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Permanente Anspannung Wie sich Dauerstress auf unseren Körper auswirkt

Dauerstress hinterlässt Spuren im gesamten Körper. Selbst hoher Augeninnendruck kann dadurch ausgelöst werden – oder auch peinigende Ohrgeräusche wie beim Tinnitus
Die Folgen permanenter Anspannung auf den Körper

Stress belastet nicht nur die Seele, sondern kann sich auf verschiedene Organe des Körpers negativ auswirken, etwa das Herz, den Darm oder die Muskulatur

In diesem Artikel
Das Gehirn (1)
Die Muskulatur (2)
Das Herz (3)
Das Ohr (4)
Der Blutzucker (5)
Das Auge (6)
Der Darm (7)

Das Gehirn (1)

Ständige Belastung kann dramatische Auswirkungen auf die Funktionsweise des Gehirns haben. Unter anhaltendem Druck wird der Körper mit Stresshormonen geflutet, die das Denkorgan direkt beeinflussen. Forscher vermuten, dass diese Botenstoffe dafür sorgen, dass Zellen verkümmern: zum einen im Hippocampus, einer Region, die Erinnerungen vom Kurzzeit- ins Langzeitgedächtnis überführt, zum anderen in Bereichen des Frontallappens, der für die rationale Bewertung von Situatuationen zuständig ist. Womöglich deshalb fällt es Betroffenen immer schwerer, Situationen vernünftig einzuschätzen und Positives in Erinnerung zu behalten. Stattdessen übernimmt das Angstzentrum, die Amygdala, zunehmend die Kontrolle über das Fühlen und Denken. So setzen sich mitunter vor allem negative Bewertungen im Bewusstsein fest, was den Stress noch verstärkt. Zusätzlich ist das Gehirn immer weniger in der Lage, den Spiegel an Stresshormonen zu regulieren, sodass immer mehr davon ins Blut gelangen. Eine unheilvolle Spirale kommt in Gang, die schwere Depressionen zur Folge haben kann.

Die Muskulatur (2)

Bei Angst und Stress spannen sich die Muskeln an. Auf Dauer können sie verkrampfen, was erhebliche Schmerzen – etwa im Nacken und Rücken – auslöst. Mitunter äußern sich die Verspannungen auch als Kopfschmerz.

Das Herz (3)

Das Herz ist eines der am besten durchbluteten Organe des menschlichen Körpers, Herz- kranzgefäße versorgen den Pumpmuskel mit ausreichend Sauerstoff. Stress aber erhöht das Risiko, einen Herzinfarkt zu erleiden. Der Grund ist eine komplexe Verkettung biochemischer Mechanismen: Infolge psychischer Anspannung setzen die Nebennieren verstärkt Noradrenalin frei, einen Botenstoff, der zu einer vermehrten Bildung von bestimmten weißen Blutkörperchen im Knochenmark führt. Die wiederum können dazu beitragen, dass fetthaltige Ablagerungen aus den Gefäßwänden in den Blutkreislauf kommen. Denn die Immunzellen sammeln sich in diesen sogenannten Plaques, wodurch sich die Aderwände entzünden und brüchig werden. Reißen sie auf und gelangen die Ablagerungen in den Blutstrom, können sie eine Arterie gänzlich verstopfen. Geschieht Derartiges in einem Herzkranzgefäß, sind die Auswirkungen nicht selten tödlich: Ein Teil des Muskels des lebenswichtigen Pumporgans wird dann nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt und stirbt ab – es kommt zum Herzinfarkt.

Das Ohr (4)

Weil unter ständiger Belastung Teile des Immunsystems gedämpft werden, können Erreger leichter ins Mittelohr eindringen. Taubheit kann die Folge sein, die das Gehirn mit dem typischen Pfeifen des Tinnitus kompensiert.

Der Blutzucker (5)

Das Stresshormon Kortisol verringert die Wirkung von Insulin, das den Blutzuckerspiegel reguliert. Die Bauchspeicheldrüse gleicht diesen Effekt durch erhöhte Insulinfreisetzung aus – bis sie erschöpft ist. Dadurch steigt das Diabetes-Risiko.

Das Auge (6)

Permanente Anspannung kann den Augeninnendruck erhöhen. Dadurch wird der Sehnerv weniger durchblutet und geschädigt. Bei dieser Erkrankung (Grüner Star) schrumpft allmählich das Blickfeld – bis zur völligen Erblindung.

Der Darm (7)

Bei akutem Stress krampft sich der Magen zusammen. Hält der Stress über längere Zeit an, wird die Darmschleimhaut durchlässiger. Krankheitserreger können leichter eindringen und Entzündungen verursachen.

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