Steinzeit Älteste Holzwerkzeuge der Menschheit in Griechenland entdeckt

  • von Franca Krull
Künstlerische Rekonstruktion einer Frau, die ein Holzwerkzeug herstellt
Künstlerische Rekonstruktion einer Frau aus der Altsteinzeit in Marathousa 1, die mit einem kleinen Steinwerkzeug einen Grabstock aus einem kleinen Erlenstamm herstellt
© G. Prieto / K. Harvat
In Südeuropa entdecken Forschende die ältesten hölzernen Handwerkzeuge der Welt. Die Stöcke stammen aus einer Zeit, lange bevor der Homo sapiens existierte, und sie dienten einem besonderen Zweck

Holz ist eines der wichtigsten Materialien der Menschheitsgeschichte – aber zugleich auch sehr vergänglich. Während Steinwerkzeuge hunderttausende Jahre überdauern können, verwittern hölzerne Objekte meist schnell. Umso bedeutender ist eine Entdeckung aus Griechenland: Im Zentrum der Halbinsel Peloponnes haben Forschende die bislang ältesten eindeutigen hölzernen Handwerkzeuge der Menschheit identifiziert. Ihr Alter: rund 430.000 Jahre, wie das Team um Katerina Harvati von der Universität Tübingen in der Fachzeitschrift "PNAS" schreibt. Das ist etwa 30.000 Jahre früher als jene hölzerne Lanzenspitze, die im Südosten von England gefunden wurde.

"Wir haben die bisher ältesten hölzernen Handwerkzeuge der Menschheit entdeckt sowie auch den ersten Nachweis dieser Art aus Südosteuropa", wird Harvati in einer Mitteilung ihrer Universität zitiert. Das Team analysierte mehr als 144 Holzreste, mindestens zwei davon wurden gezielt von den damaligen Frühmenschen - vermutlich Vorläufer der Neandertaler - bearbeitet und genutzt.

Holzwerkzeug von vor 430.000 Jahren
Kleines Holzwerkzeug aus der Fundstätte Marathousa 1 in Griechenland, das zu einer neuen Art von Holzwerkzeugen gehört, die vom Menschen verwendet werden.
© N. Thompson / K. Harvati

"Wir untersuchten systematisch Form und Gestalt des Holzes und betrachteten es auch mikroskopisch", sagt Erstautorin Annemieke Milks von der englischen Universität Reading. "Die Bearbeitung durch den Menschen hat dabei Spuren hinterlassen, zum Beispiel beim Schneiden oder Schnitzen."

Skelett eines zerlegten Ur-Elefanten

Das erste Fundstück stammt aus einem Erlenstamm. Der Stock wurde wahrscheinlich zum Graben im Sand oder zum Ablösen von Baumrinde benutzt. Das zweite, deutlich kleinere Objekt stammt vermutlich von einer Weide oder Pappel und zeigt ebenfalls Spuren von Bearbeitung.

Der Fundort Marathousa 1, ein ehemaliges Bergbaugebiet, lag damals vermutlich am Ufer eines Sees und wurde als Schlachtplatz für Tiere genutzt. Darauf deuten neben Stein- und Holzwerkzeugen auch zahlreiche Tierknochen mit Schnittspuren hin. Unter den Überresten sind nicht nur Spuren von Rothirschen und Flusspferden, sondern auch das Skelett eines zerlegten Ur-Elefanten.

Der Fundort wurde damals sehr schnell von feinen, feuchten Sedimenten bedeckt, die die organischen Materialien vor dem Zerfall schützten. Dies ermöglichte den Erhalt der Holzwerkzeuge, was bei diesem Alter extrem selten ist.

Wesentlich älter als die Schöninger Speere

Mit dem Alter der nun vorgestellten Hölzer könne nur ein anderer Fund aus Kalambo Falls in Sambia mithalten, erklärt die Gruppe. Jenes Holz mit einem Alter von etwa 476.000 Jahre diente aber vermutlich nicht als Werkzeug.

Weltberühmt sind die nahe Helmstedt gefundenen hölzernen Schöninger Speere - die ältesten vollständig erhaltenen Jagdwaffen der Welt -, die vermutlich etwa 300.000 Jahre alt sind. Die generell älteste hölzerne Jagdwaffe ist eine Lanzenspitze aus Südostengland mit einem Alter von etwa 400.000 Jahren. 

Die Entdeckung zeigt, dass Menschen in Europa schon damals neben Stein auch Holz gezielt als Werkstoff nutzten. "Diese Funde erweitern erheblich unser Verständnis der Entwicklung und Nutzung von Technologien und Materialien in der menschlichen Evolution", betont das Forschungsteam. Den modernen Menschen gab es damals noch nicht: Der Homo sapiens entstand erst vor grob 300.000 Jahren in Afrika.

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