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GEO Magazin Nr. 10/12 Seite 1 von 2
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Die richtige Masche

Ein niederländisches Unternehmen bringt die nachhaltige Fischerei voran - mit neuartigen Netzen, die kleine Fische schonen und Treibstoff einsparen



Der Motor wummert laut im Schiffsbauch. Die sechs Männer am Fließband rufen durcheinander, es riecht nach Diesel, Tang, Seefisch. Mittendrin steht Louwe de Boer, Geschäftsführer der niederländischen Ekofish Group. Zufrieden begutachtet er die Schollen: „27 Zentimeter, keine ist kleiner.“ Die Zahl ist das Mindestmaß, das die EU für den begehrten Speisefisch vorschreibt. Der Clou des Fangsystems sind „intelligente Netze“, bei denen kleinere Fische durch die Maschen schlüpfen.


Von April bis Dezember geht die Crew der „Enterprise“ in englischen, niederländischen und dänischen Gewässern auf Fang: auf dem ersten Schollenkutter weltweit, der für nachhaltige Fangmethoden zertifiziert wurde - mit dem blauen Label des Marine Stewardship Council (MSC). Gerade ist der Trawler in den Holmen-Gründen knapp 50 Kilometer vor der Küste Westjütlands unterwegs.

Fischerei ist Industriearbeit plus Seegang
Die Mitarbeiter, junge Männer um die 20 in blutverschmierten Gummi-Latzhosen, schnappen sich in kaum fassbarer Schnelligkeit eine Scholle nach der anderen, lösen mit einem Messerschnitt die Innereien aus und werfen den Fisch auf das Fließband. Es führt zu den nächsten Stationen im 45-Meter-Trawler, wo der Fang nach Größe sortiert, auf Eis gelegt und schließlich in 20-Kilo- Paletten gepackt wird, die in Thyborøn abgeholt und von dem dänischen Fischereihafen zu Großhändlern in ganz Europa gefahren werden. Die "Enterprise" ist das Vorzeigeschiff in de Boers Flotte, die sieben Trawler umfasst.



Louwe de Boer ist einer von sieben Brüdern, die das Familienunternehmen gemeinsam betreiben. Das Denken an Nachhaltigkeit begann für sie 2007. „Wir dachten zuerst nur an die Kosten“, sagt der 44-Jährige. „Begriffen dann aber, dass unsere Existenz von intakten Fischbeständen abhängt und wir auch dafür etwas tun müssen.“ Die Lösung fanden die Brüder im Gespräch mit dem Dänen Ruby Flemming, der für Ekofish die Netze entwirft und repariert.


"Wir haben mit den neuen Netzen den Beifang von 50 auf
unter zehn Prozent gesenkt", sagt Fischer de Boer (Foto von: Torsten Schäfer)
© Torsten Schäfer
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"Wir haben mit den neuen Netzen den Beifang von 50 auf unter zehn Prozent gesenkt", sagt Fischer de Boer

Zerstörung am Meeresgrund

Gängige Schleppnetze schleifen an schweren Ketten über den Boden, wo sie die Schollen aufscheuchen und in die Maschen treiben. De Boer hat die Ketten abgeschafft. Als Ersatz dienen mit geriffeltem Gummi umhüllte 50 Meter lange Eisentrosse, sogenannte Jager, die im Wasser vibrieren und die Plattfische ebenfalls aufschrecken. Das 70 Meter lange Netz aus neuen, leichten Kunststofffasern wiegt nur noch ein Drittel des herkömmlichen Zehn-Tonnen-Geschirrs. Und es schwebt einen halben bis zwei Meter über dem Boden; Schwimmkörper an der Oberkante sorgen für Auftrieb. Normale Schleppnetze durchpflügen dagegen tief den Meeresgrund. Umweltverbände kritisieren diese Methode scharf.

„Ein normales Schleppnetz verwandelt den Meeresboden in eine Wüste“, sagt de Boer. Wie viel sinnvoller das neue Verfahren ist, wird klar, seit er die „Enterprise“ für zwei Millionen Euro umgerüstet hat. Statt 50.000 Liter Treibstoff pro Woche verbraucht das Schiff jetzt weniger als 20.000 Liter. „Auch die größere Maschenweite hilft“, sagt de Boer. Das sogenannte Twin-Rig-System, das aus zwei miteinander verbundenen Netzen besteht, die parallel am Meeresgrund geführt werden, hat zwölf bis 14 Zentimeter weite elastische Maschen. Damit sind sie vier bis sechs Zentimeter größer als vorgeschrieben, weshalb der „Enterprise“ kleine Fische entkommen, die auf anderen Trawlern als Beifang eingeholt und verendet zurück ins Meer gekippt werden.



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Kommentare zu "Die richtige Masche"

Jessy L. | 03.10.2012 12:29

Der Artikel könnte die Disskussion um nachhaltige Fischerei nochmal neu entfachen. Alerdings denke ich, dass der Mnesch sich langsam dafür entschieden sollte keinen Fisch mehr zuo fangen und zu verzehren. Eine Nachhaltigkeit kann zwar von Firmen bevorzugt werden, ist aber kein Gesetz und somit ein Topfen auf dem heißen Stein. Bis ein solches Gesetz beschlossen oder Richtlinien verschärft wären, wäre ein nicht mehr gut zu machender Schaden an unseren Weltmeeren entstanden. Bzw. Die Frage muss sein, ist der Schaden, den unsere Meere genommen haben zu diesem Zeitpunkt überhaupt noch gut zu machen? Es darf nicht vergessen werden Dass auch genügend Schaden durch zum Beispiel Shark-Finning, illegale Wilderei, Walfang etc. angerichtet wird. Die beste Medizin gegen das sterben der Meere wäre, überhaupt keinen Fisch mehr zu fangen und zu essen! Beitrag melden!

Maximilian Busl | 02.10.2012 22:03

Hallo zusammen,

es ist da ein kleiner Fehler im Text. Natürlich verbraucht ein Trawler keine 50 000 Tonnen Treibstoff in der Woche, sondern 50 000 Liter (vor umrüstung). Macht nix, kann ja mal vorkommen, obwohl es die Kollegen von FAZ richtig berichtet haben.. :-)
Nix für ungut Beitrag melden!


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