Ob "Robinson Crusoe", "Cast Away” mit Tom Hanks, die TV-Serie "Lost" oder – jetzt neu im Kino – Sam Raimis Thriller "Send Help": Geschichten von Personen, die auf einer entlegenen Insel gestrandet sind und um ihr Überleben kämpfen, faszinieren in Büchern, auf Kinoleinwänden und im Fernsehen schon immer.
Manche dieser Storys knüpfen an reale Vorbilder an: Im Lauf der Geschichte sind ungezählte Personen auf Inseln gestrandet oder wurden dort ausgesetzt. Die meisten sind gestorben, einige aber überlebten teils jahrelang – und wurden schließlich gerettet. Fünf Beispiele.
Ada Blackjack: Überleben in der Arktis
Im September 1921 starten ein Kanadier und drei US-Amerikaner eine waghalsige Expedition: Sie wollen die unwirtliche Wrangelinsel in der Arktis besiedeln – 400 Kilometer westlich von Alaska, 160 Kilometer nördlich von Sibirien, etwa so groß wie Kreta. Dafür heuern die Männer in Alaska Ada Blackjack – eine mittellose, alleinerziehende Indigene – an, die die Expeditionsteilnehmer als Köchin und Näherin unterstützen soll.
Auf der Wrangelinsel angelangt, errichtet die Gruppe ein Camp mit einem kleinen Ofen, erlegt Schneefüchse und andere Tiere, schmilzt Schnee zu Trinkwasser. Ein Jahr später soll ein Versorgungsschiff sie abholen – doch das erreicht die Insel nicht. Als einer der Männer, Lorne Night, an Skorbut erkrankt, wollen sich die drei Gesunden über das gefrorene Meer nach Sibirien durchschlagen. Ada Blackjack und Lorne Night bleiben zurück. Die Indigene muss die Jagd allein übernehmen, erlegt Gänse und Robben. Schließlich stirbt Night, und Blackjack harrt weiter aus. Am 19. August 1923, nach 703 Tagen, erreicht endlich das Versorgungsschiff die Wrangelinsel und rettet die Frau. Von den drei Männern, die Sibirien erreichen wollten, fehlt jede Spur.
Tongaische Schiffbrüchige: Sechs Jugendliche auf einer Insel
Fast wie in William Goldings Klassiker "Herr der Fliegen": Im Juni 1965 flüchten sechs Jungen zwischen 13 und 19 Jahren aus ihrem Internat auf der tongaischen Insel Tongatapu, schnappen sich ein Segelboot und machen sich auf in Richtung Fidschi. Doch ein Sturm beschädigt Segel und Ruder; die Jugendlichen treiben ab und landen auf der unbewohnten Insel Ata, 160 Kilometer entfernt von Tongatapu.
Im Gegensatz zu "Herr der Fliegen", wo die Kinder bald mörderisch Jagd aufeinander machen, raufen sich die tongaischen Schiffbrüchigen jedoch zusammen. Zu ihrem Glück finden sie Spuren früherer Inselbewohner, die Bananen angebaut und Hühner gezüchtet hatten. Die sechs regeln in einem Dienstplan, wer das Feuer am Brennen hält und für die Bananenpalmen zuständig ist. 15 Monate später bemerkt ein australischer Fischer Rauch über der eigentlich unbewohnten Insel und rettet die Jungen.
Alexander Selkirk: Der wahre Robinson Crusoe
Der Schotte Alexander Selkirk heuert 1703 bei Freibeutern auf dem Segler "Cinque Ports" an, der vor der südamerikanischen Küste Jagd auf spanische und französische Schiffe macht. Als die "Cinque Ports" im Folgejahr das unbewohnte, 600 Kilometer vom Festland entfernte Inselchen Más a Tierra anläuft, stellt Selkirk schwere Schäden am von Holzwürmern angenagten Rumpf fest – und weigert sich, vor einer Reparatur weiterzusegeln. Seine Mannschaft lässt ihn kurzerhand zurück. Sein Glück, denn tatsächlich sinkt die "Cinque Ports" vor der chilenischen Küste samt Besatzung.
Selkirk dagegen überlebt: Ausgestattet mit Gewehr, Axt, Messer, Bibel, Kochtopf und einigen Kleidungsstücken, ernährt er sich von wilden Ziegen, Rüben und Früchten. Vier Jahre und vier Monate harrt er auf der Insel aus, bis englische Seeleute ihn entdecken und mitnehmen. 1711 trifft er in London ein, mehrere zeitgenössische Berichte schildern sein Abenteuer. Auch der Journalist Daniel Defoe greift Selkirks Erzählungen auf – und veröffentlicht 1719 seinen berühmten Roman "Das Leben und die seltsamen Abenteuer des Robinson Crusoe".
Philip Ashton: Auf der Flucht vor Piraten
Im Juni 1722 fischt Philip Ashton, 19 Jahre alt, vor der Küste Nova Scotias im Atlantik, als Piraten ihn aufgreifen und entführen. Fortan muss er die Crew als Gefangener auf ihren Raubzügen entlang der Küsten Afrikas und Brasiliens begleiten. Als die Piraten im März 1723 auf der Karibikinsel Roatán frisches Wasser holen, entkommt Ashton, versteckt sich im Wald und wird zurückgelassen.
Der junge Mann verfügt weder über Werkzeuge noch über Waffen. Er ernährt sich von Früchten, Beeren und rohen Schildkröteneiern. Gut ein halbes Jahr später erreicht ein Engländer mit einem Kanu die Insel 65 Kilometer nördlich von Honduras, verschwindet dann zwar schnell wieder – lässt Ashton aber zumindest ein Messer und einen Feuerstein zurück. Nun kann er Essen kochen und Feuer machen. Im Juni 1724 entdecken englische Seeleute Rauch und retten den Mann.
Marguerite de la Roque: Verstoßen wegen der Liebe
Der Abenteurer Jean-François de la Rocque de Roberval, Abkömmling eines alten französischen Adelsgeschlechts, bricht 1542 in die Neue Welt auf. Mit an Bord: seine Verwandte Marguerite de la Roque. Allerdings ist sie nicht allein, sondern hat heimlich ihren jungen Liebhaber mit auf das Schiff genommen. Als Jean-François de la Rocque das herausfindet, setzt er das Paar samt Zofe kurzerhand auf einer Insel vor der Küste Neufundlands aus, immerhin mit ein paar Feuerwaffen.
Angeblich ist die Adelige schwanger, doch sowohl das Neugeborene als auch ihre beiden erwachsenen Begleiter sterben. Marguerite de la Roque dagegen wird nach zwei Jahren von Fischern gerettet und kehrt nach Frankreich zurück.
Noch im 16. Jahrhundert erscheint die Geschichte von de la Rocque in mehreren Überlieferungen, wobei nicht ganz klar ist, wie sehr sich diese Schilderungen an den wirklichen Gegebenheiten orientieren. Auch um welche Insel es sich handelte, ist heute umstritten.