Phthalate und BPA Eine Woche ohne Plastik: Studie zeigt drastischen Effekt im Körper

Kunststoffe aus Verpackungen können auf Lebensmittel übergehen. Klug ist, wer auf einen plastikfreien Einkauf achtet
Kunststoffe aus Verpackungen können auf Lebensmittel übergehen. Klug ist, wer auf einen plastikfreien Einkauf achtet
© VICUSCHKA / Getty Images
Wer beim Einkauf und bei der Zubereitung von Lebensmitteln auf plastikfreie Produkte achtet, kann die Belastung im eigenen Körper in nur sieben Tagen messbar reduzieren

Eine kürzlich im Fachmagazin "Nature Medicine" veröffentlichte klinische Studie zeigt: Schon eine Woche plastikarme Ernährung kann die Belastung im Körper mit schädlichen Chemikalien deutlich senken – um bis zu 50 Prozent. Die Ergebnisse geben der weltweit geführten Diskussion über mögliche Gesundheitsrisiken durch Mikroplastik in Nahrungsmitteln neuen Auftrieb.

Forschende der University of Western Australia hatten sich mit der Frage beschäftigt, ob die Minimierung von Kunststoffkontakt bei der Lebensmittelproduktion, -verpackung und in der Küchenausstattung messbare Verbesserungen im menschlichen Körper mit sich bringen würde. "Dazu haben wir zwei wichtige Arten von Kunststoffchemikalien untersucht, nämlich Bisphenole und Phthalate. Beide können die hormonellen Funktionen unseres Körpers beeinträchtigen und mit Unfruchtbarkeit sowie kardiometabolischen Erkrankungen in Verbindung gebracht werden", erklärt Erstautorin Michaela Lucas in einer Mitteilung der Universität. 

Starker Rückgang der Phthalat- und Bisphenol-Werte

Probandinnen und Probanden, die plastikarme Lebensmittel und plastikfreies Küchengeschirr für den Studienzeitraum erhielten – etwa Töpfe aus Edelstahl und Holzschneidebretter – verzeichneten einen Rückgang der Phthalat-Werte um mehr als 44 Prozent und der Bisphenol-Werte, einschließlich BPA und BPS, um mehr als 50 Prozent im Vergleich zur Kontrollgruppe.

"Unsere Ergebnisse zeigen, dass die konsequente Einhaltung einer Ernährung, bei der Lebensmittel weder während der Produktion noch bei der Verpackung mit Kunststoff in Berührung kommen, den Gehalt an Kunststoffchemikalien in unserem Körper bereits innerhalb einer Woche senken kann", fasst das Forschungsteam, das aus Ernährungswissenschaftlern, Ärztinnen, Pflegekräften, Statistikern und Biologinnen besteht, seine Ergebnisse zusammen. Für ihre Studie hatten die Forschenden die Daten von 211 gesunden Erwachsenen ausgewertet und anschließend 60 Probandinnen und Probanden aus der Gruppe ausgewählt, um die Wirksamkeit des Ersatzes von Lebensmitteln und Getränken, Küchenutensilien und Körperpflegeprodukten durch plastikarme Alternativen zu testen.

"Ob die Reduzierung des Plastikchemikalien-Spiegels automatisch auch erhebliche gesundheitliche Vorteile mit sich bringt, wird derzeit noch weiter untersucht", sagte Michaela Lucas. Doch da Mikroplastik mittlerweile in menschlichem Blut, Lungen und Plazenten nachgewiesen wurde, liefert die Studie zumindest einen der ersten klinischen Belege dafür, dass Einzelpersonen konkrete Schritte unternehmen können, um ihre Exposition zu reduzieren.

Ein begleitender Beitrag im Magazin "Nature Medicin" von Eliane El Hayek, Matthew Campen und Bethany Jorgensen von der Universität New Mexico betonte, dass die Erkenntnisse dieser neuen Studie die Notwendigkeit "umfangreicher regulatorischer Maßnahmen" unterstreichen, um eine spürbare Wirkung auf die öffentliche Gesundheit zu erzielen.

