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GEO Magazin Nr. 01/13 Seite 1 von 1


Bodenschätze: "Goldrausch-Mentalität in der Arktis"

Der Meereskundler und Fischerei-Experte Rick Steiner hat die Folgen der Ölkatastrophe der "Exxon Valdez" im Jahr 1989 erforscht. Er arbeitet als wissenschaftlicher Berater für Nachhaltigkeit in Alaska


GEO: Was spricht eigentlich dagegen, in der Arktis nach Öl zu bohren?
Rick Steiner: Die Ölförderung führt zur Industrialisierung der Arktis, was den Lebensraum nachhaltig schädigt. Ganz zu schweigen von den Katastrophen, die unweigerlich passieren werden.

Die Ölfirmen sagen, sie hätten die Risiken im Griff.
Das sagen sie immer! Sogar der amerikanische Präsident Barack Obama sagte noch gut zwei Wochen vor der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko, dass Plattformen in der Regel keine Ölkatastrophe verursachen. Die Ölindustrie rechnet stets die potenzielle Ausbeute hoch und das Risiko runter.


Umweltrisiko in einem sensiblen Ökosystem: Ölbohrplattform in der Beaufortsee vor der Küste Alaskas (Foto von: Stockbyte/Getty Images)
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Umweltrisiko in einem sensiblen Ökosystem: Ölbohrplattform in der Beaufortsee vor der Küste Alaskas

Was unterscheidet einen Unfall in der Arktis von einem Unfall anderswo?
Die bakterielle Zersetzung des Öls geht im kalten Wasser sehr viel langsamer voran. Ein Unfall im Herbst, wenn das Meer gerade zufriert, wäre das schlimmste Szenario: Dann würde sich die Verschmutzung unter dem Eis im Winter über die gesamte arktische Region verteilen.

Welche Tierarten wären durch eine solche Katastrophe betroffen?
Zuallererst das Plankton, und dadurch die gesamte Nahrungskette, über Fische, Robben bis hin zu den Walen. Viele Tierarten im arktischen Lebensraum stehen durch den Klimawandel ohnehin unter Stress. Für sie könnte eine Ölkatastrophe den Unterschied zwischen Überleben und Aussterben bedeuten.


Derzeit gelangen in Russland geschätzt fünf Millionen Tonnen Öl pro Jahr durch Leckagen in die Umwelt. Könnte diese stille Katastrophe durch die Zusammenarbeit mit westlichen Partnern nicht eingedämmt werden?
Ja, aber nur, wenn wir die technische Qualität der Förderung erhöhen. Dafür brauchen wir eine unabhängige Behörde, etwa ein Ölförderinstitut der Arktis, das Sicherheitsstandards setzt und überwacht. Das wird aber nur passieren, wenn sich auch die Zivilgesellschaft dafür einsetzt.


Wem gehört die Arktis? (Foto von: Christian Kuhlmann/Rainer Droste)
© Christian Kuhlmann/Rainer Droste
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Wem gehört die Arktis?

Sie fordern dennoch, komplett auf Ölförderung in der Arktis zu verzichten. Ist das realistisch?
Ich plädiere dafür, dass die Vereinten Nationen einen Arktisrat einberufen und ein Abkommen zum Schutz der Arktis aufsetzen, ähnlich wie es bei der Antarktis geschehen ist. Aber im Moment herrscht leider eine Goldrausch-Mentalität, weil das Meereseis zurückgeht und alle versuchen, ihre Claims abzustecken.

Sie haben Ihre Professur an der Universität Alaska 2010 nach mehr als 20 Jahren aufgegeben. Warum?
Nachdem ich immer vor den Risiken der Offshore-Ölförderung gewarnt habe, wurden meine Fördermittel gestrichen. Die Universität von Alaska bekommt 300 Millionen Dollar im Jahr von der Ölindustrie. Damit kann man sich offenbar eine Menge Einfluss kaufen. Also habe ich meine Professur unter Protest niedergelegt.



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