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Hedy Lamarr Ohne diese Hollywood-Diva gäbe es heute vielleicht kein WLAN

Hedy Lamarr ist in den 1940er Jahren eine gefeierte Schauspielerin in harmlosen Rollen. Doch an den Drehsets denkt sie darüber nach, wie sich der Vormarsch der Wehrmacht stoppen lässt
Hedy Lamarr ist in den 1940er Jahren eine gefeierte Schauspielerin in harmlosen Rollen. Doch an den Drehsets denkt sie darüber nach, wie sich der Vormarsch der Wehrmacht stoppen lässt
© IMAGO / Prod.DB
Filmstar Hedy Lamarr spielte den ersten weiblichen Orgasmus der Filmgeschichte, wurde zur "schönsten Frau der Welt" erklärt und entwickelte eine Funksteuerung für Torpedos – der Urahn des WLAN. Am heutigen Dienstag wäre die Hollywood-Diva 107 Jahre alt geworden

"Wurde auch Zeit", soll Hedy Lamarr (1914–2000) geknurrt haben, als eine Stiftung sie 1997 zur Pionierin der Funktechnologie erklärt.

Weltberühmt wird Lamarr schon mit 18, auf anderem Gebiet: Die Österreicherin, geboren als Hedwig Kiesler, spielt in dem Film "Ekstase" eine Nacktszene – und den ersten weiblichen Orgasmus der Filmgeschichte. Ein Skandal.

Hedy Lamarr ist von Hollywood unterfordert

Vier Jahre später geht sie nach Hollywood, wird zur "schönsten Frau der Welt" erklärt. In den 1940er Jahren übernimmt sie bis zu drei Hauptrollen pro Jahr, mit ihrem Look, den dunklen, in der Mitte gescheitelten Haaren, wird sie zur Stilikone.

Doch Hollywood unterfordert sie, auch die zahlreichen Affären füllen ihr Leben nicht aus. Was sie umtreibt, ist der Krieg in Europa. Die Nationalsozialisten sind ihr zuwider, sie will den Kampf der Alliierten unterstützen.

1940 lernt die Filmdiva den Komponisten George Antheil kennen, auch er ist besorgt über die Verhältnisse an Europas Fronten. Lamarr weiß durch eine frühere Ehe mit einem Rüstungsfabrikanten um die Bedeutung ferngelenkter Waffen. Und Antheil experimentiert mit Musikmaschinen, die er per Lochstreifen miteinander synchronisiert.

Lamarr hat die Idee, dieses Prinzip auf die Funksteuerung von Torpedos zu übertragen: Wenn diese ihre Frequenz im Takt der Lochstreifen wechseln, kann sie der Gegner nur schwer orten.

Lamarrs Idee ist die Grundlage der heutigen WLAN- und Bluetooth-Technologie

Lamarr und Antheil stellen ihr System den US-Streitkräften vor, 1942 erhalten sie das Patent. Doch beim Militär kommt das frequency hopping nicht zum Einsatz – mit ein Grund, warum Kritiker den Wert von Lamarrs Erfindung infrage stellen.

Die moderne Informatik aber erkennt das Potenzial von Hedy Lamarrs Idee. Das von ihr bereits 1940 vorgestellte System zum automatischen Wechsel von Funkfrequenzen ist die Grundlage der heutigen WLAN- und Bluetooth-Technologie.


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