Rezension Was uns die Farben des Kosmos verraten

Cover Die Farben des Universums
Das Buch "Die Farben des Universums" von Florian Freistetter hat 256 Seiten und kostet 24 Euro. Es erschien 2026 im Hanser Verlag und ist unter anderem hier erhältlich
© Hanser Verlag
Das Universum ist dunkel, kalt und ein bisschen unheimlich – oder? Florian Freistetter zeigt in seinem neuen Buch, wie bunt und faszinierend der Kosmos wirklich ist

Die Sonne strahlt überwiegend grün, das Universum leuchtete nach dem Urknall orange und gleicht heute einem milchigen Weiß. Unnütze Funfacts? Keineswegs. Wir Menschen haben es bislang nur auf den Mond geschafft, unsere Raumsonden gerade einmal an den Rand unseres Sonnensystems. Um das große Ganze des Universums zu erschließen, sind Astronominnen und Astronomen daher auf die Farben des Alls angewiesen – genauer: auf die Informationen, die in diesen elektromagnetischen Wellen stecken.

Unsere Augen erfassen nur einen winzigen Ausschnitt des Spektrums. Doch auch Radio- und Mikrowellen oder ultraviolettes Licht sind Farben – solche, die wir nicht sehen. Mit Teleskopen können Forschende sie messen und so selbst weit entfernte Galaxien untersuchen.

Anhand der sechs Regenbogenfarben, des bunten Rests und unsichtbarer Strahlung will Florian Freistetter nicht weniger als die Geschichte des Universums erklären – auf knapp 250 Seiten. Ein ambitioniertes Vorhaben, das in seinem neuen Buch "Die Farben des Universums" erstaunlich gut gelingt.

Freistetter ist Astronom, Podcaster, Blogger und Buchautor. Entsprechend souverän erklärt er komplexe Zusammenhänge, ohne Physik-Phobiker*innen abzuschrecken. Hier etwas Relativitätstheorie, dort ein Exkurs zu Neutrinos – stellenweise liest sich das wie eine erwachsene, literarische Version der Sendung mit der Maus. Und das ist ausdrücklich als Kompliment gemeint.

Immer wieder streift er dabei die Lebensgeschichten jener Forschenden, die das Verständnis des Universums geprägt haben, darunter Newton, Fraunhofer, Leavitt oder Hubble. So verliert die Astronomie ihre Distanz – und beinahe zwangsläufig entsteht der Wunsch, zur nächsten Sternwarte zu fahren und den Kosmos selbst nach seinen Farben zu durchsuchen.

Dabei beginnt die Spurensuche direkt vor unserer Haustür. Die farbigen Signaturen des Universums finden sich im "IceCube"-Observatorium in der Antarktis ebenso wie im Grün der Pflanzen oder im Rot des Sonnenuntergangs. Viele berühmte bunte Bilder aus dem All – etwa von kosmischen Nebeln oder leuchtenden schwarzen Löchern – könnten wir allerdings selbst nie sehen: Forschende haben unsichtbare Strahlung eingefärbt, um ihre Daten sichtbar zu machen. Hätte man einige dieser Bilder im Buch abgedruckt, wäre das womöglich die rote Kirsche auf dem kosmischen Sahnehäubchen gewesen.