichterstattung zwischen Deutschland und dem Partnerland koordiniert. Das ist wichtig, damit die Organisation selbst kontrollieren kann, was die Partnerorganisation vor Ort mit dem Geld der Spender macht.



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Kommentare zu "Richtig spenden: "Fragen Sie nach der Wirkung!""

michael | 02.06.2012 11:49

Bis zu 30 % der Spendengelder für den Verwaltunsaufwand sind gerechtvertigt sagt die Dame!!!!!!
Jeder Betrieb mit mehr als 10% V-Aufwand ist zum scheitern verurteilt.
Das Spendengeschäft ist überwiegend ein Selbstbedienungsladen für die Einkünfte der Vorstände und Gründer der Vereine.
Ich fördere meine Enkelkinder und bedürftigen Nachbarn.
Mit 0% "Verwaltunsaufwand.
Es ist alles so verlogen und Geldgeil was in dieser Branche gemacht wird! Beitrag melden!

Howard | 24.05.2012 16:19

Krombacher wirbt damit zb für jeden gekauften Kasten Bier 1m² Regenwald zu schützen. Bringt das eigentlich was oder ist das nur plumte Werbung der Firma? Kontrolliert das jemand? Beitrag melden!

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