Restaurant-Tipps So lecker isst Paris: Die besten Adressen für Foodies und Gourmets

Wandbild einer Frau, davor Kuchentheke
Wegen der hervorragenden Küche kam unsere Autorin auf den Geschmack von Paris – und entdeckte Schmuckstücke wie dieses: In der Boutique Stohrer strahlen Kunden und Teilchen gleichermaßen
© Martin Bruno
Würzig duftet der Käse, herrlich schmecken die buttrigen Croissants: Mit seiner Küche verführt Paris die ganze Welt. Diese Adressen, von Café bis Chocolatier, sollten Foodies kennen

Meine Zuneigung zu Paris hat sich langsam entwickelt – wie ein gut gereifter Camembert oder Roquefort. Manche verlieben sich in den Eiffelturm, die Seine, die großen Boulevards. Für mich war es der Charme der fabelhaften ­Amélie (meinem absoluten Lieblingsfilm), dem ich sofort erlegen bin. Die Nebenfigur Lucien, der feinfühlige Gehilfe des Gemüsehändlers, bleibt mir unvergessen: Wer sonst spricht so zärtlich mit Artischocken und Auberginen? Ein bisschen ist auch die Netflix-Serie Emily in Paris schuld. Natürlich verliebt sich Emily in einen talentierten jungen Koch und entdeckt in Frankreich jene Freude, die Croissants und andere Leckereinen bringen können. Vor allem aber liegt es an Carrie Solomon, meiner Schwägerin, die seit 20 Jahren in Frankreich lebt. 

Frau auf Bank zwischen zwei eingedeckten Tischen mit Gläsern und Gerichten
In ihrem Restaurant Chez Carrie serviert Inhaberin Carrie Solomon Fusion-Kitchen – und Tipps für die besten Lokale der Stadt
© Joann Pai

Mit Chez Carrie hat sie ihr eigenes Restaurant eröffnet. Vorher war sie Food-Fotografin und hat als "Cheffe" für verschiedene Restaurants die Speisekarten gestaltet. Seit sie ihr eigenes Lokal hat, trifft man sie vor allem in der Küche. Bedeutet: Wenn ich sie sehen will, muss ich nach Paris. Und wenn ich die besten Food-Spots der Stadt finden will, frage ich Carrie. Je öfter ich Carrie besuche, je mehr Kilometer ich durch die Stadt spaziere, je mehr ich mich durchprobiere und über Märkte bummele, desto mehr mag ich Paris: die versteckten Ecken, Passagen und Gassen, die alten Kinos, kleinen Boutiquen und Bistros. Vor allem aber die Boulangeries, Pâtisseries, Fromageries, Chocolatiers. Paris möchte erlaufen, erobert und erschmeckt werden.

Alles in Butter, alles rosé

Der Duft der XXL-Croissants bei French Bastards, die raffinierte Käseauswahl bei Taka & Vermo, die zu Pyramiden gestapelten Erdbeeren bei Le Palais du Fruit auf der Fressmeile Rue Montorgueil, ein Glas Rosé bei Rosa Bonheur à l’Est: All das ist, finde ich, genau so schön, wie der glitzernde Eiffelturm im Abendlicht, wie das Lächeln der Mona Lisa oder die Wasserspiele im Schlosspark Jardin du Luxembourg.

Zwei Gläser mit Eis auf silbernem Tablett
Süße Verführung: Das Plaq versteht sich auf Schokolade in all ihren Formen und Farben, auch als Pistazien- und Schoko-Sorbet
© PR

Im Frühling blüht Paris auf. Gärten, Stadtparks und Straßencafés füllen sich. Egal ob mittags oder abends, die Parisiens gehen viel und gern essen. Ganz klassisch bestellen sie im Bistro Radieschen mit Butter und Salz, Spargel mit Senf-Vinaigrette oder Eier mit Majonnaise. Manche entscheiden sich für das südamerikanische Fisch-Carpaccio Ceviche oder die koreanische Dessertvariante Bingsu, sie begeben sich auf eine kulinarische Weltreise von der Normandie bis Peru, von der Insel Mauritius bis Laos. Denn auch das ist Paris – eine unerhörte Vielfalt an Küchen und Geschmackserlebnissen. Manchmal picknicken die Einwohner an der Seine oder am Canal Saint-Martin, beißen in ein Sandwich, trinken dazu ein Glas Wein. Gut essen, trinken und übers Kochen fachsimpeln – das ist eine französische Lieblingsbeschäftigung.

