Coronakrise Die Geschichte der Spanischen Grippe lehrt: Zuhause bleiben rettet Leben

Die Spanische Grippe und die Coronakrise sind nur bedingt vergleichbar. Was der Blick zurück ins Jahr 1918 aber zeigt: Frühzeitige Vorsichtsmaßnahmen retten Menschenleben
Spanische Grippe in St. Louis

Einsatzkräfte des Roten Kreuzes im Oktober 1918 in St. Louis

Der Erste Weltkrieg neigt sich gerade seinem Ende zu, da sucht ein neues Grauen die Menschheit heim: Eine Seuche bricht aus und verbreitet sich in nahezu alle bewohnten Teile der Erde. Über Infizierte in Spanien wird erstmals weithin berichtet, und diesem Umstand verdankt die Krankheit ihren Namen: die Spanische Grippe. Die Pandemie zählt zu den verheerendsten der Geschichte. Bis zu 50 Millionen Menschen tötet sie in den Jahren 1918 und 1919.

Sterberate in St. Louis achtmal niedriger als in Philadelphia

Doch die Zahl der Opfer unterscheidet sich mitunter drastisch von Ort zu Ort. In den USA lässt die Stadt Philadelphia trotz Warnungen am 28. September 1918 eine große Parade stattfinden. Rund 200.000 Schaulustige drängen sich auf engem Raum am Straßenrand.

Nach drei Tagen sind alle Krankenhäuser überfüllt, binnen einer Woche etwa 45.000 Bürger infiziert. Keine amerikanische Metropole trifft die Pandemie so schwer wie Philadelphia. Nach sechs Wochen sind dort mehr als 12.000 Menschen tot.

Die Geschichte der Spanischen Grippe lehrt: Zuhause bleiben rettet Leben

Die Grafik vergleicht die Mortalitätsrate in Philadelphia und St. Louis zwischen dem 8. September und 28. Dezember 1918. Sie stammt aus einer Forschungsarbeit der Princeton University über die staatlichen Maßnahmen gegen die Ausbreitung der Spanischen Grippe.

In St. Louis hingegen reagieren die Behörden frühzeitig. Bereits vor dem ersten registrierten Fall warnen sie vor der Gefahr durch Menschenmengen. Sie sagen ihre Parade ab, schließen bald Schulen, Kinos, Billardsalons, Bibliotheken und Kirchen, verbieten öffentliche Versammlungen.

So schnellt die Zahl der Infektionen nicht schlagartig in die Höhe; sie verteilen sich über einen längeren Zeitraum. Daher können die Krankenhäuser die Menge der Patienten besser bewältigen. Die maximale Sterberate ist achtmal niedriger als in Philadelphia. Und am Ende verzeichnet St. Louis nicht mehr als 700 Tote.