Lyon Ausflug zum Lichterfest

Lightshows, Laserstrahlen und Kerzen bringen Anfang Dezember die ganze Stadt zum Strahlen: Ein brillianter Bummel während der "Fête des Lumières"
Ausflug zum Lichterfest

Vier Nächte lang sorgen rund 70 Licht-Installationen für ein wahres Lichtermeer in Lyon

Tarzan schreit, der Donner grollt, und ich bewege mich durch grünes Dschungeldickicht, umspielt von hunderten feinster Lianen. Im nächsten Moment verwandeln sich die Lianen in leuchtend blaue Wasserrinnsale, dazu gluckst und tropft es. Die Lichtinstallation im Innenhof des Hôtel Dieu, des alten Hospitals von Lyon, schaut man sich nicht an – man taucht in sie ein. Zusammen mit anderen Passanten bewege ich mich durch ein Gewirr aus tausenden feiner Fäden, die von oben herabhängen und bald grün, bald blau schimmern, mal als Wasser oder Gras, dann wieder als Lianen erscheinen. Lyons Lichterfest bietet so einige Erfahrungen, die den Betrachter aus seiner Winterumgebung in gänzlich andere Gefilde spülen. Rund 70 Installationen und Projektionen blinken, strahlen und leuchten an jedem der vier Abende um die Wette, von hoher Kunst bis zu purem Kitsch. Die Fassaden der Kathedrale, der Basilika und der Prachtbauten aus dem 19. Jahrhundert, mit denen Lyon so reich gesegnet ist, erwachen unter den nächtlichen Lichtspielen zu neuem Leben, Teile des Stadtraums scheinen in eine andere Dimension abzudriften.

Selbst wenn man an allen vier Abenden der Fête des Lumières unterwegs sein sollte, wäre das ganze Programm kaum zu bewältigen. Besser, man hält sich an eine der Routen, die die Festivalmacher ersonnen haben (www.fetedeslumieres.lyon.fr, 5.–8. 12. 2014), oder lässt sich einfach treiben. Allerdings sollte man nicht allzu empfindlich auf Gedränge reagieren – bis zu vier Millionen Besucher verzeichnet Lyon (www.lyon-france.com) an seinen Lichtertagen. Vor allem bei den großen, erzählerischen Lightshows auf der Place des Terreaux vor dem Rathaus oder der Place de Bellecour wird es oft eng. Einheimische stehen dem Spektakel zuweilen mit gemischten Gefühlen gegenüber. Sie lieben vor allem die traditionelle Seite des Lichterfests – das Flackern tausender Windlichter, die die Bewohner am Abend des 8. Dezembers auf ihre Balkone und Fenstersimse stellen. In den ruhigeren Seitenstraßen der Presqu’île – der Halbinsel zwischen Rhône und Saône, die das Zentrum ausmacht – und entlang der Uferpromenaden beider Flüsse leuchtet’s besonders zauberhaft.

Tagsüber lohnenswert

Perlmuttfarben schimmern die Wasser von Saône und Rhône, weiß leuchten die sanft geschwungenen Flussbrücken, rosa und orange glühen die Häuser der Altstadt: Mit etwas Glück geraten bei klarem Dezemberwetter auch tagsüber Spaziergänge zu einem kleinen Lichterfest. Besonders schön ist es, über die Saônebrückenzwischen dem mittelalterlichen Vieux Lyon und der pariserisch anmutenden Neustadt auf der Presqu’île hin- und herzuwechseln. In Alt-Lyon erstrahlt die restaurierte Fassade der Kathedrale Saint-Jean in neuer Pracht. Auf dem Platz davor spielen während des Lichterfests auch tagsüber Musette- oder Brassbands. Gedämpfter ist die Atmosphäre in den vielen kleinen, Traboules genannten Passagen und Hausdurchgängen. In ihnen lässt sich tagsüber eine stille Stadt in der Stadt entdecken. Von den Hügeln über der Altstadt, auf der weithin sichtbaren Basilika Notre Dame de Fourviére, blinkt an sonnigen Tagen die goldene Marienstatue, mit der es eine ganz besondere Bewandtnis hat: Zur Einweihung am 8. Dezember 1852 war eigentlich ein großes Feuerwerk vorgesehen, das wegen schlechten Wetters dann allerdings abgesagt werden musste. Spontan stellten die Bewohner Lyons Kerzen in ihre Fenster und organisierten eine Prozession zu Ehren Marias – der Beginn der Lyonnaiser Lichtertradition, die seitdem jedes Jahr am 8. Dezember ihren Höhepunkt findet.

