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Erneuerbare Energien: Windkraft über alles?

Tausende, bis zu 200 Meter hohe Windenergieanlagen sollen in Rheinland-Pfalz gebaut werden. Naturschützer laufen Sturm


Mit ihrer zukünftigen Windkraftpolitik hat die Rot-Grüne Landesregierung von Rheinland-Pfalz schon jetzt einen Sturm entfacht. Eine Allianz sämtlicher Naturschutzverbände wendet sich vehement gegen einen neuen Gesetzentwurf zum Landesentwicklungsprogramm LEP-IV. "Dass die Abkehr vom Atomstrom Opfer verlangt, ist uns klar", sagt Dr. Peter Keller, Vorsitzender der Gesellschaft für Naturschutz und Ornithologie Rheinland-Pfalz (GNOR). "Aber das heißt nicht, dass die Politik fast sämtliche Hemmnisse aufgeben darf bei der Genehmigung von Windenergieanlagen!"


Stein des Anstoßes: Windkraftanlagen in Rheinland-Pfalz (Foto von: Langrock/Zenit/laif)
© Langrock/Zenit/laif
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Stein des Anstoßes: Windkraftanlagen in Rheinland-Pfalz

Die Verbände befürchten, dass die Vorlage "zu einer ungesteuerten gießkannenmäßigen Verteilung der Windenergienutzung in Rheinland-Pfalz" führen werde, und dass es "mittelfristig keine Sichtperspektive ohne Windräder mehr geben wird". Explizit ausgenommen seien einzig Kernzonen wie etwa zwei Prozent des Biosphärenreservates Pfälzerwald oder einige Naturschutzgebiete. Überall sonst könnten Giganten von 150 bis 200 Meter in den Himmel ragen. Weil nur in dieser Höhe - vergleichbar in etwa mit jener des Kölner Doms - der Wind stark genug bläst, um den nötigen Ertrag zu bringen.

Windkraft soll verfünffacht werden
Dabei sieht es nach einem solchen dramatischen Szenario in dem Entwurf zum LEP IV auf den ersten Blick gar nicht aus. Im Gegenteil: Explizit, so heißt es in der Vorlage, werde eine "stärkere Steuerung ermöglicht, ... um eine gebündelte Nutzung zu erreichen und räumlich ungesteuerte Entwicklungen zu vermeiden". Zwar sollen der jetzt bereits hohe Anteil an Windenergie in Rheinland-Pfalz verfünffacht und dafür zu den existierenden 1300 noch etwa 1700 bis 2000 neue Windenergieanlagen (WEA) eingerichtet werden. Dennoch sind nur zwei Prozent der Landesfläche vorgesehen, um das Ziel zu erreichen, mittels Windkraft und anderen alternativen Energien gegen 2030 Strom zu 100 Prozent aus regenerativen Quellen erhalten zu können. Das deckt sich mit einer Einschätzung der Windindustrie, die zwei Prozent der Landesflächennutzung als "realistisch" ansieht - darin inbegriffen wären etwa zwei Prozent Waldfläche.


Kritiker befürchten Wildwuchs

Diese Ziele finden auch die Zustimmung der GNOR, sagt Keller. Nur gebe es in der Vorlage keine einzige verbindliche Regelung von Seiten der Landesregierung, die möglichem Wildwuchs Einhalt gebieten kann. Die Planungshoheit liegt jetzt nämlich bei den Verbandsgemeinden. Das Problem: "Wenn es da um Einnahmequellen für einen Bezirk geht, wird jede Gemeinde versuchen, davon zu profitieren - ohne Rücksicht auf das Umfeld." Ähnlich etwa wie bei der Ausweisung von Gewerbegebieten: Die gibt es heute fast in jeder Gemeinde, ausgelastet sind sie aber nicht. Auf dem gleichen Weg könnte sich bald ein WEA-Flickenteppich übers Land ziehen - anstelle einer Bündelung auf wenige Standorte.

