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Leben retten Blutspende – was Spendewillige wissen müssen

Jemand spandet Blut
Rund ein halber Liter Blut wird bei einer Vollblutspende entnommen
© Bernd Wüstneck/dpa-Zentralbild/dpa-tmn
In der Medizin sind gespendetes Blut und Plasma unverzichtbar. Statistisch ist jeder zweite Deutsche einmal im Leben auf eine Blutspende oder daraus hergestellte Medikamente angewiesen. Jedoch spenden nur drei Prozent der Bevölkerung regelmäßig Blut. Nun schlagen Blutspendedienste Alarm: die Blutkonserven werden knapp. Infos für alle, die Blut spenden möchten

Inhaltsverzeichnis

Blutspendedienste und Mediziner in Nordrhein-Westfalen warnen vor Engpässen bei der Versorgung der Patienten mit Blutkonserven. Aktuell fehlten in dem Bundesland durch die vielen Krankheitsfälle in der Bevölkerung jeden Tag Hunderte Spender. "Bei einigen Blutgruppen erhalten die Kliniken im Moment nur noch die Hälfte dessen, was sie bei uns anfordern", sagt Stephan David Küpper vom DRK-Blutspendedienst West in Ratingen. Neben dem aktuellen Engpass macht vor allem ein genereller Rückgang der Spendebereitschaft den Fachleuten Sorgen.

Laut DRK gehen nur drei Prozent der spendefähigen Bevölkerung auch tatsächlich zur Blutspende. In den Städten sind es noch deutlich weniger als auf dem Land. Das verschärfe die Lage in den nordrhein-westfälischen Ballungsräumen zusätzlich. "Wir werden in Zukunft noch wesentlich häufiger solche Mangelsituationen bei Blutprodukten haben", sagt Peter Horn, Direktor des Instituts für Transfusionsmedizin der Universitätsklinik Essen. Wenn der Mangel einmal zu groß werden sollte, müssten in einem ersten Schritt nicht-lebensnotwendige Operationen verschoben werden. Im schlimmsten Fall könne es aber auch dazu kommen, "dass wir bei einer großen Katastrophe nicht mehr versorgungsfähig sind"

Blutspenden für alle ab 18 Jahren möglich

Ab dem 18. Geburtstag sind viele Dinge möglich: Auch Leben retten mit einer Blut- oder Plasmaspende zählt dazu. Das Höchstalter für Erstspender wiederum liegt in der Regel bei 60 Jahren, regelmäßige Spenden sind für geübte Spenderinnen und Spender laut Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) bis zum 68. Lebensjahr möglich.

Wobei die beiden Altersgrenzen nicht in Stein gemeißelt sind. Auch ältere Personen könnten nach ärztlicher Zustimmung im Einzelfall noch spenden. Für alle gilt: Man muss sich am Tag der Spende fit und gesund fühlen und laut BZgA mindestens 50 Kilogramm Körpergewicht auf die Waage bringen.

Homosexuelle Männer sollen leichter Blut spenden dürfen

Derzeit gibt es noch bestehende Beschränkungen für homosexuelle Männer bei der Blutspende. So werden Männer, die Sex mit Männern haben, nach Sexualkontakt mit einem neuen oder mehr als einem Sexualpartner für vier Monate von der Spende zurückstellt.

Bei Sexualverkehr zwischen Frau und Mann wird hingegen für vier Monate nur zurückgestellt, wer "häufig wechselnde Partnern/Partnerinnen" hat. Nun sollen"gruppenbezogene Ausschluss- oder Rückstellungstatbestände" nicht mehr zulässig sein, und die sexuelle Orientierung soll kein Rückstellungskriterien mehr sein dürfen. Sexuelles Risiko, das zu einer Rückstellung von der Spende führt, soll nur auf Grundlage des individuellen Verhaltens ermittelt werden dürfen.

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) will diese bestehenden Beschränkungen für homosexuelle Männer bei der Blutspende aufheben. Das geht aus einem Änderungsantrag zum Transfusionsgesetz hervor. "Die sexuelle Orientierung und die Geschlechtsidentität dürfen keine Ausschluss- oder Rückstellungskriterien sein", heißt es in dem Entwurf für den Antrag. Mit der Änderung soll die Bundesärztekammer verpflichtet werden, ihre einschlägige Blutspenderichtlinie zeitnah zu ändern.

