Lemberg – Die bunte Mitte Europas

Lemberg oder Lwiw, spielt locker in einer Liga mit Wien, Prag und Budapest. Und tatsächlich gehörte die Stadt in der Westukraine einst zum Kaiserreich Österreich-Ungarn. Das sieht man bis heute. Aber auch der Rest der wechselvollen Geschichte hat Spuren hinterlassen und macht den Urlaub in der Stadt zu einer spannenden Zeitreise
Lemberg

In Lemberg säumen die verschiedenen Epochen breite Boulevards und kleine Kopfsteinpflastergassen

Lemberg im Überblick

Wo liegt Lemberg?
Die Stadt Lemberg ist die siebtgrößte Stadt der Ukraine und liegt ganz im Westen des Landes, bis zur polnischen Grenze sind es etwa 80 Kilometer.

Wie komme ich nach Lemberg?
Die polnische Grenze ist zwar gar nicht weit, aber von Dresden sind es dann doch gute acht Stunden Fahrzeit. Schneller geht's per Flugzeug!

Welche Fluggesellschaft fliegt nach Lemberg?
Der Flughafen von Lviv wird von den Fluggesellschaften Lufthansa, Austrian Airlines, KLM oder Polisch Airlines und seit kurzem auch von Ryanair angeflogen.

Gotik, Renaissance, Barock und Jugendstil – alles noch da. Und so säumen die verschiedenen Epochen breite Boulevards ebenso wie kleine Kopfsteinpflastergassen. Sogar die Straßenlaternen wirken, als könnten sie gut noch mit Gas betrieben sein. Cafés haben Tischchen und Stühle unter breiten Markisen aufgereiht, über den Straßen spannt sich ein Netz aus Oberleitungen und Straßenbahnen rumpeln durch das Stadtbild.

In Lemberg, heute Lviv, in der Ukraine hat alles eine gewisse Patina, aber eben auch ein ganz besonderes Flair. Lwiw ist keine tot sanierte Kulisse, sondern höchst lebendig.

Im Krieg ist Lemberg fast komplett heil geblieben. Später haben sich die Lemberger dann erfolgreich gewehrt, als die Russen alles planieren und zu einer kommunistischen Vorzeigestadt machen wollten.

Ein Glücksfall: So konnte die UNESCO das historische Stadtzentrum rund um den Rynok-Platz in die Liste des Weltkulturerbes eintragen. „Mit seiner städtischen Struktur und seiner Architektur ist Lwiw ein hervorragendes Beispiel der Verschmelzung von architektonischen und künstlerischen Traditionen Osteuropas mit denen von Italien und Deutschland", so heißt es in der offiziellen Erklärung der UNESCO.

Schaut man von oben auf Lemberg, erinnert es mit der Domkuppel und den Kirchtürmen tatsächlich an Florenz.

Lemberg

Schaut man von oben auf Lemberg, erinnert es mit der Domkuppel und den Kirchtürmen an das italienische Florenz

Von Lemberg zu Lviv

Leopolis, Lviv, Lwiw, Lwow – allein die vielen Namen verraten schon viel über die Vergangenheit Lembergs. Im 13. Jahrhundert wurde die Stadt von König Danylo gegründet. Den Königstitel ergatterte Danylo allerdings erst später, als er, politisch geschickt, zum Katholizismus übertrat. Er holte slawische, deutsche, jüdische und armenische Siedler und Kaufleute in die Stadt und brachte sie zum Blühen.

Über die Jahrhunderte gaben sich dann - salopp gesprochen - ruthenische, polnische, habsburger, deutsche und russische Herrscher die Klinke in die Hand. Was aber irgendwie auch einleuchtend ist, denn Lemberg liegt nahe der geografischen Mitte Europas.

Die polnische Grenze, zugleich die EU-Außengrenze, ist etwa 80 Kilometer entfernt und teilt nun die frühere Region Galizien in Südpolen und die Westukraine.
Galizien ist ein historisches Territorium und reichte ganz grob umrissen von Krakau und Warschau bis ins frühere Czernowitz. Es gehörte ständig wechselnden Staatsgebilden an.

Zu Zeiten der Habsburger war Galizien beispielsweise das östlichste und zugleich das größte Kronland der Monarchie, bewohnt von vielen Nationalitäten und Konfessionen, Deutsch war Lingua franca und Lemberg die Hauptstadt. Nach dem Ersten Weltkrieg verschwand der Name Galizien von der Landkarte. Multikulti ist aber geblieben: in Sprache, Religion und Kultur mit einer einmaligen Melange aus Kaffeehaustradition, Mehlspeisen, Klezmer-Musik und große Oper sowie einem Hauch von Orient.