Tatsächlich: Laut Wolfgang Wenghoefer, Vorsitzender der Landesaktionsgemeinschaft Natur und Umwelt in Rheinland-Pfalz, "stellen bereits jetzt viele Gemeinden in Regionen mit Raumordnungsplänen ohne Teilplan Windkraft Bauanträge für Windkraftanlagen - und zwar ohne dabei die Belange des Naturschutzes und den Erholungswert der Landschaft ausreichend zu berücksichtigen." Dass es so kommen könnte, befürchtet auch Andreas Grauer von der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald Rheinland-Pfalz (SDW). "Ein Bürgermeister einer Gemeinde in einer strukturschwachen Region wird sicherlich jede Chance nutzen, zusätzliche Einnahmen zu generieren. In vielen Regionen stehen die Gemeinden finanziell mit dem Rücken an der Wand."

Alternativen sind möglich
Aber es gäbe dennoch Alternativen: Schon jetzt haben sich manche Gemeinden im Hunsrück zu einem Solidarpakt zusammengeschlossen, um die Mittel für Kindergärten und andere Einrichtungen untereinander zu verteilen, wenn einige Kommunen auf eigene Windkraft-Projekte verzichten. Zum Besten des Waldes und des Landschaftsbildes sei es jedenfalls, etwaige WEA an ökologisch weniger sensiblen Orten zu zentralisieren, meint Grauer. "Und das geht am besten über eine übergeordnete Planung. Dann sind auch die angestrebten zwei Prozent der Waldfläche, die für die Windkraft vorgesehen sind, aus unserer Sicht vertretbar." Wobei es über Kriterien für den Ausschluss und das Ausmaß der Beeinträchtigung der Landschaft unterschiedliche Meinungen gibt: Der Regionalplanmanager der Windkraftfirma JuWi, Michael Lüer, behauptet zum Beispiel, man könne im Wald vor lauter Bäumen die Anlagen nicht sehen - und hören schon gar nicht. Denn der Wald rauscht. Ähnlich steht es im Entwurf.



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Kommentare zu "Windkraft über alles?"

biggi64 | 17.09.2012 17:27

Auszug aus der Spiegel-Online Berichterstattung zur Sommerpressekonferenz der Bundeskanzlerin Frau Merkel vom 17.09.2012
"....Die zu hohen Ausbauziele bei der Windenergie werden auch bei einem Energiegipfel von Bund und Ländern Anfang November im Kanzleramt eine Rolle spielen. "All die Schritte, die zu gehen sind, können nur gemeinsam zwischen Bund und Ländern gegangen werden", sagte Merkel. "Wir werden uns über den Ausbau der erneuerbaren Energien weiter unterhalten müssen." Merkel hatte vergangene Woche im Bundestag betont, die Ausbauziele der Länder bei der Windenergie lägen 60 Prozent über denen des Bundes. Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) fordert daher eine Drosselung, auch weil Netze dafür fehlen."
http://www.spiegel.de/politik/deutschland/merkel-spricht-bei-sommer-pressekonferenz-ueber-euro-und-mohammed-film-a-856195.html

Die Rlp-Energieziele sind absolut utopisch weit entfernt von möglichen realistischen Umsetzungen. Keine weiteren Windräder in der Vulkaneifel!!! Beitrag melden!

windkraftgegner.de | 24.08.2012 08:37

Das allerbeste ist ja wohl, daß nach der Privatisierungsorgie des Tafelsilbers, die Versorger sich den Größenwahn, Trassenschlag und Psychoterror vom Bürger subventionieren lassen, damit den Aktionären ordentlich Dividenden ausgeschüttet werden kann.

Dabei stammen diese schwindelerregenden Monster und Plagen fur Auge und Ohr aus einer Zeit (19. Jhd.), die an ihrem unbedingten Fortschrittsglaube fulminant gescheitert ist, der Gründerzeit.

Wir werden über die Engergiepolitik in Abhängigkeit gehalten und unterjocht, denn Energie ist Macht.

Dabei gibt es längst die umweltschonende und erprobte Alternative zum Schattenschlag: die Vertikalturbine. Die Turbinen sind 10 mal so effizient wie das Windmonster, kleiner als die Bäume und sie lassen sich sehr dicht aufstellen, ohne Interferenzen zu erzeugen.

www.epochtimes.de/741329_windenergie_aus_vertikal_turbinen_verzehnfacht_ausbeute.html

derstandard.at/1259280744589/Windraeder-mit-vertikaler-Drehachse-nutzen-das-Fischschwarm-Prinzip
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windkraftgegner.de | 24.08.2012 08:37

Aus dem in den 80er Jahren vieldiskutierten Prinzip der Dezentralisierung ist über die Privatisierung ein erdrückender Zentralismus geworden.
Mein Vorschlag, Solarpannels aufs Dach und ein Vertikalturbinenkraftwerk in die Hand der Gemeinde. Die Gemeinde hätte dauernde Einnahmen und wäre dem corporativen Zentralismus nicht mehr hilflos ausgeliefert.
Trassen, Überlandleitungen und Windmonster wären überflüssig. Beitrag melden!