Die Gesetzesänderung soll zum 1. April 2023 in Kraft treten und die Bundesärztekammer verpflichten, danach innerhalb von vier Monaten im Einvernehmen mit dem Paul-Ehrlich-Institut die Blutspende-Richtlinien anzupassen.

Gesundheitscheck vor der Spende

Vor der Spende wird der Gesundheitszustand gecheckt: So gehört es laut dem Deutschem Roten Kreuz (DRK) dazu, dass die Körpertemperatur gemessen wird. Mit einem kleinen Pieks in den Finger wird zudem der Hämoglobin-Wert im Blut ermittelt. Ist er zu niedrig, ist das laut DRK ein möglicher Hinweis auf Eisenmangel. Eine Blutspende ist an diesem Tag dann nicht möglich.

Zudem gibt es eine Vielzahl von Gründen für eine zeitweilige Rückstellung. Wer innerhalb der vergangenen vier Wochen mit dem Coronavirus infiziert war, sollte kein Blut spenden. Mindestens eine Woche Karenz gilt für einfache Infekte wie eine Erkältung.

Nach Tätowierungen darf man zum Beispiel für vier Monate kein Blut spenden, da hierdurch Entzündungen und Infektionen entstehen können, die im Blut erst Wochen später sichtbar werden. Auch nach einer Impfung mit Lebend-Impfstoffen gilt ein Stop von vier Wochen. Bei Corona-Impfungen mit den aktuell verfügbaren Impfstoffen indes sind Blutspenden schon am Folgetag möglich. Sofern keine Impfreaktionen wie Fieber oder lokale Schwellungen auftreten, informiert der DRK-Blutspendedienst West.

Manche Menschen sind von Blutspenden ausgeschlossen. Dazu zählen unter anderem Personen mit bestimmten chronischen Erkrankungen, etwa insulinpflichtige Diabetiker.

Ausreichend Zeit für die Blutspende einplanen

Es ist ratsam, nicht mit nüchternem Magen zu spenden und stattdessen vor und nach der Blutspende ausreichend zu essen und zu trinken. Das beugt Kreislaufproblemen vor. Anstrengendes Training steht nach der Blutspende besser nicht mehr auf dem Tagesplan.

Für eine Vollblutspende sollte man rund eine Stunde Zeit einplanen – das schließt die Voruntersuchung und das Ausruhen danach ein. Die Entnahme der rund 500 Milliliter Blut dauert rund zehn Minuten.

Bei einer Plasmaspende dauert die Entnahme mit rund 30 bis 45 Minuten deutlich länger. Hierbei wird in der Regel während des Spendens das Plasma in einem speziellen Gerät von den übrigen Blutbestandteilen getrennt – diese gelangen zurück in den Körper.

Pro Jahr sind bis zu 60 Plasmaspenden möglich, der Mindestabstand dazwischen beträgt drei Tage. Vollblutspenden können Frauen nur vier Mal im Jahr geben, Männer sechs Mal. Dazwischen müssen mindestens acht Wochen Pause liegen. Wer Blut spendet, sollte den Personalausweis mitbringen und bei weiteren Spenden auch an den Blutspendeausweis denken. Den bekommt man ein paar Wochen nach der ersten Spende zugeschickt.

Anderen helfen, selbst profitieren

In erster Linie hilft man mit seiner Spende natürlich anderen. Neben dem guten Gefühl gibt es je nach Blutspendedienst auch noch kleine Geschenke, Gutscheine, Geld oder gemeinnützige Spenden.

Und: Man lernt etwas über den eigenen Körper. So kennt nach der Spendenpremiere die eigene Blutgruppe - diese wird bei sonstigen Laboruntersuchungen des Blutes in der Regel nicht auf dem Befund angegeben. Darauf weist die Deutsche Gesellschaft für Transfusionsmedizin und Immunhämatologie (DGTI) hin.

Durch die ausführliche Untersuchung im Vorfeld der Blutspende könnten zudem mögliche Erkrankungen frühzeitig erkannt werden.

dpa /Tom Nebe, dpa

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