Auf dem Markt: Explosion der Farben

Einer der Hotspots für Feinschmecker und Chefköche ist der Marché des Enfants Rouges im Viertel Marais, der älteste, gedeckte Markt von Paris. Hier gibt es fast alles, was Appetit macht: knackige grüne Prinzessbohnen, blassgelben Chicorée, rot-orangenen Mangold, violette Artischocken, güldene Mirabellen und bei Petite Ferme d’Inès noch einen frischen Ziegenkäse mit Brennnesseln – cremig und wild. Außerdem vietnamesische Bo Bun, bretonische Galettes bei Chez Lulu und frische Austern bei Pleine Mer.

Vom Beet auf den Teller: Im Herzen von Paris servieren Mitarbeitende der Öko-Farm Plantation das, was sie über den Dächern der französischen Hauptstadt angebaut haben
Vom Beet auf den Teller: Im Herzen von Paris servieren Mitarbeitende der Öko-Farm Plantation das, was sie über den Dächern der französischen Hauptstadt angebaut haben
© PR

Carrie nimmt mich mit zu Terroirs d’Avenir, von denen sie Gemüse und so ausgefallene Kräuter wie Zitronenverbene, Salzkraut und Blaubeerminze bezieht. In ihrem Restaurant kreiert Carrie fast ausschließlich vegetarische, amerikanisch-mediterrane Fusion-Gerichte. Unterwegs holen wir noch Schokolade bei Plaq, einer puristischen kleinen Kakao-Manufaktur. Außerdem packen wir drei Sauerteigbrote ein und Espressobohnen bei Ten Belles, einer hippen Rösterei und Bäckerei. 

C’est trop bon! Die Mischung macht's

Allen Vorurteilen zum Trotz, bin ich ich selten so aufmerksam bedient worden wie in Paris. In den meisten Lokalen wird guter Service zelebriert und geschätzt, sind in der Restaurantmannschaft auch fast immer Absolventen der renommierten Hotelfachschulen dabei. An der Freundlichkeit und den Englischkenntnissen wurde eindeutig gefeilt – und an der Diversität. So viele spezialisierte Food-Läden habe ich in dieser Dichte noch nicht gesehen.

Personen auf Dachgarten, im Hintergrund Skyline
Der Gemüsegarten Plantation liegt in 15 Metern Höhe. 2021 riefen zwei Visionäre das ökologisch orientierte Farm-Projekt ins Leben. Eine in jeder Hinsicht überragende Idee
© PR

In der Meringaie, weiß und clean wie eine Zahnarztpraxis, gibt es nur fast schwereloses Schaumgebäck, die Meringues, bei Lemon Story in Montmartre Zitrusfrüchte in allen Formen und Farben, im Atti Café koreanischen Maroni Latte und in der Maison de la Pistache alles rund um die Pistazie (das Eis ist himmlisch!). Ständig kommen neue Orte hinzu: etwa die Markthalle La Communale in den Docks des Flohmarktviertels Saint-Ouen – unter dem historischen Gewölbe eröffnete der größte Food Court Europas. Oder die urbane Öko-Farm Plantation Paris: In 15 Metern Höhe auf einem Dach in Montmartre wurde auf 7000 Quadratmetern ein Gemüsegarten angelegt. In den Gewächshäusern wachsen bunte Tomaten, Salate und Gurken, zwischen Beeten und Stauden kann man in der Rooftop-Bar Bio-Wein und Saft probieren.

Paris für Foodies: Die besten Adressen

Für ihren Städtetrip nach Paris holte sich unsere Autorin Tipps bei einer wahren Pariser Feinschmeckerin. Ihre besten Adressen, von Café bis Chocolatier:

 

Marché des Enfants Rouges: Der älteste gedeckte Wochenmarkt von Paris, gegründet im Jahr 1615. Rue de Bretagne 39, Marais, 3. Arrondissement (Arr.)

 

Terroirs d’Avenir: Verschiedene Läden mit unterschiedlichen Schwerpunkten bieten mal Backwaren, mal Fisch aus nachhaltigem Fang, mal Kräuter und Gemüse – Letzteres in der Rue du Nil 7, 2. Arr.

 

Plantation Paris: Stadtbauernhof mit urbanem Gemüsegarten, hoch über den Dächern von Montmartre. Rue des Cheminots 37, 18. Arr.