Problembewusstsein für Kunststoffe wird größer

Die Studie der University of Western Australia erscheint zu einer Zeit, in der Wissenschaft und Politik Kunststoffe in Lebensmittelproduktion und in der Nahrungsversorgung immer stärker in den Fokus nehmen. Das Problembewusstsein für Mikroplastik und Kunststoffe allgemein wächst weltweit.

Eine erst im Dezember 2025 veröffentlichte systematische Übersichtsarbeit ergab, dass der dauernde Einfluss von Mikroplastik und den damit verbundenen Chemikalien mit einem erhöhten Risiko für Insulinresistenz, Fettleibigkeit und Dyslipidämie korreliert – allesamt Kernkomponenten des metabolischen Syndroms. Und separate Forschungsarbeiten der University of California, Riverside, zeigten ebenfalls Ende 2025, dass die Mikroplastik-Exposition von Vätern bei Mäusen zu Stoffwechselstörungen bei den Nachkommen führen kann.

Der University of Western Australia zufolge werden mehr als 16.000 Chemikalien wie BPA, BPS und Phthalate häufig bei der Herstellung von Kunststoffen für Lebensmittel- und Getränkeverpackungen, Küchenutensilien, Frischhaltefolie, Kunststoffbehälter für Lebensmittel und Getränke sowie Körperpflegeprodukte und viele andere Artikel verwendet – zum Beispiel als Weichmacher oder in der Beschichtung.

Auch die Verbraucherzentralen warnen

In Deutschland warnen die Verbraucherzentralen seit Jahren davor, dass aus Kunststoffen und Beschichtungen in der Lebensmittelproduktion problematische Chemikalien in Essen und Getränke übergehen können. Sie betonen, dass nicht das Plastik an sich die größte Gefahr ist, sondern die Vielzahl an Zusatzstoffen: Weichmacher wie Phthalate, Bisphenole wie BPA oder BPS, PFAS in fettabweisenden Fast‑Food-Verpackungen sowie Stoffe aus Klebern und Druckfarben. Diese Stoffe können sich insbesondere bei Hitze, langer Lagerdauer oder bei fettreichen Lebensmitteln aus Verpackungen, Kunststoffgeschirr, Dosenbeschichtungen, Frischhaltefolien oder Küchenutensilien lösen und aufgenommen werden.

Zugleich machen die Verbraucherzentralen deutlich, dass es zwar Grenzwerte und Positivlisten gibt, dass die Lage aber lückenhaft und für Laien kaum durchschaubar ist. Sie begrüßen, dass besonders problematische Stoffe inzwischen stark eingeschränkt oder ganz verboten sind: So darf Bisphenol A in Babyfläschchen schon länger nicht mehr eingesetzt werden, und seit 2025 verbietet eine neue EU-Verordnung die absichtliche Verwendung von BPA und weiteren kritischen Bisphenolen in allen Lebensmittelkontaktmaterialien weitgehend. Auch für bestimmte Phthalat-Weichmacher sowie für PFAS in Lebensmittelverpackungen greifen zunehmend Beschränkungen: Das EU‑Verpackungsrecht schränkt PFAS in Lebensmittelverpackungen ab August 2026 stark ein, und für mehrere Phthalate gelten strenge Migrationsgrenzwerte oder Zulassungsauflagen.

Für die Praxis raten die Verbraucherzentralen daher zu einfachen Selbstschutzstrategien: Glasbehälter und Edelstahl; wenn möglich, Kunststoff vor allem bei heißen, fettreichen Speisen meiden; keine alten, rissigen Plastikdosen weiterverwenden und Einwegkunststoffe sowie stark beschichtete Pappen im Zweifel eher kritisch betrachten. Zugleich warnen sie davor, sich in falscher Sicherheit zu wiegen: Auch "Bioplastik" oder Bambus-Kunststoff-Mischungen können problematische Chemikalien enthalten, und auch bei "plastikfrei" wirkenden Fast‑Food-Verpackungen aus Pappe oder Zuckerrohr ließen sich schon PFAS und andere Schadstoffe nachweisen.