Walter Stutterich | 22.08.2012 14:53

Ich vermisse in der Diskussion über Windräder im Pfälzerwald den Hinweis darauf, daß es sich hier
nicht um einfachen Fichten, also Nadelwald handelt, sondern um eine Mittelgebirgslandschaft mit
einzigartigen und unverwechselbaren Charakter. Zudem ist der Pfälzerwald ein Biosphärenreservat,
eine Landschaft die es so in Deutschland kein zweites Mal hat. Das Biosphärenreservat
Pfälzerwald zieht ja nicht nur Menschen an, die hier ihren Urlaub oder ihre Freizeit verbringen,
nein es hat in der Vergangenheit auch viel Geld gekostet. Das alles ginge dann verloren.
Wer dem Pfälzerwald, aber im Besonderen dem Wasgau, noch nie einen Besuch abgestattet hat,
kann gar nicht erfassen was Windräder hier im Pfälzerwald der Landschaft antun.
Es ist ja auch nicht so daß da nur ein Mast in der Landschaft steht. Es müsse die Rotoren durch
den Wald transportiert werden. Wenn wir also aus Klimaschutzgründen dem Landschaftsschutz
dem Umwelt- und Naturschutz so mitspielen, dann gute Nacht Gemeinde.
Beitrag melden!

Thomas Schöller | 21.08.2012 11:06

Zum Regionalplaner der Firma Juwi: Nun liebe Leute, dass sind alles einstudierte Worte der Windkraftlobby. Die Windräder müssen in die Wälder , koste es was es wolle.

Der Bundesverband Windenergie lud dazu im Juni 2012 nach Stuttgart ein.
Knapp 50 Interessenten kamen zum Seminar "Windkraft im Wald".
Dort lernten die Teilnehmer für schlappe 450 Euro Seminargebühr,
welche Argumente ziehen wenn der Wald einer Investition im Wege steht.

Es ist halt für alle ein gigantisches Geschäft, da wird mit harten Bandagen gekämpft.
Wieder einmal zu Lasten der Bevölkerung und der Natur.

Weiteres Beispiel:
Der aalglatte BWE-Präsident Hermann Albers fordert die Landesregierung in Schleswig-Holstein auf, die vorgeschriebenen Mindestabstände der Anlagen zu bebautem Gebiet zu verringern.

Das ist für mich ein Fall von Aufruf zur vorsätzlichen Körperverletzung.
Hier der Artikel dazu: http://tinyurl.com/cy73ox2

Diese windigen Typen müssen mit allen legalen Mitteln bekämpft werden !!!


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Rudolf Ahrens-Botzong | 20.08.2012 15:25

Der Naturpark / das zweistaatliche Biosphärenreservat Pfälzerwald-Nordvogesen, ebenso ähnliche große, noch zusammenhängend naturnahe Gebiete müssen auch aus sozialen Gründen frei von Windkraftanlagen bleiben. Wollen die heutigen Entscheider unseren Kindern, Enkeln, Urenkeln das Erleben dieser heimischen Natur absprechen? Wollen die heutigen Entscheider solches Naturerleben auf Wohlhabende begrenzen, die sich Fernreisen leisten können? So befragt, werden Politikerinnen und Politiker unserer heimischen Natur den Schutz nicht versagen.

Interessierte Kreise versuchen dieses Argument rhetorisch zu umgehen: Windräder seien eindrucksvoll, schön, symbolisierten Fortschritt, sie seien touristische Attraktionen. Zweihundert Meter aufragende Turbinenfelder, die unsere Naturlandschaften technisch überprägen, so zu bezeichnen sei unbenommen. Doch ähnelt das dem Orwell'schen Neusprech (Newspeak). Es ist Windsprech.

Rudolf Ahrens-Botzong, Initiative Pro Pfälzerwald, www.propfaelzerwald.de Beitrag melden!

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