 

La Communale: Markthalle und gigantischer Food-Court in den Docks von Saint-Ouen. Rue de l’Hippodrome, 10 Arr.

 

Rue Montorgueil: Restaurantstraße mit altem Pariser Charme: Kopfsteinpflaster, Boutiquen und kulinarische Highlights von Fromagerie bis Pâtisserie. Rue Montorgueil, 1. & 2. Arr.

 

Marché Biologique Raspail: Sonntags gut sortierte Bioauswahl, von Avocado-Sandwich bis Honig aus Belleville. Boulevard Raspail, 6. Arr.

 

Le Palais du Fruit: Königliche Auswahl an Obst und Gemüse im "Palast der Früchte". Rue Montorgueil 62, 2. Arr.

 

The French Bastards: Riesige Croissants und XXL-Pain au chocolat. Mittlerweile gibt es verschiedene Läden, der erste war in der Rue Oberkampf 61, 11. Arr.

 

Stohrer: Seit 1730 gibt es die älteste Konditorei von Paris in den Salons aus der Zeit von Louis XV. Rue Montorgueil 51, 2. Arr.

 

Berthillon: Die Eisdiele ist ein Klassiker auf der Ile St. Louis. Rue Saint-Louis en l’Ile 29-31, 4. Arr.

 

Fruttini: Zwei Läden bieten fruchtige Sorbets, serviert in geeisten Früchten. Rue Saint-Placide 24, 6. Arr.

 

Maison de la Pistache: Bestes aus der Pistazie, vor allem zu empfehlen ist das fantastische Eis. Unter anderem in der Rue du Bac 65, 7. Arr.

 

Ten Belles: Süßes, Sauerteig-Brote, Kaffee in der Sonne – besonders schön ist das Café in der Rue de la Grange aux Belles 10, 10. Arr.

 

Atti Café: Kaffee und Desserts, modern interpretiert auf Koreanisch. Rue de Mulhouse 3, 2. Arr.

 

La Meringaie: Meringues, Macarons, Pavlova – niedliche Pâtisserien mit noch süßeren Desserts, zum Beispiel an der Rue de Lévis 21, 17. Arr.

 

PlaqSchokoladen-Manufaktur mit klarem Konzept – authentisch, einfach, lecker. Rue du Nil 4, 2. Arr.

 

Lemon Story: Die Regale im Feinkostgeschäft füllen seltene Zitrusfrüchte, Limoncello, Marmeladen & Co. Rue Garreau 1, 18. Arr.

 

Du Pain et des Idées: Leckeres "Pains des amis“ ("Brot von Freunden"), köstliche Apfel-Taschen, Schokolade-Pistazien-Schnecken und seit neuestem auch Pizza to go. Rue Yves Toudic 34, 10. Arr.

 

Taka & Vermo: Ein Käse-Paradies für Feinschmecker, mit ausgefallenen Sorten. Rue du Faubourg St. Denis 61bis, 10. Arr.

 

Rosa Bonheur à l'Est: Liegestühle und Beachflair mit Seeblick, dazu Rosé und Holzofenpizza. Porte Jaune, Av. de Nogent, 12. Arr. 

 

Datil: Grüne und weibliche Sterneküche mit spannendem 7-Gänge-Dinner. Rue des Gravilliers 13, 3. Arr.

 

Shuzo: Japanisch-kolumbianischer Neuzugang von Chef Andrés Ramirez. Rue Saint-Sébastien 41, 11. Arr.

 

Mantra: Raffinierte französisch-malaiische Fusion-Küche von Manogeran Shasitharan, im Oktober 2025 eröffnet. Rue Claude Rodier 17, 9. Arr.

 

Gramme 11: Asiatisch angehauchte Küche und angenehme Terrasse. Rue Jean-Pierre Timbaud 96, 11. Arr.

Am Sonntagmorgen, Carrie ist schon wieder in der Küche verschwunden, um ihren Brunch vorzubereiten, zieht es mich nach Saint-Germain, zum Bio-Wochenmarkt auf dem Boulevard Raspail. Der Duft von Crêpes, Kaffee, Oliven und Lavendelseife liegt in der Luft. Zwischen den Ständen mit Biohonig aus Belleville, Melonen, Aprikosen und Avocado-Toasts mischen sich Studierende, ältere Damen mit Hund und Gourmands aus aller Welt. Sie alle haben nur eins im Sinn: das Leben heute und jetzt genießen. Aus ganzem Herzen und mit vollem Mund.

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