Weihnachtsmärkte in Lyon

Festliche Stimmung, Gewürzdüfte und Geschenkideen – auf den "Marchés de Noël" auf der Place Carnot und der Place de la Croix-Rousse drängen sich den ganzen Dezember über schon vormittags Einheimische und Zu gereiste. Mit ihren Buden und Ständen gleichen die Märkte auf den ersten Blick hiesigen Weihnachtsmärkten. Der Unterschied liegt im Detail: Im Kunsthandwerk aus der Region etwa oder den erstaunlich vielfältigen Geschmacksvarianten (Zimt-Orange!) der têtes de nègres – bei uns bekannt unter der politisch korrekten Bezeichnung "Schaumküsse".

Lichterfest im Museum

Es sieht aus wie eine Kreuzung aus Raumschiff und Rieseninsekt und steht an der Spitze der Halbinsel, wo Rhône und Saône zusammenfließen: das Musée des Confluences soll im Dezember eröffnet werden (Bd. des Belges 28, www.museedesconfluences.fr). Das spektakuläre Naturkunde- und Wissenschaftsmuseum ist die Krönung des neuen, hypermodernen Stadtteils Confluence, der auf dem ehemaligen Industrieareal entsteht. Das Lichterfest wird dort übrigens auf besonders urtümliche (und wärmende) Weise begangen: mit einem Feuer-Parcours entlang der neuen Marina.

Essen & Trinken

Auf den Straßen der Altstadt und der Presqu’île drängen sich Buden, die heiße Maronen, tartiflette (deftigen Käse-Kartoffel-Auflauf) und vin chaud (Glühwein) feilbieten. Die legendären Bouchons – einfache Kneipen mit deftiger Kost – sind noch voller als sonst. Trotzdem lohnt es sich, etwa im Café des Fédérations (Rue Major Martin 8, Tel. 0033-4-78 28 26 00, www.lesfedeslyon.com) Lyonnaiser Spezialitäten wie quenelles (Hechtklöße) oder den zarten tête de veau (Kalbskopf) zu probieren. In Edel-Bouchons wie Daniel et Denise (Rue de Créqui 156, Tel. 0033-4-78 60 66 53, www.daniel-et-denise.fr) sollte man allerdings rechtzeitig reservieren.

Schlafen

Mama Shelter Lyon

Wer dann, beseelt von Licht und Wein, den Heimweg antritt, hat es am besten nicht allzuweit. Cool, poppig, elegant, im Jean-Macé-Quartier, dem "Brooklyn" Lyons liegt das Mama Shelter Lyon (Rue Domer 13, Tel. 0033-4-78 025800, www.mamashelter.com).

Globe et Cecil Hôtel

Auf der Halbinsel an der Place Bellecour findet sich das klassische, gemütliche und individuelle Globe et Cecil Hôtel (Rue Gasparin 21, Tel. 0033-4-78425895, www.globeetcecilhotel.com).

Collège Hôtel

Eines der originellsten Boutique-Hotels von Lyon ist in einem alten Schulgebäude in der Altstadt untergebracht: Das Collège Hôtel (Place Saint-Paul 5, Tel. 0033-4-72100505, www.college-hotel.com) ist ebenso schlicht wie nostalgisch mit Accessoires aus der Schulwelt des letzten Jahrhunderts eingerichtet, vom Sprungbock als Rezeptionstresen bis zum Stahlspind auf dem Zimmer. Auch hier gilt: Rechtzeitig reservieren!

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