Fenster zählen am Rynok-Platz

Lemberg Marktplatz

Im Herzen Lembergs, auf dem Rynok-Marktplatz wird flaniert

Am Rynok-Marktplatz schlägt das Herz von Lemberg. Hier wird flaniert, man verabredet sich auf einen Kaffee, beobachtet das Treiben und Besucher im Urlaub freuen sich an den zahlreichen historischen Häusern. Kleiner Tipp zur Datierung: In früheren Jahrhunderten durften sich nur wohlhabende Bürger am Rynok-Platz niederlassen. Ihr sozialer Status ließ sich an der Zahl der Fenster ablesen. Adlige und Geistliche durften sechs Fenster, Kaufleute und Handwerker nur drei besitzen. Erst im 18. Jahrhundert verlor die Regelung an Bedeutung.

Am Rynok-Platz befindet sich auch das Rathaus. Das Haus selbst ist schlicht, aber eine Turmbesteigung sollte man nicht versäumen. Von der Aussichtsterrasse eröffnet sich ein wunderschönes Panorama auf Lviv.  Das Zweite bietet sich übrigens von der Hochburg, wo Lemberg einst gegründet wurde. Heute sind nur noch einige Mauerfragmente übrig, der Ausblick über die Stadt ist aber nach wie vor herrlich. Besonders wenn abends die Türme, Kuppeln und Dächer in goldenem Licht baden.

Eng verbunden mit der Geschichte von Lemberg sind auch die verschiedenen Religionen und damit die Kirchen von Lviv. Einen Besuch wert sind beispielsweise:

  • die Marienkathedrale der römisch-katholischen Kirche.
  • die St. Georgs Kathedrale: griechisch-katholische Kathedrale im Rokokostil.
  • die Armenische Kirche, einst Mittelpunkt im armenischen Viertel von Lviv.
  • die Maria Himmelfahrts Kirche: Die Renaissance Kirche gehört heute zur orthodoxen Kirche der Ukraine.
  • die Dominikaner-Kathedrale, ein wunderschönes Beispiel für Lemberger Barock, mit einer die Skyline prägenden Kuppel.
  • die St. Elisabeth Kirche, Neugotik und heute griechisch-katholische Kirche.
  • und die Synagoge zur Goldenen Rose: Die einst prächtigstes Synagoge von Lemberg und Zentrum des jüdischen Gemeindelebens wurde von den Nazis zerstört. Galizien war bis dahin das Zentrum der chassidischen und kabbalistischen Bewegung. Anfang des 20. Jahrhunderts lebten mehr als 800.000 Juden dort.

Große Oper in Lemberg

Ihre Stimme soll sensationell gewesen sein und das Stimmvolumen über drei Oktaven gereicht haben. Die Rede ist von der Operndiva Salomea Krušel'nyc'ka, eine der berühmtesten Töchter von Lemberg und Namensgeberin für das hiesige Opernhaus. Für einen Besuch sprechen gleich mehrere Gründe: Es gilt nach wie vor als eines der schönsten Theater Europas, ein Meisterwerk der Neorenaissance. Innen prunkvolle Stuckarbeiten, kunstvolle Malereien und für die Vergoldungen wurden gleich mehrere Kilo von dem Edelmetall benötigt. Und dann die Akustik. Die ist auch ohne Salomea Krušel'nyc'ka beachtlich.

Ebenfalls am Stadtboulevard gelegen ist das Hotel George von 1901, das älteste bewirtschaftete Hotel in der Ukraine. Hier ist schon Honoré de Balzac abgestiegen.

Und gleich noch ein Superlativ: Der Lyčakiver Friedhof. Er ist als Landschaftspark gestaltet und ihm wurde der Rang eines Museums zugesprochen. Pompöse Mausoleen, rührende Grabfiguren, verwischte Fotoporträts, Inschriften in mehreren Sprachen und flackerndes Kerzenlicht sorgen für eine ganz eigene Atmosphäre.

Zum Urlaub hinter die polnische Grenze

Trotz Annexion der Krim: Die Westukraine ist friedlich und in Lemberg verläuft das Leben sowieso anders als im Osten des Landes. Das heutige Lviv orientiert sich nach Westen und in dieser Vision soll die polnische Grenze nicht die EU-Außengrenze bleiben. Das richtige Zeichen hatte ja bereits König Danylo gesetzt: Sein Übertritt zum Katholizismus wurde schon damals als Bekenntnis zum lateinischen Europa verstanden. Dennoch ist Urlaub in Lviv oder in Galizien noch ein Geheimtipp.

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