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New York Grausames Spektakel: Vor 119 Jahren wurde Topsy der Elefant mit Stromschlägen hingerichtet

Tod durch Stromschläge: Am 4. Januar 1903 wurde die Elefantenkuh Topsy öffentlich hingerichtet
Tod durch Stromschläge: Am 4. Januar 1903 wurde die Elefantenkuh Topsy öffentlich hingerichtet
© mauritius images / Alpha Stock / Alamy
Drei Menschen soll die Elefantenkuh Topsy getötet haben, deshalb lässt ein Freizeitpark auf Coney Island sie am 4. Januar 1903 öffentlich hinrichten – mit 6000 Volt Wechselstrom. Für den Vergnügungspark eine willkommene Promo-Aktion, die Menschenmassen anlockt

Es ist 13:30 Uhr. 1500 Zuschauerinnen und Zuschauer warten am 4. Januar 1903 im Luna Park auf Coney Island vor New York City darauf, dass das Spektakel beginnt. Auf einen Todeskampf, wie ihn noch nie jemand vorher zu sehen bekommen hat. Endlich tut sich etwas: Wärter führen die Todgeweihte zur Hinrichtungsstätte. Sie heißt Topsy – und ist ein sechs Tonnen schwerer ehemaliger Zirkuselefant.

Die Wärter stellen sie auf Kupferplatten mit Elektroden und fixieren sie mit Seilen, sodass sie sich nicht mehr bewegen kann. Um 14.45 Uhr sind alle Vorbereitungen abgeschlossen. Die Hinrichtung kann beginnen. Der Chef-Elektriker gibt das Signal, dann schießen mehr als 6000 Volt durch Topsys Körper. "Das große Biest starb ohne Trompeten oder Stöhnen", berichtet die New Yorker Abendzeitung "Commercial Advertiser". Die "New York Times" fügt hinzu: "Es war eine Sache von zehn Sekunden."

Um ganz sicher zu gehen, wird die tote Elefantenkuh noch für zehn Minuten an einem Seil aufgehängt – bis dahin wurden zwar Hunde, Katzen und Pferde mit Stromschlägen getötet, niemals aber ein so großes Tier wie ein Elefant. Zusätzlich hatten die Wärter Topsy Karotten mit Zyankali verabreicht.

Topsy wurde gequält und misshandelt

Ihre Hinrichtung hat eine lange Vorgeschichte und steht symptomatisch für die Misshandlung von Zirkustieren: Die indische Elefantenkuh wird um 1875 in die USA geschmuggelt und muss mit einem Zirkus durch die Lande touren. Immer wieder quälen Pfleger das Tier: Ein Wärter gibt Topsy Alkohol, ein anderer versucht, sie mit einer brennenden Zigarette zu füttern. Drei Menschen soll sie im Laufe der "Zirkus-Karriere" getötet haben, bis sie an einen Vergnügungspark auf Coney Island verkauft und als Arbeitselefant eingesetzt wird.

Dort geht die Misshandlung weiter: Ein betrunkener Pfleger reitet mit ihr im Dezember 1902 durch die Straßen Brooklyns und verliert die Kontrolle. Laut trompetend stürmt Topsy ausgerechnet eine Polizeiwache; die Beamten flüchten vor ihr in die Zellen. Daraufhin erklären die Elefanten-Besitzer zur unberechenbaren Gefahr. Topsy soll sterben.

Zunächst ist geplant, den Elefanten zu erhängen, doch dagegen wenden sich amerikanische Tierschützer. Stromschläge, eine immer noch junge Erfindung, sollen dem Tier einen schnellen, weniger qualvollen Tod bereiten. 1890 wurde erstmals ein Mensch auf dem elektrischen Stuhl  hingerichtet; das gleiche Verfahren, die sogenannte "Electrocution", wird 1903 auch bei Topsy angewendet, und zwar von der "New York Edison Company" (allerdings ist die Firma zu dem Zeitpunkt nicht mehr in Besitz des Strom-Pioniers Thomas Edison). Der Luna Park, im Januar 1903 noch eine Baustelle, setzt Topsys Hinrichtung schließlich medienwirksam um – und sorgt so für Pressewirbel, bevor der Park im Mai überhaupt erst eröffnet wird.

Topsy bleibt nicht der einzige Zirkuselefant, dessen Hinrichtung öffentlich zur Schau gestellt wird: Als die Elefantenkuh Mary im September 1916 einen Pfleger in Tennessee zu Tode trampelt, ordnet der örtliche Sheriff ihren Tod an. Sie soll, anders als Topsy, gehängt werden: Vor 3000 Zuschauerinnen und Zuschauern versehen Polizisten sie mit Eisenketten, dann hievt ein Ladekran das massige Tier in die Höhe. Doch: Die Kette reißt. Mary fällt und bricht sich das Becken. Der zweite Versuch bereitet ihrem Leben einem Ende, allerdings dauert ihr Todeskampf am Ladekran grausame zehn Minuten. Erst nach den tragischen Schicksalen von Topsy und Mary beginnt eine Debatte darüber, wie Tiere artgerechter gehalten und vor Misshandlungen besser geschützt werden können. 


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