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Psychologie In welchem Alter werden wir langsamer im Kopf?

Die Reaktionszeit von Menschen lässt im Alter nach
Die Reaktionszeit von Menschen lässt im Alter nach
© Robert Kneschke / Adobe Stock
Forschende haben untersucht, ab welchem Alter die Reaktionszeit von Menschen nachlässt. Das Ergebnis: Eine längere Reaktionszeit im Alter könnte nicht alleine den kognitiven Prozessen im Gehirn geschuldet sein

Wer als Erwachsener mit Grundschulkindern "Memory" spielt, erlebt oft eine Demütigung. Noch schlimmer wird die Sache, wenn pure Geschwindigkeit gefordert ist. Man weiß es im Grunde längst: Junge Menschen sind schnell im Kopf, ältere Menschen nicht. Bei psychologischen Experimenten zeigt man Teilnehmenden zum Beispiel Bilder am Computer – und dann sollen sie den Bildern per Knopfdruck die passenden Wörter zuordnen. Das können 20-Jährige im Durchschnitt am schnellsten. Danach zeigt die Kurve mit den Jahren nur noch in eine Richtung: Man wird immer langsamer. 

Jetzt aber nährt eine Studie an der Uni Heidelberg Zweifel an der vermeintlichen Gewissheit. Die Forschenden untersuchten dafür die Ergebnisse von mehr als einer Million Testpersonen. Auch in diesen Tests ging es um das Kombinieren von Bildern mit Wörtern. Auch hier hatte man die Reaktionszeit gemessen. Auch diese Daten zeigten auf den ersten Blick das altbekannte Langsamerwerden jenseits der 20. Doch könnte es nicht sein, dass die längere Reaktionszeit gar nicht den kognitiven Prozessen im Gehirn geschuldet war? Vielleicht lag die Sache ja auch an anderen Faktoren? 

Ältere Testpersonen waren eher darauf bedacht, keine Fehler zu machen

Und tatsächlich entdeckten die Heidelberger Fachleute dafür mehrere Kandidaten. Denn offenbar wogen ältere Testpersonen ihre Antworten sorgfältiger ab – sie waren nicht auf Tempo bedacht, sondern darauf, keine Fehler zu machen. Und noch ein zweiter Faktor scheint eine Rolle zu spielen: nämlich unsere rein körperliche Reaktionsfähigkeit. Schließlich muss unser Finger nach dem eigentlichen Entschluss noch eine Taste am Computer drücken. 

Bezieht man die beiden Faktoren in die Gleichung ein, ergibt sich plötzlich ein völlig anderes Bild unseres geistigen Verarbeitungstempos. Wenn die Heidelberger Analysen stimmen, dann erreicht unsere reine Denkgeschwindigkeit erst mit 30 Jahren ihren Höhepunkt und baut, bis wir 60 sind, nur geringfügig ab. Wirklich langsamer im Kopf werden wir demnach erst im Rentenalter.


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