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GEO Magazin Nr. 04/10 Seite 1 von 6


Illegaler Holzhandel: Raubbau am Regenwald

Die Raubfäller im Regenwald glauben, man könne ihnen nichts nachweisen. Ihre Camps liegen tief im Dschungel, Polizisten und Zöllner sind bestochen, die Rechtslage ist verworren – und internationale Kunden profitieren davon. Doch die verdeckten Ermittler einer kleinen Naturschutzgruppe sind den Plünderern auf der Spur. Ein GEO-Team hat sie in Madagaskar begleitet


Gitarrenbauer und Vanillehändler

Um eine glaubwürdige Legende aufzubauen, hatte der Mann uns zuvor gesagt, müsse man nah an der Wahrheit bleiben. Sonst laufe man Gefahr, sich zu verhaspeln. Und so versucht er am Anfang des Gesprächs, nur wenig zu lügen. Es habe einige Zeit gedauert, sagt er seinem Gegenüber, bis er gewusst habe, was aus seinem Leben werden solle. Er mustert den Mann auf der anderen Seite des Schreibtisches, gibt sich entspannt, plaudert. Bei der US-Eliteeinheit Marines sei er gewesen, habe Soldat werden wollen. Vielleicht, um die Last seiner berühmten Familie abzuwerfen, die er manchmal als bedrückend empfinde. So weit, so korrekt. Auf einer Reise sei ihm dann klar geworden, dass er einen Beruf suche, in dem er der Natur nah sein könne. Und was gebe es natürlicheres als Bäume?


Arbeiter eines Sägewerks in Antalaha
schneiden Edelhölzer für
europäische und asiatische Kunden
zu. Nach einer Analyse des
Botanischen Gartens von Missouri
hat allein diese Firma 2009
rund 120 Container Rosenholz
exportiert, vor allem nach China.
Aber auch nach Deutschland (Foto von: Toby Smith/EIA/Getty Images)
© Toby Smith/EIA/Getty Images
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Arbeiter eines Sägewerks in Antalaha schneiden Edelhölzer für europäische und asiatische Kunden zu. Nach einer Analyse des Botanischen Gartens von Missouri hat allein diese Firma 2009 rund 120 Container Rosenholz exportiert, vor allem nach China. Aber auch nach Deutschland

Der Erzähler trägt Lederschuhe und Anzughose, sein Hemd ist bis zum obersten Knopf zugeknöpft, und obwohl die Sonne mit tropischer Wucht vom Himmel brennt und die feuchtheiße Luft zwischen den mit dunklem Rosenholz getäfelten Wänden des Büroraums steht, schwitzt er nicht. Auch dann nicht, als er mit den Unwahrheiten beginnt: Seither handle er eben mit Holz. Er beliefere die Hersteller von Musikinstrumenten mit bester Qualität. Das sei es auch, was er in Madagaskar suche. Der Mann faltet die Hände vor dem Bauch wie zum Gebet. "Die beste Qualität." Wie war noch gleich Ihr Name, fragt sein Gegenüber. Alexander von Bismarck, Biologe, 37 Jahre alt, Chef der Washingtoner Umweltschutzgruppe Environmental Investigation Agency (EIA), schiebt eine Visitenkarte über den Schreibtisch. Darauf steht: "Thomas C. Bolton, President. Nexis Trading." Der Fotograf Toby Smith und ich reden so wenig wie möglich.

"Thomas C. Bolton" hat uns dem madagassischen Geschäftsmann als seine Kunden vorgestellt, Gitarrenbauer, die mit ihm auf die Suche nach dem besten Material gegangen sind. Die Wahrheit: Wir begleiten Alexander von Bismarck bei seiner Undercover-Aktion und wollen verfolgen, wie er den illegalen Handel mit bedrohten Hölzern dokumentiert. Bismarck dreht nun ebenfalls eine Visitenkarte seines Gegenübers zwischen den Fingern. "Roger Thunam" steht darauf, "Vanillehändler." Vanille? Der mächtige Boss der Holzmafia in Nordmadagaskar lacht. Vor der Tür stehen zwei Leibwächter. Thunam fühlt sich sicher. Doch alles, was er sagt, wird gefilmt. Denn "Bolton" trägt eine versteckte Kamera.


