30 Jahre World Wide Web Warum Tim Berners-Lee seine großartige Erfindung einfach so hergab

Am 12. März 1989 wurde von Tim Berners-Lee der Grundstein des World Wide Web gelegt. Statt seine Erfindung patentieren zu lassen, macht der Physiker mit dem Sofwarecode ein Geschenk an die Menschheit - das binnen kürzester Zeit Kommunikation, Kommerz und den Zugang zu Information revolutioniert
Tim Berners-Lee, Erfinder des www

Heute warnt er vor dem Missbrauch seiner Erfindung. "Der Kampf für das Web ist eines der wichtigsten Anliegen unserer Zeit", schrieb Berners-Lee in einem offenen Brief zum 30-jährigen WWW-Jubiläum.

Am Forschungszentrum CERN bei Genf entsteht 1989 eine Technologie, die binnen weniger Jahre das Leben vieler Menschen verändern wird: das World Wide Web.

Zwar gibt es damals bereits das Internet: Seine weltweit gut eine Million Nutzer, die in der Regel akademischen Einrichtungen angehören, können zum Beispiel per E-Mail miteinander kommunizieren. Am CERN, wo Tausende Wissenschaftler an hochkomplexen Experimenten arbeiten, herrscht dennoch Informationschaos.

Tim Berners-Lee sucht am CERN nach einer Lösung

Die Fachleute aus aller Welt nutzen eine Vielzahl verschiedener Computer, Programme und Speichermedien. Unterschiedliche Dateiformate machen einen reibungslosen Austausch digitaler Daten fast unmöglich. Außerdem wechselt das Personal ständig: Laufend geht so Wissen über vergangene Projekte verloren.

Der Brite Tim Berners-Lee, der als Softwareberater am CERN tätig ist, sucht nach einer Lösung: Er will Informationen aller Art so zugänglich machen, dass sie sich jederzeit per Computer einsehen und zudem einfach aktualisieren lassen.

In einem Vorschlag, den er 1989 seinen Vorgesetzten vorlegt, beschreibt er ein System aus Dokumenten, die durch Links verknüpft und auf Servern für jedermann er­reichbar gespeichert sind. Es ist das Grund­prinzip des heutigen World Wide Web.

In den folgenden Monaten entwickelt Berners-Lee den ersten Webbrowser. Er erschafft die Auszeichnungssprache HTML, mit der sich Webseiten erstellen lassen, und erdenkt ein Format für Webadressen. Und er kreiert das HTT-Protokoll, mit dem Computer die neuartigen Seiten über das Internet abrufen können. Ein Nutzer kann sich nun über Links von einer Webseite zur anderen klicken – theoretisch.

Berners-Lee stellt das Telefonverzeichnis ins www

Denn dem World Wide Web fehlen noch die Inhalte. Berners-Lee stellt gemeinsam mit Kollegen zunächst das Telefonverzeichnis ins Netz. Nach und nach beginnen Wissenschaftler und andere Internetnutzer, ihre Projekte online zu dokumentieren.

Um das Wachstum des Wissensnetzes weiter zu beschleunigen, entschließt Berners-Lee sich zu einem großen Schritt: Statt den Softwarecode patentieren zu lassen, verschenkt er seine Erfindung. 1993 macht CERN den Code für jeden frei zugänglich.

Das ­World Wide Web revolutioniert Kommunikation, Kommerz und Unterhaltung

Davon profitiert unter anderem der amerikanische Browserhersteller Netscape, der 1995 mit einem spektakulären Börsengang den Internetboom auslöst. Das rasant wachsende Angebot an Webseiten lockt nun immer mehr Neugierige ins Netz.

Innerhalb kürzester Zeit revolutioniert das ­World Wide Web so nicht nur Kommunikation, Kommerz und Unterhaltung: Es verschafft heute auch über 3,5 Milliarden Menschen einen nie dagewesenen Zugang zu Informationen.

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