Der letzte Weg der roten Riesen

Roger Thunams Büro in Antalaha ist ein Zentrum für das größte illegale Geschäft des Landes. Thunam und seine Leute fällen und verkaufen Edelholz. Vor allem Rosenholz, ein Sammelbegriff für mehrere vom Aussterben bedrohte Arten aus der Gruppe der Palisanderhölzer. Und Ebenholz, hervorragend geeignet für den Bau von Musikinstrumenten. Von 103 Ebenholzarten gelten nur zwei als nicht bestandsgefährdet. Roger Thunam verstößt mit seinen Geschäften seit Jahren gegen die Gesetze seines Landes. Schon im Jahr 2000 hat die Regierung von Madagaskar das Fällen von Rosenholz und Ebenholz in "sensiblen Zonen" verboten; ohnehin kommen die Bäume längst fast nur noch in den Nationalparks vor.

Doch seit dem Sturz des gewählten Präsidenten im März 2009 ist der korrupte Staatsapparat fast völlig zusammengebrochen. Auf Madagaskar wird so viel Holz gefällt wie nie zuvor. Oft wird es als Sturmbruchholz oder alter Lagerbestand deklariert, für deren Verkauf es begrenzte Ausnahmegenehmigungen gibt. Ein Nationalparkdirektor spricht vom "Drehtüreffekt": Sobald Teile des alten Bestandes verkauft sind, füllen die Sägewerke die Lücken im Lager heimlich mit frisch geschlagenem Holz auf - und erklären dies dann erneut zum Altbestand.



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Mehr zu den Themen: Madagaskar, Regenwald, Urwald, Umweltschutz

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Kommentare zu "Illegaler Holzhandel: Raubbau am Regenwald"

Rabe Fanja | 01.09.2010 18:17

Vielen herzlichen dank für den Artikel. Ich komme aus Madagaskar (ich lebe in Deutschland) und muss den Herrn Alexander von Bismarck für sein Engagement für die Umwelt loben und dass er sich Mühe gegeben hat um die Wahrheit hinter dieser Gewalt gegen die Natur zu entdecken. Ich war auch sooo entsetzt als ich erfuhr, dass seit d Beginn der politischen Krise in Madagascar, 660 403 ha Regenwälder zerstört wurden ( www.vakanala.org) . Das größte problem in Madagaskar ist dass, die jetzige Übergangsregierung nicht sehr viel unternimmt um das definitiv zu stoppen (das sehe ich so).
Beitrag melden!

Frank Buber | 13.05.2010 18:28

Danke für den informativen Artikel über Tropenholz und Lacey Act. Beitrag melden!

guapito4 | 06.04.2010 09:55

hola,companeros!
ich schaetze eure arbeit seit jahren,wuerde gerne fuer euch arbeiten....
wie funktioniert das...
was muss ich tun.....
wie finanziere ich meinen lebensunterhalt bei save de world...... Beitrag melden!

sokrator | 29.03.2010 17:27

Super Artikel. Ohne haertere Strafen fuer Umweltdelikte dieser Art werden die Beteiligten weiter machen bis es keine Baeume mehr gibt. Beitrag melden!

Bravo | 24.03.2010 19:31

Herzlichen Dank an Alexander von Bismarck und sein Team - was Ihr gemacht habt,
ist extrem mutig, denn diese Mafia schreckt vor nichts zurueck !

10 % waren vor den Rosenholzpluenderungen noch von Madagaskars Primaerwaeldern uebrig, aber inzwischen duerfte sich der Bestand weiter verringert haben. Hinzu kommt die weitverbreitete Praxis derBrandrodung und die Produktion der Holzkohle, weil die Menschen zwar heute zum Mond fliegen, aber in Madagaskar immer noch kochen wie im Mittelalter - in den Staedten in fast 100 % der Haushalte.

Laut DRYNET - einem Netz von Umwelt-NROs - sind schon 2/3 der einst Gruenen und heute Roten Insel von DESERTIFIKATION betroffen - Deforestierung war gestern. Das kannte man bisher nur von den Randzonen der Sahara, z.B. Burkina Faso und Mali.

Die einzige Hoffnung ist die Jugend - es gibt in Madagaskar immer mehr engagierte Umweltclubs in den Schulen, weil die jungen Leute begriffen habe, dass es um ihre Zukunft geht. Beitrag melden!

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